mini|hochkant|Marienikone, die für die Aktionswoche 2019 geschaffen wurde Maria 2.0 ist eine von Frauen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ausgehende Initiative. Sie begann mit einer Aktionswoche in Münster vom 11. bis zum 18. Mai 2019. In Süddeutschland wurde die Aktionswoche teils am 13. bzw. erst am 19. Mai 2019 aufgegriffen und bis zum 26. Mai 2019 fortgeführt. Die Initiative besteht aus lokalen Gruppen, die weitgehend autonom agieren.Internetpräsenz von Maria 2.0 in Heilig Kreuz, Münster

Der Name der Initiative wird damit begründet, dass „Maria 1.0“ für Maria als Idealbild der schweigenden und dienenden Frau stehe. „2.0 heißt Neuanfang: Alles auf null stellen. Wir sind nicht mehr so!“, wie Lisa Kötter, eine der Initiatorinnen, formulierte.

Vorgeschichte und Forderungen Ausgangspunkt der Initiative war ein Lesekreis in der Pfarrei Heilig Kreuz in Münster, in dem Anfang 2019 das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus, Evangelii gaudium, studiert wurde.Maria 2.0 (eigene Internetpräsenz): Wie alles anfing und wie es dann weiter ging … In einer Online-Petition mit einem offenen Brief an Papst Franziskus forderten die Teilnehmer Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Auch der Umgang mit den Opfern des Missbrauchsskandals wurde kritisiert.

Die Forderungen der Initiative richten sich auch gegen Machtstrukturen in der Kirche. Im Zuge zur Frage der Machtstrukturen wurden im November 2020 von einer Maria-2.0-Mitinitiatorin die Weiheämter generell infragestellt. Daraufhin wurde in einem Kommentar dazu mehr Theologie in Kirchen-Debatten eingefordert.

Im April 2023 forderte die Initiative die sofortige Ablösung der Staatsleistungen an die katholische und evangelische Kirche.

„Kirchenstreik“ und Aktionen im Jahr 2019 mini|Demonstration nach einer Priesterweihe in Freiburg

In einem Aufruf der Initiatorinnen hieß es: „Wir rufen im Marienmonat Mai, in der Woche vom 11. bis zum 18. Mai 2019, alle Frauen auf, in einen ‚Kirchenstreik‘ zu treten: Wir betreten keine Kirche mehr und tun keinen Dienst. Vor den Kirchen werden wir Gottesdienst feiern und unsere Klagen und Forderungen nachdrücklich und kreativ zum Ausdruck bringen.“ Weiß als Farbe „des Mitgefühls, der Trauer und des Neubeginns“ schaffe ein gemeinsames Erscheinungsbild, so die Initiatorinnen. Sie regen an, weiße Kleidungsstücke, Tücher, Blüten und Kerzen bei den Aktionen zu verwenden. In mindestens 50 Orten wurden Aktionen im Rahmen von Maria 2.0 angekündigt, die nicht nur von Frauen getragen werden. In der Pfarrei Herz Jesu (Essen-Burgaltendorf) schlossen sich auch die ehrenamtlich tätigen Männer dem „Kirchenstreik“ an.

Münster Eine Mahnwache fand am Sonntag, dem 12. Mai 2019, vormittags auf dem Münsteraner Domplatz statt. An dieser zentralen Veranstaltung der deutschlandweiten Aktionswoche beteiligten sich etwa 700 bis 800 Gläubige.

Ende August 2019 fand ein Vernetzungstreffen für das Bistum Münster statt.

Südbaden Eine Vielzahl von Aktivitäten fanden im südlichen Baden-Württemberg statt.

Freiburg Auf dem Freiburger Münsterplatz demonstrierten am Nachmittag des 12. Mai 2019 nach einer Priesterweihe rund 400 Frauen und Männer. Der zuständige Erzbischof Stephan Burger ging beim Auszug aus dem Münster auf zwei Wortführerinnen zu: „Die Botschaft kommt an“, sagte er, aber auch: „Ich werde diese Spannung heute nicht lösen können.“ Rund 200 Menschen,Nach Polizeiangaben; Freiburg: Aktivistinnen protestieren gegen Kirche auf swr.de gibt 250 Teilnehmer an. darunter Frauen aus der Maria-Magdalena-Gemeinde in Freiburg, setzten ihren Protest am 30. Juni fort, als Stadtdekan Christian Würtz zum Bischof geweiht wurde. Beteiligte kamen auch aus Mannheim und Konstanz. Würtz überreichte „ein Schreiben sowie ein rotes Knäuel an Sigrid Striet und Eveline Viernickel, verbunden mit dem Wunsch, der Gesprächsfaden möge nicht abreißen“, und der Einladung zu einem Gespräch im September. Dieses fand später statt. Erzbischof Burger sagte dabei zu, die Anliegen der Katholikinnen in den „Gesprächsprozess des synodalen Weges“ einzubringen; er wolle mit den Frauen im Dialog bleiben. Im Freiburger Ordinariat gingen nach Angaben des Sprechers Michael Hertl rund 500 E-Mails, Postkarten und Briefe ein, von denen der größte Teil die Forderungen der Aktion unterstützt. Das Ordinariat wollte alle Zuschriften beantworten.

