Das Chunati Wildlife Sanctuary ist ein Naturschutzgebiet in den Chittagong Hill Tracts, Division Chittagong im Südosten von Bangladesch. Bei seiner Gründung im Jahr 1986 war es eines der ersten Naturschutzgebiete in Bangladesch. Ungeachtet der gesetzlichen Bestimmungen wurde der Baumbestand nach der Ausweisung als Schutzgebiet fast völlig abgeholzt, dabei wirkten lokale Unternehmer und korrupte Beamte der Forstverwaltung zusammen. Hinzu kam die durch die große Armut bedingte Besiedelung des Schutzgebiets durch Menschen, die Umwandlung von Flächen in Acker- und Weideland und die Entfernung von Ressourcen wie Bau- und Feuerholz.

Seit 2004 wird das Chunati Wildlife Sanctuary vom Landwirtschaftsministerium und der lokalen Bevölkerung gemeinsam verwaltet. Es bestand die Hoffnung, durch das Einbinden der Bewohner und Anwohner des Schutzgebiets die zerstörerische illegale Nutzung zu beenden und eine nachhaltige Nutzung unter Berücksichtigung des Schutzbedarfs der natürlichen Ressourcen zu fördern. Ob das Projekt gelungen ist, kann nicht entschieden werden. Während seine Träger das bejahen gibt es massive Kritik aus der Öffentlichkeit, mit der die umfangreiche Umweltzerstörung auch im Chunati Wildlife Sanctuary beklagt wird. Wegen der seit 1990 zu verzeichnenden dramatischen Verluste an Biodiversität und dem Anpflanzen von exotischen Bäumen und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen gelten Flora und Fauna unter Fachleuten als nicht mehr schutzwürdig. Für den Schutz des in Bangladesch vom Aussterben bedrohten Indischen Elefanten ist das Chunati Wildlife Sanctuary ein wichtiger Korridor, der von wandernden Gruppen von Elefanten genutzt wird.

Geschichte Das Gebiet des heutigen Chunati Wildlife Sanctuary ist bereits vor mehreren Generationen von der Kolonialverwaltung Britisch-Indiens als Chunati and Jaldi Forest Range unter Naturschutz gestellt worden. Seither hatte es den Status eines Reserve Forest, der eine wirtschaftliche Nutzung erlaubte. Die Forstwirtschaft wurde in der Weise betrieben, dass die natürliche Vegetation gerodet und verbrannt wurde, um Raum für die Anpflanzung des Teakbaums zu gewinnen. Dessen Blattwurf verhindert das Aufkommen von Unterholz und Futter für eine herbivore Fauna, und seine Früchte sind für Vögel als Nahrung ungeeignet. Ebenfalls angepflanzte exotische Baumarten wie Acacia auriculiformis, Acacia mangium und Roter Eukalyptus (Eucalyptus camaldulensis) sind unter dem Aspekt des Naturschutzes ebenfalls ungeeignet. Darüber hinaus wurde Land an Bauern zur landwirtschaftlichen Nutzung übereignet, deren Familien sind bis heute rechtmäßige Besitzer des zugewiesenen Lands. Am 18. März 1986 wurde das Chunati Wildlife Sanctuary durch einen Erlass des Landwirtschaftsministeriums als Naturschutzgebiet eingerichtet und damit den Schutzbestimmungen des Naturschutzgesetzes von 1974 unterworfen. Seither sind alle Tiere und Pflanzen im Chunati Wildlife Sanctuary geschützt und die forstwirtschaftliche Nutzung untersagt. Bis 2017 wurden in Bangladesch insgesamt 49 Nationalparks ausgewiesen, von denen 17 durch das Landwirtschaftsministerium und die lokale Bevölkerung gemeinsam verwaltet werden.

Ungeachtet des Schutzstatus wurde das Gebiet des Chunati Wildlife Sanctuary weiter massiv beeinträchtigt. Kurz vor der Unterschutzstellung war der Wald des Chunati Wildlife Sanctuary undurchdringlich mit einem geschlossenen Kronendach und dichtem Unterholz. Er wurde von Elefanten und zahlreichen anderen Tieren besiedelt und die Bewohner der Umgebung mieden den Wald. Innerhalb der Grenzen des Schutzgebiets lebten nur wenige Siedler, die schon vor Jahrzehnten Besitztitel erworben hatten. Im Zusammenwirken örtlicher Unternehmer und anderer wohlhabender Bewohner der Region mit korrupten Beamten der Forstverwaltung wurde der überwiegende Teil des Waldes binnen kurzer Zeit gerodet und in landwirtschaftliche Nutzflächen oder Brachland umgewandelt.

