mini|hochkant=1.5|Stolpersteine für Familie Rosenthal Die Liste der Stolpersteine in Hohen Neuendorf enthält die Stolpersteine, die in der Stadt Hohen Neuendorf verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Kölner Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in der Regel selbst verlegt.
Die Stolpersteine liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers.
Die Stolpersteine in Hohen Neuendorf werden durch den Geschichtskreis des Kulturkreises Hohen Neuendorf verlegt. Das Projekt nennt sich „Stolpersteine für Hohen Neuendorf“. Anstoß gab ein 1996 vom Dichter Jürgen Rennert veröffentlichter Artikel, in dem er sich über die Einebnung des Grabes von Dr. Hugo Rosenthal erregte sowie das Schicksal der in Hohen Neuendorf ansässigen Familie Reinhold Meyer, Sohn eines jüdischen Literaturprofessors und Kunstsammlers und Enkel eines der Gründer der Deutschen Bank. Als 2011 die Stolpersteine für Familie Rosenthal verlegt wurden, äußerte sich Rennert wie folgt:
2010 wurden die ersten Steine in der Stadt verlegt.Stolpersteine in Hohen Neuendorf. Kulturkreis Hohen Neuendorf; abgerufen am 12. Mai 2019Jubiläumsbroschüre. Kulturkreis Hohen Neuendorf; abgerufen am 12. Mai 2019
Stolpersteine
Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTE DR. CURT ECKSTEIN JG. 1890 BERUFSVERBOT 1938 VERHAFTET 1944 RAVENSBRÜCK DEPORTIERT 1944 ERMORDET IN AUSCHWITZ Fasanenweg 9 , auch Kurt Eckstein, wurde am 30. April 1890 in Reichenbach geboren. Er war verheiratet mit Charlotte Eckstein, geborene von Smolenski. Eckstein war Anwalt und hatte seine Kanzlei in Berlin (Unter den Linden 51). Spätestens ab November war es ihm auf Grund des Berufsverbotes für Anwälte jüdischer Abstammung nicht mehr möglich als Anwalt tätig zu sein. Sein Haus in Borgsdorf sowie das Grundstück versuchte er 1938 seiner Frau zu übereignen, die nichtjüdischer Herkunft war, doch wurde dies 1940 durch den Landrat abgelehnt. 1942 gelang ihm der Verkauf an einen Wirtschaftstreuhänder, doch auch dieser Verkauf wurde vom Landrat abgelehnt. Ende 1942 wurde Eckstein verhaftet, da er den Judenstern nicht vorschriftsmäßig trug.Regina Scheer: Im Schatten der Sterne. Aufbau Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-351-02581-6, S. 35–38. Er kam ins „Arbeitserziehungslager“ Großbeeren. 1943 musste ihm in einem Krankenhaus ein Finger amputiert werden.Wolfgang Benz: Überleben im Dritten Reich: Juden im Untergrund und ihre Helfer, S. 334, C.H. Beck Verlag, München 2003, ISBN 978-3-406-51029-8 Am 26. Mai 1943 befand er sich im Krankenhaus des Polizeigefängnisses Berlin. Am 11. März 1944 wurde er von der Gestapo in das Männerlager des KZ Ravensbrück eingewiesen. Hier war er Zwangsarbeiter. Am 22. September 1944 wurde Curt Eckstein ins KZ Auschwitz deportiert, museumsmedien.de; abgerufen am 7. Mai 2019 wo er im selben Jahr sein Leben verlor.„Eine tragische Geschichte von vielen“. hohen-neuendorf.de; abgerufen am 7. Mai 2019 120px HIER WOHNTE WILLY GERBER JG. 1892 VERHAFTET MÄRZ 1943 IN POTSDAM DEPORTIERT 1943 AUSCHWITZ ERMORDET 17.7.1943 Gartenweg 4 wurde am 5. Februar 1892 in Berlin geboren. Er war Bankfachmann. Seine Frau Meta war christlichen Glaubens. Das Paar hatte eine Tochter, Renate. Am Gartenweg hatte er ein Haus für die Familie gebaut. Im März 1943 wurde er von der Gestapo in Potsdam festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Willy Gerber wurde dort am 17. Juli 1943 ermordet. 