mini|hochkant=1.5|Die als „Goldenes Hirn“ bezeichnete, 1989 errichtete Zentrale der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau

Die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW;  – Rossijskaja akademija nauk, kurz RAN) ist die nationale Akademie der Wissenschaften in Russland.

Sie wurde 1724 von Peter dem Großen gegründet und gefördert und hieß zwischen 1925 und 1991 Akademie der Wissenschaften der UdSSR (Академия наук СССР). Heute ist sie die ranghöchste Forschungseinrichtung der Russischen Föderation mit (jetzt) 13 Fachabteilungen, vier Regionalabteilungen, 15 regionalen Wissenschaftszentren und zahlreichen Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen in ganz Russland. Der Hauptsitz der Akademie war ursprünglich in Sankt Petersburg, wurde aber 1934 nach Moskau verlegt.

Ziele und Struktur mini|Fassadenfragment mit Uhr der Moskauer RAN-Zentrale

Allgemeines Die Russische Akademie der Wissenschaften stellt ihrem Wesen nach eine Arbeitsgemeinschaft von russischen Wissenschaftlern dar, die sich in akademische Mitglieder (das heißt Vollmitglieder) und korrespondierende Mitglieder, ferner wissenschaftliche Angestellte und andere Gelehrte und Spezialisten unterteilt. Mit den von der Akademie betriebenen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen stellt sie das Hauptzentrum der grundlegenden Forschung im Bereich von Natur- und Sozialwissenschaften in Russland dar. Hervorragende Persönlichkeiten, die keine russischen Staatsbürger sind, können zu ausländischen Mitgliedern werden.

Die Vollmitglieder der RAN sind berechtigt, den akademischen Titel Academicus (Acad.) vor dem Namen zu tragen, welcher als Zeichen höchster Anerkennung betrachtet wird.

Zum Zeitpunkt Anfang Januar 2026 gab es 841 Voll-, 1119 korrespondierende und etwa 445 ausländische Mitglieder (s. NamenslistenAktuelle Listen der Vollmitglieder, der korrespondierenden Mitglieder und der ausländischen Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften (auf Russisch)).

Die letzte Wahl neuer Akademiemitglieder hat vom 26. bis 30. Mai 2025 stattgefunden. Die Besonderheit der Wahl 2025 genauso wie der Wahlen 2016, 2019, und 2022 war ein ziemlich großer Anteil der mit Altersobergrenze versehenen Ausschreibungen, wobei der Kandidat für eine korrespondierende Mitgliedschaft jünger als 51 (2016, 2022, 2025) oder als 56 (2019) und für eine Vollmitgliedschaft jünger als 61 (2016, 2022) sein sollte.

Seit 2015 verleiht die Akademie außerdem den Status/Ehrentitel des Professors der RAN an die russischen Spitzenforscher. Die Anzahl der Inhaber solches Titels ist heutzutage 797; die 188 von diesen Personen sind schon zu korrespondierenden Mitgliedern geworden und die 31 Professoren sogar zu Vollmitgliedern.

Die Organisationsstruktur der Akademie vereinigt ein breites Netzwerk von Forschungsinstituten und Laboratorien, die an Forschungsarbeiten in den meisten Bereichen der modernen Wissenschaft beteiligt sind. Für einige Gebiete gibt es jeweils separate wissenschaftliche Akademien, die wie die RAN staatliche Forschungs-Dachorganisationen sind: Russische Akademie für Bildung, Russische Kunstakademie, Russische Akademie für Architektur und Bauwissenschaften. Die Russische Akademie der Medizinischen Wissenschaften und die Russische Akademie der Agrarwissenschaften sind 2014 als neue Abteilungen an die RAN angeschlossen worden.

Die Akademie ist eine staatliche Organisation, die in ihrer Tätigkeit der Gesetzgebung sowie dem eigenen Statut folgt. Letzteres wird ausschließlich durch die Generalversammlung der RAN ohne staatliche Einmischung angenommen oder verändert. Die Akademie führt eine freie Aufsicht über die Kontrolle der Tätigkeit der Institute, Laboratorien und anderer Organe im Bereich der grundlegenden Forschung und Ausbildung von Spezialisten.

