Die Einkommensverteilung in Belgien betrachtet die Verteilung der Einkommen in Belgien. Bei der Analyse der Einkommensverteilung wird im Allgemeinen zwischen der funktionalen und der hier behandelten personellen Einkommensverteilung unterscheiden. Die personelle Einkommensverteilung betrachtet wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist und zwar unabhängig davon, aus welchen Einkommensquellen es stammt.

Belgien ist eines der wenigen Länder, in denen die Ungleichheit in Bezug auf Einkommen in den letzten Jahren stabil geblieben bzw. leicht gesunken ist. Der Gini-Koeffizient des verfügbaren Äquivalenzeinkommens für Belgien betrug im Jahr 2017 26 % und lag somit unter dem EU27-Durchschnitt von 30,7 %. In diesem Jahr betrug das verfügbare Medianeinkommen 22.777 € und lag somit über dem EU27-Durchschnitt von 17.032 €. Das verfügbare durchschnittliche Einkommen betrug im Jahr 2017 24.408 €.

Einkommensverteilung allgemein Bei der Deutung statistischer Daten ist stets darauf zu achten, welche Begriffe verwendet werden. Der Begriff Einkommen kann sich beispielsweise auf das Markteinkommen beziehen, also das Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung oder Kapital und zwar vor Steuern und Abgaben oder auf das verfügbare Einkommen. Dieses wird berechnet, indem direkte Steuern und Sozialabgaben vom Markteinkommen abgezogen werden und öffentliche (z. B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld) beziehungsweise private (z. B. Unterhalt) Transfers hinzugezählt werden. Bei den unten angeführten Berechnungen handelt es sich stets um das verfügbare Äquivalenzeinkommen. Die gezeigten Daten stammen von der OECD sowie Eurostat. Die personelle Einkommensverteilung kann mittels verschiedener Ungleichverteilungsmaße zusammengefasst und anschließend analysiert werden. Die am häufigsten verwendeten Indikatoren sind der Gini-Koeffizient und Quantilverhältnisse, eine Betrachtung der Median- und Durchschnittseinkommen stellt meist den Anfangspunkt der Analyse der Einkommensverteilung dar.

Mittelwert und Median der verfügbaren Haushaltseinkommen Reiht man die Einkommen verschiedener Personen aneinander, so ist das Medianeinkommen bzw. das mittlere Einkommen jenes Einkommen, das genau in der Mitte dieser Reihe liegt. Das Medianeinkommen ist im Vergleich zum Durchschnittseinkommen ein stabileres Maß zur Bestimmung von Einkommensungleichheit, da es robuster gegenüber statistischen Ausreißern ist. Das Durchschnittseinkommen beziehungsweise der Mittelwert des Einkommens gibt das arithmetische Mittel der Einkommen in Bezug auf die Anzahl der Einkommensbezieherinnen und Einkommensbezieher wieder. Eine große Differenz zwischen mittlerem und durchschnittlichem Einkommen weist auf eine stark ungleiche Verteilung der Einkommen hin.

Meist ist nicht nur das Einkommen der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt von Interesse, sondern die Entwicklung der Einkommen über die Zeit. Da Einkommenszuwächse bei Vorliegen von Inflation nicht zwingend Wohlstandszuwächse bedeuten, wird neben dem Nominaleinkommen daher auch das reale Einkommen berechnet.

Durchschnittseinkommen mini|553x553px|Mittelwert und Median der Einkommen in Belgien 1996–2017; bereinigt mittels HVPI (2015 = 100) Das Durchschnittseinkommen, also das durchschnittliche verfügbare Äquivalenzeinkommen, gibt das arithmetische Mittel der Einkommen in Bezug auf die Anzahl der Einkommensbezieherinnen und Einkommensbezieher wieder. Das Nettodurchschnittseinkommen in Belgien betrug 2017 24.408 €. Dieses Maß ist allerdings anfällig für statistische Ausreißer, d. h. hohe Einkommen verzerren das Durchschnittseinkommen nach oben.

Von 1996 bis 2017 stieg das inflationsbereinigte Durchschnittseinkommen um ca. 5 Prozentpunkte.

Medianeinkommen Reiht man die Einkommen verschiedener Personen aneinander, so ist das Medianeinkommen bzw. das mittlere Einkommen jenes Einkommen, das genau in der Mitte dieser Reihe liegt. Das Medianeinkommen ist im Vergleich zum Durchschnittseinkommen ein stabileres Maß zur Bestimmung von Einkommensungleichheit, da es robuster gegenüber statistischen Ausreißern ist.

