Eschenau (fränkisch ÄschnauD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 102. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „ęšnāo“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Eschenau hat eine Fläche von 5,346 km². Sie ist in 3086 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1732,41 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort das Gewerbegebiet von Brand und die Brandermühle.

Geografie Der ehemalige Markt Eschenau bildet mit Eckenhaid im Osten und Brand im Nordwesten eine geschlossene Siedlung. Entlang des westlichen Siedlungsrandes von Eschenau fließt der Steppbach, ein linker Zufluss der Schwabach, entlang des östlichen Siedlungsrandes fließt der Eckenbach. Das Gelände steigt in Richtung Süden leicht an. Die Bundesstraße 2, die früher direkt durch Eschenau hindurchführte, verläuft nördlich des Ortes nach Großgeschaidt (1,8 km südwestlich) bzw. nach Forth (2,3 km nordöstlich). Die Kreisstraße ERH 11 führt über die Eckenmühle nach Eckenhaid (1,7 km östlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Kleingeschaidt zur Kreisstraße ERH 10 (2,2 km südwestlich).

Ortsname 1132 wurde ein „Otnand de Eskonowa“ urkundlich erwähnt. Dies ist zugleich die erste schriftliche Erwähnung des Ortes. In weiteren Nennungen wurde der Ort 1199 „Eschenowe“ und 1360 „Eschenaw“ bezeichnet. Namensgebend für die Ortschaft war die Esche, der Name Eschenaus ist dabei als ursprünglicher Auwald erklärbar, der vor der Entstehung des Ortes mit dieser Baumart bewachsen war.D. Fastnacht: Erlangen, S. 95ff.A. Gosoge: Eschenau 1. Von der Gründung bis 1751, S. 2.

Geschichte mini|Muffelsches Schloss in Eschenau Eschenau wurde gegründet, wo sich zwei mittelalterliche Fernverbindungen kreuzten: die als „Eisenstraße“ bezeichnete Route, die von Forchheim über die Oberpfalz nach Böhmen führte und der von Nürnberg nach Bayreuth führende Handelsweg, dessen Trasse noch weitgehend mit dem Verlauf der Bundesstraße 2 identisch ist.

Die Absicherung der nördlich von Nürnberg gelegenen Gebiete gegen das Hochstift Bamberg übertrug König Heinrich III. unter anderem dem Reichsministerialen Otnand, der in der Pfalz Forchheim residierte. Dieser veranlasste zum großen Missfallen der bambergischen Kirchenmacht die Gründung neuer Siedlungen im Schwabachtal, wie etwa Pettensiedel. Der Bamberger Bischof verstieg sich dabei sogar dazu, Otnand als Pontius Pilatus zu bezeichnen. Otnand wurde zum Ahnherrn der Adelsfamilie von Eschenau, die unter dem Namen „von Eschenowe“ ab dem Jahr 1132 gelegentlich in Urkunden erwähnt wurde und deren Stammsitz Eschenau war. Der Kristallisationskern dieses Sitzes dürfte wohl eine zu dieser Zeit im fränkischen Raum häufig angelegte Motte gewesen sein, eine auf einer künstlich angelegten Erhebung errichtete Turmhügelburg. Die eher seltene urkundliche Erwähnung der adeligen Eschenauer ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei deren Besitztümern um allodiale Güter handelte. Ein durch Erbfolge entstandener Besitzwechsel musste daher nicht noch einmal urkundlich bestätigt werden. Die Eschenauer Linie dieser Adelsfamilie erlosch später, der noch heute existierende Adelszweig der von Egloffstein sieht den Reichsministerialen Otnand als seinen Stammvater an.

In der Folgezeit befand sich gegen Ende des Mittelalters im Besitz der Muffel von Eschenau.F. Fink: Wanderung durch die Vergangenheit des Schwabachtales, S. 160–163. Bei dieser Patrizierfamilie handelte es sich um Nürnberger Eigenherren, so dass Eschenau damit der Landeshoheit der Reichsstadt Nürnberg unterstand. Die Muffel bewohnten im Laufe der Jahrhunderte bis 1752 mehrere Herrensitze in Eschenau, wobei sie die Herrschaft von 1379 bis 1503 mit den Haller hälftig teilten.

1382–1502 Burg Eschenau, Von-Muffel-Platz 1, 2 (zerstört) 1512–1751 Muffelschloss , Von-Muffel-Platz 1 (stark verändert – nur Fragmente vorhanden) 1512–1751 Mahlsches Schloss , Von-Muffel-Platz 2 (stark verändert – nur Fragmente vorhanden) 1639–1737 Gronesches Schlösschen, Schlosshof 10 (stark verändert)

Als Etappenort auf der nach Bayreuth führenden Fernstraße spielte der Ort eine wichtige Rolle zur Absicherung und Versorgung des östlich von Nürnberg gelegenen Gebietes. Dieses hatte sich die Reichsstadt in Folge ihrer Teilnahme am Landshuter Erbfolgekrieg aneignen können. Die schnellste Verbindung zu den drei nördlichen Pflegämtern Gräfenberg, Hiltpoltstein und Betzenstein war die nach Bayreuth führende Handelsstraße.

Daran änderte sich lange Zeit nichts, bis im Jahr 1751 eine Muffelsche Erbengemeinschaft den Ort für 90000 Gulden an das hohenzollerische Markgraftum Brandenburg-Bayreuth verkaufte, wobei den Muffelschen Erben ein lebenslanges Wohnrecht in ihren Eschenauern Schlössern eingeräumt wurde.A. Gosoge: Eschenau 2. Die Geschichte des Marktes Eschenau 1751–1972, S. 4f.

