Franz Josef Ludy (* 1933 in HamburgDieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117, †, unbekanntLaut einem Artikel von Dominic Körner in Badische Neueste Nachrichten unter dem Titel: Gefährlicher Straftäter. Wie Peter Meizinger aus Jöhlingen einem Serienmörder begegnet ist vom 4. Juni 2024. Dort Zitat: „Vor einigen Jahren stirbt Ludy.“) ist ein deutscher Serienmörder, der zwischen 1952 und 1968 vier Menschen getötet hat und der zu dreimal lebenslänglicher Freiheitsstrafe zuzüglich 15 Jahren verurteilt wurde.Julia und Peter Murakami: Lexikon der Serienmörder. 450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart München 2001, S. 117 Die Bild-Zeitung bezeichnete ihn als „einen der größten Lustmörder in der deutschen Kriminalgeschichte“. Obgleich wegen Mordes verurteilt, versuchte er, die Bezeichnung als Mörder in der Boulevardpresse mit der Begründung zu unterbinden, er habe lediglich getötet und nicht gemordet.
Vorleben Ludy war einziger Sohn eines Tischlers neben acht Schwestern.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Mit 15 Jahren stürzte er beim Aufspringen auf eine fahrende Straßenbahn, stand zunächst wieder auf und brach erst nach einigen Schritten bewusstlos zusammen.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Danach trat er erstmals strafrechtlich in Erscheinung: Wegen des Diebstahls von Funklotterie-Postkarten im Wert von 32 DM verlor er außerdem seine Anstellung bei der Post, in deren Rahmen er bisher als Geldbriefträger Beträge von bis zu 30.000 DM ausgetragen hatte. Die erste und einzige Freundschaft zu einem Mädchen wurde von seiner Mutter zerstört; bis zu seiner Verurteilung hatte Ludy nie wieder eine Beziehung zu einer Frau.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117
In der Folgezeit verließ er das Elternhaus und streifte bis nach Süddeutschland, in die DDR, in die Schweiz und nach Belgien herum und lebte teilweise unter falschem Namen.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 In dieser Zeit unternahm er in Hamburg in der Toilette eines Zuges einen Suizidversuch mittels Schlaftabletten.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117
Taten Mit 19 tötete er einen zwölfjährigen Jungen und wurde dafür als Heranwachsender zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt. Tatwerkzeug war eine Mistgabel.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Nach der vorzeitigen Entlassung folgten zahlreiche Sexualverbrechen und Mordversuche an Kindern.
1956 schlug er einem 13-Jährigen einen Stein auf den Kopf; dieser überlebte, obgleich durch den Schlag das Gehirn aus dem Schädel ausgetreten war, mit bleibenden Schäden.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117
Am 18. September 1961 schoss er auf einen Siebenjährigen, den er in Rottweil entführt hatte, würgte ihn und stieß ihn aus seinem Auto.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118 Das Kind überlebte.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118 Am 28. September 1961 erschoss er im Schwetzinger Staatswald einen 57 Jahre alten Mann sowie dessen 37-jährige Freundin mit einer Pistole, die er stets bei sich trug.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118
Anschließend folgten wiederum diverse Sexual- und Freiheitsdelikte sowie Mordversuche. Unter anderem entführte und missbrauchte er im November 1964 in Hamburg ein neun Jahre altes Mädchen.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118
Das letzte Opfer Ludys war am 16. Februar 1968 ebenfalls ein sieben Jahre alter Junge aus Hamburg-Harvestehude, den er zunächst entführt, sexuell missbraucht und erschlagen hatte. Nachdem die Leiche am 18. Februar in Bokel entdeckt worden war, wurde Ludy am 20. Februar 1968 in Bönningstedt festgenommen. Bei seiner Festnahme trug er eine Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter bei sich.J.W. Wohldorf, C. von Bezold: Täter gestand weitere drei Morde. Im Hamburg bereits zweimal verurteilt und Das Verhör des Mörders wurde zu einer Bilanz des Grauens, Hamburger Abendblatt vom 21. Februar 1968, S. 1, 3Allein im letzten Jahr habe ich mich an über 100 Jungen vergangen. Grauenhafte Geständnisse des Mörder Ludy vor der Kripo, Hamburger Abendblatt vom 22. Februar 1968, S. 1, 3Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118Julia und Peter Murakami: Lexikon der Serienmörder. 450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart München 2001, S. 118
Urteil Sein Prozess wurde vor dem Landgericht Mannheim geführt. Am 25. Februar 1972 wurde er verurteilt.Werner Birkenmaier: Von der Mutter verfolgt? Ludy-Prozeß: An der Grenze zwischen gesund und krank, DIE ZEIT vom 25. Februar 1972 Die Untersuchung des voll geständigen Ludy ergab, dass er bei dem Verkehrsunfall 1948 ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte. Er selbst sagte vor dem Schwurgericht: „Seit dem Unfall ging bei mir alles schief.“Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Ferner gab er an, sich an die Taten stets nur fragmentarisch erinnern zu können.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118 Das Gericht war daher der Ansicht, dass seine Schuldfähigkeit erheblich eingeschränkt sei.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Gleichwohl verurteilte es ihn wegen vollendeten Mordes in drei Fällen, versuchten Mordes in drei weiteren Fällen sowie Unzucht mit Kindern in vier Fällen, zum Teil in Tateinheit mit Freiheitsberaubung.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 117 Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass Ludy mit gut hundert Jungen sexuellen Kontakt gesucht hatte.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118 Eine in erster Linie hinsichtlich des Strafmaßes von der Verteidigung eingelegte Revision hatte keinen Erfolg.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118 Ebenso scheiterte der Versuch, eine einstweilige Verfügung gegen den Axel-Springer-Verlag zu erwirken, weil die Bild-Zeitung Ludy bereits vor der Verurteilung als Mörder bzw. „einen der größten Lustmörder in der deutschen Kriminalgeschichte“ bezeichnet hatte.Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon. Herrsching 1984, S. 118
In der Justizvollzugsanstalt Bruchsal saß er einen Teil seiner Gefängniszeit ab. Laut einem Zeitungsartikel der Badische Neueste Nachrichten aus dem Jahre 2024 ist Ludy inzwischen verstorben.
Rezeption Helga Goetze befasste sich in einem Gedicht mit dem Titel Wir sind alle Mörder mit Ludy.Zeugnisse eines Aufbruchs: Gedichte aus den Jahren 1970 bis 1973, abgerufen am 22. Mai 2019
Einzelnachweise
Literatur Peter Murakami, Julia Murakami: Lexikon der Serienmörder. 450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart; München: Ullstein, 2001; ISBN 3-548-35935-3 Dieter Sinn: Das große Verbrecherlexikon.; Herrsching: Pawlak, 1984; ISBN 3-88199-146-8
Kategorie:Deutscher Kategorie:Kriminalfall (20. Jahrhundert) Kategorie:Serienmörder (Deutschland) Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Mann