mini|hochkant|Blick auf die Münzgasse
Die Münzgasse ist eine Straße in der Inneren Altstadt von Dresden und verbindet die Straße An der Frauenkirche mit dem Terrassenufer.
Als Gastronomiemeile in der Fußgängerzone um die Frauenkirche ist sie sommers wie winters einer der touristischen Anziehungspunkte der sächsischen Landeshauptstadt und auch überregional als Malerblick von der Brühlschen Terrasse aus ein Begriff.
Geschichte Mittelalter mini|Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße von Bautzen über Dresden und Zwickau nach Hof (Saale)
Die Münzgasse, bis 1849 als große Fischergasse bezeichnet, ist ein kleines Stück einer sehr alten überregionalen Länderverbindung, welche heute zwischen Bautzen und Zwickau als sächsische Frankenstraße und damit als ein Teil des mittelalterlichen Frankfurter Gleises von Nürnberg über Dresden nach Frankfurt (Oder) bekannt ist. Diese Altstraße erfreut sich aktuell wieder großer Beliebtheit und wird zwischen Bautzen und Hof (Saale) als Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße vermarktet.Website des Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße e. V.
Die große Fischergasse stellte ursprünglich die Verbindung von der Dresdener Elbfurt nach Süden zur Anhöhe des späteren Neumarktes dar. In spätslawischer Zeit soll es am Elbufer zunächst auch eine Fähre und später dann zusätzlich eine zu 996 erwähnte einfache hölzerne Brücke über die Elbe gegeben haben. Die wasserliebenden Slawen waren für den Bau kilometerlanger Holzverbindungen über Flachwasser und sumpfiges Gelände bekannt.
mini|Gondelhafen vor der Semper-Synagoge (Holzschnitt, 1847 gedruckt, Zustand ab 1840.)
Rund hundert Meter stromaufwärts in Richtung Osten bildete die Mündung eines Altarmes in die Elbe einen natürlichen Binnenhafen, der sich etwa am Ort der heutigen Kuppel der Kunstakademie befand und 1590 außerhalb der Festung verlegt wurde. Dort fand er noch bis in das späte 19. Jahrhundert als sogenannter Gondelhafen vor allem von Fischerbooten Verwendung. An diesem Ort, wo sich die Wasserstraße der Elbe mit der Altstraße kreuzte, entwickelte sich in spätslawischer Zeit aus einer kleinen Fischersiedlung eine Handelssiedlung, welche von Historikern als Dorf an der Frauenkirche oder Besiedlung um die FrauenkircheMatthias Meinhardt: Dresden im Wandel: Raum und Bevölkerung der Stadt im Residenzbildungsprozess des 15. und 16. Jahrhunderts (= Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit Bd. 4) Akademie Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004068-4, S. 54. und von Stadttopographen vielfach als Frauenvorstadt oder Frauengemeinde bezeichnet wird. Andere Historiker sehen in dieser Siedlung den Hauptort des Gaues Nisan, die mehrfach erwähnte Siedlung Nisani. Der Hafen Nisani wurde zu 1004 im Zusammenhang mit einem Feldzug Heinrichs II. gegen Böhmen erwähnt. Die Entstehungszeit des vermuteten vorstädtischen Handelsplatzes ist unter Historikern sehr umstritten. Weitestgehende Einigkeit besteht hingegen darüber, dass dieser aus stadttopographischen Erwägungen heraus an der Stelle der späteren Brotbänke in der Frauengasse lag.
Die spätere große Fischergasse stellte die Hauptstraße dieser Siedlung dar. Seit 1020 führte sie von der Elbfurt zur damals geweihten Holzkirche Zu Unsrer Lieben Frauen, dem Vorgängerbau der späteren steinernen Frauenkirchen der Romanik, der Gotik und des Barocks. Östlich von ihr lagen unweit der Kirche die Hauptgebäude der Böhmischen Akademie oder Akademie Nisan, westlich von ihr eine dieser Geistlichen Akademie angegliederte Ikonenschule.
