Hyliker ( „stofflich, körperlich“, von „Holz, [Bau-]Stoff“) oder auch Sarkiker (von „Fleisch, Körper“), wie etwa bei Paulus in Christof W. Strüder: Paulus und die Gesinnung Christi: Identität und Entscheidungsfindung aus der Mitte von 1 Kor 1-4. Peeters Publishers, Leiden & Leuven 2006, ISBN 978-90-429-1653-1, S. 319. nannte man in einigen gnostischen Richtungen des frühen Christentums, besonders in den Lehren des Valentinus, jene Menschen, die ganz der Materie und dem irdischen Dasein verfallen waren und dadurch in ewiger Unwissenheit über das Seelenheil lebten, sie hätten keinen Sinn für das Spirituelle.

Das Weltmodell des valentianisch-gnostischen Mythos und das seiner Anhänger teilte die Menschen in Gruppen ein.Eugen Heinrich Schmitt: Die Gnosis. Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur. I. BAND, Die Gnosis des Altertums. Eugen Diederichs, Leipzig 1903, S. 230 abgerufen auf odysseetheater.org Hierzu verwendete er eine dreiteilige anthropologische Struktur.Claudia Losekam: Die Sünde der Engel: die Engelfalltradition in frühjüdischen und gnostischen Texten. Narr Franke Attempto, Tübingen 2010, ISBN 978-3-7720-8001-2, S. 350. Je nach dem vorherrschenden Wesensbestandteil im Menschen wurden „Hyliker“, „Psychiker“ und „Pneumatiker“ unterschieden. Mit modernen Vorstellungen könnte man den Hyliker als einen materiellen Menschen deuten. Psychiker, seelische Menschen, waren ihrer Ansicht nach Menschen, die zu Glauben und sittlicher Einsicht fähig seien, aber nicht zur Erkenntnis Gottes (dem „spirituellen Prinzip“). Für Hyliker konnte es keine Erlösung geben, der die Pneumatiker (die „Geistigen“ „Hauch, Wind, Atem“) unmittelbar teilhaftig waren und für die Psychiker (die „Seelischen“) durch entsprechende Belehrung zumindest in Aussicht gestellt war.Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-52110-3, S. 100 f.Johanna Brankaer: Die Gnosis. Texte und Kommentar, Marix Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-954-0, S. 68. Ausschließlich den Pneumatikern (Geistesmenschen) schrieben die Valentinianer Zugang zum höchsten Wissen und direkter Gotteserkenntnis zu.

Irenäus von Lyon (Kirchenvater und Bischof, † um 200) berichtet:

Dabei sind nicht alle Menschen als spirituelle Pneumatiker reif für die Gnosis und ihre Befreiung. Einige bleiben erdgebundene, materialistische Hyliker, die nur ihre physische und materielle Realität kennen. Andere lebten großenteils aus ihrer Psyche als Psychiker, die einen Sinn für das Geistig-Seelische entwickelt haben, sind aber noch nicht auf der letzten Stufe. Letztere verwechseln den Demiurgen gewöhnlich mit dem Wahren Gott und so fehlt ihnen das Gespür und Vorstellung für eine spirituelle Welt jenseits ihres Daseins.

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Häresiegeschichte (Alte Kirche) Kategorie:Gnosis