Die Gemeinde Lauchringen entstand 1971 aufgrund des „Gesetzes zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden vom 26. März 1968 des Landes Baden-Württemberg (Gebiets- und Verwaltungsreform)“Brigitte Matt-Willmatt/Karl-Friedrich Hoggenmüller: Lauchringen. Chronik einer Gemeinde. Hrsg.: Gemeinde Lauchringen, Verlag K. Zimmermann, Konstanz 1986. Die Chronik von Lauchringen ist nach Inhalt (Quellenauswertung) und Umfang (736 Seiten) ein im Landkreis Waldshut hervorragendes Werk, das auch zahlreiche Verflechtungen in Ereignissen und biographischen Ermittlungen mit dem Umland dokumentiert. Die Fülle der auf ihr beruhenden Angaben im Artikel rechtfertigen im Sinne der Beschränkung des Abschnittes mit den Einzelnachweisen die kurzen Verweise mit Seitenangabe auf Textstellen im Fließtext. im Landkreis Waldshut durch Zusammenschluss der beiden Ortschaften Oberlauchringen und Unterlauchringen. Oberlauchringen ist die historisch weitaus ältere Ortschaft, die bereits frühgeschichtliche Spuren aufweist und aufgrund ihrer Verkehrslage bis ins 19. Jahrhundert wichtige Institutionen beherbergte.

mini|Marienbildstock vor dem Küssenberg aus dem Jahr 1605 mit dem Wappen des Landgrafen Rudolf IV. von Sulz und dessen Gemahlin Barbara von Staufen nahe der Römerstraße

Historiographische Bedingungen mini|Wutach mit einem heute ungefährlichen Frühjahrsstarkwasser

Die Ortsgeschichte ist vom Fluss Wutach geprägt, früher auch „Wütende Ach“ genannt, der wegen seiner reißenden Hochwasser bis zu seiner Regulierung 1816 vielen anrainenden Bewohnern das Leben schwer machte. Zudem mäandrierte die Wutach ab Horheim stark und zusammen mit den damals mehr Wasser führenden Klettgau-Bächen war die Ebene weiträumig versumpft und auch wegen des Ungeziefers lange nur an den Hanglagen besiedelbar.

Die Mühle am Lauffen hat ein hohes Alter; entwicklungsfähig war die Lage des heutigen Unterlauchringen jedoch erst nach der Wutach-Regulierung ab 1816 durch Johann Gottfried Tulla.

Noch Franz Xaver Beck in seiner Geschichte des Klettgau von 1806 beschreibt Unterlauchringen „als kleines, auf einer steinigen Ebene auf dem rechten Wutachufer gelegenes Dorf.“

mini|Das ehemalige Vogtshaus (Schildknecht-Haus) vor der Anhöhe

Damit ist die Anhöhe gemeint, die im Bogen der Wutach am Reiherwald lag und von der dortigen Brücke aus an der Straße zum Markt- und Kirchplatz führt. Alles Gelände mit dem heutigen Schwimmbad, dem Sportplatz bis zum „Ried“ (= Feuchtfläche) und dem Zusammenfluss mit der Steina war bis zur Regulierung kaum besiedelbar. Auch nach der Begradigung – auf der Gemarkungskarte von 1881 – ist neben einem immer noch ausgedehnten Wiesenbereich allenfalls Ackerland verzeichnet.

Mit „Lauchringen“ war somit bis ins 17. Jahrhundert immer nur das heutige Oberlauchringen gemeint. Als getrennt verzeichnet sind die beiden Orte erstmals auf einer Landkarte von Hans Conrad Gyger 1667.

Frühe Geschichte Beim Bau der Bundesautobahn 98 stieß man 1991 auf eine Höhle, in der ein kleines Kieferstück mit drei Placodus-Zähnen entdeckt wurde. Die Höhle wurde nach kurzer Erkundung durch Fachleute wieder verschlossen.Franz Falkenstein: Die Placodushöhle bei Lauchringen. In: Heimat am Hochrhein, Band XVII, 1992, S. 92 ff.

Bronzezeit Nach Feststellungen von Egon Gersbach, 1969, lagen seinerzeit „zwischen der Bundesstraße 314 und dem Südfuß des Wiggenberges zwei anscheinend selbstständige, hallstattzeitliche Grabhügelgruppen. […] Die westliche Gruppe umfaßt zehn große und kleinere Hügel; […] die sechs Hügel der östlichen sind dagegen lockerer gruppiert.“ Es folgen exakte Angaben zu Durchmesser und Höhe der Hügel.Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins. Katalogband. Badische Fundberichte, Sonderheft 11. Hrsg.: Badisches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- und Frühgeschichte Karlsruhe, Freiburg 1969, S. 193.

mini|Der 2017/18 betroffene Grabhügel Nr. 11, außerhalb des Gewerbegebiets

1969 wurde von der damals noch selbstständigen Gemeinde Oberlauchringen ...