Mit dem unerwarteten Verlust Eschenaus hatte die Reichsstadt einen ernsthaften Einbruch in die Geschlossenheit ihres östlichen Landgebietes sowie dem damit verbundenen Verteidigungssystem hinnehmen müssen. Sie versuchte daher alles, um eine offizielle Belehnung Brandenburg-Bayreuths mit Eschenau zu verhindern, was ihr bis zum Ende des Jahrhunderts auch gelang.B. v. Haller: Eschenau, in: Erlanger Stadtlexikon, S. 255. An den realen Machtverhältnissen vor Ort änderte dies allerdings nichts und das Markgraftum richtete das Oberamt Eschenau ein, das als Exklave nunmehr den östlichsten Eckpfeiler des markgräflich-bayreuthischen Unterlandes bildete. Für die fränkischen Zollern bedeutete die Erwerbung von Eschenau einen großen Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung der uralten Vision einer zusammenhängenden Landverbindung zwischen ihrem in Mittelfranken gelegenem Unterland und dem hauptsächlich in Oberfranken gelegenem Oberland. Mit dem an der Straße nach Pegnitz gelegenen Dorf Bronn war der nächstgelegene Vorposten des Oberlandes nur noch 30 Straßenkilometer entfernt. Die Bedeutung der Neuerwerbung zeigte sich auch daran, dass der Bayreuther Markgraf Friedrich III. Eschenau bereits ein Jahr nach der Inbesitznahme einen Besuch abstattete und den Einwohnern umfangreiche Besitzstandszusagen machte. Für die nächsten vier Jahrzehnte ergaben sich keine gravierenden Änderungen mehr in den territorialen Machtverhältnissen in und um Eschenau.

Von 1797 bis 1810 unterstand Eschenau dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt Eschenau gebildet. Zu diesem gehörten Brand, Brandermühle, Eschenhaidermühle, Oberschöllenbach und Unterschöllenbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Eschenau, zu der die Brandermühle gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Eschenau zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt) und zum Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,271 km².

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die lediglich aus einem Ort bestehende Gemeinde Oberschöllenbach am 1. Oktober 1971 in die Gemeinde Eschenau eingegliedert. Die dadurch vergrößerte Gemeinde wurde am 1. Juli 1972 ein Bestandteil der neu gebildeten Gemeinde Eckental. Im Vorfeld dieser Gemeindebildung hatte das Staatsarchiv die historische Bezeichnung „Eschenau“ als Namensgeber für die neue Kommune vorgeschlagen. Die Einwohner der übrigen Gemeindeteile widersetzten sich diesem Vorschlag, sodass man sich auf einer Bürgerversammlung auf die vom Eckenbach abgeleitete Wortschöpfung Eckental verständigen konnte. Von Eschenau wurde der Titel Markt übertragen.A. Gosoge: Eckenhaid, S. 4. Am östlichen Ortsrand von Eschenau wurde später das Verwaltungszentrum der neuen Gemeinde errichtet.

Baudenkmäler mini|hochkant=1.22| In Eschenau gibt es 29 Baudenkmäler: Bahnhofstraße 20: Lokschuppen Eschenauer Hauptstraße 2, 35: Bauernhäuser Eschenauer Hauptstraße 15, 31: Scheunen Eschenauer Hauptstraße 19, 49; Herrengasse 14; Marktplatz 3, 9; Turmgasse 9: Wohnhäuser Eschenauer Hauptstraße 26: Pfarrhaus mit Einfriedung Eschenauer Hauptstraße 34: Wohnhaus mit Nebengebäude, Scheune und Hofmauer Eschenauer Hauptstraße 37: Wohnhaus, Nebengebäude und Scheune eines ehemaligen Bauernhofes Herrengasse 1: Wohnhaus und Scheune Herrengasse 2: Kleintierstall Herrengasse 5: Gasthof Weißer Löwe mit Scheune Klingenstraße 2: Wohn- und Geschäftshaus mit Scheune Marktplatz: Alte Kanzlei Marktplatz 1: Lehrerwohnhaus Marktplatz 7: Haupthaus und Scheune eines ehemaligen Gasthofes mit Brauerei Marktplatz 14: Pfarrkirche St. Bartholomäus Schlosshof 14: Wappenstein Schnaittacher Straße 38a: Friedhof mit Leichenhaus und Friedhofsmauer Turmgasse 1: Rundturm Turmgasse 2, 4: Ehemalige Kapelle Von-Muffel-Platz 1, 2, 3: Muffelsches Schloss mit Befestigungsmauer und Wohnhaus

Einwohnerentwicklung Gemeinde Eschenau Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 327 712 669 657 706 722 732 788 817 863 808 802 770 761 834 822 817 948 969 1598 1622 1613 1688 1714HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 99 109 120 130 136 134 157 201 281 Quelle Für die Gemeinde Eschenau inklusive Brandermühle (S. 11).

Ort Eschenau Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2025Einwohner 319 700 698 722 855 761 810 1613 1680 1709 2795 4036Häuser 96 107 129 132 156 200 279 707 Quelle

Religion Eschenau ist Sitz der Pfarrei St. Bartholomäus und ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt. Die Katholiken sind nach St. Walburgis (Kirchröttenbach) gepfarrt.D. Fastnacht: Erlangen, S. 94.

Bildung In Eschenau befindet sich das 1995 gegründete Gymnasium Eckental, das auch von Schülern aus dem Umland genutzt wird. Außerdem gibt es in Eschenau eine Mittelschule und eine Grundschule mit Hort.Schulen im Markt Eckental In: www.eckental-mfr.de. Abgerufen am 25. Juli 2021.

Persönlichkeiten Friedrich Fink (* 1887 in Eschenau; † 1923 in München), Polizei-Oberwachtmeister, durch Putschisten getötet

Literatur

Weblinks

Fußnoten

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