Der rasche Bevölkerungszuwachs in ganz Bangladesch und die extreme Armut der Landbevölkerung führten zu einer starken Übernutzung der Flächen des Schutzgebiets oder zu ihrem Verlust für den Naturschutz durch Brandrodung und Umwandlung in Acker- oder Weideland, Abholzung zur Verwendung als Bau- oder Brennholz, Nutzung als Industriestandort oder Übersiedelung. All dies wurde durch eine zentralisierte Staatsgewalt, deren Schwäche bei der Durchsetzung der Naturschutzbestimmungen und die mangelnde Einbindung örtlicher Gemeinschaften begünstigt. Bis 2010 waren in ganz Bangladesch 90 Prozent der ursprünglichen Waldfläche verloren, bei einem andauernden jährlichen Verlust von einem Prozent. Demgegenüber waren nur 1,4 Prozent der Fläche des Staates als Naturschutzgebiete ausgewiesen, einer der weltweit niedrigsten Anteile an geschütztem Regenwald. Im Chunati Wildlife Sanctuary wurden große Teile der ursprünglichen immergrünen Walds durch Reisfelder, Anbauflächen für Betelpfeffer, rasch wachsende Zweiflügelfruchtbäume und Bambus, Flächen für die Lufttrocknung von Lehmziegeln oder Siedlungsgebiete ersetzt.

Im Jahr 2006 ergab die Auswertung von Luftbildaufnahmen, dass im Chunati Wildlife Sanctuary fast der gesamte Wald verloren ist:

Landnutzung Fläche (in Hektar) Prozent Wald, einschließlich Plantagen 93,98 ha 1,21 % Gras, einschließlich Bambusanbau 714,30 ha 9,20 % Gras und Strauchvegetation 2367,67 ha 30,50 % Ödland 3823,62 ha 49,25 % Wasserflächen 763,45 ha 9,83 %

Am Beginn des 21. Jahrhunderts wurden umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen durchgeführt, zu denen zwischen 2002 und 2011 die Anpflanzung von Bäumen auf einer Fläche von etwa 2000 Hektar gehörte. Dabei wurden von der Forstverwaltung nur zur Hälfte einheimische Bäume und zur Hälfte die naturschutzfachlich als wertlos zu beurteilende Acacia auriculiformis gepflanzt. Das wurde damit begründet, dass die Beamten ihren Vorgesetzten im Ministerium mit Hilfe der schnellwüchsigen Akazie rasche Fortschritte nachweisen konnten. Eine Konsequenz ist der Verlust der mit Akazien bepflanzten Flächen für den Zweck des Wildtier-Schutzes, da die Bäume keine Früchte oder Sprossen für die Elefanten und andere Pflanzenfresser liefern.

Geologie, Geografie und Klima Das Chunati Wildlife Sanctuary liegt etwa 70 Kilometer südlich von Chittagong in den Chittagong Hill Tracts. Teile des Schutzgebiets befinden sich innerhalb der Grenzen dreier Upazilas: Lohagara und Bashkhali im Distrikt Chittagong und Chakoria im Distrikt Cox’s Bazar. Innerhalb des Chunati Wildlife Sanctuary befinden sich wiederum sieben Unions (die kleinsten Verwaltungseinheiten im ländlichen Bangladesch): Chunati, Adhunagar, Herbang, Puichari, Banshkhali, Borohatia und Toitong. Im Norden, Süden und Südosten grenzt das Schutzgebiet an Waldgebiete mit einem niedrigeren Schutzstatus.

Das Chunati Wildlife Sanctuary befindet sich auf Sedimentgestein des Pleistozän, Pliozän und Miozän, das mit neutralem bis leicht saurem Lehmboden bedeckt ist. Das Geländeprofil ist hügelig bis bergig und von Gräben mit flachen bis steilen Rändern durchzogen. Das Schutzgebiet liegt auf 30 bis 60 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Das ganze Gebiet ist von zahlreichen Bächen durchzogen, die klares Wasser führen und durch Kies- oder Felsbetten führen. Sie bieten eine gute Entwässerung nach Niederschlägen und dienen dem Wild als Tränke und zahlreichen Arten von Fischen und Amphibien als Lebensräume. Den Menschen liefern sie Trink- und Brauchwasser und den ansässigen Bauern dienen sie zur Bewässerung der Felder. Die entwaldeten Bereiche, einschließlich der Felder, unterliegen in der Regenzeit einer starken Erosion.

