Die Tunny, auch USS Tunny (Kennungen: SS-282/SSG-282/APSS-282/LPSS-282), war ein dieselelektrisch angetriebenes Hochsee-U-Boot der United States Navy, welches im Zweiten Weltkrieg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz kam. Das 1942 in Dienst genommene U-Boot sah eine vergleichsweise lange Dienstzeit, überstand den Krieg und wurde nach 1945 mehrfach umgebaut und umklassifiziert, so wurde das Boot ab 1952 im Rahmen des Regulus-Programms der US-Marine zeitweilig zum Marschflugkörper-Träger (SSG-282) und in den 1960er Jahren zum Truppentransporter für amphibische Landungsunternehmen (APSS-282/LPSS-282) umgebaut. Erst 1969 erfolgte die endgültige Außerdienststellung. Die Tunny, benannt nach einer Unterart der mit den Thunfischen verwandten Makrelen-Gattung Euthynnus (), gehörte der Gato-Klasse an und wurde als 64. Einheit dieses Typs fertiggestellt. Die Tunny wurde am 10. November 1941 auf der Mare Island Naval Shipyard (US-Bundesstaat Kalifornien) auf Kiel gelegt, lief am 30. Juni 1942 von Stapel und wurde schließlich am 1. September 1942 in Dienst gestellt. Erster Kommandant des U-Bootes war Commander Elton Watters Grenfell, der das Boot aber nur während der Ausbildungszeit kommandierte.
Dienstzeit Nach dem Abschluss der Testfahrten in kalifornischen Gewässern verlegte die Tunny im Dezember 1942 nach Pearl Harbor zur Submarine Squadron (Subron) 4 der US-Pazifikflotte. Dort übernahm am 14. Dezember Lieutenant Commander John Addison Scott das Kommando über das U-Boot.
Erste Feindfahrt Die erste Patrouillenfahrt, sie dauerte vom 12. Januar bis zum 24. Februar 1943, führte das U-Boot in die Gewässer um Formosa und in das südliche Ostchinesische Meer. Hierbei gelangen drei Erfolge: 3. Februar 1943: Torpedierung und Beschädigung des japanischen Frachters Shinto Maru No. 1 (1.933 BRT) etwa zehn Seemeilen südöstlich Hongkong. Das Schiff konnte infolge von Torpedoversagern entkommen. 5. Februar 1943: Torpedierung und Beschädigung des japanischen Heeres-Transporters Tatsuwa Maru (6.345 BRT) etwa 35 Seemeilen südöstlich Hongkong. Das Schiff wurde zwar von einem Torpedo getroffen, dieser explodierte jedoch nicht und schlug lediglich ein kleines Leck in den Rumpf. 8. Februar 1943: Torpedierung und Versenkung des einzeln fahrenden japanischen Armee-Transporters Kusuyama Maru (5.306 BRT) etwa 55 Seemeilen westsüdwestlich von Tainan, etwa auf Position . Mit dem Schiff ging die gesamte Besatzung von 47 Besatzungsmitgliedern unter.
Am 24. Februar 1943 endete die erste Patrouillenfahrt der Tunny wieder in Pearl Harbor.
Zweite Feindfahrt Die zweite Patrouillenfahrt, sie dauerte vom 18. März bis zum 23. April 1943, führte das U-Boot in das Seegebiet der Karolinen und der Nördlichen Marianen. Im Verlauf dieser Operation gelangen der Tunny erneut drei Erfolge: 28. März 1943: Torpedierung des einzeln fahrenden japanischen Truppentransporters Suwa Maru (10.672 BRT) etwa zehn Seemeilen südwestlich von Wake. Der Transporter, welcher über 1.000 Bausoldaten und Besatzungsangehörige an Bord hatte, verlor durch zwei Torpedotreffer das Heck, konnte aber noch an der nahen Küste auf Grund gesetzt werden, wodurch fast alle Passagiere an Bord sich retten konnten. Insgesamt 15 Personen waren durch die Torpedotreffer getötet worden. Das Wrack der Suwa Maru wurde später zum konstruktiven Totalverlust erklärt und blieb vor Wake liegen. mini|links|Das aufgesetzte Wrack der Suwa Maru vor Wake Island (Aufnahme von 1954). 2. April 1943: Torpedierung und Versenkung des japanischen Heeres-Transporters Toyo Maru No. 2 (4.162 BRT) etwa fünf Seemeilen westlich des Puluwat-Atolls. Das Schiff, auf dessen Route die Tunny durch eine Magic-Meldung der US-Funkbeobachtung aufmerksam geworden war, sank innerhalb von acht Minuten, wobei 51 Seeleute den Tod fanden. Lediglich ein einziger Überlebender konnte von einem nahestehenden Geleitfahrzeug gerettet werden. Selbiges (vermutlich ein älteres Patrouillenschiff der Momi-Klasse) warf nachfolgend neun Wasserbomben auf die Tunny, die leichtere Beschädigungen erlitt, aber ihre Patrouille fortsetzen konnte. 7.–9. April 1943: Torpedierung und Versenkung des einzeln fahrenden japanischen Frischwasser- und Nahrungsmittel-Transporters Kosei Maru (8.237 BRT) etwa 250 Seemeilen nordwestlich von Truk, etwa auf Position . An Bord gab es vier Todesopfer. Das stark beschädigt Schiff konnte zunächst, und auch da das U-Boot keinen neuerlichen Angriff fuhr, von dem herbeigerufenen japanischen Leichten Kreuzer Nagara in Schlepp genommen werden, sank aber letztlich am 9. April 1943 dennoch. Auch diese Versenkung steht möglicherweise mit einer Magic-Meldung in Verbindung (?).
