mini|hochkant|Schauspieler in der Rolle des Herakles, 16 cm, 175–150 v. Chr. Louvre CA1784 Amisos () war die antike Namensform der heutigen türkischen Stadt Samsun (aus bzw. ‚in Amisos‘, daraus ) an der Südküste des Schwarzen Meers. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit unter der Herrschaft von Mithridates VI. Eupator im 1. Jh. v. Chr. Während dieser Zeit gehörte sie zu den wichtigsten Herstellern von Münzen im Königreich Pontos und Terrakotta-Figuren in Kleinasien.

Geografie Man nimmt an, dass die antike Stadt Amisos im heutigen Stadtteil Baruthane von Samsun zwischen den Flussdelten von Halys und Iris lag. Die Siedlung entstand ursprünglich auf dem Toraman-Hügel, der etwa 165 m hoch und 2,5 km lang ist. Die Stadt expandierte gegen Westen und Osten. Auf dem Hügel standen die Zitadelle und die Oberstadt. Es wird vermutet, dass dort Beamte, Priester und Reiche gewohnt haben. Gegen die Küste des Schwarzen Meers erstreckte sich die Unterstadt, wo wahrscheinlich das wirtschaftliche Leben stattfand und sich die Agora befand. Überlieferungen erzählen von überfüllten Straßen, Tempeln, öffentlichen Plätzen und Gebäuden. Außerhalb der Stadt lagen der Hafen und die Nekropolis. Von der Nekropolis sind Erd-, Stein- und Felsgräber erhalten.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 9–10. Die Bewohner befestigten ihre Stadt mit Mauern. Gemäß einer Studie soll diese 44 Hektar umfasst haben. Im Lauf der Zeit wurde die Stadt dennoch mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Heute sind nur noch ein paar Überreste der Mauer zu sehen.Elenei Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 9–10.

Die Stadt wurde durch die natürlichen Hindernisse des Meers und der Flüsse geschützt. Samsun, die heutige Stadt, auf deren Gebiet Amisos wahrscheinlich lag, wird westlich vom Kürtun Çayı und östlich vom Mert Irmaği eingegrenzt. Zwei kleine Bäche, Baruthane Deresi und Karanlık Dere, fließen durch die in den Hügel Toroman Tepe eingeschnittenen Täler. Die beiden Flussbette eignen sich noch heute für den Tonabbau.Lâtife Summerer: Hellenistische Terrakotten aus Amisos. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Pontosgebietes (= Geographica historica Bd. 13). Stuttgart 1999, S. 143. Damals versorgten die fruchtbaren Flusstäler die Stadt und trugen ihren Teil an den Handelsgütern bei wie auch die nahen Graphit-, Kupfer- und Zink-Minen.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 3.

Als einzige Landungsstelle zwischen Sinope und Trapezunt herrschte ein reger Handelsverkehr von Amisos aus über das Schwarze Meer zur Krim und zum Bosporus. Über Töpfereien, die gefunden und verglichen wurden, ist nachgewiesen, dass die Region bereits in der frühen Bronzezeit Verbindungen zu Inseln im östlichen Teil des Ägäischen Meers, Nord-Griechenland und den Regionen des heutigen Bulgariens und Rumäniens hatte. Die Funde zeigen, dass Amisos gleichermaßen Land- und Seewege für seinen Handel benutzte.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 3.

Parallel zum Schwarzen Meer liegen die Pontischen Alpen, die den Zugang zum Hinterland erschweren. Im Süden von Amisos verlieren die Alpen an Kontinuität und Höhe und ermöglichen dadurch Zugänge ins fruchtbare Hinterland. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass ein Weg von Amisos nach Mesopotamien durch die Pontischen Alpen geführt hat,Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 3. ein Teilstück der alten Handelsroute, die manchmal „Bağdat Straße“ genannt wird.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 130. Von Amisos aus führten Straßen zu den Städten Amaseia, Cabeira, Eupatoria, Phazemon, Comana, Zela, Sebasteia und Sebastopolis im Landesinneren.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 11.

Amisos hatte geographisch alle Voraussetzungen, um eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Städte im Süden des Schwarzen Meers zu werden.

Geschichte Zum Überblick der Geschichte von Amisos

Wirtschaft Die Haupttriebfedern für die Wirtschaft waren das fruchtbare Land um Amisos herum und die Nähe zum Meer. Gräberfunde von Amisos weisen darauf hin, dass bereits im späten 4. Jh./frühen 3. Jh. v. Chr. eine große wirtschaftliche Aktivität stattgefunden hat.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, Abstract.

Es ist heute schwierig abzuschätzen, wo die Grenzen des städtischen Einflussbereichs gelegen haben. Im Westen lag das fruchtbare Tal Gazelonitis und im Osten Themiskyra. In der Ebene von Gazelonitis wurden Lämmer für ihre feine Wolle und Gazellen gezüchtet. Die verschiedensten Pflanzen gediehen dort. Themiskyra besaß fruchtbares Land, von dem Strabon erzählt, dass unendliche Mengen an Getreide geerntet werden konnten. Daneben wurden Rinder und Pferde gezüchtet. Im Süden reiften Trauben, Pfirsiche, Äpfel und Nüsse.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 11.

