Chernobyl ist eine US-amerikanisch-britische Miniserie der Sender HBO und Sky über die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Die Serie wurde vom 6. Mai bis zum 3. Juni 2019 erstmals ausgestrahlt.

Schöpfer der Serie ist Craig Mazin. Die Regie führte Johan Renck. In den Hauptrollen sind Jared Harris, Stellan Skarsgård und Emily Watson zu sehen. Die bisher wichtigste Auszeichnung für die Serie war der Golden Globe, den Chernobyl 2020 in der Kategorie Beste Miniserie oder Fernsehfilm erhielt.

Inhalt Die Serie zeigt die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 und stützt sich dabei weitgehend auf reale Gegebenheiten. Zentrale Figuren sind der Wissenschaftler Waleri Legassow, der von der Regierung als Experte nach dem Unglück hinzugezogen wird, und der Politiker Boris Schtscherbina, dem die Verantwortung für die Reaktion auf das Unglück übertragen wurde.

Episodenliste

Entstehung und Veröffentlichung Figur Darsteller Deutscher Sprecher Waleri Legassow Jared Harris Romanus Fuhrmann Boris Schtscherbina Stellan Skarsgård Detlef Bierstedt Ulana Chomjuk Emily Watson Sabine Falkenberg Ljudmila Ignatenko Jessie Buckley Anna Grisebach Wassili Ignatenko Adam Nagaitis Jeremias Koschorz Alexander Akimow Sam Troughton Gerrit Hamann Leonid Toptunow Robert Emms Konrad Bösherz Anatoli Djatlow Paul Ritter Uwe Büschken Wiktor Brjuchanow Con O’Neill Tobias Lelle Nikolai Fomin Adrian Rawlins Rainer Doering Wiktor Proskurjakow Karl Davies Patrick Keller Michail Gorbatschow David Dencik Frank Röth Scharkow (Žarkov) Donald Sumpter Rainer Gerlach General Wladimir Pikalow Mark Lewis Jones Axel Lutter General Nikolai Tarakanow Ralph Ineson Peter Flechtner KGB-Vorsitzender Tscharkow Alan Williams Thomas Kästner Anatoli Sitnikow Jamie Sives Rainer Fritzsche Alexander Juwtschenko Douggie McMeekin Pawel Barry KeoghanPaul-Lino Krenz Bacho Fares Fares Sven Brieger Andrei Gluchow Alex Ferns Lutz Schnell Andrei Stepaschin Michael McElhatton Oliver Siebeck

Die Produktion begann im April 2018 in Litauen. Die Dreharbeiten begannen am 13. Mai 2018 in Fabijoniškės, einem Wohngebiet in Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Der Stadtteil kommt sehr nah an die Atmosphäre der Sowjetunion heran und dient der Darstellung der ukrainischen Stadt Pripyat. Die dicht an dicht gebauten Plattenbauwohnungen dienten als Kulisse für die Evakuierungsszenen. Regisseur Johan Renck gefielen die auffälligen modernen Fenster in den Häusern nicht, er ließ sie aber in der Postproduktion nicht entfernen.

Da eine Vielzahl an Wissenschaftlern mit der Katastrophe sowie der Aufbereitung des Hergangs beschäftigt waren, entschied man sich, die Figur einer fiktiven Wissenschaftlerin zu erschaffen, die symbolisch für die Arbeit aller anderen stehen sollte. Die Figur Ulana Chomjuk wurde auch deshalb ausgewählt, um zu zeigen, dass Frauen in der UdSSR stark in der Gesellschaft vertreten waren und dabei auch leitende Funktionen übernahmen.

Ende März wurde weiter in Visaginas gedreht. Hauptkulisse war das Innere des stillgelegten Kernkraftwerks Ignalina, das wegen seiner optischen Ähnlichkeit zu Tschernobyl ausgewählt wurde. Ignalina wird manchmal als „Schwester von Tschernobyl“ bezeichnet und hatte ebenfalls einen RBMK-Kernreaktor. Ab Anfang Juni 2018 wurde in der Ukraine gedreht, hauptsächlich kleinere Endsequenzen. Die Dreharbeiten zu Chernobyl dauerten insgesamt 16 Wochen.

Die Filmmusik zu Chernobyl wurde von Hildur Guðnadóttir komponiert. Dafür nahm sie im Kernkraftwerk Ignalina, das als Hauptkulisse für die Serie diente, Geräusche auf und fügte diese am Computer zu Klangcollagen zusammen. Diesen Ansatz nennt sie „faktenbasierte Musik“. Der Soundtrack umfasst 13 Musikstücke und wurde am 31. Mai 2019 von der Deutschen Grammophon digital veröffentlicht.

