Die Decauville-Pferdebahn am Naphthaberg war eine 32,5 km lange, von der französischen Firma Decauville gelieferte Pferdebahn mit einer Spurweite von 500 mm, die um 1885–1889 bei Bala-Ischem (12 km südöstlich von Balkanabat) in Turkestan (historische Bezeichnung für einen Teil des heutigen Turkmenistans und sechs weiterer Staaten) betrieben wurde.

Geschichte Beim Bau der Transkaspischen Eisenbahn wurde vorübergehend eine Decauville-Schmalspurbahn eingesetzt, um die Schienen und Schwellen an die Baustelle zu befördern. Diese war mit fliegendem Gleis errichtet, d. h. aus vorgefertigten 5 m langen Gleisjochen mit einer Spurweite von 500 mm. Die Schienen und das rollende Material waren teils in Frankreich, teils in der russischen Fabrik Maltzoff hergestellt worden.George Nathaniel Curzon: Russia in Central Asia in 1889 and the Anglo-Russian question, S. 40 (, Münchener Digitalisierungszentrum). Übersetzung des Zitats Englisches Originalzitat Digitalisat „Die Firmen Decauville und Maltseff wurden mit der Lieferung von Kleinlokomotiven und Waggons sowie von 66 Meilen (106 km) leichter, beweglicher Schmalspurgleise beauftragt.“ “Orders had been given to the Decauville and Maltseff firms for the supply of small locomotives and wagons, and of 66 miles of light movable narrow-gauge rails” „Fünfzig Meilen (80,5 km) leichte Stahlschienen, die auf einer 20-Zoll-Spurweite (508 mm) verlegt werden sollten, und 100 Loren wurden bei der russischen Firma Maltseff bestellt; 16 Meilen (25,75 km) Schienen und 500 Loren bei den Décauville-Werken in Frankreich. Nur zwei Lokomotiven wurden bestellt (bei der letztgenannten Firma); da die Bahn mit Pferden betrieben werden sollte, wurden 1.000 kirgisische Tiere zu diesem Zweck in Transkaspien gekauft.“ “Fifty miles of light steel rails, to be laid upon a 20-inch gauge, and 100 trucks were ordered from the Russian firm of Maltseff; 16 miles of rails and 500 trucks from the Décauville works in France. Only two locomotives were ordered (from the latter firm); as it was intended to work the railroad by horses, 1,000 Kirghiz animals being bought for the purpose in Transcaspia.” 250 pxL'expédition Russe contre les Tekkes en 1880-1881 … Chemin de fer trans-caspien. In: Revue militaire de l'étranger, 20, 1881, N° 534, S. 149 (, Münchener Digitalisierungszentrum). Übersetzung des Zitats Französisches Originalzitat Digitalisat „Die Züge brauchten eine Dreiviertelstunde bis nach Mollah-Kara. Von dort aus ging es mit einem pferdegezogenen Decauville-Eisenbahnzug weiter bis nach Balajchem (35 Werst (37,3 km)). Die Schienen und das rollende Material waren teils in Frankreich, teils in der russischen Fabrik Malzew hergestellt worden. Man legte die Strecke mit 10 Werst pro Stunde (10,7 km/h) in sehr bequemen Eisenbahnwagen zurück. Laut Ingenieur Brunn, der mit dem Bau der Strecke beauftragt worden war, leistete dieses System, das zum ersten Mal bei einer Militärexpedition angewendet wurde, gute Dienste, wenn auch weit weniger als erwartet. Der Hauptfehler des Systems bestand darin, dass die Schienen, obwohl sie auf einem für eine gewöhnliche Eisenbahn vorbereiteten Boden verlegt waren, nicht durch Schwellen gestützt wurden und sich daher leicht verbiegen konnten. So konnten mit den Decauville-Kipploren nicht mehr als 2.000 Pud (32.760 kg) pro Tag transportiert werden.“ « Les trains mettaient trois quarts d'heure pour atteindre Mollah-Kara. De là, on continuait la route jusqu'à Balaïchem (35 verstes) au moyen d'un chemin de fer système Decauville, à traction de chevaux. Les rails et le matériel roulant en avaient été fabriqués partie en France, partie à l'usine russe Maltsew. On faisait le trajet à raison de 10 verstes par heure dans des wagonnets très confortables. D'après M. l'ingénieur Brunn, à qui la construction de la voie avait été confiée, ce système, appliqué pour la première fois dans une expédition militaire, rendit des services, mais bien moindres que ceux qu'on en attendait. Son principal défaut provenait de ce que les rails, bien que placés sur un sol préparé pour un chemin de fer ordinaire, n'étant pas soutenus par des traverses, se faussaient facilement. Le chemin de fer se détraquait alors et il fallait le réparer sans cesse, de sorte qu'on ne pouvait pas transporter plus de 2,000 pouds (32,760 kilog.) par jour avec les wagonnets Decauville. » 250 pxNapoléon Ney und Pierre Véron: En Asie centrale à la vapeur. La mer Noire, la Crimée, le Caucase, la mer Caspienne, les chemins de fer sibériens et asiatiques, inauguration du chemin de fer transcapien, l'Asie centrale, Merv, Bokhara, Samarkand. Notes de voyage, par …. Garnier frères (Paris) 1888. S. 237 (Digitalisat, Gallica). Übersetzung des Zitats Französisches Originalzitat Digitalisat Zwei Lokomotiven und fünfhundert Waggons wurden bei Decauville bestellt, und hundert Waggons bei der Maltzer-Fabrik. Der größte Teil dieser Bestellung wurde in Frankreich getätigt, da die Gegenstände dort viel besser und billiger hergestellt wurden als in den russischen Fabriken. Deux locomotives et cinq cents wagons furent commandés à Decauville, et cent wagons à l'usine Maltzer. La plus grande partie de cette commande fut faite en France, parce que les objets étaient de bien meilleure fabrication et moins coûteux que dans les usines russes. L'expédition Russe contre les Tekkes en 1880-1881 … Chemin de fer trans-caspien. In: Revue militaire de l'étranger. 20. 1881, N° 534, S. 149.George Nathaniel Curzon: Russia in Central Asia in 1889 and the Anglo-Russian question. „Orders to Decauville and Maltseff for the supply of small locomotives and wagons, and of 66 miles of light movable narrow-gauge rails.“ Sobald die Breitspurgleise verlegt waren, wurden die Schmalspurgleise am Anfang der Schmalspurbahn abgebaut und am anderen Ende zu neuen Baustellen verlegt. Sie wurde mit zwei ölbefeuerten Decauville-Dampflokomotiven mit den Werksnummern N° 9 und N° 10 betrieben.

