Die Einkommensverteilung in Schweden betrachtet die Verteilung der Einkommen in Schweden. Bei der Analyse der Einkommensverteilung wird im Allgemeinen zwischen der funktionalen und der hier behandelten personellen Einkommensverteilung unterscheiden. Die personelle Einkommensverteilung betrachtet wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist, und zwar unabhängig davon, aus welchen Einkommensquellen es stammt.
Der Gini-Koeffizient des verfügbaren Äquivalenzeinkommens für Schweden betrug im Jahr 2017 28 % und lag somit unter dem EU27-Durchschnitt von 30,7 %. Das verfügbare Medianeinkommen betrug im Jahr 2017 25.376 € und lag somit über dem EU27-Durchschnitt von 17.032 €. Bedingt ist dies unter anderem durch eine Beschäftigungsquote von 77 % (Q4-2017), welche langfristig von Hochschulbildung und Förderungsmaßnahmen für Frauen und benachteiligten Gruppen abhängt. Das verfügbare durchschnittliche Einkommen betrug im Jahr 2017 27.890 €.
Einkommensverteilung allgemein Bei der Deutung statistischer Daten ist stets darauf zu achten, welche Begriffe verwendet werden. Der Begriff Einkommen kann sich beispielsweise auf das Markteinkommen beziehen, also das Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung oder Kapital, und zwar vor Steuern und Abgaben oder auf das verfügbare Einkommen. Dieses wird berechnet, indem direkte Steuern und Sozialabgaben vom Markteinkommen abgezogen werden und öffentliche (z. B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld) beziehungsweise private (z. B. Unterhalt) Transfers hinzugezählt werden. Bei den unten angeführten Berechnungen handelt es sich stets um das verfügbare Äquivalenzeinkommen. Die gezeigten Daten stammen von Eurostat (auf Basis des EU-SILC Datensatzes) sowie der OECD. Die personelle Einkommensverteilung kann mittels verschiedener Ungleichverteilungsmaße zusammengefasst und anschließend analysiert werden. Die am häufigsten verwendeten Indikatoren sind der Gini-Koeffizient und Quantilverhältnisse, die Betrachtung der Median- und Durchschnittseinkommen stellt meist den Anfangspunkt der Analyse der Einkommensverteilung dar.
Mittelwert und Median der verfügbaren Haushaltseinkommen Reiht man die Einkommen verschiedener Personen aneinander, so ist das Medianeinkommen bzw. das mittlere Einkommen jenes Einkommen, das genau in der Mitte dieser Reihe liegt. Das Medianeinkommen ist im Vergleich zum Durchschnittseinkommen ein stabileres Maß zur Bestimmung von Einkommensungleichheit, da es robuster gegenüber statistischen Ausreißern ist. Das Durchschnittseinkommen beziehungsweise der Mittelwert des Einkommens gibt das arithmetische Mittel der Einkommen in Bezug auf die Anzahl der Einkommensbezieherinnen und Einkommensbezieher wieder. Eine große Differenz zwischen mittlerem und durchschnittlichem Einkommen weist auf eine stark ungleiche Verteilung der Einkommen hin.
Meist ist nicht nur das Einkommen der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt von Interesse, sondern die Entwicklung der Einkommen über die Zeit. Da Einkommenszuwächse bei Vorliegen von Inflation nicht zwingend Wohlstandszuwächse bedeuten, wird neben dem Nominaleinkommen daher auch das reale Einkommen berechnet.mini|584x584px|alternativtext=|Mittelwert und Median der Einkommen in Schweden in EUR, 2004-2017 – Nominal und Real (bereinigt um HVPI), Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_di03)
Mittelwert Das Graph gibt Auskunft über den Mittelwert und den um den HVPI bereinigten Mittelwert der Einkommen in Schweden zwischen 2004 und 2017 in EUR. Von 2004 bis zum Jahr 2009 stieg der Mittelwert der Einkommen real um 9,4 % (nominal: 19,9 %) an. Bedingt durch die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, wie z. B. Rückgang des BIP und steigender Arbeitslosigkeit, erlebte der reale Mittelwert ab 2009 bis 2010 einen Sturz von 23.301 € bis zu 20.813 € (nominaler: 22.050 € bis zu 20.070 €). Schweden zog Lehren aus ihrer eigenen Finanzkrise: Rasche Handlungen im Rahmen von politischen Reformen führten zur Verbesserungen der Arbeitsproduktivität und Arbeitsmarktregulationen. Im Jahr 2014 betrug der bereinigte Mittelwert bereits 28.132 € (nominaler: 27.935 €). Diese Erholung bezeichnet man auch als „V-shaped“. Bedingt durch die Einwanderungspolitik und umfangreiche Steuersenkungen, die Schwedens Sozialprogramme hemmen, sank der reale Mittelwert der Einkommen in Schweden von 2014 bis 2017 um 3,8 %. Der Nominale lediglich um 0,2 %. Im Verlauf von 2004 bis 2017, stieg der reale Mittelwert um insgesamt 27,1 %, der nominale sogar um 51,6 %.
