mini|Das Schwimmdock Daressalam mit dem Schiff Safari (1.433 BRT) der DOAL (Foto von Kurt von Schleinitz, aufgenommen zw. 1907 und 1914) Das Schwimmdock Daressalam war ein tauchfähiges Pontonsystem zur Wartung von Schiffen. Es war von 1902 bis 1914 das erste Schiffsdock des Hafens Daressalam und der ostafrikanischen Küste. Als Gouvernements-Schwimmdock gehörte es dem Fiskus der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Es war damit ein fiskalisches Schiffsfahrzeug und Teil der Flottille des Schutzgebietes., in: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. I. Bd., Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 470., in: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. I. Bd., Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 644 f. Kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Dock als Hafensperre versenkt.Reinhard K. Lochner: Kampf im Rufiji-Delta – Das Ende des Kleinen Kreuzers »Königsberg«. Die deutsche Marine und Schutztruppe im Ersten Weltkrieg in Ostafrika. Heyne Verlag, München 1987, ISBN 3-453-02420-6, S. 72.

Konstruktion + Daten des Schwimmdocks DaressalamOhne Verfasser: Das neue Schwimmdock in Dar-es-salaam, in: Hansa – Deutsche Nautische Zeitschrift. 37. Jg. (1900), S. 418 (online auf digishelf.de).Ohne Verfasser: German East Africa – Floating Dock at Dar-es-salam, in: The Board of Trade Journal. XLI. Jg., Nr. 331, 2. April 1903, S. 31 (online bei Google-Books). Kenngröße Wert/Beschreibung Bauwerft Howaldtswerke Baukosten 660.000 MarkOhne Verfasser: Ostafrika. In: Deutsche Kolonialzeitung. 17. Jg. (1900), Ausg. Nr. 15 vom 12. April 1900, S. 157. Fertigstellung 1900 Inbetriebnahme 1902 Länge 64,77 Meter (213 Fuß) Breite 22 Meter (72 Fuß) Lichte Weite 17 Meter (56 Fuß) max. Tiefgang (Docken) ca. 6 Meter (20 Fuß) Anzahl Pontons 4 Länge eines Pontons 15,24 Meter (50 Fuß) max. Hebekraft 1.800 Tonnen Verbleib 1914 als Sperre versenkt

Das Dock war ein zweiseitiges stählernes Ponton-Schwimmdock. Den Boden bildeten vier Pontons, die zu Wartungszwecken abmontiert werden konnten. Die Pontons waren mit Zwischenräumen von 1,27 Metern angeordnet. Auf dem Boden standen die beiden länglichen Seitenwände. In dem Dock befanden sich eine Dampfmaschine, Pumpen sowie Luft- bzw. Wassertanks. Zur Aufnahme eines Schiffes wurden die Tanks teilweise mit Wasser gefüllt, bis das Dock sich so weit senkte, dass ein Schiff zwischen die beiden Seitenwände des Docks einfahren konnte. Zur Hebung des Docks trieb die Dampfmaschine die Pumpen an, wodurch sich die gefluteten Tanks wieder entleerten und das Dock Auftrieb bekam. Das Dock – samt dem darin befindlichen Schiff – wurde dadurch aus dem Wasser gehoben. Die Lage des Schiffes sicherten Stützbalken, die sich in den Dockwänden befanden und den Schiffsrumpf seitlich fixierten. Die Hebekraft bewältigte die um das Jahr 1900 auf der ostafrikanischen Marinestation befindlichen Kleinen Kreuzer sowie Handelsschiffe mittlerer Größe und Küstenschiffe. Ein Überstehen von Bug und Heck des Schiffes war in den Grenzen des Gleichgewichts und der Belastbarkeit möglich. Bei Senkungsproben stand die Wasserlinie sechs Meter über dem Fußpunkt des aufnehmenden Schiffes. Die Hebung erfolgte binnen etwa einer Stunde.Ohne Verfasser: Schwimmdock in Dar-es-salaam. In: Deutsche Kolonialzeitung. 19. Jg. (1902), Ausg. Nr. 52 vom 25. Dezember 1902, S. 528.

Für die Hebung von Schiffen mit über 100 Meter Länge hätte das Dock verlängert werden müssen. Durch das Hinzufügen von drei weiteren Pontons und die Verlängerung der Seitenwände wäre die Hebekraft auf rund 3000 Tonnen gesteigert worden. Das war aber nur eine Planung und wurde, soweit bekannt, nicht umgesetzt.