Basierend auf archäologischen und geologischen Untersuchungen und zusätzlichen topographischen Aspekten wird vermutet, dass an zehn Standorten Kupfer und an weiteren drei Kupfer, Graphit und Zink abgebaut wurden, deren Erträge möglicherweise nach Amisos geflossen sind. Die vermutlichen Standorte liegen im Südosten von Amisos im Landesinnern, nordöstlich von Tokat. Der Abbau kann zeitlich nicht festgelegt werden.Prentiss S. De Jesus: Metal Resources in Ancient Anatolia. In: Anatolian Studies. Journal of the British Institute of Archaeology at Ankara Bd. 28, 1978, S. 99. Die reichen Metallvorkommen Kleinasiens sind unbestritten, ebenso wenig wie die Tatsache, dass schon während der Bronzezeit erzhaltiges Gestein abgebaut worden ist. In den Details besteht aber eine Verwirrung vonseiten der Archäologen und Historiker, die auf fehlende lokale Untersuchungen als auch auf dem vernachlässigten Einbezug von geologischen Studien beruht.Prentiss S. De Jesus: Metal Resources in Ancient Anatolia. In: Anatolian Studies. Journal of the British Institute of Archaeology at Ankara Bd. 28, 1978, S. 97. Qualitativ hochstehende toreutische Denkmäler, die aus Amisos überliefert sind, setzen Bronzewerkstätten voraus und weisen auf den Abbau des Rohmaterials in der Region hin.Lâtife Summerer: Hellenistische Terrakotten aus Amisos. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Pontosgebietes (= Geographica historica Bd. 13). Stuttgart 1999, S. 164.

In den ersten Jahrhunderten von Amisos wurden die Produkte lokal gehandelt. Ab dem 4. Jh. v. Chr. wurden Erzeugnisse wie Wolle, Getreide, Honig, hochwertiges Bienenwachs und Wein exportiert. Die Stadt exportierte nicht nur landwirtschaftliche Produkte, sondern auch Fische, Salz aus dem Delta des Halys und Halbedelsteine wie Jade.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 11–12. Während der hellenistischen Zeit mit dem Zenit unter der Herrschaft von Mithridates VI. waren Terracotta-Figuren das populärste Exportprodukt.Eleni Mentesidou: The Terracotta Figurines of Amisos. International Hellenic University, Thessaloniki, 2015, S. 13.

Münzen mini|Pharnakes I. von Pontus Die Münztätigkeit von Amisos reicht bis ins 5. Jh. v. Chr. zurück.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 145. Die ältesten gefundenen Münzen zeigen auf der Vorderseite die griechische Göttin Hera und auf der Rückseite eine Eule, das Sinnbild von Athen. Diese Münzen waren aus Silber und wurden in verschiedenen Gewichten produziert. Es gibt Beispiele von Drachmen, Sigloi und halben Sigloi (Messeinheit des Achämenidenreichs). Die verschiedenen Münzgewichte beweisen, dass Amisos bereits in dieser Zeit sowohl mit Griechen als auch inländischen und östlichen Städten Handel betrieben hat. Das Thema der Eule wurde noch bis zur Herrschaft von Mithridates VI. auf der Rückseite von Münzen verwendet.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 160.

links|mini|Bronzemünze, 85-65 v. Chr. Im Verlauf des 2. Jh. v. Chr. prägte Amisos wie auch die anderen Städte des Königreichs Pontos weiterhin Münzen, aber diese weisen nicht die gleiche Qualität auf wie die früheren, und die städtespezifischen Themen waren weniger häufig vertreten. Die meisten Städte verloren in dieser Zeit einen Teil ihrer Unabhängigkeit in der Münzprägung. Es wurde ihnen aber immer noch erlaubt, eigene Münzen, mit dem Namen der Stadt auf der Rückseite, herzustellen. Während der Herrschaftszeit von Mithridates VI. stieg die Anzahl der münzprägenden Städte markant an. Häufigste Themen in dieser Zeit waren Nike, Zeus, Ares, Athene, Perseus und Dionysos, die auch aus Amisos überliefert sind.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 177–178. Die Stadt prägte in dieser Zeit kein Silber mehr, sondern verwendete Kupfer.Lâtife Summerer: Hellenistische Terrakotten aus Amisos. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Pontosgebietes (= Geographica historica Bd. 13). Stuttgart 1999, S. 36. mini|Perseus mit dem abgetrennten Kopf der Medusa in der linken Hand Unter der Herrschaft von Mithridates VI. weist Amisos von allen Münzprägestädten des Königreichs das breiteste Themenspektrum auf und auch mengenmäßig stammen die meisten Münzen, die heute von Privatsammlungen und regionalen Museen publiziert sind, aus Amisos.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 179. Allein das Museum in Samsun besitzt 7500 Münzen aus Amisos und der unmittelbaren Umgebung.Lâtife Summerer: Hellenistische Terrakotten aus Amisos. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Pontosgebietes (= Geographica historica Bd. 13). Stuttgart 1999, S. 36. Außerhalb von Kleinasien wurden amisenische Münzen in der Ukraine, Ägypten, China, Afghanistan, Samaria, Georgien, Russland, Saida und Euboea gefunden.D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 189.

Nach dem Tod von Mithridates VI. 63. v. Chr. setzte Amisos seine Kupferprägung noch bis Mitte des 3. Jh. n. Chr. fort.Lâtife Summerer: Hellenistische Terrakotten aus Amisos. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Pontosgebietes (= Geographica historica Bd. 13). Stuttgart 1999, S. 36.