Am 7. Juli 2019 und einigen der folgenden Sonntagen organisierten die Demonstrantinnen von 11 bis 11.30 Uhr, wenn das Domkapitel die Messe verlässt, eine „Aufwache“ vor dem Münster.

Bad Säckingen Vor dem Fridolinsmünster in Bad Säckingen fand am Sonntag, den 19. Mai 2019 eine Aktion vor dem Portal und im Pfarrgarten „eine ‚etwas andere Maiandacht‘ mit Meditationstexten zu Maria und anderen Themen“ statt. In der Region, auch in Waldshut-Tiengen, wurden die Aktionen noch bis zum 26. Mai 2019 fortgesetzt.Michael Gottstein: Klagemauer vor dem Münster. In: Alb-Bote, 16. Mai 2019.Peter Rosa: Der Kirchenstreik geht weiter. In: Südkurier, 20. Mai 2019.

Lauchringen mini|Katholische Herz-Jesu-Kirche in Unterlauchringen In der Hochrhein-Gemeinde Lauchringen in Baden-Württemberg streikten drei Frauen ab 13. Mai 2019 und veranstalteten am 19. Mai 2019 einen Wortgottesdienst mit 60 Unterstützern, Frauen und Männern, vor der Kirche, darunter auch der hier heimischen Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Der Erzbischof des Erzbistums Freiburg, Stephan Burger, hatte zu dem Zeitpunkt ein Treffen mit den Frauen abgelehnt. Ab Oktober 2019 bis zum Juli 2020 „(laden) die Initiatorinnen des Lauchringer Kirchenstreiks […] jeden dritten Mittwoch im Monat jeweils in einem anderen Ort [im Landkreis Waldshut] zum Gebet für Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche ein.“Gleichberechtigung für Mann und Frau in der katholischen Kirche

Generell geht es um „die Gleichstellung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche. […] Rund 5000 Unterschriften haben die drei Initiatorinnen des Lauchringer Kirchenstreiks […] seit Beginn ihrer Initiative im Mai gesammelt. […] Am Montag [23. September 2019] reisten die drei Frauen ins hessische Fulda, wo die Deutsche Bischofskonferenz tagt.“ Sie übergaben „an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, einen Aktenordner mit den Unterschriften.“Juliane Schlichter: Lauchringer Kirchenstreik: Kardinal Marx nimmt Unterschriften entgegen. In: Südkurier, 25. September 2019.

Vor Ort wurden sie auch von Mechthild Heil, der Vorsitzenden der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, unterstützt.Juliane Schlichter: Mit Beistand von oben zum Erfolg. In: Alb-Bote, 9. Oktober 2019.

Hochrhein Nach dem Streik in der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena zogen die Organisatorinnen aus Lauchringen Bilanz (im Gespräch): Es ginge um die Sensibilisierung für die Gleichstellung von Frau und Mann in der katholischen Kirche: „Das konnten wir erreichen, es wurde in der Bevölkerung breit diskutiert.“ Rückmeldungen gab es aus den Seelsorgeeinheiten Allensbach am Bodensee, aus Schwörstadt im Kreis Lörrach und aus dem Ortenaukreis. Auch „(haben) sich evangelische Christen zu Wort gemeldet.“ Die Pfarrer – „für die andere unsere Arbeiten während der Gottesdienste erledigt haben“ –, sind „uns zwar nicht in den Rücken gefallen, aber haben unseren Kirchenstreik weitgehend ignoriert.“ Der Leiter der Seelsorgeeinheit war jedoch zu einem Diskussionsabend bereit.