Das Medianeinkommen betrug laut Eurostat-Berechnungen im Jahr 2017 22.777 €. Im Jahr 2016 lag das Medianeinkommen bei 22.293 € – dies ist ein Anstieg von 2,17 % in einem Jahr.

Tabelle 1: Mittelwert und Median der Einkommen in Belgien zwischen 1996 und 2017, unbereinigt und bereinigt mittels HVPIJahrMittelwertMedianHVPI (2015 = 100)Mittelwert (bereinigt)Median (bereinigt)20172440822777104,03234622189520162424022293101,7723818219052015236742169010023674216902014234342169899,3823580218332013232682150198,923527217402012219002028097,6822420207622011216121995095,1822706209602010213761945892,0923212211292009210021930989,992333821457200819997179939022219199922007191441756686,1322227203952006190181721684,622480203502005185241656782,6722407200402004169351566780,6321003194312003171681553379,1621688196222001178031549276,7823187201772000172821476874,962305519701199916415142007322486194521998156441401372,1821674194141997156491408671,5421874196901996157191411170,482230320021

Um die Einkommen von der Inflation zu bereinigen, wird folgende Berechnung angewendet: Einkommen nominell / HVPI * 100 mini|400px|Gini-Koeffizienten der Einkommen in Belgien in %, 1997–2017 – Schweden vs. EU27-Länder, Quelle: Eurostat, EU-SILC (IDD)

Gini-Koeffizient Der Gini-Koeffizient (oder Gini-Index) ist ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichheit in einer Gesellschaft. Dieser Koeffizient kann zwischen 0 und 1 liegen (beziehungsweise zwischen 0 und 100, indem man den Gini-Koeffizienten mit 100 multipliziert). Ein Gini-Koeffizient in Bezug auf das Einkommen von 1 beschreibt, dass ein Individuum in der Volkswirtschaft über das gesamte Einkommen verfügt. Ein Wert von 0 zeigt hingegen totale Gleichheit der Einkommen. Bei einem Gini-Koeffizienten von 0 haben daher alle Personen einer Volkswirtschaft dasselbe Einkommen. Je näher der Wert daher an 0 ist, desto gleicher ist die Verteilung der Einkommen. Allgemein werden Staaten mit einem Gini-Index zwischen 20 % und 35 % als relativ einkommensgleich bezeichnet.

Die Entwicklung des Gini-Koeffizienten in Belgien über den Zeitverlauf von 1996 bis 2017 zeigt, dass die Einkommensungleichheit zurückgegangen ist. Betrug der Gini des verfügbaren Äquivalenzeinkommens im Jahr 1996 noch 29 %, fiel dieser Wert im Jahr 2017 auf 26 %.

Im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedsstaaten zählt Belgien in Bezug auf den Gini-Koeffizienten zu den Ländern mit der geringsten Einkommensungleichheit. Der Gini-Koeffizient betrug im EU-Durchschnitt im Jahr 2017 30,7 %.

S80/S20 Das Quintilsverhältnis S80/S20 (Einkommensquintilverhältnis) ist ebenfalls ein Maß zur Beschreibung der Ungleichverteilung der Einkommen. Es beschreibt wie oft das Haushaltseinkommen der ärmsten 20 % in das Haushaltseinkommen der reichsten 20 % passt. Je ungleicher dieser Wert von 1, desto ungleicher ist die gesellschaftliche Einkommensverteilung. Der Vergleich des obersten und des untersten Quintils stellt jedoch nur eine Bewertung der Ungleichheit auf den beiden äußeren Bereichen der Einkommensverteilung dar. Für eine detaillierte Untersuchung der Einkommensungleichheit sollten zusätzliche bzw. komplexere Verteilungsmaße (wie beispielsweise der oben angeführten Gini-Koeffizient) verwendet und verglichen werden.

Auch dieses Verteilungsmaß hat sich in Belgien in den letzten Jahren auf einem stabilen und niedrigen Niveau bewegt.

Armutsgefährdungsquote Es gibt unterschiedliche Indikatoren um Armut darzustellen. Unterschieden wird zum Beispiel zwischen materieller Deprivation und monetärer Armut. Als armutsgefährdet gelten laut EU Standards grundsätzlich Personen, die mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung leben müssen. In Belgien galten im Jahr 2017 15,9 % der Bevölkerung als armutsgefährdet.