120px HIER WOHNTEERNESTINE JACKSGEB. KOHLS JG. 1873 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT TOT 28.4.1943 Birkenwerder Straße 4 , geborene Kohls, wurde am 11. Oktober 1873 in Baldenburg geboren. 1894 heiratete sie Georg Jacks in Baldenburg.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Jacks, Ernestine Ernstine, abgerufen am 7. Mai 2019Todesfallanzeige Georg Jacks. holocaust.cz; abgerufen am 12. Mai 2019 Im Ersten Weltkrieg leistete sie Lazarettdienst und wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.Der Anfang des Terrors. taz.de; abgerufen am 8. Mai 2019. Ernestine und Georg Jacks hatten acht Kinder.Schüler besuchen Museum Auschwitz. Moz.de; abgerufen am 7. Mai 2019 1923 zog die Familie nach Hohen Neuendorf. Sie betrieben eine Schrotthandlung in Berlin.Ruth Winkelmann: Plötzlich hieß ich Sara: Erinnerungen einer jüdischen Berlinerin 1933–1945. Jaron-Verlag, 2011, ISBN 978-3-89773-664-1. Persönliche Information der Zeitzeugin Ruth Winkelmann am 17. Juni 2022 Ernestine Jacks leitete die Geschäfte. 1939 mussten sie ihr Haus und ihr Geschäft verlassen und kamen in eine kleine Wohnung nach Berlin (Kleine Auguststraße 5).„Stolpern und Nachdenken“. Neues Deutschland; abgerufen am 7. Mai 2019. Am 7. September 1942 wurden Ernestine Jacks und ihr Ehemann mit dem Transport I/60 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Ihre Transportnummer war die 6221. Ernestine Jacks verlor am 28. April 1943 ihr Leben in Theresienstadt. Enkeltochter Ruth Winkelmann ist als Zeitzeugin aktiv.Theresienstädter Gedenkbuch: ERNESTINE JACKS, abgerufen am 7. Mai 2019Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus: ERNESTINE JACKS, abgerufen am 7. Mai 2019
Zumindest sieben ihrer Kinder wurden ebenfalls Opfer der Shoah. Die meisten wurden in Auschwitz ermordet: Herta (geboren 1894),Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: HERTHA BARBER, abgerufen am 8. Mai 2019 Adolf (geboren 1895) und seine Frau Edith und der gemeinsamen Sohn Egon,Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: ADOLF JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: RAHEL EDITHA JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: EGON JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019 Frieda (geboren 1897),Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: FRIEDA JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019 Flora (geboren 1899),Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: FLORA HEIMANNSOHN, abgerufen am 8. Mai 2019 Margarete (geboren 1901)Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: MARGARETE JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019 und Hermann (geboren 1903). Dagobert (geboren 1904) und dessen Frau Charlotte sowie die gemeinsame Tochter Marianne wurden 1942 in Riga ermordet.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: MARIANNE JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: DAGOBERT JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: CHARLOTTE JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019 120px HIER WOHNTE GEORG JACKS JG. 1868 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT TOT 28.11.1942 Birkenwerder Straße 4 wurde am 16. März 1868 in London geboren und war somit von Geburt Engländer. Er ließ sich 1914 arisieren, um für das „Deutsche Volk“ zu kämpfen. Er war verheiratet mit Ernestine Jacks, geborene Kohls. Er war Kaufmann, während des Ersten Weltkrieges diente er als deutscher Soldat und erblindete auf Grund eines Gasangriffes. Am 7. September 1942 wurden Georg Jacks und seine Ehefrau mit dem Transport I/60 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Ihre Transportnummer war die 6222. Georg Jacks starb am 28. November 1942 in Theresienstadt. Auf der Todesfallanzeige wurde „Herzschlag“ als Ursache angegeben.