Ziele Zu den primären Zielen der Russischen Akademie der Wissenschaften gehören vor allem grundlegende Forschung im Bereich von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, die auch dazu beitragen soll, die soziale und geistige Entwicklung der russischen Gesellschaft voranzutreiben. Dies schließt auch die Auswahl und Förderung von begabten Nachwuchsforschern mit ein. Durch die vielseitige Forschungsarbeit unter Einsatz qualitativ hochwertigen Personals soll auch das Renommee der Wissenschaft und der soziale Status von Akademikern in Russland erhöht werden. Außerdem verfolgt die RAN das Ziel, die gegenseitige Integration der Forschungsaktivitäten in der Akademie, den Hochschulen und der Industrie zu fördern, um möglichst viele Synergieeffekte zwischen Wissenschaft, Ausbildung und Kultur zu erzielen und damit eine gemeinsame wissenschaftliche und technische Politik im Land zu verwirklichen.

Zur Erhöhung der Effizienz ihrer Aktivitäten fördert die RAN internationale Zusammenarbeit zwischen russischen und ausländischen Wissenschaftlern, unter anderem durch Kooperationsübereinkommen mit ausländischen Akademien der Wissenschaften und anderen Forschungsorganisationen. Außerdem richtet sie internationale Forschungszentren in Russland ein und führt internationale Kongresse, Konferenzen und Seminare durch.

Vorstand Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften ist seit 20. September 2022 der Physiker und E-Techniker Gennadi Krasnikow (sein Name wird manchmal auch als „Gennady Krasnikov“ transliteriert); die Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Das Präsidium der Akademie besteht, einschließlich des Präsidenten, aus 82 Mitgliedern, die, genauso wie Krasnikow, von der Generalversammlung der RAN Ende September 2022 gewählt wurden. Darunter sind die zehn Vizepräsidenten. Im Präsidium gibt es die Vertreter aller Fach- und Regionalabteilungen. Bis auf vereinzelten Ausnahmen sind sie akademische Mitglieder der RAN. Sowohl der Präsident persönlich als auch das gesamte Präsidium sind der Generalversammlung der RAN rechenschaftspflichtig.

Fach- und Regionalabteilungen Die gegenwärtige RAN gliedert sich in dreizehn (bald wird das System umstrukturiert, voraussichtlich zu 14) Fachabteilungen sowie vier Regionalabteilungen und 15 regionale wissenschaftliche Zentren.

Die Fachabteilungen der Russischen Akademie der Wissenschaften sind heutzutage:

mini|Das Gebäude des RAN-Instituts für Makromolekulare Verbindungen in Sankt Petersburg mini|Innovationszentrum der RAW in Tschernogolowka Abteilung für Mathematikwissenschaften Sektion für Mathematik Sektion für angewandte Mathematik und Informatik Abteilung für Physikwissenschaften Sektion für allgemeine Physik und Astronomie Sektion für Kernphysik Abteilung für Energiewirtschaft, Maschinenbau, Mechanik und Steuerungsprozesse Sektion für Mechanik Sektion für Maschinenbau Sektion für Energiewirtschaft Abteilung für Nanotechnologien und Informationstechnologien Abteilung für Chemie und Materialwissenschaften Sektion für Chemie Sektion für Materialwissenschaften Abteilung für biologische Wissenschaften Sektion für physisch-chemische Biologie Sektion für Biologie Abteilung für Geowissenschaften Abteilung für Gesellschaftswissenschaften Sektion für Philosophie, Soziologie, Psychologie und Recht Sektion für Wirtschaft Abteilung für Geschichts- und Sprachwissenschaften Abteilung für globale Probleme und Internationale Beziehungen Abteilung für Medizin Abteilung für Physiologie Abteilung für Agrarwissenschaften

Die vier letztgenannten Abteilungen sind 2014 in die RAN integriert worden, weil die Akademien der Medizin und der Agrarwissenschaften an die RAN angeschlossen wurden, sowie wegen weiterer Umstrukturierungen.

Jede Fachabteilung verfügt jeweils über eine bestimmte Zahl von Forschungseinrichtungen, die sich auf bestimmte engere Tätigkeitsschwerpunkte spezialisieren. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um Forschungsinstitute auf einem bestimmten Gebiet. Einige dieser Institute sind international bekannt, wie beispielsweise das Informationszentrum WINITI, das Steklow-Institut für Mathematik oder das Lebedew-Institut.

