__NOMEDIAVIEWERCAROUSEL__ mini|hochkant|Logo des Artemis-Programms Das Artemis-Programm ist ein bemanntes Raumfahrtprojekt der NASA in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie der europäischen, der japanischen und der kanadischen Raumfahrtagentur (ESA, JAXA und CSA). Ziel des Programms ist es, erstmals seit Apollo 17 wieder Astronauten auf dem Mond zu landen. Anschließend sollen jährlich bemannte Mondlandungen stattfinden. Das Projekt wurde 2019 von US-Präsident Donald Trump initiiert. In Anspielung auf das Apollo-Programm wurde es nach Artemis benannt, der Mondgöttin und Zwillingsschwester Apollons in der griechischen Mythologie.
Eine erste Artemis-Mondlandung war ursprünglich für das Jahr 2024 geplant, kann jedoch wegen Verzögerungen bei der Bereitstellung einer Landefähre und neuer Raumanzüge nicht vor 2028 stattfinden. Die USA möchten der für spätestens 2030 geplanten ersten bemannten chinesischen Mondlandung zuvorkommen.
Hintergrund mini|hochkant=1.1|Künstlerische Darstellung von Mondlandefähre (links) und Raumschiff des Constellation-Programms Seit Eugene Cernan am 14. Dezember 1972 als bislang letzter Mensch die Mondoberfläche verließ, gab es in den USA immer wieder Bestrebungen, zum Mond zurückzukehren. Erste konkrete Pläne dazu kündigte Präsident George W. Bush 2004 mit dem Constellation-Programm an. Es sah bemannte Mondlandungen spätestens ab 2020 vor; danach sollten bemannte Flüge zum Mars folgen.
Unter Bushs Nachfolger Barack Obama wurde das Constellation-Programm 2009 wegen ausufernder Kosten wieder eingestellt. Zwei Jahre darauf wurde als Ersatz – auch für das 2011 eingestellte Space-Shuttle-Programm – das SLS-Programm aufgelegt. Dieses sah bemannte Mondumrundungen und Flüge zu anderen Objekten im Sonnensystem vor, jedoch keine Landungen. Auch hier kam es wieder zu Planüberschreitungen, insbesondere wegen Missmanagement im Boeing-Konzern, dem Hersteller der SLS-Rakete. Der für 2017 geplante Erstflug wurde auf frühestens 2020 verlegt.
Inzwischen war Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden und hatte einen erneuten Schwenk in der US-Raumfahrtpolitik eingeleitet. Trump wünschte sich bahnbrechende Erfolge noch während seiner Präsidentschaft. Nachdem er herausgefunden hatte, dass ein bemannter Marsflug selbst bis zum Ablauf einer möglichen zweiten Amtszeit im Jahr 2024 nicht machbar ist, gab er die Executive Order Space Policy Directive 1 heraus. Damit wies er die NASA an, sich auf eine baldige Mondlandung zu konzentrieren, gefolgt von Missionen zum Mars und „vielleicht eines Tages zu vielen Welten darüber hinaus“. Anfang 2019 verschob die NASA den Termin für die mittlerweile geplante Mondlandung auf 2028, weil die Probleme bei der SLS-Entwicklung andauerten. Daraufhin ergriff Vizepräsident Mike Pence die Initiative und forderte von der NASA im Namen Trumps eine Landung US-amerikanischer Astronauten – darunter (mindestens) eine Frau – am Südpol des Mondes bis 2024. Wenn dies mit den „bestehenden Auftragnehmern“ nicht machbar sei, dann müssten eben neue gefunden werden. Das Projekt erhielt den Namen „Artemis“.
mini|hochkant=0.8|Der Shackleton-Krater am Mondsüdpol (Bildmitte) – ein häufig genanntes Erkundungsziel Die Südpolregion des Mondes gilt als strategisch wichtig, seit dort Wassereis nachgewiesen wurde. Es ist die einzige Gegend auf dem Mond, in der einerseits rund um das Jahr Sonnenlicht (zum Beispiel für Solarenergiegewinnung) vorhanden ist und andererseits tiefe Krater zu finden sind, auf deren Boden niemals direkte Sonneneinstrahlung fällt, und die somit Eisvorkommen aufweisen könnten. Wasser ist nicht nur für die Aufrechterhaltung von Leben notwendig, sondern kann auch zu Treibstoff verarbeitet werden. Neben den USA planen daher auch weitere Länder wie China und Russland eine – zunächst unbemannte – Erkundung des Südpols. China möchte dort in den 2030er Jahren eine Forschungsstation errichten.