Median Im Vergleich zum Durchschnittseinkommen ist das Medianeinkommen ein stabileres Maß zur Bestimmung von Einkommensungleichheit, da es robuster gegenüber statistischen Ausreißern ist. Im direkten Vergleich zum Mittelwert, zeigt sowohl der nominale als auch reale Median einen sehr ähnlichen Verlauf der Entwicklung der Einkommen in Schweden zwischen 2004 und 2017, lediglich mit geringeren Werten. Von 2004 bis zum Jahr 2009 stieg der reale Median der Einkommen um 7,8 % (nominaler: 18,2 %) an. Im Jahr 2010 betrug der reale Median 19.597 € (nominal: 18.897 €). Sowohl der reale als auch nominale Median erlebten unter den schon im Abschnitt, Mittelwert, genannten Indikatoren die gleiche Entwicklungen bis zum Jahr 2017.Zwischen 2004 und 2017 stieg der reale Median um 22,7 %, der nominale um 61 %.
Gini-Koeffizient der Einkommen mini|461x461px|links|alternativtext=|Gini-Koeffizienten der Einkommen in Schweden in %, 1997-2017 – Schweden vs. EU27-Länder, Quelle: Eurostat, EU-SILC (IDD)Der Gini-Koeffizient (oder Gini-Index) ist ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichheit in einer Gesellschaft. Dieser Koeffizient kann zwischen 0 und 1 liegen (beziehungsweise zwischen 0 und 100, indem man den Gini-Koeffizienten mit 100 multipliziert). Ein Gini-Koeffizient in Bezug auf das Einkommen von 1 beschreibt, dass ein Individuum in der Volkswirtschaft über das gesamte Einkommen verfügt. Ein Wert von 0 zeigt hingegen totale Gleichheit der Einkommen. Bei einem Gini-Koeffizienten von 0 haben daher alle Personen einer Volkswirtschaft dasselbe Einkommen. Je näher der Wert daher an 0 ist, desto gleicher ist die Verteilung der Einkommen. Allgemein werden Staaten mit einem Gini-Index zwischen 20 % und 35 % als relativ einkommensgleich bezeichnet.
Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern, ist die Ungleichheit der Einkommen in Schweden relativ gering. Einkommensteuern in Schweden spielen eine signifikante Rolle bei der Verteilung: Durch diese wird die Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 28 % verringert – der OECD Durchschnitt liegt bei 25 %. Seit Mitte der 2000er hat sich dieser Effekt aber deutlich abgeschwächt.
Ab Ende der 90er Jahre, in denen Steuerreformen die Steuerbelastung einkommensstarker Haushälter verringert haben, erlebte der Gini-Koeffizient eine fast kontinuierliche Steigung: Während dieser im Jahr 1997 noch bei 21 % lag, betrug er 20 Jahre später schon 28 %. Im Vergleich zum Gini-Koeffizienten der Einkommen in Schweden, erlebte der Gini der EU27-Länder ab dem Jahr 2005-2017 kaum Veränderungen: Er stieg lediglich um 0,3 %. 2017 lag er bei 30,7 %. Ein weiterer Grund für das steigende Ungleichgewicht ist die Einkommensquelle von einkommensstarken Haushalten: Der Anteil an Kapitaleinkommen hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Auf diese Art von Einkommen haben schwächere Haushalte oftmals keinen Zugriff.
