Banu Cennetoğlu (* 1970 in Ankara) ist eine türkische Konzept- und Installationskünstlerin.documenta 14, daybook Banu Cennetoğlu, abgerufen am 6. Mai 2019.

Leben und Werk Banu Cennetoğlu studierte, nachdem sie den Bachelor für Psychologie in Istanbul absolviert hatte, Fotografie in Paris.Jan van Eyck , abgerufen am 6. Mai 2019. (niederländisch) Ab 1996 lebte sie in New York, wo sie zunächst als Modefotografin arbeitete, bevor sie die kommerzielle Arbeit aufgab.Siddhartha Mitter: Now Unreeling, an Istanbul Artist’s Tumultuous Decade. In: The New York Times, 17. Januar 2019. 2002 wurde sie in das Programm Artist in Residence an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam aufgenommen.Jan van Eyck , abgerufen am 6. Mai 2019. (niederländisch) Nach ihrer Rückkehr nach Istanbul eröffnete sie dort den gemeinnützigen Projektraum BAS, der sich dem Sammeln, Archivieren, Ausstellen und der Veröffentlichung von Künstlerbüchern in limitierter Auflage widmet.Bonner Kunstverein , abgerufen am 6. Mai 2019.

Im Zentrum von Cennetoğlus Werk stehen Dokumentation, Archivierung und die Grenzen der Lesbarkeit von Materialbeständen; sie untersucht, wie Archive Bedeutung erzeugen und zugleich verschieben oder zerstreuen können. Zu ihren Arbeitsweisen gehört es, sämtliche Tageszeitungen eines Landes von einem bestimmten Datum zusammenzutragen und alphabetisch in schwarze Bände zu binden. Von diesem Projekt entstanden bis 2019 sechs Fassungen, die von türkischen Tageszeitungen vom 28. August 2010 bis zu deutschen Zeitungen vom 11. August 2015 reichen.

Cennetoğlus Arbeiten wurden auf der documenta 14, (2017), der 10. Gwangju Biennale (2014), der Manifesta 8 in Murcia (2010), der 10. Istanbul Biennale und der ersten Athens Biennale (beide 2007) sowie der 3. und 5. Berlin Biennale (2004, 2008) gezeigt. Eine große Einzelschau wurde für sie 2011 in der Kunsthalle Basel und 2019 im K 21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ausgerichtet; sie vertrat die Türkei gemeinsam mit Ahmet Ögüt auf der 53. Biennale di Venezia (2009).Biennale di Venezia , abgerufen am 6. Mai 2019. (englisch) 2019 zeigte das SculptureCenter in Queens ihre erste Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten. Auf der Biennale di Venezia präsentierte sie 500 Fotografien in Form eines gedruckten Katalogs; die Besucher konnten daraus einzelne Bilder auswählen und sie über eine Website herunterladen. Auf der documenta 14 übertrug sie den vollständigen Text des postum veröffentlichten Tagebuchs der 1997 getöteten kurdischen Journalistin Gurbetelli Ersöz auf 145 lithografische Kalksteinplatten.

Zu ihren langfristigen Projekten gehört The List, eine seit 1993 von UNITED for Intercultural Action geführte Aufstellung von Migranten und Flüchtlingen, die beim Versuch, nach Europa zu gelangen, in Haft oder während des Wartens auf Asyl ums Leben kamen. Cennetoğlu überführt diese Liste in großformatige Präsentationen im öffentlichen Raum und bewahrt dabei die nüchterne Tabellenstruktur des Ausgangsmaterials. Das Projekt war unter anderem 2007 in Amsterdam, 2013 in der Metro von Sofia, 2017 in West Hollywood und 2018 in Liverpool zu sehen; im November 2017 erschien die Liste außerdem als Beilage des Berliner Tagesspiegel.

Im Zentrum ihrer Ausstellung im SculptureCenter stand 2019 die Arbeit 1 January 1970 to 21 March 2018, eine ungeschnittene, 128 Stunden lange Montage eigener Foto- und Videoaufnahmen aus den Jahren 2006 bis 2018. Das Material ist nach dem Dateierstellungsdatum geordnet und verdichtet private, politische und dokumentarische Bilder zu einer subjektiven Chronik dieser Jahre.

Weblinks Interview Banu Cennetoğlu Frieze Banu Cennetoğlu (englisch) Der Tagesspiegel Künstlerin dokumentiert das Sterben von 33.293 Geflüchteten Bonner Kunstverein Banu Cennetoğlu Vimeo Banu Cennetoğlu, Istanbul

Einzelnachweise

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