Beim Bau der Eisenbahn von Michailowsk nach Kysyl-Arwat leistete den Ingenieuren und Bauarbeitern eine Decauville-Bahn mit einer Länge von 100 km gute Dienste. Sie wurde mit einer kleinen mit Erdöl beheizten Decauville-Lokomotive betrieben. Als die Breitspur-Eisenbahn bis Serdar fertiggestellt war, führte die Decauville-Bahn bereits bis nach Bamy. Die Strecke wäre wahrscheinlich für Wartungs- und Transportarbeiten dort verblieben, wenn nicht riesige Naphtha- und Ozokeritvorkommen am Naphthaberg, 26,5 km südwestlich von den Tagyr-Quellen entfernt, gefunden worden wären.

Der Ozokerit, der zur Gewinnung von Naphtha-Kraftstoff für die Breitspur-Lokomotiven verwendet wurde, musste zuvor aus Baku oder von der Halbinsel Tscheleken angeliefert werden. Als Folge dieser Entdeckung wurde die Decauville-Bahn zum Naphthaberg (Neftjanaja Gora) verlegt. Sie transportierte den gesamten Brennstoff für die auf der Breitspurstrecke eingesetzten Lokomotiven.George Nathaniel Curzon: Russia in Central Asia in 1889 and the Anglo-Russian question. S. 58.

Vermutlich wurde die Strecke ausschließlich als Pferdebahn betrieben, jedenfalls wurde sie spätestens 1887 als Pferdebahn bezeichnet. Es wurden kirgisische Pferde eingesetzt, die pro Arbeitstag etwa 800 bis 1000 kg über eine Strecke von 40 km ziehen konnten.Paul Decauville: On Portable Railways. S. 132. In: Institution of Mechanical Engineers (Great Britain): Proceedings. Mai 1884. S. 126–149 und Tafeln 4–14 (S. 195–197).M. Decauville: Portable Railways. Narrow gauge roads in Great Britain. M. Decauville's system. Railways used at the Panama Canal, in Tunis etc. In: Scientific American Supplement, Nr. 446 (vom 19. Juli 1884).Über transportable Eisenbahnen (System Decauville) Nach dem Englischen. In: Mitteilungen über Gegenstände des Artillerie- und Genie-Wesens. Herausgegeben vom K.K. Technischen & Administratiaven Militär-Comité. 1885. Abteilung Notizen, S. 5. 1889 war der Bahnbetrieb bereits eingestellt.Naphthaausbeute in Baku und anderen russischen Gebieten. In: Polytechnisches Journal. Band 327, Jahrgang 1912, Miszellen, S. 64.