Top 10 Prozent der Einkommen mini|547x547px|Anteil des oberen Dezils am nationalen Äquivalenzeinkommen in %, 2005-2017 – Schweden vs. EU27-Länder, Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_di01) Der Anteil des oberen Dezils am nationalen Äquivalenzeinkommen in Schweden und den EU27-Ländern zeigt einen ähnlich steigenden Verlauf wie der Gini-Koeffizient der Einkommen auf. Die Hauptindikatoren dafür sind Steuerreformen, Migrationspolitik und steigendes Kapitaleinkommen der einkommensstarken Haushalte. Im Jahr 2006 liegt der Anteil des oberen Dezils bei 19,6 %, 2009 erreicht dieser bereits einen Anteil von 21,3, was einen Anstieg von knapp 9 % darstellt. Nachdem der Anteil im Jahr 2010 wieder auf 20,3 % gesunken ist, ist dieser fast ausschließlich gestiegen. Im Jahr 2017 beträgt der Anteil 22,4 %, der Anteil der EU27-Ländern liegt bei 23,9 %. Zwischen 2005 und 2017 ist der Anteil des oberen Dezils in Schweden um 13 % gestiegen. In den EU27-Ländern ist dieser in der gleichen Zeitspanne um 0,08 % gesunken.
Durch die Steuerreformen und Migrationspolitik, so hat Schweden im Jahr 2017 dreimal so viele Aufenthaltsgenehmigungen als 1997 vergeben, weist das Land nicht nur eine sehr hohe Ungleichheitssteigung bezüglich Einkommen auf, sondern auch eine stark divergierte Vermögensverteilung. Ein hoher Anteil an Immigranten lebt und arbeitet in Schweden. Bedingt durch den hohen Anteil, hat Schweden Probleme mit der Arbeitsplatzschaffung, was wiederum auf die wenig erfolgreiche Integration in der Bildung zurückzuführen ist: 2017 waren knapp unter 90 % der Schüler mit schwedischem Hintergrund berechtigt die Gymnasialstufe zu besuchen; bei Schülern mit Migrationshintergrund waren es lediglich 66 %. Personen mit schwedischem Hintergrund weisen seit der Finanzkrise eine sinkende Arbeitslosenquote auf; bei Personen mit Migrationshintergrund ist es umgekehrt.
Gender Schweden scheidet weltweit sehr gut auf dem fünften Platz des Global Gender Gap Index 2017 ab. Schweden zählt zu den Ländern, welche im Bereich Frauenrechte Pionierleistungen übernommen haben. So wurde zum Beispiel schon 1846 gesetzlich festgelegt, dass unverheiratete schwedische Frauen Handwerks- und Handelsberufe ausführen durften. Schon ab 1853 durften Frauen einen Lehrberuf ausüben. mini|491x491px|links|alternativtext=|S80/S20 Einkommensquintilverhältnis in Schweden, 2004-2017; Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_di11)
S80/S20 Einkommensquintilverhältnis nach Geschlecht Das Einkommensquintilverhältnis (S80/S20) ist das Verhältnis des Gesamteinkommens von den 20 % der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen von den 20 % der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen (unterstes Quintil). Es gibt also an, wie oft man das Einkommen der untersten 20 % multiplizieren muss, um die Einkommen der oberen 20 % zu bekommen. Beträgt der Faktor 1, ist der Anteil am Gesamteinkommen des unteren Quintils gleich dem Anteil des oberen Quintils. Um geschlechterspezifische Unterschiede zu betrachten, wird das Einkommensquintilverhältnis nach Geschlecht betrachtet.
Die hier abgebildeten Daten stammen aus der EU-SILC Erhebung. Der Einkommensbegriff bezieht sich hier wieder auf das verfügbare Äquivalenzeinkommen. Das Einkommensquintilverhältnis (S80/S20) in Schweden ist über den betrachteten Zeitraum, sowohl für Männer als auch Frauen, insgesamt gestiegen. Im Jahr 2004 betrug der Indikator 3,3 (Männer und Frauen), im Jahr 2017 betrug dieser 4,3 für Frauen und 4,2 für Männer.
Gender-Pay-Gap mini|583x583px|alternativtext=Geschlechterspezifische Unterschiede in Schweden und EU27, 2007-2017|Geschlechterspezifische Lohnunterschiede ohne Anpassungen Schweden und EU27, 2007-2017 nach NACE Sektoren B-S_X_O; Quelle: Eurostat, EU-SILC (earn_gr_gpgr2)