Die nachfolgende US-Regierung unter Joe Biden bekannte sich zur Fortsetzung des Artemis-Programms. Man werde damit „neue und aufregende Wissenschaft betreiben, zukünftige Marsmissionen vorbereiten und Amerikas Werte demonstrieren“.Eric Berger: White House says its supports Artemis Program to return to the Moon (Updated). Ars Techica, 4. Februar 2021. Der unter Biden ernannte NASA-Administrator Bill Nelson betonte, dass die USA nicht gegenüber China ins Hintertreffen geraten dürften und das Artemis-Programm forcieren müssten.William Harwood: Nelson cites China’s growing space prowess, calls for sustained NASA funding. Spaceflight Now, 19. Mai 2021. Es gehe darum, noch vor China wieder auf dem Mond zu landen.Nelson “basically optimistic” about NASA’s future in the next administration. Spacenews, 8. Dezember 2024.
Als weiteres Ziel wurde unter der Regierung Biden die erste Mondlandung einer „Person of Color“ ausgegeben. Die zweite Trump-Regierung wiederum entschied, dass Aktivitäten der US-Regierung zur Förderung unterrepräsentierter Gruppen zu beenden seien. Die NASA strich daraufhin in ihrer Außendarstellung das Ziel, die erste Frau und die erste Person of Color auf dem Mond zu landen.Federal agencies begin removing DEI guidance from websites in Trump crackdown. Associated Press, 24. Januar 2025.
Finanzierung Um die ersten Vorbereitungen für die vorgezogene Mondlandung finanzieren zu können, beantragte Donald Trump aufgrund von Berechnungen der NASA eine Aufstockung des NASA-Budgets für das Fiskaljahr 2020 um 1,6 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag sollte aus Reserven des Pell-Grant-Förderprogramms für einkommensschwache Studenten entnommen werden. Der US-Gesetzgeber bewilligte nur einen Teil der geforderten Summe und weitete zugleich die Pell-Grant-Förderung aus.Spending Deal Buoys Science Agency Budgets. American Institute of Physics, 17. Dezember 2019.Final FY 2020 Funding Bill Increases Maximum Pell, Addresses Issues With Loan Servicers, Foreign Gift Reporting. National Association of Student Financial Aid Administrators, 23. Dezember 2019. Für die darauffolgenden vier Jahre verlangte die US-Regierung eine Budgetaufstockung um insgesamt 35 Milliarden Dollar.Eric Berger: NASA puts a price on a 2024 Moon landing—$35 billion. Ars Technica, 11. Februar 2020. Nach der Abwahl von Trump Ende 2020 bewilligte der Kongress jedoch für das Haushaltsjahr 2021 nur ein Viertel des geforderten Betrags für die Entwicklung der Artemis-Mondlandefähren; eine bemannte Landung im Jahr 2024 wurde damit unrealistisch.NASA receives $23.271 billion in fiscal year 2021 omnibus spending bill. Spacenews, 21. Dezember 2020.
In den nachfolgenden Jahren stellte der Gesetzgeber 7–8 Milliarden Dollar jährlich für das Artemis-Programm bereit. Für die Haushaltsjahre 2024 bis 2028 erwartet die US-Regierung einen Finanzierungsbedarf von 8,0–8,6 Milliarden Dollar jährlich, insgesamt 41,5 Milliarden. Wegen ausufernder Kosten – verursacht durch Missmanagement – befürchtete der Generalinspekteur der NASA jedoch eine Mittelknappheit und dadurch Verzögerungen bei der weiteren Umsetzung und einen Vertrauensverlust der Steuerzahler in die NASA.Andrew Jones: NASA's Artemis moon rocket will cost $6 billion more than planned: report. Space.com, 26. Mai 2023.Eric Berger: NASA’s Artemis program may face a budget crunch as costs continue to rise. Ars Technica, 17. Mai 2023.