Nach dem Verschießen aller Torpedos und da das U-Boot zudem einer Überholung bedurfte, kehrte die Tunny am 23. April von der Feindfahrt zurück, diese endete allerdings nicht in Pearl Harbor, sondern auf den Midwayinseln.
Dritte Feindfahrt Die dritte Feindfahrt, sie dauerte vom 25. Mai bis zum 14. Juli 1943, führte das U-Boot erneut in das Seegebiet der Karolinen und der Nördlichen Marianen. Im Vordergrund standen vor allem Aufklärungsaufgaben und nicht in erster Linie Angriffe gegen den japanischen Nachschubverkehr. Unter anderem klärte das Boot dabei die Küstenlinien von Rota, Eniwetok und Saipan auf. Da die Mission rund sieben Wochen andauerte, lief die Tunny in dieser Zeit zweimal das Johnston-Atoll zwecks Übernahme von Treibstoff und Frischwasser an. Während dieser Unternehmung gelang ein Erfolg: 28. Juni 1943: Torpedierung und Versenkung des bewaffneten und als Patrouillenschiff eingesetzten japanischen Frachters Shotoku Maru (1.964 BRT) unmittelbar vor der Westküste von Rota. Beim Untergang starben 38 japanische Seeleute.
Im Anschluss wurde das U-Boot zurückbeordert und kehrte am 14. Juli 1943 nach Pearl Harbor zurück.
Vierte Feindfahrt Im Rahmen der vierten Feindfahrt, sie begann am 5. August 1943 in Pearl Harbor, hätte die Tunny vor allem im Seegebiet um die Palau-Inseln operieren sollen. Die Unternehmung musste jedoch vorzeitig abgebrochen beziehungsweise es konnten keine Erfolge erzielt werden, da das U-Boot am 26. August 1943 etwa sechs Seemeilen westlich von Babeldaob bei einem Angriffsversuch auf einen japanischen Kleinkonvoi stark beschädigt wurde. Der von Balikpapan nach Babeldaob laufende Geleitzug, bestehend aus dem Transporter Amagisan Maru und dem Flottentanker Tsurumi sowie dem U-Boot-Jäger Ch-4, wurde zunächst mit fünf Torpedos erfolglos attackiert. Beim Gegenangriff des japanischen U-Boot-Jägers erlitt die Tunny jedoch beträchtliche Schäden durch Wasserbomben. Unter anderem waren im vorderen Rumpfbereich die Druckhülle eingedrückt, die Tiefenruder verbogen und ein Treibstofftank aufgerissen worden. Lieutenant Commander Scott entschloss sich darauf zum Abbruch der Mission und am 8. September 1943 kehrte die Tunny wieder nach Pearl Harbor zurück.
Die Schäden waren indessen so erheblich, dass das U-Boot zur endgültigen Instandsetzung und zu einer Generalüberholung nach der US-Westküste verlegen musste. Am 17. September 1943 traf das Boot auf der Hunters Point Naval Shipyard in San Francisco ein. Reparatur und Überholung nahmen mehr als vier Monate in Anspruch. Erst am 2. Februar 1944 verließ die Tunny wieder die Werft und verlegte nach Pearl Harbor zurück.
