Die Snookerweltmeisterschaft 1975 war ein professionelles Snookerturnier im Rahmen der Saison 1974/75 mit Einfluss auf die Order of Merit der Saison 1975/76 sowie auf die Weltrangliste der Saison 1976/77. Das Turnier wurde vom 9. April bis zum 1. Mai 1975 als zweite Snookerweltmeisterschaft nach der Weltmeisterschaft 1971 an verschiedenen Spielorten in Australien in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland und Victoria sowie in dem unter anderem die Hauptstadt Canberra umfassenden Australian Capital Territory. Sieger wurde der Titelverteidiger Ray Reardon aus Wales, der im Finale im letztmöglichsten Frame den australischen Spieler Eddie Charlton mit 31:30 besiegte. Das höchste Break des Turnieres spielte der Nordire Dennis Taylor mit einem 128er-Break.

Hintergrund Nachdem bereits die Snookerweltmeisterschaft 1971 in Australien stattgefunden hatte, bewarb sich die Australian Professional Players’ Association um ihren Vorsitzenden Eddie Charlton um die Austragung in Australien. Dabei sollten die Spiele laut Bewerbung größtenteils in Sydney ausgetragen werden, jedoch waren Spielorte in anderen Bundesstaaten denkbar.

Ende Mai 1974 gab die World Professional Billiards & Snooker Association schließlich nach einem Treffen in West Bromwich bekannt, die Weltmeisterschaft 1975 in Australien austragen zu wollen. Dabei trat die Australian Professional Players’ Association als Turniersponsor in Erscheinung, die bekannt gab, für acht Spieler eine kostenlose Flugreise und somit eine Teilnahme am Turnier gewährleisten zu wollen. Dies betraf den südafrikanischen Meister Perrie Mans, den kanadischen Meister Cliff Thorburn sowie sechs britische Profis um Titelverteidiger Ray Reardon aus Wales sowie die Engländer Graham Miles, Fred Davis, Rex Williams, John Spencer und John Pulman. Sofern andere Spieler ihre Anfahrt bezahlen konnten, konnten auch diese am Turnier teilnehmen.

Teilnehmer An der Snookerweltmeisterschaft 1975 nahmen insgesamt 27 Spieler teil, wobei dies einen neuen Teilnehmerrekord darstellte. Von diesen 27 Spielern kamen mit vierzehn knapp die Hälfte aus dem Vereinigten Königreich, zehn aus Australien, zwei aus Kanada sowie ein Spieler aus Südafrika. Von den australischen Spielern waren mit Lou Condo, Jim Charlton, Bruder von Eddie Charlton, und Ron Mares drei Spieler erst kurz vor Turnierbeginn Profispieler geworden. Condo war zudem australischer Snooker-Meister, während sein Landsmann Philip Tarrant ehemaliger nationaler Meister im English Billiards war.

Insgesamt waren acht Spieler für das Achtelfinale gesetzt. Diese Liste führte der walisische Titelverteidiger Ray Reardon vor dem Vorjahresfinalisten Graham Miles an, gefolgt von Miles’ englischen Landsmännern Fred Davis und Rex Williams sowie vom Nordiren Alex Higgins. Die restlichen drei Plätze belegten John Dunning, Eddie Charlton und John Spencer. Somit war Charlton der einzige Australier unter den gesetzten Spielern sowie Dunning der einzige, der nicht aus den Fernsehübertragungen des Pot Black Cups bekannt war.

Preisgeld Auch wenn mit Park Drive der Sponsor der letzten drei Weltmeisterschaften abgesprungen war, verdoppelte sich das Preisgeld dennoch fast von 9.800 Pfund Sterling im Vorjahr auf 18.600 £. Damit stellte das Preisgeld im Wert von insgesamt 30.000 Australischen Dollar einen neuen Preisgeldrekord auf. Preisgeld in Pfund Sterling in Australischen Dollar Sieger 4.000 £ 7.500 A$ Finale 2.500 £ 4.500 A$ Halbfinale 1.500 £ 3.000 A$ Viertelfinale 1.000 £ 1.500 A$ Achtelfinale 400 £ 750 A$ Runde der letzten 24 200 £ – Erste Runde 100 £ – Insgesamt 18.600 £ 29.500 A$

Turnierverlauf

Modus Das Turnier startete mit drei Vorrundenspielen, die im Modus Best of 29 Frames ausgetragen wurden. An ihnen nahmen jeweils drei Engländer und drei Australier teil, wobei die Sieger der drei Partien in die Runde der letzten 24 vorrückten. Dort trafen sie auf die weiteren ungesetzten Spieler, wobei die acht Sieger der acht Partien ins Achtelfinale kamen und dort gegen jeweils einen der gesetzten Spieler trafen. Nachdem die Runde der letzten 24 und das Achtelfinale über jeweils 29 Frames gingen, wurden in den Viertel- und Halbfinalspielen jeweils 37 Frames gespielt. Das Endspiel ging schließlich über 61 Frames.