Das Schutzgebiet liegt im tropischen Regenwald, mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als 22 °C über das ganze Jahr, von einem Minimum von 14 °C im Januar bis 32 °C im Mai. Der jährliche Niederschlag liegt bei etwa 3000 Millimeter, mit einem Maximum während des Monsun zwischen Juni und September.

Flora und Fauna Flora Die ursprüngliche Vegetation bestand überwiegend aus verschiedenen Arten von Zweiflügelfruchtbäumen (Dipterocarpus spp.). Mit ihnen vergesellschaftete Bäume waren zahlreiche Arten von Mangos (Mangifera spp.), Brotfruchtbäumen (Artocarpus spp.), Spindelbaumgewächsen (Lophopetalum spp.), Wollbaumgewächsen (Bombax spp.), Myrtengewächsen (Syzygium spp.) und Mimosengewächsen (Albizia spp.). Die übrige Vegetation beinhaltete eine Vielzahl verschiedener Arten von Sträuchern und Gräsern, darunter Bambus.

Im Rahmen der Zerstörung des ursprünglichen immergrünen Regenwalds sind bereits einige Baumarten aus dem Chunati Wildlife Sanctuary ganz verschwunden. Damit verlor das Schutzgebiet jeweils ein Stück seines Werts als Träger der Biodiversität. 2005 wurde eine Begutachtung des ökologischen Werts der verbliebenen Flora und Fauna durchgeführt. Sie kam zu dem entmutigenden Ergebnis, dass keine ökologisch wertvolle Flora mehr vorhanden war. Dessen ungeachtet hat das Chunati Wildlife Sanctuary weiter eine große Bedeutung. Eine 2014 durchgeführte Inventarisierung konnte für das Chunati Wildlife Sanctuary 691 Arten von Pflanzen nachweisen, darunter 240 Baumarten, was auf einen Erfolg der Schutzmaßnahmen hindeutet.

Fauna Der Flächenverlust innerhalb der Grenzen des Chunati Wildlife Sanctuary wirkt sich auch auf die Fauna aus. Betroffen sind in erster Linie Arten, die obligatorisch auf das Zusammenleben mit den verschwundenen Baumarten angewiesen sind. Ebenfalls von Bedeutung ist die Nutzung von Waldflächen als Weideland, weil das als Deckung und Nahrung für Wildtiere notwendige Unterholz geschädigt oder entfernt wird. Schließlich ist die Wilderei ein ungelöstes Problem. Innerhalb des Schutzgebiets lebende Menschen nutzen die natürlichen Ressourcen und betreiben Fischfang und Jagd auf Haar- und Federwild oder sie sammeln Gelege der Vögel für den eigenen Konsum. Da Elefanten, Hirsche und Wildschweine massive Schäden in den Anbauflächen für Reis und andere Pflanzen verursachen werden sie gelegentlich von den Bauern verletzt oder getötet. Außerhalb des Schutzgebiets lebende wohlhabende Personen kommen unter Missachtung der Schutzbestimmungen zur Jagd in das Chunati Wildlife Sanctuary.

Anfang der 1990er Jahre wurden noch 178 Arten von Landwirbeltieren nachgewiesen, davon 27 Säugetiere und 137 Vogelarten. Die Population des Westlichen Weißbrauengibbons im Chunati Wildlife Sanctuary war die zweitgrößte von ganz Bangladesch. 1997 wurden nur noch 57 Arten von Landwirbeltieren nachgewiesen, und bis 2003 sank die Zahl der Gibbons um mehr als 90 Prozent. Wie die verbliebene Flora wurde auch die Fauna des Schutzgebiets nicht mehr als erhaltenswert betrachtet. Ausgenommen war der Wert des Schutzgebiets als Korridor für durchwandernde indische Elefanten, für deren Bedürfnisse es ebenfalls nur eingeschränkt geeignet war. Hier spielten die fehlenden Futterpflanzen und der Mangel an dichtem Wald als Rückzugsraum eine bedeutende Rolle. Eine umfangreiche Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2014 ergab deutlich höhere Zahlen. Demnach lebten im Chunati Wildlife Sanctuary 40 Arten von Säugetieren, 252 Vogelarten, 54 Reptilien, 26 Amphibien und 110 Arten von Wirbellosen. Da frühere Untersuchungen abweichende Methoden zur Bestimmung des Artenreichtums verwendeten lässt sich mit den hohen Zahlen von 2014 keine Entwicklung belegen.

Eine 1997 erstellte Faunenliste beinhaltet folgende Arten: Säugetiere

Vögel

Reptilien

Amphibien

Elefantenschutz