mini|Der Yongin Daejanggeum Park ist die Filmkulisse des Senders MBC für historische Dramen und war u. a. Drehort der Serie Jumong
Koreanische Dramen (kor. Hanguk Drama), meist kurz K-Drama, sind Fernseh- und Webserien aus Südkorea. Sie gelten als Ursprung der Koreanischen Welle, dem weltweiten Erfolg südkoreanischer Popkultur. K-Dramas erfreuen sich insbesondere in Asien großer Beliebtheit.
Im Laufe des 21. Jahrhunderts entwickelten sich K-Dramas zu einem wichtigen kulturellen Exportprodukt für Südkorea. Mit der Netflix-Serie Squid Game erreichte der internationale Erfolg von koreanischen Dramen einen Höhepunkt.
Format Die meisten Serien haben zwischen 12 und 24 Folgen à 45 bis 70 Minuten, wobei ein Trend zu immer kürzeren Serien zu beobachten ist. Die meisten Dramen werden zwischen 22:00 und 23:00 Uhr ausgestrahlt, zu zwei aufeinanderfolgenden Nächten: montags und dienstags, mittwochs und donnerstags oder am Wochenende. Der Sendeplatz zwischen 19:00 Uhr bis 20:00 Uhr ist in der Regel für Dramaserien reserviert, die von Montag bis Freitag laufen. Dies sind meist Telenovelas. Üblicherweise haben südkoreanische Serien einen Regisseur und einen Drehbuchautor, anders als bspw. amerikanische Serien, wo meist mehrere Regisseure und Autoren zusammenarbeiten und sich abwechseln. Weiterhin gibt es für die meisten Dramen keine Fortsetzungen durch weitere Staffeln.
Geschichte Anzahl von Fernsehgerätenin SüdkoreaKorea Motion Picture Promotion Corporation (1977): Korean Film Source Handbook. From Initial Stage to 1976. Seoul. Zitiert nach Jahr Fernsehgeräte 1966 43.684 1967 73.224 1968 118.262 1969 223.695 1970 379.564 1971 616.392 1972 905.365 1973 1.282.122 1974 1.618.617 1975 2.014.927 1976 2.809.131
20. Jahrhundert Am 31. Dezember 1961 nahm das Korean Broadcasting System (KBS) als erster öffentlich-rechtlicher Sender Südkoreas den Betrieb auf. Der Sender begann kurz darauf die Ausstrahlung der ersten Fernsehserien. Diese wurden allerdings noch von der Militärregierung reguliert. Die Dramen dienten eher der Bildung als der Unterhaltung sowie die Verbreitung der Ideologie der Regierung. Beispielsweise waren dem Drama Real Theater (1964–1985) deutlich antikommunistische Tendenzen anzumerken. Seit 1969 dürfen Sendeanstalten auch Einnahmen durch Werbung generieren. Dies sorgte für mehr Wettbewerb und höhere Investitionen in die Produktion. Ab den 1970er Jahren strahlten die Sender KBS, MBC und TBC etwa 15 Dramaserien täglich aus. Mehr und mehr Familien besaßen Fernseher und Dramaserien wurden noch vor Filmen das Hauptunterhaltungsmittel. Allerdings begann die Regierung auch stärker, die Inhalte zu kontrollieren und erwartet, dass verstärkt Nachrichten und Bildungsprogramme gesendet würden.
In den 1970er Jahren begann auch die Produktion langlebiger Dramaserien. So lief die MBC-Serie Susa Banjang (Chief Detective), die mit Starsky & Hutch verglichen werden kann, von 1971 bis 1989. Als kreativster Sender galt TBC, der unter anderem Tabuthemen wie Seitensprünge behandelte. 1980 ging der Sender in KBS auf. In den 1980er Jahren hielten Farbfernseher Einzug in südkoreanischen Wohnzimmern. In dieser Zeit begannen auch die Fernsehserien, mehrere neue Themen zu erschließen. Historiendramen behandelten die Zeit der Joseon-Dynastie (1392–1910) und erzählten Heldengeschichten. Manche Serien zeigten das Leben in Kleinstädten und erzeugten Nostalgie. Dennoch wurde durch die strikte Kontrolle bis dato das Themen- und Genrespektrum stark eingegrenzt, sodass vor allem Melodramen, Seifenopern und Historiendramen produziert wurden.