Darüber hinaus ist die RAN nach regionaler Präsenz unterteilt: Sie hat derzeit vier Regionalabteilungen – die Abteilung Sibirien in Nowosibirsk, die Abteilung Ural in Jekaterinburg, die Abteilung Sankt Petersburg und die Abteilung Fernost in Wladiwostok – sowie insgesamt 15 Wissenschaftszentren in Wladikawkas, Dagestan, Kabardino-Balkarien, Kasan, der Republik Karelien, der Republik Komi, in Tschernogolowka, Puschtschino, Samara, Sankt Petersburg, Nischni Nowgorod, Saratow, Troizk, Ufa und Rostow am Don.

Geschichte 18. und 19. Jahrhundert Die Gründung der Russischen Akademie der Wissenschaften war einer der Bestandteile der Reformen von Zar Peter I., dem Großen, die vor allem zum Ziel hatten, den russischen Staat zu modernisieren und somit auch seine Wissenschaft und Forschung möglichst auf einen mit führenden europäischen Ländern vergleichbaren Stand zu bringen. Hierbei sollten sämtliche vor allem strategisch wichtige Wissenschafts- und Forschungsaktivitäten des Landes unter dem Dach einer Institution vereinigt werden. Letztere sollten dem Staat gehören und diesem auch unterstehen. Dieser Aspekt unterschied die neu gegründete Russische Akademie der Wissenschaften von vergleichbaren Institutionen des europäischen Auslandes, die mehr Autonomie vom Staat genießen konnten.

Als Gründungsdatum der Akademie gilt der 8. Februar 1724, als der von Peter dem Großen initiierte Erlass über die Einrichtung der Akademie vom Regierenden Senat verabschiedet wurde. Der feierliche Gründungsakt der neuen Akademie, die ihren Sitz in der neuen Hauptstadt Sankt Petersburg erhielt, wurde am 27. Dezember 1725 begangen. Ihr erster Präsident war der renommierte Mediziner Lorenz Blumentrost (1692–1755). In den Anfangszeiten war die Akademie nach ihren Haupttätigkeitsfeldern in drei Fachabteilungen unterteilt: die mathematische, die physisch-naturwissenschaftliche und die geisteswissenschaftliche. Peter der Große, der sich sehr für Wissenschaft und Technik interessierte und die Einrichtung der Akademie als eines seiner wichtigsten Reformvorhaben betrachtete, setzte sich auch nach deren Gründung dafür ein, dass die neue Institution nicht nur innerhalb Russlands an Ansehen gewann. Hierzu wurde eine Reihe von verdienten ausländischen Akademikern nach Petersburg eingeladen und zu Mitgliedern der Akademie ernannt, darunter Nikolaus und Daniel Bernoulli, Christian Goldbach, Georg Bernhard Bilfinger, Joseph-Nicolas Delisle, Leonhard Euler und Gerhard Friedrich Müller. Zudem erhielt die Akademie mehrere wichtige wissenschaftliche Einrichtungen des Landes unter ihre Verwaltung, darunter die Petersburger Kunstkammer, ein astronomisches Observatorium, einen botanischen Garten, ein anatomisches Theater und eine Druckerei.

mini|links|Der ehemalige Hauptsitz der Akademie in Sankt Petersburg. Im 1734 erbauten barocken Palast ist heute die Petersburger Kunstkammer untergebracht. mini|links|Gebäude der ehemaligen Akademie in Sankt Petersburg Die ausgedehnte Infrastruktur der Akademie und die Mitarbeit renommierter in- und ausländischer Forscher haben bereits wenige Jahrzehnte nach der Gründung zu herausragenden Leistungen in diversen Bereichen der russischen Wissenschaft geführt. So konnte von der geowissenschaftlichen Abteilung bereits 1745 die erste vollständige geographische Karte Russlands angefertigt werden. Zu den wichtigsten Errungenschaften der Akademie in den ersten Jahren ihres Bestehens zählen unter anderem die vielen Entdeckungen des Universalgelehrten Michail Lomonossow im natur- und geowissenschaftlichen Bereich, die mathematischen Forschungsarbeiten Eulers sowie mehrere Forschungsexpeditionen in vormals unerschlossene Gebiete des Russischen Reichs, darunter die Zweite Kamtschatkaexpedition. Ab 1728 verlegte die Akademie ihre eigene Forschungszeitschrift auf Latein.