Walter Hasenclever (geboren 1. September 1910 in München; gestorben 4. Dezember 1992) war ein deutsch-amerikanischer literarischer Übersetzer.

Leben Walter Hasenclevers Vater Alfred Hasenclever stammte aus einer wohlhabenden rheinischen Industriellenfamilie, der Autor Walter Hasenclever war ein Verwandter. Der Vater starb früh, und die Mutter heiratete den mit ihr verwandten Josef Jaffé, der eine gut gehende Hautarztpraxis in Berlin führte. Den beiden gelang unter schwierigen Umständen 1939 die Flucht in die USA.Volker Rolf Berghahn: Transatlantische Kulturkriege: Shepard Stone, die Ford-Stiftung und der europäische Antiamerikanismus. Stuttgart : Steiner, 2004, ISBN 3-515-08422-3, S. 22ff. Seine Schwester Charlotte Hasenclever-Jaffe heiratete 1933 den US-amerikanischen Publizisten Shepard Stone.

Als Jugendlicher gehörte Hasenclever dem pazifistischen Flügel der Jugendbewegung an. Nach einem Jurastudium mit Promotion in Berlin hat er ein Referendariat absolviertIhr werdet... S. 39. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten emigrierte er mit Stones Hilfe 1936 aus Deutschland und arbeitete als Lehrer an der Andover Academy in den USA.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1943 Soldat der US Army und kam im Sommer 1944 nach Europa. Im Kriegsgefangenenlager Camp Ashcan in Luxemburg wurden die in amerikanische Gefangenschaft geratenen Führer des NS-Staates und führende Militärs festgehalten. Hasenclever wirkte dort an den Verhören von Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Robert Ley, Julius Streicher, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Wilhelm Frick, Wilhelm Keitel, Karl Dönitz und Alfred Jodl mit, die anschließend zu den Nürnberger Prozessen transferiert wurden. In seinen Erinnerungen, die 1975 veröffentlicht wurden, Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen, werden diese Prominenten des Naziregimes aus eigener Anschauung, allerdings 30 Jahre nach dem persönlichen Zusammentreffen, charakterisiert, so Robert Ley, Hermann Göring, Hans Frank, Alfred Rosenberg und Anekdoten zu ihnen erzählt.

Er kehrte zunächst in die USA zurück, wurde dann aber ab 1952 beim S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main Mitherausgeber der deutschen Ausgabe der Zeitschrift Perspektives.Zeitschrift Perspektives noch nicht bei ZDB verifiziert Er arbeitete als Verlagslektor bei Cotta und als Übersetzer aus dem Englischen und gehörte 1954 zu den Übersetzern der Untersuchung Das sexuelle Verhalten der Frau von Alfred C. Kinsey.

Hasenclever war 1963 neben Walter Höllerer Initiator des Literarischen Colloquiums in West-Berlin und arbeitete dann dort bis 1969 als Programmdirektor.Dieter E. Zimmer: Die Literatur-Mafia von Berlin, Die Zeit, 16. November 1966Stefan Koldehoff, Peter Rühmkorf: Ausbildungswerkstatt für Literaten. 40 Jahre Literarisches Colloquium Berlin, Gespräch, bei Deutschlandfunk, 19. Mai 2003 Er wohnte danach in Friesland.

Hasenclever übersetzte unter anderem einzelne Werke der US-amerikanischen Schriftsteller Herbert Gold, Julian Halevy, James Leo Herlihy, Bernard Malamud, Richard P. Powell, Peter Tinniswood, Mark Twain und Eugene Walter sowie zahlreiche Werke des Nobelpreisträgers Saul Bellow, so auch den Roman Herzog. Über Bellow schrieb er auch eine Monografie.

Bewertungen Die meisten jüngeren Ausgaben der Werke Bellows enthalten die ersten Übersetzungen von Hasenclever. 2009 wurden zwei Werke von Bellow neu übersetzt, eines überarbeitet von Bärbel Flad, und neu herausgegeben. Die Neubearbeitungen wurden als nötig erachtet unter anderem wegen der Zeitgebundenheit der ersten ÜbersetzungUlrich Rüdenauer: Saul Bellow – Die drei großen Romane, Deutschlandfunk, 1. Juni 2009: "Gerade im Bereich des Sexuellen, der bei Bellow ähnlich wie bei seinem Bewunderer Philip Roth, wenn auch weniger explizit, von großer Bedeutung ist, hat sich Walter Hasenclever eher bedeckt gehalten – das war vermutlich nicht alleine der bundesrepublikanischen Biederkeit Anfang der 60er geschuldet."Bärbel Flad: Interview mit Der Text gehört dem Übersetzer und ich tue weh, Relü, 16. März 2014

Marcel Reich-Ranicki wird von Gerrit Bartels im Tagesspiegel zitiert: „Die Übersetzungen fast aller Bücher Saul Bellows stammen von Walter Hasenclever. Und es muss endlich offen gesagt werden: Sie sind schlecht. Und es macht die Sache nicht besser, dass die deutsche literarische Öffentlichkeit es unterlassen hat, gegen diese kontinuierliche Entstellung der Prosa des großen Amerikaners rechtzeitig zu protestieren.“Gerrit Bartels: Saul Bellow. Macht und Mitleid, Der Tagesspiegel, 21. August 2009

Demgegenüber schreibt Wieland Freund in der Welt anlässlich der überarbeiteten Übersetzung 2009: "Die "Herzog"-Übersetzung Walter Hasenclevers, der aus dem amerikanischen Exil kam und das "Literarische Colloquium Berlin" mitbegründete, erweist sich, und sei es nach einigen tausend kleinen Verbesserungen, als erstaunlich frisch."Wieland Freund: Das große Ich-Theater, Die Welt, 4. April 2009

Schriften (Auswahl) Junge amerikanische Literatur. Frankfurt am Main: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1959 (Hrsg.): Prosaschreiben: Eine Dokumentation. Berlin: Verl. Literar. Colloquium, 1964 Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen. Erinnerungen. Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1975, ISBN 978-3-462-01074-9 Saul Bellow: Monografie. Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1978, ISBN 978-3-462-01269-9

Literatur Konrad Feilchenfeldt (K.F.): Hasenclever, Walter, in: Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisches und bibliographisches Handbuch, Bd. XIV: Halm–Hauptmann. Walter de Gruyter, S. 419

Weblinks

Walter Hasenclever, bei Kiepenheuer und Witsch

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Biografie Kategorie:Autobiografie Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Übersetzer aus dem Englischen Kategorie:Verlagslektor Kategorie:Saul Bellow Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Vereinigte Staaten) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 1992 Kategorie:Mann