Die Kirche der Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe in Winda () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie das Gotteshaus des ostpreußischen evangelischen Kirchspiels Wenden und ist heute römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Winda liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, neun Kilometer nördlich der Kreisstadt Kętrzyn (). Durch das Dorf verläuft die Woiwodschaftsstraße 591 (einstige deutsche Reichsstraße 141). Die nächste Bahnstation ist Kętrzyn an der Korsze–Ełk–Białystok.
Der Standort der Kirche befindet sich in der nördlichen Ortsmitte auf der Westseite der Woiwodschaftsstraße.
Kirchengebäude mini|154px|Eingangsportal an der Nordseite der Kirche mini|Der Altar der Kirche mini|Blick auf die Orgelempore Bei der Kirche in Winda handelt es sich um einen Backsteinbau auf Feldsteinfundament.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder der ostpreussischen Kirchen, Göttingen 1968, S. 84, Abb. 305 Er entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wohl als Ersatz für eine bis dahin hölzerne Kirche. Das Bauwerk ist mit schönen Giebeln ausgerüstet. Der freie Stufengiebel auf der Ostseits mit der auf- und absteigenden Schein-Arkatur ist aus rotem Backstein gefertigt, zu dem die weiß verputzten Nischen in lebhaftem Gegensatz stehen. Erst 1834 wurde der massive Turm im Westen vorgesetzt an der Stelle eines hölzernen Turms, der am 17. Januar 1818 durch einen Orkan zerstört wurde. Der Turm hat bis heute ein eingezogenes achteckiges Obergeschoss mit einem spitzen Krempenhut.
Um 1800 zog man im Innenraum das Tonnengewölbe ein. Darunter befanden sich auffallend tiefe seitliche Emporen. Der nur wenig verzierte Kanzelaltar war streng architektonisch gegliedert. Er entstand um 1740 unter Verarbeitung des Altars von 1726. Eine figürliche Bekrönung war über dem Aufsatz angebracht, der selbst von je einer Figur flankiert wurde. Die Innenausstattung insgesamt stammte vom Anfang des 18. Jahrhunderts, so auch eine Messingtaufschale und ein schwebender Taufengel eines nicht näher bekannten Künstlers. In der Kirche befand sich zudem ein Epitaph eines nicht näher bezeichneten Carl Friedrich Naze († 1746).
Eine Orgel erhielt die Kirche 1766/68.Werner Renkewitz u. a., Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333 bis 1944, Band 2,2, Köln, 2015, S. 91 Ihr Meister war Johann Christoph Unger (um 1740–1766). 1883 wurde die Orgel erweitert.
Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken, die 1821, 1835 und 1878 gegossen worden sind.
Nach 1945 wurde die seit der Reformation evangelische Kirche in ein katholisches Gotteshaus der Pfarrei Winda umgewidmet, die hier 1946 errichtet wurde.Pfarrei Winda im Erzbistum Ermland Das Gebäude wurde gründlich restauriert und die Innenausstattung vielfach verändert und damit den neuen liturgischen Bräuchen angepasst. Sie wurde der Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe gewidmet.
Kirchen-/Pfarrgemeinde Die Gründung der Kirche im damaligen Wenden fiel in vorreformatorische Zeit und soll Ende des 14. Jahrhunderts erfolgt sein.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 474 Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen wurde sie evangelischer Konfession.
Evangelisch Kirchengeschichte Bis 1945 war das Kirchspiel Wenden in den Kirchenkreis Rastenburg () in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Im Jahre 1925 zählte es 1930 Gemeindemitglieder, die in einem mehr als 20 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze umfassenden Pfarrsprengel wohnten. Das Kirchenpatronat oblag den Rittergutsbesitzern von Elisenthal (polnisch Niedziały) und Wenden (Winda).
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten 1945 bis 1950 dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde in dem dann „Winda“ genannten Ort ein Ende. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zur Kirchengemeinde in Barciany (), einer Filialgemeinde der Pfarrei in Kętrzyn in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Bis 1945 waren in das Kirchspiel Wenden waren neben dem Pfarrort eingegliedert:Der * kennzeichnet einen Schulort
Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Albertinhausen Staniszewo Petermanns Pieszewo Elisenthal Niedziały Platlack Płatławki Ernsthof Słupek Rawlack Rowy Fünfhuben Niedziałki Riplauken Rypławki Groß Kemlack Kiemławki Wielkie Rodehlen Rodele Groß Schatten Szaty Wielkie Stettenbruch Szczeciniak Klein Blaustein Sińczyk-Leśniczówka Wehlack Skierki * Klein Kemlack Kiemławki Małe Wenden (Forst) Niedziały Maraunen Moruny Wendenau Marklack Markławka Weypoth Wypęk
Pfarrer Bis 1945 amtierten an der Kirche in Wenden als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 148 NN., 1557 Michael Pauli, 1567/1579 Andreas Graß, 1619 Michael Bernhardi d.Ä., 1624–1659 Michael Bernhardi d.J., 1659–1698 Christian Bernhardi, 1694–1705 Johann Schwartz, 1711/1715 Johann Heinrich Saft, 1714–1722 Carl Friedrich Natius, 1722–1748 Carl Christian Suchland, 1748–1773 Christian Fr. Suchland, 1773–1822 Theodor Leopold Henne, 1808–1811 August Heinrich Hildebrandt, 1811–1814 Christoph Wilhelm Kuhnke, 1816–1839 Friedrich Samuel Richter, 1839–1881 Joh. Gottlieb Mallettke, 1881–1923 Kurt Raeder, 1923–1929 Herbert Degenhardt, 1929–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Wenden haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, S. 115–116 Taufen: 1659 bis 1944 Trauungen: 1681 bis 1752 und 1765 bis 1944 Begräbnisse: 1766 bis 1944 Konfirmationen: 1917 bis 1944 Kommunikanten: 1719 bis 1731, 1765 bis 1775 und 1833 bis 1865.
Katholisch Die vor 1945 zahlenmäßig wenigen Katholiken im Gebiet Wenden waren in die Kirche in Rastenburg im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt. Die Ansiedlung von polnischen Neubürgern in Winda nach 1945 ließ ihre Zahl stark anwachsen, so dass hier bald eine katholische Gemeinde entstand und 1946 bereits eine Pfarrei errichtet wurde. Sie ist Teil des Dekanats Kętrzyn II (Nordost) im jetzigen Erzbistum Ermland. Beigegeben ist der Pfarrei die Filialkirche in Podławki (Podlacken).
Verweise Weblinks
Historische Aufnahmen von Dorf und Kirche Wenden (Ostpreußen)
Einzelnachweise
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