Technische Bestandteile Das Artemis-Programm baut auf vier technischen Einheiten auf,Eric Berger: NASA has begun a study of the SLS rocket’s affordability (Updated). Ars Technica, März 2021: „The backbone for NASA’s Moon to Mars plans are the Space Launch System rocket, Orion spacecraft, ground systems at Kennedy Space Center, Gateway in lunar orbit and human landing system.“ (Zitat NASA) deren Konzept überwiegend aus früheren US-Mondprogrammen stammt:
mini|hochkant=0.9|Künstlerische Darstellung des Orion-Raumschiffs (rechts) auf der oberen SLS-Raketenstufe Die Superschwerlastrakete SLS wird offiziell seit 2011 entwickelt, beruht aber – wie die Ares-Rakete des eingestellten Constellation-Programms – auf Komponenten des Space-Shuttle-Systems. Sie kann bis zu 27 Tonnen Nutzlast auf den Weg zum Mond bringen. Eine Weiterentwicklung mit eventuell größerer Transportleistung ist geplant.Will Robinson-Smith: NASA contract confirms selection of ULA’s Centaur 5 as new upper stage for the SLS rocket. Spaceflight Now, 7. März 2026.NASA’s Artemis ‘Course Correction’ Boosts Moonward Momentum: Key Details Still Maturing. Nasaspaceflight, 6. März 2026: „Its larger capacity could deliver comparable or better translunar performance“.
Die Orion-Raumkapsel wurde vom Constellation-Programm über das SLS-Programm ins Artemis-Programm übernommen. Sie ist für eine Besatzung von bis zu vier Astronauten ausgelegt. Das Orion-Raumschiff besteht aus der von Lockheed Martin gebauten Kapsel und dem „europäischen Servicemodul“, einer im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) von Airbus Defence and Space in Bremen gefertigten Antriebs- und Versorgungseinheit. Das Gesamtsystem ist so schwer, dass es vorerst nur mit dem SLS auf den Weg zum Mond gebracht werden kann.
mini|hochkant|Künstlerische Darstellung der Starship-Mondlandefähre Die für das Space Shuttle genutzten Bodensysteme am NASA-Weltraumbahnhof Kennedy Space Center wurden für die Handhabung von SLS und Orion umgerüstet. Hierzu zählen das Vehicle Assembly Building (VAB), in dem die Rakete zusammengebaut wird, die Startrampe 39B und die Crawler-Transporter für den Transport der Rakete vom VAB auf die Rampe. Außerdem wurde der Mobile Launcher 1 (ML-1), ein mobiler Starttisch (MLP) mit integriertem Startturm, für das SLS umgebaut.Chris Bergin: Second SLS Mobile Launcher preps for construction as hardware arrives at KSC. Nasaspaceflight.com, 6. Juli 2020.
Als Mondlandefähre, beim Artemis-Programm Human Landing System (HLS, „Menschenlandesystem“) genannt, wählte die NASA aus Redundanzgründen zwei unterschiedliche Konzepte aus:Loren Grush: NASA administrator on new Moon plan: ‘We’re doing this in a way that’s never been done before’ / Jim Bridenstine goes into more detail on Artemis. The Verge, 17. Mai 2019: „We want to have two very dissimilar landing capabilities, so that if one of them has a setback, the other one can go forward.“ Eine spezielle Variante des Starship-Raumschiffs von SpaceX und den Lander Blue Moon Mark 2 von Blue Origin. Im Gegensatz zur zweiteiligen Apollo-Mondlandefähre sind beide Artemis-Lander einstufig und sollen wiederverwendbar sein. Nicht zum Zuge kam ein Entwurf von Dynetics für eine Lande- und Aufstiegsfähre mit abwerfbaren Tanks.Jeff Foust: Blue Origin reveals mockup of Blue Moon lunar lander prototype. Spacenews, 28. Oktober 2023.
Für die geplanten Aufenthalte auf der Mondoberfläche werden auch neue Raumanzüge benötigt. Darüber hinaus lässt die NASA neue Mondautos entwickeln und bauen.
Seit 2017 ist oder war auch die Einrichtung der Raumstation Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G) im Mondorbit geplant. Von dort aus soll(t)en sowohl Mondlandungen als auch spätere Flüge zum Mars erfolgen. Außerdem soll(te) der LOP-G als Kontrollzentrum für die Steuerung von Robotermissionen auf der Mondoberfläche dienen. Im März 2026 erklärte die NASA ihre Absicht, dieses Projekt, an dem auch die übrigen ISS-Teilnehmerstaaten beteiligt sind, für unbestimmte Zeit zurückzustellen. Die Entscheidung hierüber liegt letztlich beim US-Gesetzgeber.
Beteiligte und Konkurrenten