Fünfte Feindfahrt Die fünfte Unternehmung begann am 27. Februar 1944 von Pearl Harbor aus und dauerte bis zum 11. April 1944. Das U-Boot operierte hierbei erneut vor allem im Seegebiet um die Palau-Inseln. (Der Einsatz stand auch im Kontext der Vorbereitungen auf die Operation Desecrate One.) Während der Patrouillenfahrt gelangen der Tunny drei Erfolge: 22. März 1944: Torpedierung und Beschädigung des großen japanischen Flottentankers Iro (14.450 BRT) etwa 120 Seemeilen westlich von Koror. Der zum Konvoi O-507 gehörende Tanker befand sich, gemeinsam mit sechs weiteren Transportern und Tankern, auf dem Weg von Balikpapan nach Palau und wurde durch einen Torpedotreffer im Bugbereich beschädigt. Die starke Sicherung (drei Zerstörer und fünf U-Boot-Jäger) konnte danach weitere Angriffsversuche vereiteln, wobei die Tunny eine vierstündige Wasserbombenverfolgung zu überstehen hatte.Donald A. Bertke, Don Kindell, Gordon Smith: World War II – Sea War: Anzio, Kwajalein, Eniwetok and the Admiralty Islands. Vol. 12. Bertke Publications. Dayton (OH) 2018, S. 382. 23. März 1944: Torpedierung und Versenkung des japanischen U-Kreuzers I 42 (2.624 ts) rund sechs Seemeilen südwestlich von Angaur. Das große U-Boot, auf einer Nachschubfahrt von Koror nach Rabaul, verließ Palau am Nachmittag des 23. März 1944 und wurde in den Nachtstunden, etwa gegen 21:20 Uhr, von der Tunny mittels Radar entdeckt.Bendert, Harald: U-Boote im Duell. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 1996, S. 143f. Doch auch die sehr wachsamen japanischen Turmausgucke bemerkten das US-U-Boot. In der Folge entspann sich ein fast zwei Stunden dauerndes Duell in der Dunkelheit, bei welchem beide Boote in eine geeignete Schussposition zu gelangen versuchten. Schließlich entschied die etwas kleinere und wendigere Tunny den Zweikampf für sich und erzielte um 23:24 Uhr zwei Torpedotreffer auf I 42. Beim Untergang des japanischen U-Bootes kam die gesamte Besatzung von 102 Mann ums Leben. 29. März 1944: Torpedierung und Beschädigung des japanischen Superschlachtschiffes Musashi (65.000 ts) etwa acht Seemeilen vor Koror. Das große Schiff hatte, in Begleitung von drei Schweren Kreuzern und acht Zerstörern, Koror verlassen, um nach den Philippinen zu verlegen. Die Tunny attackierte den Verband kurz nach dem Auslaufen mit einem Fächer aus sechs Torpedos. Fünf Torpedos verfehlten oder unterliefen das Schlachtschiff, der sechste traf den Schiffsriesen um 17:44 Uhr im Bugbereich. Hierdurch wurden der vordere Hydrophonraum zerstört und ein Loch von etwa sechs Metern Durchmesser in den Rumpf gerissen, rund 3.000 Tonnen Wasser brachen ins Schiff ein.Donald A. Bertke: World War II – Sea War. Vol. 12, S. 384. 18 Seeleute an Bord der Musashi wurden getötet. Die starke Sicherung drängte das U-Boot danach ab, so dass keine weiteren Angriffe mehr möglich waren. Das Schlachtschiff verlegte im Anschluss nach Kure und wurde dort bis Ende April 1944 repariert.
Am 30. März 1944 – zu diesem Zeitpunkt liefen die Angriffe der Task Force 58 im Rahmen der Operation Desecrate One gegen die Palau-Inseln an – wurde die Tunny, während das U-Boot südwestlich von Babeldaob stand und als Rettungseinheit für abgeschossene US-Piloten fungieren sollte, irrtümlich von zwei Grumman Avenger-Torpedobombern des Flugzeugträgers Yorktown attackiert und entging nur durch großes Glück dem Untergang. Eine abgeworfene 227-Kilogramm-Bombe prallte neben dem U-Boot von der Wasseroberfläche ab, schleuderte zwischen Turm und Deckgeschütz über das Deck und explodierte schließlich auf der Steuerbordseite der Tunny im Meer. Durch die nahe Explosion wurde der Druckkörper aufgerissen, durch die Erschütterung fielen weiterhin Sonar und Radar aus. Die Schäden aus diesem friendly fire-Zwischenfall waren so beträchtlich, dass das U-Boot die Patrouille abbrechen musste. Die Tunny steuerte zunächst die Milne-Bucht als Nothafen an, wo erste Behelfsreparaturen stattfanden. Am 11. April schließlich erreichte das Boot das australische Brisbane, wo die fünfte Feindfahrt endete.
Sechste Feindfahrt Nach einer dreiwöchigen Reparatur und Überholung in Brisbane brach die Tunny am 29. April 1944 zu ihrer sechsten Patrouillenunternehmung auf. Diese, sie dauerte bis zum 2. Juli 1944, führte das U-Boot in das Seegebiet der Marianen sowie zeitweilig in die Luzonstraße. Hierbei gelang ein Erfolg: