Der Leopard (Originaltitel Il Gattopardo) ist ein italienisch-französischer Spielfilm aus dem Jahr 1963 von Luchino Visconti, gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Der mit großem Aufwand realisierte Stoff gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte.
Wie bereits der vorhergegangene Teil der Süditalientrilogie Rocco und seine Brüder wurde auch Der Leopard 2008 auf die offizielle, vom italienischen Kulturministerium gebilligte Liste „100 erhaltenswerte italienische Filme“ aufgenommen. Die 100 ausgewählten Filme entstanden zwischen 1942 und 1978 und haben das kollektive Gedächtnis Italiens maßgeblich geprägt.Official list – ITALY – 100 Italian films to be saved. IMDb, abgerufen am 17. Juli 2025
Handlung Sizilien im Jahr 1860: Der Einflussverlust des sizilianischen Adels und der Aufstieg des Bürgertums in der Zeit des Risorgimentos, der Einigungsbewegung Italiens, wird aus der Sicht des Adelsgeschlechts der Salina dargestellt. Don Fabrizio, der angesehene Fürst von Salina, führt mit seiner großen Familie ein angenehmes Leben auf mehreren Landsitzen. Diese Ruhe wird gestört, als Giuseppe Garibaldi mit seinen Gefolgsleuten in Sizilien landet, um die unbeliebte Fremdherrschaft der Bourbonen in Süditalien zu beenden. Don Fabrizio ahnt im Gegensatz zu vielen anderen Adeligen seiner Zeit, dass dadurch eine nicht aufzuhaltende Entwicklung einsetzt – das Bürgertum wird über kurz oder lang die Aristokratie ersetzen, während sich an der Oberfläche der Gesellschaft nicht viel verändern wird. Sein Lieblingsneffe Tancredi, zwar von altem Adel, aber verarmt, schließt sich den Aufständischen an. Sein Leitspruch ist: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern.“Im Original: „Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi.“ Die deutsche Synchronfassung ist gerade an dieser Stelle sehr ungenau. Fabrizio toleriert das Verhalten von Tancredi und gibt ihm zum Abschied sogar etwas Geld für den Kampf mit. Bei Gefechten in Palermo leicht verletzt, wird Tancredi zum Hauptmann in Garibaldis Armee befördert.
Nachdem die Revolutionäre gesiegt haben, bezieht Don Fabrizio mit seiner Familie sein Sommerdomizil in dem Dorf Donnafugata. Don Calogero Sedara, der wichtigste Bürger des Dorfes und ein umtriebiger Geschäftsmann, hat besonders von der Revolution profitiert und reißt sich Güter und Grundstücke in der Umgebung unter den Nagel. Er stellt seine außergewöhnlich schöne Tochter Angelica der Familie Salina vor. Sofort verliebt sich Tancredi in sie und selbst der Fürst ist ganz von ihrem Charme eingenommen. Don Calogero nutzt die Chance, seine Tochter in die Aristokratie aufsteigen zu lassen, und schon bald macht Tancredi Angelica einen Heiratsantrag. Don Fabrizio willigt in die Verlobung ein, da er die hohen Ambitionen seines Neffen kennt und weiß, dass dieser als verarmter Adeliger ohne das Geld seines Schwiegervaters nie seine hohen Lebensziele erreichen könnte. Zum Opfer dieser Verbindung wird ausgerechnet Fabrizios Tochter Concetta, die sich Hoffnungen auf eine Verlobung mit Tancredi gemacht hatte. Auch Fabrizios von ihm entfremdete, streng katholische Ehefrau Maria Stella ist über die Verlobung ihres Neffen mit der von Bauern abstammenden Angelica entsetzt. Calogero behauptet unterdessen, er könne nach neuesten Nachforschungen nun eine adelige Herkunft seiner Familie nachweisen, macht sich damit aber eher zum Gespött Fabrizios.
In einer Volksabstimmung wird beschlossen, dass das Königreich Sizilien aufgelöst und dem neugegründeten Königreich Italien als konstitutionelle Monarchie unter König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont angeschlossen werden soll. In Donnafugata fällt die von Don Calogero geleitete Abstimmung einstimmig mit 512:0 für den Anschluss aus. Die Furcht vor der Anarchie oder der Einführung einer Republik sowie die Unabwendbarkeit der Geschichte veranlassen auch den Fürsten, für die konstitutionelle Monarchie zu stimmen. Allerdings erfährt der Prinz später von Ciccio Tumeo, seinem monarchistisch gesinnten Jagdpartner, dass dieser mit Nein abgestimmt hatte – somit hatten Calogero und andere Revolutionäre das Wahlergebnis manipuliert.
Prompt wird Tancredi Offizier der königlichen Armee und distanziert sich von Garibaldi und den noch bei diesem verbliebenen Revolutionären. Fabrizio erkennt, dass sein Neffe mit diesem Opportunismus im neuen Italien viel Erfolg haben könnte. Der Fürst erhält unterdessen durch den Abgesandten Chevally ein Angebot der Regierung, Mitglied des italienischen Senats zu werden und bei der Erneuerung der Gesellschaft mitzuarbeiten. Mit einer Mischung aus Melancholie und Illusionslosigkeit erklärt Fabrizio, dass die Löwen und Leoparden abtreten und nach ihnen die Hyänen und Schakale kommen würden. Der inzwischen gealtert wirkende Aristokrat schließt die Möglichkeit eines Fortschritts für Sizilien aus und lehnt eine politische Mitarbeit ab. Chevally wendet ein, dass mit seinem Rückzug zwielichtige und egoistische Kräfte im neuen Parlament umso stärker werden würden.
Bei einem großen Ball des Fürsten von Ponteleone in Palermo wird Angelica schließlich in die adlige Gesellschaft eingeführt. Für Angelica wird der Ball zu einem Erfolg, während ihr Vater von den anderen Gästen weitgehend ignoriert wird. Melancholisch und von den Entwicklungen der Gesellschaft entfremdet, wandert Fabrizio alleine durch die prachtvollen Zimmer des Palastes und macht sich Gedanken über die Vergänglichkeit. Die Verstaubtheit der Aristokraten und das opportunistische Auftreten der Neureichen machen ihn verbittert, obwohl er selbst diese Gesellschaftselite führend repräsentiert. Ein eitler Oberst, der vor kurzem General Garibaldi und einige Revolutionäre verhaftet hatte, wird von den Anwesenden für seine Leistung gefeiert. Für einen Moment reißt Angelica Fabrizio aus seinen Gedanken, als sie ihn zu einem Walzertanz auffordert, den er mit seiner alten Eleganz und Jugendlichkeit meistert. Bei Morgengrauen verlässt Fabrizio den Ball, wandert alleine durch die Straßen von Palermo und blickt sehnsüchtig in das Weltall, während die Schüsse der Erschießung einiger Deserteure aus der königlichen Armee zu hören sind.
Hintergrund Vorlage und Drehbuch mini|Die Villa Boscogrande in Palermo diente als Drehort für das Anwesen des Fürsten mini|Spiegelsaal im Palazzo Gangi-Valguarnera Luchino Visconti las den Roman Il Gattopardo kurz nach dessen Erscheinen im Jahr 1958. Er war begeistert von dem Roman und insbesondere von der Hauptfigur des Fürsten gerührt, obgleich er Kommunist war und viele andere italienische Kommunisten wie Mario Alicata hinter dem Roman des sizilianischen Fürsten und Literaturwissenschaftlers Giuseppe Tomasi di Lampedusa eine reaktionäre Ideologie vermuteten und ihn deshalb ablehnten. Visconti nahm „leidenschaftlichen Anteil“ an den Polemiken gegen den Roman und fühlte sich durch diese noch mehr bestärkt, den Roman zu verfilmen.Laurence Schifano: Luchino Visconti. Fürst des Films. Gernsbach, Katz 1988, S. 378. Tomasi di Lampedusa, der bereits vor Erscheinen des Romans verstorben war, hatte viele Figuren des Romans aus seiner eigenen Familiengeschichte entnommen – so diente sein Urgroßvater Giulio Fabrizio Tomasi (1813–1885), ein Aristokrat mit einer Leidenschaft für Astronomie, als Vorbild für die Hauptfigur des Fürsten. Viele Kritiker und Filmwissenschaftler sahen später Ähnlichkeiten zwischen Visconti – der selbst aristokratischer Herkunft war – und der Hauptfigur des Leopards, etwa „wegen der feinen Manieren, der Lebenskunst und der Sensibilität dieser Figur“.
Visconti hat in seiner Inszenierung auf das fünfte Kapitel (mit dem Besuch Pater Pirrones in seinem Heimatdorf, wo sich die Geschichte um die Geldheirat auf unterster sozialer Stufe wiederholt) sowie auf die letzten beiden Kapitel des Romans (mit dem Tod des Fürsten und dem Epilog bei den unverheirateten Töchtern des Fürsten im Mai 1910) verzichtet. Dafür werden die Bürgerkriegssituation in Palermo sowie die Verletzung Tancredis anders als im Buch genau geschildert und die Szene des Ballvergnügens mit der Erschießung von übergelaufenen Soldaten, die sich Garibaldis Truppen angeschlossen hatten, kontrastiert.
Besetzung Viscontis Wunschbesetzung für die Hauptrolle des Fürsten war eigentlich Marlon Brando. Schließlich wurde Burt Lancaster von den Produzenten verpflichtet, was vielen Zeitgenossen allerdings als exzentrische Besetzung galt und auch Visconti argwöhnisch machte. Lancaster stand zwar als großer Hollywood-Star auf dem Zenit seines Ruhmes, hatte aber ansonsten in der Regel keine italienischen Aristokraten, sondern typisch amerikanische Figuren in Western oder Kriminalfilmen gespielt. Nach Erinnerungen von Claudia Cardinale habe Lancaster beim Drehen seiner ersten Szene über Schmerzen im Knie geklagt, woraufhin Visconti ihn mit scharfen Worten in die Schranken gewiesen habe. Offenbar wollte der italienische Regisseur dem Hollywood-Star zeigen, wer am Filmset das Sagen hatte. Im weiteren Verlauf der Dreharbeiten verlief ihre Zusammenarbeit harmonisch, da Lancaster den Regisseur schätzte, seinen Anweisungen folgte und sich überzeugend in die Rolle versetzte. Die beiden freundeten sich an und arbeiteten elf Jahre später bei Gewalt und Leidenschaft nochmals zusammen, in dem Lancaster erneut eine einsame, melancholische Figur verkörperte.Laurence Schifano: Luchino Visconti. Fürst des Films. Gernsbach, Katz 1988, S. 384–385.
Mit den beiden jüngeren Hauptdarstellern Alain Delon und Claudia Cardinale hatte Visconti bereits in Rocco und seine Brüder zusammengearbeitet.
Drehorte, Ausstattung und Musik Hauptorte der Handlung sind der Palast des Fürsten von Salina in San Lorenzo bei Palermo, Palermo selbst, die fürstliche Sommerresidenz in Donnafugata und der Palast des Fürsten von Ponteleone in Palermo. Drehorte waren dagegen die Villa Boscogrande bei Palermo, Straßen und Plätze in Palermo, der Ort Ciminna mit einer hinzukonstruierten Fassade der Sommerresidenz, Innenaufnahmen im Palazzo Chigi in Ariccia bei Rom und der Palazzo Gangi-Valguarnera in Palermo.villaboscogrande.com Die Ballszene (über 44 Minuten) im Palazzo Gangi-Valguarnera erlangte ob ihrer Dauer und ihrer Opulenz Berühmtheit.
Für die Ausstattung des Filmes war Vera Marzot verantwortlich, die mit diesem Film auch ihre Zusammenarbeit mit Piero Tosi begann, der für die Kostüme zuständig war. Das Szenenbild verantwortete Mario Garbuglia. Die Filmmusik von Nino Rota entstand unter Verwendung von Themen von Giuseppe Verdi, sie wurde unter Leitung des Dirigenten Franco Ferrara eingespielt.
Originaltitel Il Gattopardo Der ursprüngliche Filmtitel Il Gattopardo wurde – wie auch der des gleichnamigen Romans – jahrzehntelang in mehreren Sprachen mit Der Leopard übersetzt. In den 1990er Jahren kam es zu einer Debatte, in der behauptet wurde, das italienische Wort gattopardo stehe – im Gegensatz zu leopardo – für den Serval, eine viel kleinere, afrikanische Raubkatze, und damit habe der Autor Giuseppe Tomasi di Lampedusa womöglich eine ironische Anspielung auf den Machtverfall des Fürsten ausdrücken wollen.literaturkritik.de Diese Behauptung wird jedoch inzwischen mangels konkreter Belege im Text des Romans weitgehend abgelehnt, Genaueres dazu hier.
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