Die Serie wurde vom 6. Mai bis zum 3. Juni 2019 erstausgestrahlt. Die deutsche Synchronisation wurde bei der Scalamedia nach einem Dialogbuch von Robert Golling und unter der Dialogregie von Cay-Michael Wolf erstellt. Im deutschsprachigen Raum war die Serie vom 14. Mai bis zum 11. Juni 2019 beim Sender Sky Atlantic HD im Fernsehen zu sehen und zudem über Sky Ticket abrufbar. Des Weiteren ist sie auch bei Maxdome und Prime Video oder als DVD oder Blu-ray verfügbar. Am 12. April 2021 zeigte ORF 1 in Österreich als deutschsprachige Free-TV-Premiere alle fünf Folgen hintereinander. auf ORF1; abgerufen am 12. April 2021. Ebenfalls ab dem 12. April 2021 folgte an drei aufeinanderfolgenden Montagen die Ausstrahlung bei ProSieben.ProSieben zeigt die Serie Chernobyl ab 12. April; auf der Website von ProSieben; abgerufen am 31. März 2021

Kritiken Schon aufgrund des Themas wurde die Serie in der Presse oft besprochen, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes wohlwollende Besprechungen und ordnet die Serie als „Verbrieft Frisch“ ein. Metacritic ermittelt eine Durchschnittswertung von Punkten entsprechend „Einhelligem Lob“. Auch viele Zuschauer waren begeistert. Die Serie machte Schlagzeilen, weil sie kurz nach der Ausstrahlung einige Monate lang mit einer Wertung von 9,7 von 10 Punkten die bestbewertete Fernsehserie in der Filmdatenbank IMDb war, Stand Februar 2024 gehört sie mit einer Wertung von 9,3 dort weiterhin zu den Top 5.

Allerdings sahen Kritiker durchaus Schwächen beim Realismus. Die Süddeutsche Zeitung kritisierte besonders die Übertreibung der Gefahren durch den Unfall:

Der Spiegel sah Parallelen zur Gegenwart:

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung würdigt die Eindringlichkeit der filmischen Umsetzung und problematisiert mangelnde Technologiefolgenabschätzung und deren Vertuschung:

Das im angelsächsischen Raum bedeutende Wirtschaftsmagazin Forbes kritisierte die übertriebenen, auf Effekthascherei ausgelegten Darstellungen, ohne einigermaßen seriös und wissenschaftlich die Folgen der Strahlenbelastung darzustellen:

Der Historiker Serhii Plokhy, Autor eines Sachbuchs über die Nuklearkatastrophe, bescheinigte der Serie, die Lebenswelt der politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in der Sowjetunion visuell besser dargestellt zu haben, als alle anderen westlichen und meisten postsowjetischen Fernsehproduktionen, auch wenn sie inhaltliche Fehler enthalte. Die „meisterhafte und anschauliche Darstellung des Kontextes“ sei der wichtigste Beitrag der Serie für das Verständnis der Ereignisse von Tschernobyl und der Herausforderungen im Umgang mit der Kernenergie.

Die russischen Staatsmedien warfen der Serie reflexartig den Standardvorwurf gegen alles Westliche in der russischen Propaganda, nämlich Russophobie vor. Die Serie sei „westliche Propaganda, die die Hirne unserer Jugend vernebelt und diese auf den falschen Pfad zwingt“. Die Rossijskaja gaseta sprach von „Aufspaltung der Hirnzellen“ aufgrund minutiös gesuchter Detailfehler wie verglaster Balkone. Angebliche Fehler wurden aber auch sogleich im Internet als korrekt widerlegt, dies trotz des auch politisch erfolgreichen „Unsrigen“-Konzepts (swoi-tschuscho): Den „Unsrigen“ wird grundsätzlich mehr vertraut als „Fremden“, die per se bestimmt etwas Aufrührerisches im Sinne haben, einfach, weil sie „Fremde“ sind. Also alles, was in Russland nicht funktioniere, dürfe auch heute nicht vom Ausland kritisiert werden, auch wenn die Russen nichts lieber machten, als ansonsten genau darüber zu jammern.

Der Film habe die Russen aus dem „Informationssarkophag“ herausgeholt, schrieb hingegen Andrei Kolesnikow vom Moskauer Carnegie-Zentrum; Moskauer Buchläden meldeten einen vervielfachten Absatz des Buches von Swetlana Alexijewitsch über Tschernobyl.

Auszeichnungen Golden Globe Awards 2020 (2 Auszeichnungen, 4 Nominierungen) Beste Miniserie oder Fernsehfilm Bester Nebendarsteller – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm – Stellan Skarsgård

Primetime-Emmy-Verleihung 2019 (10 Auszeichnungen, 19 Nominierungen) Outstanding Limited Series Outstanding Writing For A Limited Series, Movie Or Dramatic Special – Craig Mazin Outstanding Directing For A Limited Series, Movie Or Dramatic Special – Johan Renck Outstanding Cinematography For A Limited Series Or Movie – Jakob Ihre Outstanding Music Composition For A Limited Series, Movie Or Special (Original Dramatic Score) – Hildur Guðnadóttir Outstanding Production Design For A Narrative Period Or Fantasy Program (One Hour Or More) Outstanding Single-Camera Picture Editing For A Limited Series Or Movie – Simon Smith Outstanding Sound Editing For A Limited Series, Movie Or Special Outstanding Sound Mixing For A Limited Series Or Movie Outstanding Special Visual Effects In A Supporting Role

Grammy Awards 2020 Best Score Soundtrack for Visual Media – Hildur Guðnadóttir

Venice TV Award 2019 Gewinner der Kategorie Beste TV Serie, tvmoviefix.com; abgerufen am 14. April 2021.

Literatur Lars Koch: Unverfügbarkeit erzählen. Die Angstästhetik der HBO-Serie „Chernobyl“. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Bundeszentrale für politische Bildung, Jg. 76, Nr. 18–19, 24. April 2026, S. 32–37.

Weblinks Offizielle Website der Miniserie Chernobyl bei HBO.com (englisch)

Chernobyl bei Sky.de

Einzelnachweise

Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Fernsehserie (Home Box Office) Kategorie:Nuklearkatastrophe von Tschernobyl Kategorie:Kernenergie im Film