5,1 % der belgischen Bevölkerung sind von erheblicher materieller Deprivation betroffen. Diese Personen können sich verschiedene Ausgaben nicht leisten, die von dem Großteil der Menschen in Belgien für eine angemessene Lebensführung wünschenswert bzw. gar als notwendig angesehen werden. Dies umfasst zum Beispiel regelmäßige fleisch- bzw. eiweißhaltige Mahlzeiten, eine Waschmaschine, ein Telefon oder auch angemessene Beheizung der Wohnung. Laut dem belgischen Statistikamt sind vor allem arbeitslose Personen, Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher sowie Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen am stärksten von Armut betroffen.

Tabelle 2: Indikatoren Einkommensverteilung in BelgienJahrGiniAnteil der Top 10 %S80/20Armutsgefährdungsquote20172620,73,815,9201626,320,73,815,5201526,220,83,814,9201425,920,43,815,5201325,920,73,815,1201226,521415,3201126,321,13,915,3201026,621,43,914,6200926,421,13,914,6200827,522,34,114,7200726,321,13,915,2200627,822,44,214,720052823,2414,8200426,120,63,914,3200328,322,24,315,420012824413200030254,313199929254,2131998272241419972723414199628234,215199529234,516 alt=Diese Grafik zeigt den Anteil des oberen Dezils am nationalen Äquivalenzeinkommen. Dieser Indikator beschreibt den Anteil der 10 % der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen am gesamten nationalen Äquivalenzeinkommen. Abgebildet ist der Indikator für Belgien von 1995 bis 2017 im Vergleich zum EU27-Durchschnitt von 2005 bis 2017. Auch wenn der Wert für Belgien über den betrachteten Zeitraum teilweise stark schwankt, lässt sich doch ein klarer Abwärtstrend erkennen, Ausnahme stellt lediglich ein geringer Anstieg im Jahr 2015 dar, seither sinkt der Indikator allerdings wieder.|mini|489x489px|Anteil des oberen Dezils am nationalen Äquivalenzeinkommen in %, 1995–2017 – Belgien vs. EU27-Länder, Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_di01)

Top 10 Prozent der Einkommen Die obersten 10 % (auch hier handelt es sich um das verfügbare Äquivalenzeinkommen) der Einkommen bezogen, wie in der Abbildung ersichtlich, im Jahr 2017 20,7 % des gesamten Einkommens in Belgien. Der Anteil des obersten Dezils am gesamten nationalen Äquivalenzeinkommen ist im Zeitraum von 1995 bis 2017 gesunken. Einen Rückgang des Anteils der Einkommen gab es insbesondere nach 2000. Seit der Erhebung der Daten auf EU-Ebene 2005 ist der Anteil in Belgien immer unter dem EU-Durchschnitt geblieben und im Vergleich zum Durchschnitt der EU-Staaten weiter gefallen. Die beobachteten Werte sind in diversen anderen EU-Staaten deutlich höher und vielfach auch stark angestiegen.

Gender mini|links|400px|S80/S20 Einkommensquintilverhältnis in Belgien, 2004–2017; Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_di11)Belgien scheidet weltweit sehr gut auf dem 31. Platz des Global Gender Gap Index 2017 ab. In den Index werden länderspezifisch Gleichstellungsaspekte bzw. in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit zusammengefasst. Er misst die relative Benachteiligung von Frauen in den jeweiligen Bereichen und insgesamt. Der erreichbare Höchstwert beträgt 0.995 – Belgien erreichte 2017 einen Wert von 0,739.

S80/S20 Einkommensverteilung nach Geschlecht Das Einkommensquintilverhältnis (S80/S20) ist das Verhältnis des Gesamteinkommens von den 20 % der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen von den 20 % der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen (unterstes Quintil). Es gibt also an, wie oft man das Einkommen der untersten 20 % multiplizieren muss, um die Einkommen der oberen 20 % zu bekommen. Beträgt der Faktor = 1, ist der Anteil am Gesamteinkommen des unteren Quintils gleich dem Anteil des oberen Quintils. Um geschlechterspezifische Eigenheiten zu betrachten, wird das Einkommensquintilverhältnis nach Geschlecht betrachtet.

Das S80/S20 Quintlsverhältnis nach Geschlechtern zeigt keine eindeutigen Unterschiede zwischen Männern und Frauen.