Bei der geplanten Ausweitung des Gewerbegebiets 2017 war einer der drei letzten verbliebenen Grabhügel im Weg. Dem Vorschlag von Bürgermeister Thomas Schäuble „Wir sollten Ausgrabungen lancieren und das Gebiet der Öffentlichkeit zugänglich machen“, wurde vom Denkmalamt des Regierungspräsidiums Stuttgart „mit den hohen Kosten hierfür entgegnet.“ Dadurch fällt „ein Teil des ursprünglich geplanten Gebiets weg.“Michael Neubert: Hügelgräber als Planungshindernis. Südkurier, 30. September 2017. Die Lage des denkmalgeschützten Hügels ist mittlerweile festgestellt.

Römer Zu berücksichtigen ist, dass bis in die Neuzeit hinein das Umfeld des Zusammenflusses der Bäche aus dem Klettgau (Klingengraben und Schwarzbach, vereinigt zu Kotbach) mit der Wutach, Überschwemmungsgebiet war, sodass Siedlungen nur in umliegenden, höheren oder entfernteren Bereichen möglich waren.

Ein sichtbarer Hinweis auf römische Bebauung kann der Obere Talweg am Hang nördlich von Oberlauringen sein – der recht massive Untergrund, der seitliche (Entwässerungs-)Graben und die Gradlinigkeit in Fortsetzung am archäologischen Fundplatz unterhalb des Küssenberges vorbei bis zum teilergrabenen Gutshof bei Grießen lassen die Vermutung einer Römerstraße zu.

mini|Die bis 1870 als Hauptverbindung genutzte Römerstraße

Als gesichert in der Heimatforschung geltend, doch nicht als Bodendenkmal geschützt liegt auf der Gemarkung von Oberlauchringen ein Teilstück der römischen Heeresstraße, die vom Alpenraum über die Passhöhe in den nördlichen Klettgau über Hallau nach Stühlingen/Schleitheim (Römerstadt Juliomagus) führte. Dieses Teilstück, das noch gut erkennbar ist, führte von Bechtersbohl am Fuße der Küssaburg geradlinig zur Klettgauebene und bog dort östlich in Richtung Erzingen ab.

mini|Spurstein der antiken Straße, in der Küssaburg vermauert

Der Archäologe Jürgen Trumm formuliert:

mini|Die freiliegenden Tempelfundamente während der Grabung 1995

Noch am Hang unterhalb der Burg, nahe der heutigen Serpentinenstraße wurde 1995 ein Gallo-römischer Tempel ausgegraben, dessen Entstehung aufgrund der Münzfunde ab ca. 70 n. Chr. (Bronzeprägung des Vespasian) datiert werden kann.

Das Geviert des Tempels war nur noch über die Mauerfundamente zu erkennen, von denen „aufgehendes Mauerwerk mit maximal zwei Steinlagen sowie Reste eines gekiesten Laufhorizontes […] sich lediglich noch an der Südecke der Cella erhalten (hatten).“

Luftbildaufnahmen hatten ergeben, dass im Umfeld noch Mauerstrukturen von weiteren fünf Gebäuden zu erkennen sind. Als Standortfaktor gilt „kaum“ ein römischer Gutshof:

„Unweit des Umgangstempels traf die Fernstraße vom Hochrhein zur oberen Donau vermutlich mit der rechten Rheinuferstraße, welche vom Bodensee zum Basler Rheinknie führte, zusammen. Es ist anzunehmen, daß der gesamte Komplex seine Existenzgrundlage im hier vorbeiziehenden Waren- und Menschenstrom hatte.“Jürgen Trumm: Ein gallo-römischer Umgangstempel bei Oberlauchringen, Kreis Waldshut. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1995, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1996, S. 219 und 221.

Die Ausgrabung war 1996 abgeschlossen, weitere Untersuchungen konnten aus verschiedenen, darunter finanziellen Gründen nicht unternommen werden, der Bereich wurde wieder überdeckt und ist als archäologisches Bodendenkmal geschützt.

Alamannen Da schriftliche Erwähnungen der Hochrheinregion aus römischer Zeit nicht vorliegen, sind der frühste Hinweis auf Ortschaften die Namen, wobei die Endung -ingen auf eine alamannische Siedlungsexistenz hinweist. Dies war nach dem Abzug der letzten römischen Truppen Mitte des 5. Jahrhunderts von der Hochrheinlinie möglich. Seit ca. 300 n. Chr. war der Fluss zwar schon Grenze gegen die germanische Völkerwanderung, doch beherrschten die Römer wahrscheinlich noch das Vorfeld bis zur Wutach, sodass rheinnahe Siedlungen erst ab dem 6. Jahrhundert anzunehmen sind.