Ab 1987 entwickelte sich Südkorea zu einem demokratischen Staat und die weitgehende Regulierung des Fernsehens und der Unterhaltungsindustrie wurde nach und nach aufgehoben. Gleichzeitig veränderte sich die Fernsehlandschaft durch technische Veränderungen, bspw. Satellitenfernsehen. Zudem trat mit dem Seoul Broadcasting System ein neuer Fernsehsender auf. Dies führte zu höheren Investitionen in Fernsehserien. Der Wettbewerb wurde angeheizt. Eyes of Dawn (, 1991–1992) gilt als erste Blockbuster-Drama in Südkorea. Die Spanne der Handlung ging über mehrere Dekaden, von der Zeit der japanischen Besatzung über den Zweiten Weltkrieg bis zum Koreakrieg. mini|links|Die Insel Namiseom war einer der Drehorte des Dramas Winter Sonata (2002), einem Meilenstein der Koreanischen Welle
Als einer der größten Erfolge zählt auch die MBC-Serie Jealousy (1994) mit Choi Su-jong und Choi Jin-sil. Anders als die meisten Melodramen handelt diese romantische Serie von dem Stadtleben junger Leute. SBS nutzte am meisten die neu gewonnene Freiheit des Fernsehens und produzierte mit Sandglass () eines der erfolgreichsten Dramas überhaupt. Das halbe Land hat sich die Serie angesehen. In den 1990er Jahren entwickelte sich eine Länge von 12 bis 24 Folgen pro Serie zur Norm der südkoreanischen Sender. Zusammen mit der technischen Entwicklung erhöhte dies die Qualität der Sendungen. Einige Fernsehserien wurden nach China, Hongkong, Taiwan und Japan exportiert. Eine chinesische Zeitung besprach den zunehmenden Import südkoreanischer Produkte und Serien und bezeichnet das Phänomen als ‚Koreanische Welle‘. Dies war der Beginn erfolgreicher südkoreanischer Kulturexporte.
21. Jahrhundert Mitte der 2000er Jahre war der Preis für südkoreanische Fernsehserien in Asien höher als der für US-amerikanische. In Südkorea traten zudem neue Akteure zu Tage. Die Kabelfernsehsender tvN und jTBC begannen, den großen Sendern KBS, MBC und SBS Konkurrenz zu machen. Zudem begann der Internetkonzern Naver, Webserien zu produzieren. Gleichzeitig wurden durch die Streamingdienste Hulu und DramaFever K-Dramen auch in den USA populär. Über das Internet gewannen südkoreanische Fernsehserien weltweit Bekanntheit, wobei sich Fans häufig in rechtliche Grauzonen begeben oder illegal die Dramen mit Untertiteln streamen, da es in ihren Heimatländern keine legalen Anbieter gab. Webseiten wie HanCinema, Soompi, Dramabeans, Dramawiki und MyDramaList etablierten sich und boten Plattformen, Datenbanken und Foren für Fans aus der ganzen Welt. Mit Viki etablierte sich ein weiterer Streamingdienst, der sich auf südkoreanische Fernsehserien fokussierte und in den USA erfolgreich wurde. Mittlerweile gehört der Dienst zum japanischen Rakuten-Konzern. Ende der 2010er Jahre begannen auch amerikanische Dienste, K-Dramen zu produzieren. Zum einen aufgrund der heimischen Fans, zum anderen, um ihre Streamingdienste in Südkorea anzubieten. So produzierte Amazon Studios The [email protected], Viki produzierte mit Dramaworld eine Serie, in der ein amerikanisches Mädchen in die Welt koreanischer Dramen gezogen wird. YouTube drehte das K-Pop-Drama Top Management und Netflix begann mit Kingdom den Einstieg in aufwändig produzierte koreanische Dramaserien. Zur gleichen Zeit starteten in den USA auch die Streamingdienste KOCOWA und OnDemandKorea, die südkoreanische Fernsehserien und Filme in den USA anbieten. Sie traten in Konkurrenz zu DramaFever, das südkoreanischen Dramen in den USA zum Erfolg verhalf. 2018 beendete Warner Bros., zu dem DramaFever gehörte, allerdings den Dienst. Dadurch versuchen die bisherigen Anbieter südkoreanischer Dramen in den USA, sich als neuer Spitzenanbieter zu etablieren.