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Georg Jacks, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus: GEORG JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Theresienstädter Gedenkbuch: GEORG JACKS, abgerufen am 8. Mai 2019Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Jacks, Georg, abgerufen am 8. Mai 2019 120px HIER WOHNTE HERMANN JACKS JG. 1903 DEPORTIERT 1943 AUSCHWITZ ERMORDET JULI 1943 Erdmannstraße 4 wurde am 18. Juni 1903 in Berlin geboren. Er war der Sohn von Ernestine und Georg Jacks.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Jacks, Hermann, abgerufen am 11. Mai 2019 Er war mit einer Christin, Elly Jacks geb. Widdig, verheiratet, das Paar hatte zwei Töchter: Ruth (geboren 1928) und Esther. Hermann Jacks arbeitet mit in der Schrotthandlung der Eltern. Nach den Novemberpogromen ließen sich die Eltern scheiden, hoffend so die Kinder arisieren lassen zu können. Am 2. März 1943 wurde er von Berlin nach Auschwitz deportiert. Im Juni 1943 schrieb er eine Karte an seine Töchter aus Monowitz. In diesem Lager wurde er 1943 von einem Baugerüst gestoßen. Hermann Jacks gilt laut einer Quelle als verschollen, der Stolperstein gibt an, dass Jacks im Juli 1943 ermordet wurde. Laut einem Interview mit seiner Tochter Ruth, die in den Archiven des Museums Auschwitz unter anderem das Schicksal ihres Vaters erforschte, wurde Hermann Jacks im Januar 1944 in einer Gaskammer in Auschwitz ermordet.Tagesspiegel.de: Langsame Öffnung, abgerufen am 9. Mai 2019
Seiner geschiedenen Frau wurde vom NSDAP-Mitglied Leo Lindenberg eine Laube als Versteck angeboten. Dort überlebten zumindest Tochter Ruth und Hermann Jacks geschiedene Frau. Seine Tochter Esther starb im März 1945 an Diphtherie.Ruth Winkelmann: Plötzlich hieß ich Sara: Erinnerungen einer jüdischen Berlinerin 1933–1945. Jaron-Verlag, 2011, ISBN 978-3-89773-664-1. Ruth verfasste ein Buch über ihre Erlebnisse und ist heute als Zeitzeugin aktiv. 120px HIER WOHNTE ARTHUR MAGNOR JG. 1890 IM WIDERSTAND / KPD VERHAFTET 30.8.1944 ZUCHTHAUS BRANDENBURG ENTHAUPTET 22.1.1945 Wandlitzer Straße 11, Bergfelde wurde 1890 geboren. Er war Schlosser und gehörte einer Widerstandsorganisation an. Er hatte zumindest eine Tochter, Lucie. Seine erste Frau, Mutter seiner Tochter, starb früh; er heiratete erneut. Arthur Magnor lebte in Berlin-Wedding und erwarb in den 1920er Jahren das Grundstück in der Wandlitzer Straße, um dort seine Wochenenden zu verbringen. Ab 1929 lebte er hier mit seiner Familie und pendelte zur Arbeit nach Berlin. Des Weiteren trat er der KPD bei und wurde Mitglied der illegalen Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, einer Widerstandsgruppe. Daneben versorgte Magnor Zwangsarbeiter mit Obst und Gemüse aus seinem Garten. 1944 versteckte er einen russischen Kriegsgefangenen, Gregori Wassiliew, auf seinem Grundstück. Er wurde denunziert und am 30. August 1944 verhaftet. Von der NS-Justiz wurde er wegen landesverräterischer Feindbegünstigung zum Tode verurteilt. Arthur Magnor wurde am 22. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil hingerichtet.