Es dauerte weitere 300 Jahre bis mit den germanischen Reichsbildungen nach den Siegen der Franken unter Chlodwig über die Alamannen (496 n. Chr.) überregionale Herrschaftsstrukturen Einzug hielten, die auch im Zusammenhang von Klostergründungen standen und damit auch wieder der Geld- und Schriftverkehr verbreitet wurde. Überlieferte Urkunden beziehen sich fast ausschließlich auf Eigentumsbeziehungen.

„Die beim Bahnbau gemachten Funde von Ueberresten römischer Kultur (Tongefäße), sowie die Freilegung eines alemannischen Friedhofes mit großen Plattengräbern (Eisenwaffen und Schmuckstücke von Gold und Silber) deuten das hohe Alter der Siedelung von Lauchringen an.“Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Hrsg.: W. H. Mayer, Verlag R. Philipp, Waldshut 1926, S. 167. Der Verbleib der Funde ist unbekannt.

Mittelalter Zu einer dem alamannischen Gräberfeld zugehörigen Siedlung liegen keine Funde vor. Im Allgemeinen liegt es daran, dass die Alamannen im Gegensatz zu den Römern ausschließlich mit Holz bauten und auch keine Burgen errichteten. Römische Plätze wurden gemieden – ein Umstand, der sich ab der frühen Christianisierung dann in Gewann-Namen niederschlug; etwa in Zusammensetzungen mit "Heiden" wie Heidenäcker oder Heidengäßle für die alte Römerstraße nach Bechtersbohl, die jedoch bis ins 19. Jahrhundert hier als einzige Verbindung genutzt wurde.

Vorgeschichte von Oberlauchringen

Ersterwähnung Das erste Schriftstück – „eine Rheinauer Klosterurkunde, in welcher der Ortsname Lauchringen erscheint – und damit ist als die ältere der beiden Siedlungen zunächst immer Oberlauchringen gemeint –, wurde zwischen dem 20. April und 20. Juni 860 in Lauchringen selbst ausgestellt.“Die Urkunde wurde in Lauchringen ausgestellt („louchringen“) und damit ist dem Ort eine regulative Funktion zugewiesen – vielleicht als klösterlicher Verwaltungssitz –, sie dokumentiert eine Besitzübergabe von Gütern in Ober- und Unteralpfen an das Kloster Rheinau. (B. Matt-Willmatt/K. F. Hoggenmüller, Chronik, S. 27 f. mit Abbildung).

Falsch datierte Urkunde

Vor der Chronik von Brigitte Matt-Willmatt und Karl-Friedrich Hoggenmüller aus dem Jahr 1986 nennt die Literatur eine Urkunde von 844, die als erste urkundliche Erwähnung galt, doch „durch die neuere Forschung in Frage gestellt und […] auf das Jahr 901/02 datiert“ wurde. Argument von B. Matt-Willmatt und Hoggenmüller ist, dass „die urkundliche Überlieferung für das Benediktinerkloster Rheinau, das gegen Ende des 8. Jahrhunderts gegründet wurde, […] erst Mitte des 9. Jahrhunderts ein(setzt).“ (Chronik, S. 27 und 69).Doch es gibt auch ältere Forschungen, die sich auf ältere Berichte (Urkunden?) beziehen, so: „Errichtet wurde das Kloster Rheinau 778 von Herzog Wolfhard, dem Sohn Ruthards und Schwiegervater Ludwigs des Frommen.“ (Joseph Sauer: Die Anfänge des Christentums und der Kirche in Baden. Heidelberg 1911, S. 67).

mini|Klettgau-Graf Gozbert überträgt Eigentum ans Kloster (W. Pabst)

Auch nach der Niederlage der Alemannen gegen die Franken konnten jene eine gewisse Autonomie unter eigenen Herzögen behaupten. Es kam zu zahlreichen Aufständen. Das um 800 begründete Frankenreich unter Karl dem Großen zerfiel in der Folge ab 843 über Erbschaftsteilungen in karolingische Teilreiche; Alemannien gehörte zum Ostfrankenreich, das zur Zeit der Ausstellung der Lauchringer Urkunde (860) in Auflösung geriet.

Dies bedrohte auch regionale Adlige in ihren Besitzständen und so ist zu diesem Zeitpunkt eine Vielfalt von (beurkundeten) Eigentumsübertragungen an Klöster zu beobachten, deren Vorstände meist eben solche Adlige waren – so war der Klettgaugraf Gozbert auch Abt des Klosters Rheinau. Die Klöster hatten in jener Zeit eine eigene, zentrale Herrschaftsstruktur im Zusammenhang mit großen Diözesen gebildet, die mit dem jeweils mächtigsten Frankenherrscher in Verbindung standen, sodass es bei diesen meist mit zur ‚Erlangung des Seelenheils‘ begründeten Schenkungen, schlicht um politische Akte zur Rettung eigenen Besitzes ging.

Der Galgenbuck