Betrieb mini|links|Sicht von einer der Seitenwände auf das Dock; gut erkennbar sind der Schornstein der Dampfmaschine (rechts) und die seitlichen Stützbalken (links). Foto von 1907, während des Besuchs von Staatssekretär Dernburg. In dem Dock führten die Flottillen-Werkstätten des Gouvernements Wartungen an deutschen und ausländischen Schiffen aus. Die Angestellten unterstanden direkt dem Kaiserlichen Gouvernement. Im Juni 1903 waren drei Europäer und fünfzig Nicht-Europäer als Handwerker bei den Werkstätten beschäftigt.Ohne Verfasser: Farbige Handwerker. In: Deutsche Kolonialzeitung. 20. Jg. (1903), Ausg. Nr. 50 vom 10. Dezember 1903, S. 509. Die Aufsicht über den Betrieb lag beim seemännischen Beirat des Kaiserlichen Gouvernements.Vorschriften betreffend Benutzung des Schwimmdocks in Daressalam vom 30. Juni 1904, in: Kaiserliches Gouvernement von Deutsch-Ostafrika (Hrsg.): Die Landes-Gesetzgebung des deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiets. 2. Aufl., Tanga/Daressalam 1911, S. 504 ff. (online bei der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main). Zu den angebotenen Leistungen zählten neben Säuberungen und Anstrichen auch Reparaturen am Schiffsrumpf. Zudem boten die Werkstätten jede Art von Holz- und Metallbearbeitungen an. Das Dock führte ein weißes AnkerlichtHeinrich Schnee: Hafen-Ordnung für den Hafen von Daressalam. In: Kaiserliches Gouvernement von Deutsch-Ostafrika (Hrsg.): Amtlicher Anzeiger für Deutsch-Ostafrika. XIV. Jg. (1913), Ausg. Nr. 50 vom 13. September 1913, S. 131. und war durch zwei Schifffahrtszeichen (Tonnen) gekennzeichnet.

Laut Gebührentarif vom 30. Juni 1904 kosteten die ersten 24 Stunden Liegezeit inklusive Ein- und Ausdocken pro Registertonne bis einschließlich 1.000 Tonnen 35 Heller und über 1.000 Tonnen 32 Heller pro Registertonnen. Die Mindestgebühr betrug 170 Rupien. Für alle folgenden 24 Stunden wurden pro Registertonne 18 Heller, mindestens jedoch 30 Rupien erhoben. Für Schiffe, die das Dock länger als 14 Tage benutzten, trat von diesem Zeitpunkt an eine Ermäßigung um zehn Prozent ein. Kriegsschiffe aller Nationen sowie Regierungsfahrzeuge nicht-deutscher Kolonien erhielten ebenfalls eine zehnprozentige Ermäßigung. Dieselbe Ermäßigung erhielten Schiffe, die das Dock innerhalb einer Jahresfrist wiederholt nutzten. Für das Ein- und Ausdocken an Sonn- und Feiertagen wurde ein Zuschlag verlangt.Krauß: Schiffahrtsabgaben, in: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. III. Bd., Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 278 ff.Gebühren-Tarif zur Benutzung des Schwimmdocks in Daressalam vom 30. Juni 1904, in: Kaiserliches Gouvernement von Deutsch-Ostafrika (Hrsg.): Die Landes-Gesetzgebung des deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiets. 2. Aufl., Tanga/Daressalam 1911, S. 509 f. (online bei der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main).

Am 1. April 1913 ging der Betrieb der Gouvernements-Flottille einschließlich des Schwimmdocks an die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft über.Wilhelm Methner: Bekanntmachung. In: Kaiserliches Gouvernement von Deutsch-Ostafrika (Hrsg.): Amtlicher Anzeiger für Deutsch-Ostafrika. XIV. Jg. (1913), Nr. 15 vom 26. März 1913, S. 46.

Geschichte

mini|hochkant=1.5|Liegeplatz des Schwimmdocks im Hafen von Daressalam um 1905 (in Gelb) mini|Erster Liegeplatz des Schwimmdocks neben der Zollbrücke (Zollkai) von Daressalam mini|Zweiter Liegeplatz unweit des Kurasini-Ufers (ca. 1913/14, Betrieb des Docks durch die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft) Das Schwimmdock sollte die kaiserlich-deutsche Marine von den britischen Docks in Bombay, Kalkutta und Kapstadt unabhängiger machen. In der Debatte zum Budget des Dockbaus im Reichstag zweifelte der liberale Abgeordnete Hermann Frese, ob die Breite des Docks – die er mit 16 Metern angab – ausreichen würde, um der Anforderung des Militärs und der Wirtschaftlichkeit zu genügen. Der Kommissar des Bundesrates, Korvettenkapitän Carl Paschen, entgegnete in seiner Einschätzung, das Dock genüge auch in Bezug auf seine Breite allen Anforderungen der kommenden Jahre. Die Budget-Position wurde daraufhin bewilligt.Verhandlungen des Reichstages – Schwimmdock in Dar-es-Salaam: Band 166 (1898/1900), 53. Sitzung vom 10. März 1899, Berlin 1899, S. 1440C ff. (online auf reichstagsprotokolle.de).