Vorrunde mini|hochkant|links|Der City Tattersalls Club in Sydney Die drei Vorrundenspiele wurden zwischen dem 9. und dem 11. April ausgetragen und eröffneten somit das Turnier.

Das erste Match des Turnieres begann am 9. April 1975 im Woononna-Bulli RSL Club in den Stadtteilen Woonona und Bulli von Wollongong und beinhaltete die Begegnung zwischen David Greaves und Jim Charlton. Nachdem es zum Ende der ersten Session 4:3 und nach zwei gespielten Sessions 8:6 für Greaves gestanden hatte, verteidigte Greaves im Folgenden seine Führung auf 10:8, bevor Charlton mit 12:13 in Führung ging. Am Schluss gewann Greaves mit 15:14 gegen Charlton und zog damit in die Runde der letzten 24 ein, wo er auf den Australier Gary Owen traf.

Ebenfalls ab dem 10. April trafen im Queanbeyan Leagues Club in Queanbeyan Bernard Bennett und Philip Tarrant aufeinander. Nach zwei gespielten Sessions lag Bennett wie auch sein Landsmann Parkin in seinem Match gegen Lou Condo mit 6:8 gegen Tarrant zurück. Am Ende konnte Tarrant mit 8:15 gewinnen und zog somit als zweiter Australier nach Lou Condo in die Runde der letzten 24 ein.

Am 10. April startete mit dem Spiel Maurice Parkin gegen Lou Condo im City Tattersalls Club von Sydney das zweite Match der Vorrunde. Nach zwei Sessions führte Condo mit 6:8 und konnte schlussendlich die Führung auf 8:15 ausbauen, wodurch auch er die Runde der letzten 24 erreichte.

Runde der letzten 24

Die erste Hauptrunde startete am 13. und 14. April mit der Partie John Pulman gegen Philip Tarrant im Auburn Baseball Club von Auburn. Nach zwei gespielten Sessions mit jeweils sieben Frames führte der achtfache Weltmeister Pulman mit 9:5, bevor die letzten beiden Sessions mit sieben beziehungsweise acht Frames jeweils deutlich an Pulman gingen und dieser mit einem 23:6-Sieg die nächste Runde erreichte.

Am 14. April begannen die übrigen sieben Spiele der Vorrunde. Das Spiel zwischen dem Südafrikaner Perrie Mans und dem Nordiren Dennis Taylor fand als zweites Spiel der Weltmeisterschaft im Sydneyer City Tattersalls Club statt. Nachdem Taylor mit der ersten Session mit 5:2 in Führung gegangen war, holte Mans in der zweiten Session deutlich auf und glich zum 7:7 aus. Doch Taylor konnte die erste Session des zweiten Tages mit 5:2 für sich entscheiden und rettete sich mit einem 4:4-Unentschieden in der letzten Session mit einem insgesamten 16:13-Sieg ins Achtelfinale.

Auch das Spiel zwischen dem Kanadier Cliff Thorburn und dem irisch-australischen Paddy Morgan im Tamworther Tamworth Workers’s Club begann am 14. April mit zwei Sessions, nach denen Thorburn mit 10:4 in Führung gegangen war. Auch die nächste Session einen Tag später ging mit 5:2 an Thorburn, ehe Morgan zum Spielende mit dem 2:6-Gewinn der letzten Session immerhin seine Niederlage auf ein 17:12 reduzierte.

Im Grafton District Services Club in Grafton wurde die Partie zwischen dem Engländer Jim Meadowcroft und dem Kanadier Bill Werbeniuk ausgetragen. Während Meadowcroft nach der ersten Session mit 5:2 in Führung gegangen war, drehte Werbeniuk in der zweiten Session das Spiel und ging selbst mit 6:8 in Führung. Am zweiten Tag baute er diese mit der dritten Session auf 14:7 aus, bevor Meadowcroft die letzte Session mit 3:5 zum Endstand von 17:12 für Werbeniuk gewann.

Ebenfalls am 14. April startete als eines von zwei Spielen mit rein australischer Beteiligung die Partie zwischen dem 28 Jahre jungen Ian Anderson und seinem südaustralischen Konkurrenten Lou Condo im Bentleigh Club von Melbourne, bei dem Anderson nach einer Session mit 6:1 in Führung ging. Am zweiten Tage ging Anderson zwischenzeitlich mit 13:8 in Führung, bevor er auch die letzte Session gewann und somit das Spiel mit einem Endstand von 18:11 beendete.