Während K-Dramen in der Anfangszeit der Koreanischen Welle vor allem den Genres Liebesserie, romantische Komödie oder Historiendrama () angehörten, hat sich in den vergangenen Jahren eine größere Genrevielfalt entwickelt. 2014 feierte die Fernsehserie Misaeng mit dem Thema der südkoreanischen Arbeitswelt einen großen Erfolg. Die Serie basiert auf einem gleichnamigen Webtoon. Der Protagonist versucht sich darin, in einem Handelsunternehmen als Praktikant in der Hoffnung auf eine Festanstellung zu beweisen und zurechtzufinden. Das Drama wurde als äußerst realistisch beschrieben. Da die Arbeitswelt präzise dargestellt wird, konnten sich viele damit identifizieren. Die Serie behandelt Themen wie Diskriminierung am Arbeitsplatz wegen des Geschlechts und der Qualifikation der Beschäftigten. Außerdem geht es um Mobbing und unterschwellige Rivalitäten zwischen Kollegen und Abteilungen. Diese Serie verzichtet dabei auf eine Romanze zwischen den Hauptfiguren und erntete dafür viel Anerkennung. Wie die Serie Misaeng befasst sich auch die Serie My Mister (2018) mit Beziehungen im Arbeits- und Familienleben. Beide Serien unterstreichen die wesentliche Rolle von Familie und Freundschaften, und ein Happy End wird erreicht, indem die Hauptfiguren Schwierigkeiten überwinden und letztlich ihren Platz in der Gesellschaft finden; zugleich werden Figuren dargestellt, die sich gegen gesellschaftliche Erwartungen auflehnen und dennoch in die Gemeinschaft eingebunden bleiben.
Ab 2019 etablierte sich der Begriff Cine Drama () – auch Dramatic Cinema () und Cinematic Drama () genannt – der auf eine neue Art von Fernsehserien hindeutet. Während es zuvor eine strikte Unterscheidung zwischen Fernsehen und Kinofilm gab, verschwimmt diese immer mehr durch aufwendige Dramaproduktionen. Auch werden Fernsehschauspieler in Korea Talent genannt, um diese von Film- und Bühnenschauspielern abzugrenzen. Zu Beginn der 2010er spielten vermehrt auch Filmstars in Fernsehserien mit, was dazu beitrug, die Grenze verschwimmen zu lassen. Weiterhin werden Fernsehproduktionen durch die Korea Communications Commission beaufsichtigt, die die Regeln für das Fernsehen festlegt. Dies hat dazu geführt, dass sich Dramen vor allem auf konfuzianistische Werte und Liebesromanzen fokussierten, während sich Filme frei entwickeln konnten. Mit dem Eintreten des Filmproduktionskonglomerat CJ ENM sowie des Streamingdienstes Netflix in die Dramaproduktion hat sich jedoch ein neuer Trend entwickelt. Netflix unterliegt nicht der Aufsicht der KCC. Die meist Cine Drama genannte Form zeichnet sich durch die Beteiligung von Filmstudios an Dramaserien sowie durch hohe Budgets aus. Weiterhin werden häufig Filmregisseure für die Dramen engagiert. Die Serien verwenden selten übliche Drama-Klischees und zeichnen sich durch cineastische Kameraführung aus. Als Vorreiter dieser Cine-Dramen gelten Trap, Kingdom, Strangers from Hell (alle drei 2019), SF8, Team Bulldog: Off-duty Investigation, The School Nurse Files und School Strange Stories (alle vier 2020).
Mit dem 2021 erschienenen K-Drama Squid Game erreichte die internationale Popularität von K-Dramas einen neuen Höhepunkt. Die Serie erreichte in 90 Ländern Platz 1 der Netflix-Charts und wurde in 111 Millionen Haushalten geschaut.
K-Dramen sind in einer Studie in den USA im Rahmen von Workshops, die sich an asiatische Amerikaner richteten, als Instrument der Aufklärung über psychische Gesundheit eingesetzt worden.
Produktion mini|hochkant|Bae Suzy, die Hauptdarstellerin in Gu Family Book Anfangs wurden die Fernsehserien direkt von den Fernsehsendern selbst produziert. Seit den 2000er Jahren wurde die Produktion zunehmend bei unabhängigen Studios in Auftrag gegeben. 2012 wurden etwa 75 % aller Dramaserien auf diese Weise produziert. Der Wettbewerb ist groß: bei 156 registrierten Firmen wurden nur 34 Fernsehdramen tatsächlich ausgestrahlt. Das Budget wird aufgeteilt zwischen Fernsehsender und Produktionsstudio. Werden große Stars engagiert, übernimmt der Fernsehsender in der Regel einen höheren Teil des Budgets. Die Einnahmen aus Produktplatzierungen werden in der Regel auch geteilt. Allerdings gehen die gesamten Einnahmen aus Werbung während der Ausstrahlung an den Sender. Das können pro Folge bis zu 300 bis 400 Millionen Won sein. Typischerweise kostet eine Folge in etwa 250 Millionen Won pro Folge (etwa 190.000 Euro), wobei Historiendramen in der Regel teurer sind. Beispielsweise kostete eine Folge von Gu Family Book (2013) rund 500 Millionen Won.