Heute verläuft eine kürzere Breitspurstrecke von Balkanabat geradlinig nach Uzboý auf dem Naphthaberg (bis etwa 1939 turkmenisch Neftedag oder gora Neftjanaja, d. h. wörtlich Naphtaberg oder Erdölberg, bis 2003 russisch imeni 26 Bakinskich Kommissarow).

Lage Die Pferdeeisenbahn führte vom Bahnhof Bala-Ischem geradlinig zum Naphthaberg. Auf der Strecke wurden sowohl alle Materialien für die dortigen Bergwerke als auch Wasser und Proviant für die dort wohnhaften Arbeiter transportiert sowie auf dem Rückweg das gewonnene Naphtha vom Bergwerk bis zur Transkaspischen Eisenbahn befördert. Die 32,5 km lange Strecke verlief nahezu gerade in westsüdwestlicher Richtung.

Die Station Bala-Ischem lag an der Transkaspischen Eisenbahn. Sie lag 57 Kilometer vom damaligen Endpunkt der Eisenbahn bei Michailowski saliw (Михайловский залив) und 9 Kilometer südlich des Großen Baichan-Gebirges. Der Bahnhof lag etwa 10 Kilometer südlich einer einige hundert Meter über der Steppenfläche gelegenen Quelle.

Der Naphtha-Berg ist von nur unbedeutender Höhe. Er erhebt sich nur 83 Meter über das Niveau der Steppe bei Bala-Ischem und kann also keineswegs mit dem Großen Baichan (1817 m ü. d. M.) oder dem Kleinen Baichan (875 m ü. d. M.) verglichen werden. Der eigentliche Naphtha-Berg besteht aus einem von Südwesten nach Nordosten laufenden Höhenzug von circa 2 km Länge und 1 km Breite ohne besonders steile Abhänge und in der Längsrichtung allmählich zum Niveau der Steppe absinkend. Parallel zum Berg stehen auf dessen Nord- und Südseite kleinere Hügel. Die durch sie begrenzte ovale Hochfläche hat eine Größe von 3 × 4 km.

Streckenverlauf und Geologie Auf den ersten 5 Kilometern hinter der Station führte die Trasse über eine ebene Steppenfläche, bestehend aus ungeschichtetem, mit Sand vermischtem Lehm, in dem zahlreiche rundgeschliffene, meist weniger als haselnussgroße Steinchen eingebettet sind.

Ab dem fünften Kilometer führte die Strecke durch braune, aus Tonschichten bestehende Hügel mit dichter, horizontaler Schichtung. Diese Formationen sind wahrscheinlich Ablagerungen aus dem nahegelegenen alten Flussbett des Usboj, zu dem die Strecke kurz darauf ohne merkbaren Niveauunterschied herunterführte. Der Fluss muss sich an dieser Stelle zu einem weit ausgedehnten, sehr wenig tiefen See oder Teich erweitert haben. Der Boden ist hier von Salz gesättigt, wie die Teiche zu beiden Seiten des Bahnwalles, in welchen mehrere Zentimeter dicke, weiße bzw. helle Rinden reinen Salzes vorhanden waren. Schichten von reinem Salz wurden überall unter der Oberfläche angetroffen. Diese Salzlager hatten eine Mächtigkeit von 125–150 mm und wurden bloß von 25–75 mm tiefem, hart zusammengebackenem Sand bedeckt. In dieser Wüste wuchs kein Gras, und keine Spur von Leben machte sich bemerkbar. Die einzigen Steine, welche angetroffen werden, sind aufgebrochene Salzstücke, und an der Strecke gab es ein ganz aus gehauenen Salzblöcken errichtetes Haus, das von dem in dieser Gegend selten vorkommenden schwachen Regen nicht beschädigt wurde. Diese Salzwüste ist 12–15 Kilometer breit.