Mittlerweile ist Pfarrer Ulrich Sickinger, Leiter der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena, auch „einer von bislang 138 Unterzeichnern der online-Petition, mit der Priester und Diakone der Erzdiöse Freiburg ihre Unterstützung für die Reformbewegung Maria 2.0 der katholischen Kirche ausdrücken.“

Inzwischen gerät auch das Reformkonzept Pastoral 2030 in die Diskussion, denn „das hat zur Folge, dass ein Pfarrer sich künftig um eine Pfarrei von der Größe eines Landkreises kümmern muss.“Juliane Schlichter: Kirche in der Krise, Südkurier, 12. Oktober 2019.

Mainz An Pfingsten 2019 fand eine Demonstration mit etwa 200 Teilnehmern vor dem Mainzer Dom statt, bei welcher auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf anwesend war und eine Stunde lang mit den Teilnehmern diskutierte. Am 14. August 2019 traf sich Kohlgraf erneut mit Vertretern der Bewegung. Dabei betonte er, dass ihm an der Fortsetzung des Dialogs gelegen sei, und lud ein, „sowohl den synodalen Weg der deutschen Bischofskonferenz […] als auch den ‚Pastoralen Weg‘ im Bistum zu begleiten“. Er wolle die Themen von Maria 2.0 auch selbst in Gespräche einbringen.

Berlin Am Sonntag, dem 3. November 2019, fand vor der im Umbau befindlichen Berliner Hedwigs-Kathedrale ein Wortgottesdienst der Initiative Maria 2.0 statt, an dem knapp 100 Personen teilnahmen, darunter Barbara John, Wolfgang Thierse und der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin, Bernd Streich. Bei einem anschließenden Empfang im Kathedralforum sprach Erzbischof Heiner Koch mit den Teilnehmern.

2020 Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche feierten Katholikinnen gleichzeitig mit einer Priesterweihe, die im Freiburger Münster stattfand, vor dem Münster eine Agape-Feier im Freien mit Blumen, Brot und Wein. An der Feier nahmen etwa 150 Menschen teil, die meisten weiß gekleidet und weiblich.

Durch die Corona-Pandemie fielen viele geplante Präsenzveranstaltungen aus. Stattdessen wurden schriftliche Aktionen initiiert, z. B. schrieb Maria 2.0 Frankfurt im Juni einen Brief an Kardinal Stella mit der Bitte um Reformen.

Dort, wo Aktionen stattfanden, war die Teilnehmerzahl begrenzt, die Regelungen variierten. In Nordrhein-Westfalen z. B. galt bei einer Veranstaltung in Köln die Obergrenze von 200 Personen. Bei einer Veranstaltung in Fulda (Hessen) anlässlich der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischöfe kamen nur ca. 100 Personen unter Beachtung der Abstandsregeln zusammen.

„Thesenanschlag“ 2021 mini|hochkant|Thesen Maria 2.0, Februar 2021 In einer bundesweiten Protestaktion schlug die Reforminitiative am 21. Februar 2021 sieben Thesen an die Türen katholischer Kirchen, z. B der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Wiesbaden. Dies geschah in Anlehnung an Martin Luther, der laut Legende im Jahr 1517 seine 95 Thesen zur Reformierung der Kirche an die Schlosskirche Wittenberg angeschlagen haben soll.

Die Thesen wandten sich „an alle Menschen guten Willens“ und waren als Aufruf an die Deutsche Bischofskonferenz gedacht, die sich an dem nachfolgenden Dienstag zur Frühjahrsvollversammlung vom 23. bis zum 25. Februar 2021 virtuell traf. Sie fordern insbesondere eine Reform der kirchlichen Machtstrukturen.

In sieben Punkten forderte Maria 2.0 den Zugang aller Menschen zu den Kirchenämtern (Diakon, Priester, Bischof), d. h. auch für Frauen. Gefordert wurde auch die Teilung der Macht, indem alle Katholiken an der Sendung der Kirche mitwirken, die konsequente Aufklärung des sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit und die Änderung vorhandener Strukturen zur Vermeidung künftiger Fälle, außerdem eine andere Sexualmoral, die Sexualität positiv betrachtet, da die aktuelle Sexualmoral von der Mehrheit der Gläubigen ohnehin nicht mehr beachtet werde, die Abschaffung des Zölibats, einerseits um die aktuelle Doppelmoral heimlicher Beziehungen zu vermeiden und andererseits um mehr Menschen den Zugang zum Priesteramt zu ermöglichen. Die Kirche solle zu mehr Einfachheit zurückkehren, weniger Vermögen anhäufen und sich auf die eigentliche Sendung, nämlich die Verkündigung und das Leben nach dem Evangelium, besinnen. Mit einem Handeln nach der Botschaft Jesu könne ihre Glaubwürdigkeit wieder zurückgewonnen werden.