Die zweite rein australische Begegnung fand zwischen dem Vize-Weltmeister von 1971, Warren Simpson, und Ron Mares im Central Coast Leagues Club in Gosford statt, bei der Simpson am ersten Tag mit 5:2 und 11:3 in Führung ging. Die beiden Sessions am folgenden Tag gingen mit 5:2 und 3:5 aus Sicht von Simpson aus, sodass dieser das Spiel mit 19:10 für sich entscheiden konnte.

Im Goulburn Workers’ Club von Goulburn fand die Partie zwischen dem walisisch-australischen Gary Owen und dem Engländer David Greaves statt, bei der Owen nach einer Session mit 6:1 führte. Während die zweite Session mit 5:2 ausging, dominierte Owen die Sessions am nächsten Tag deutlich und gewann das Spiel mit 25:4.

Die achte Partie ebenjener Runde wurde im Marrickville RSL Club in Marrickville zwischen dem Engländer David Taylor und dem Australier Rex King ebenfalls mit zwei Sessions am ersten Tag ausgetragen, an dem Taylor nach einem 3:4-Rückstand nach der ersten Session am Ende mit 8:6 führte. Die letzten beiden Sessions einen Tag später gingen mit 5:2 und 5:3 jeweils an Taylor, der das Spiel somit mit 18:11 für sich entscheiden konnte.

Achtelfinale

Am 16. und 17. April startete der amtierende Weltmeister Ray Reardon aus Wales mit seiner Partie gegen Warren Simpson im Central Coast Leagues Club von Gosford ins Turnier. Obwohl der deutlich ältere Simpson starken Druck auf Reardon ausübte und mehrere Frames eng endeten, gelang dem für sein sicheres Lochspiel unter Druck bekannten Titelverteidiger nach zwei Sessions eine 8:6-Führung, infolgedessen dieser bereits zu diesem Zeitpunkt erneut als Favorit auf den Titel gehandelt wurde. Die dritte Session einen Tag später ging schließlich mit 4:3 erneut knapp an Reardon, bevor dieser trotz einer 3:5-Niederlage in der vierten Session das Spiel mit 15:14 für sich entscheiden konnte und somit ins Viertelfinale einzog.

Am selben Tag wie Reardon startete mit dem Engländer Graham Miles im Queanbeyan Leagues Club in Queanbeyan gegen Cliff Thorburn sein letztjähriger Konkurrent aus dem WM-Finale ins Turnier. Obwohl der Pot-Black-Sieger Miles für seine Raffinesse bekannt war, hatte dieser gegen Thorburns schnellen Spielstil kaum eine Chance. Nachdem der Kanadier nach der ersten Session mit 6:1 geführt hatte, gelang ihm in der zweiten Session ein White-wash zur 13:1-Führung, sodass selbst der Schiedsrichter der Partie, Eric Burke, verlauten ließ, dass Thorburn in seiner momentanen Spielweise unschlagbar sei. Am zweiten Tage setzte sich die Siegesserie Thorburns mit 5:2 und 7:1 fort, sodass dieser mit einem deutlichen 25:4-Sieg ins Viertelfinale einzog.

Als drittes Achtelfinalspiel startete am 16. April im Melbourner Bentleigh Club die Partie zwischen dem Engländer Rex Williams und dem Australier Ian Anderson, in der es nach einer Session 5:2 stand. Nachdem die zweite Session mit 6:1 und die dritte mit 5:2 ebenfalls jeweils an Williams gegangen waren, sicherte sich dieser mit einem 4:4-Unentschieden in der letzten Session und einem daraus resultiertem 20:9-Endstand den Einzug ins Viertelfinale.

Im Dapto Leagues Club von Dapto trafen am 17. und 18. April John Pulman und der gesetzte John Spencer aufeinander. Spencer, der vier Jahre zuvor die ebenfalls in Australien ausgetragene Snookerweltmeisterschaft 1971 gewonnen hatte, lag nach zwei gespielten Sessions mit 9:5 in Führung. Nachdem Spencer die dritte Session am folgenden Tag mit 4:3 für sich hatte entscheiden konnte, teilten sich die beiden Engländer die letzte Session mit 4:4, sodass Spencer mit einem 17:12-Sieg die nächste Runde erreichte.

Im gleichen Zeitraum traf im Broken Hill RSL Club in Broken Hill der auf Position sechs gesetzte Engländer John Dunning auf Gary Owen. Nach zwei Sessions führte Owen bereits mit 8:6, bevor er am zweiten Tag seinen 19:10-Sieg mit einem 5:2 und einem 6:2 in den letzten beiden Sessions festigte.