Im Frühjahr 1900 wurde das Dock auf der Howaldtswerft in Kiel hergestellt und auf dem Trockenen vorläufig zusammengesetzt. Nach der Begutachtung durch die auftraggebende Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes wurden die Einzelteile nach Daressalam verschifft. Der Transport erfolgte mit dem Schiff India, das von der Howaldtswerft angemietet worden war und via Sueskanal nach Ostafrika fuhr. Am 13. August 1900 traf die India in Daressalam ein. Die Elemente des Docks konnten aufgrund geringer Löschkapazität des Hafens Daressalam nur unter großen Schwierigkeiten mit Leichtern an Land gebracht werden.Ohne Verfasser: Der Ausbau der Häfen von Dar-es-Salaam und Tanga. In: Deutsche Kolonialzeitung. 18. Jg. (1901), Ausg. Nr. 33 vom 15. August 1901, S. 322. Der Stapellauf in Daressalam erfolgte am 19. Mai 1901.Deutsches Kolonialblatt (Hrsg.): Jahresbericht über die Entwickelung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee im Jahre 1901/1902. Anlage A. VI. Deutsch-Ostafrika, Mittler, Hamburg 1903, S. 58 (online).

Nach dem Zusammenbau des Docks erfolgten Erprobungen. Am 6. August 1901 fand die Abnahmeerprobung der Kessel- und Maschinenanlage statt, bei der jedoch eine ungenügende Maschinenleistung beanstandet wurde. Am 12. August 1901 wollten die Howaldtswerke eine Probedockung mit einem Ponton präsentieren. Bei diesem Test sank das Dock, knapp ein Jahr nach der Anlieferung, auf den Hafengrund.Ohne Verfasser: Deutsch-Ostafrika. In: Deutsche Kolonialzeitung. 18. Jg. (1901), Ausg. Nr. 38 vom 19. September 1901, S. 377. Nach einem Bericht der Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung lag das Dock in einer durchschnittlichen Wassertiefe von 15 Metern. Nur bei Niedrigwasser ragten das obere Ende des Schornsteins und Messstangen aus der Wasseroberfläche hervor.Ohne Verfasser: Deutsch-Ostafrika. In: Deutsche Kolonialzeitung. 18. Jg. (1901), Ausg. Nr. 39 vom 26. September 1901, S. 385. Das Gouvernement nannte als Ursachen des Untergangs Undichtigkeit und „Versagen der Dockmaschinerie“. Dies hatte zur Folge, dass das Dock die Wasserlinie vollends unterschritt und selbst gehoben werden musste. Die Hebung erfolgte am 12. Januar 1902 durch das schwedische Schiff Heracles der nordischen Bergungsgesellschaft Neptun mittels Druckluft.Georg Karl Friedrich Viktor von Alten: Handbuch für Heer und Flotte – Enzyklopädie der Kriegswissenschaften und verwandter Gebiete. Band 2, Deutsches Verlagshaus Bong, Berlin 1909, S. 178. Zur Wiederherstellung und Abnahme entsandte das Auswärtige Amt im September 1902 den Regierungsbaumeister und späteren Direktor des Dortmunder Hafens, Georg Heinrich Schmidt (1868–1937), als kommissarischen Vertreter nach Deutsch-Ostafrika. Am 5. November 1902 wurde das Dock von einer Kommission des Gouvernements als gebrauchsfertig übernommen. Als erstes Schiff wurde am 25. November 1902 der Gouvernementsdampfer Juba (780 Tonnen, 60 Meter Länge) aus Britisch-Ostafrika gedockt.Ohne Verfasser: Schwimmdock in Dar-es-salaam. In: Deutsche Kolonialzeitung. 20. Jg. (1903), Ausg. Nr. 2 vom 8. Januar 1903, S. 19. Im Januar 1904 berichtete die Deutsche Kolonialzeitung vom problemlosen Docken des Kleinen Kreuzers Sperber (ca. 1.200 Tonnen, 67 Meter Länge).Ohne Verfasser: Ostafrika. In: Deutsche Kolonialzeitung. 21. Jg. (1903), Ausg. Nr. 2 vom 21. Januar 1904, S. 21.