Auch die Entstehungszeit der Nikolaikirche, der heutigen Kreuzkirche, ist umstritten. Sie wird überwiegend im Zusammenhang mit der Entstehung des Handelsplatzes gesehen. Bei der Welle der Stadtgründungen durch Kaufleute entstanden Kaufmannssiedlungen in der Regel um genossenschaftliche Nikolaikirchen. Dresden weicht hier in zwei Punkten ab: die für damalige Verhältnisse bedeutende Stadtgründung mit sich anschließendem Brückenbau (nach anderer Ansicht: der gewaltige Brückenbau mit sich anschließender Stadtgründung) dürfte hochherrschaftlich entstanden sein, vermutet wird sogar eine königliche Gründung mittels der Burggrafen von Dohna, welche infolge des Konfliktes zwischen dem Reich und der Markgrafschaft Meißen in den 1190er Jahren an den Markgrafen von Meißen übergegangen sein könnte die Nikolaikirche lag viel zu weit abseits des vorstädtischen Handelsplatzes, als dass hier ein Zusammenhang bestehen könnte Die Nikolaikirche (und jetzige Kreuzkirche) dürfte demzufolge wahrscheinlich eher im Zusammenhang mit der Planstadt Dresden und dem Altmarkt entstanden sein. Dies würde auch den rein deutschen Charakter der frühen Kirche erklären. Während die für die umliegenden sorbischen Dörfer zuständige Frauenkirche außerhalb der Stadtbegrenzungen verblieb, war den Sorben in der Frühzeit der Stadtgeschichte der Zutritt zur Stadt ohne Genehmigung verboten.
Die vorstädtische Handelssiedlung dürfte neben dem slawischen Charakter auch von Juden geprägt worden sein, deren Handelsaktivitäten im ostfränkisch-frühdeutschen wie auch im böhmischen Raum seit der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts bezeugt sind. Stadttopographisch betrachtet lag die jüdische Synagoge wie auch die spätere Jüdengasse genau wie der vorstädtische Handelsplatz an den späteren Brotbänken in dem Bereich, welcher zwar in die Stadtgründung Dresdens mit einbezogen wurde, diese aber in der Planstruktur störte.
Die Vorgängerin der großen Fischergasse wird die Elbfurt (Fährstelle, Holzbrücke) mit dem vorstädtischen Handelsplatz verbunden haben, ohne dass deren genauer Verlauf rekonstruiert wäre. Da der natürliche Hafen älter sein dürfte als die Frauenkirche und auch mindestens 16 Jahre eher bezeugt ist, dürfte der Kirchenbau auf der Anhöhe bei dem alten Handelsplatz als sekundär anzusehen sein. Nach dem Bau der Kirche zentrierte sich die Wegeführung sternförmig auf diese zu – nicht nur von der Elbfurt, vom Hafen und vom Handelsplatz aus, sondern auch aus Richtung Pirna und Ranvoltitz.
Wahrscheinlich nach 1170 lag die von Sorben bewohnte Große Fischergasse dann vor den Begrenzungen der damals begründeten deutschen Siedlung Dresdene. 1168 war durch die Funde gediegenen Silbers und reicher silberhaltiger Bleierze am Schüppchenberg in Christiansdorf das Erste Berggeschrey ausgelöst, 1169 die Böhmische Akademie aus Nisani nach Kaditz verlegt worden.
mini|Frankenstraße von Bautzen über Dresden, Freiberg und Plauen nach Nürnberg, von dort führt eine weitere Altstraße über Konstanz und Bern in den Mittelmeerraum nach Montpellier und Béziers
Durch den Bau der wahrscheinlich ebenfalls nach 1170 begonnenen und um 1230 ersterwähnten Dresdner Elbbrücke, der seinerzeit mit rund 560 Metern längsten Gewölbebrücke Europas, verlor die heutige Münzgasse um 1200 ihre Funktion als Fernweg.Vgl. Geschichte des Neumarktes auf der Website der Stadt Dresden. So befand sich die Stempelstelle des Sächsischen Jakobsweges an der Frankenstraße direkt am Georgentor in einer Buchhandlung im Haus der Kathedrale auf der Schloßstraße.Stempelstellen des Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße e. V. – die Buchhandlung musste Ende 2020 aufgeben, weil die katholische Kirche sich gezwungen sieht, die günstige Lauflage mit besserem Gewinn zu vermarkten, als es eine katholische Buchhandlung erwirtschaften kann. Etwa zur gleichen Zeit musste auch die sorbische Besiedlung um die Frauenkirche ihre Funktion als Vorort des Elbtalkessels an das neugegründete deutsche Newendresden abgeben. Die namensgebende Siedlung auf der anderen Elbseite wurde fortan als Altendresden bezeichnet. Dieses Toponym stammt vom altsorbischen (= „Sumpf-“ oder „Auwald-Bewohner“).Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 54 f. Ab 1206 setzt die deutsche urkundliche Überlieferung zu Dresden ein.
mini|Dresden 1634: Die große Fischergasse beginnt an der linken oberen Buchecke und führt zur damals noch gotischen Frauenkirche. Das Maternihospital mit ebenfalls noch spätmittelalterlicher Bausubstanz liegt an der linken unteren Ecke des Frauenkirchhofes.
Der Gebäudekomplex der ehemaligen Akademie Nisan wurde zu einem Spital mit Herberge vor der damaligen Stadtgrenze umgewandelt, welches den Namen Maternihospital erhielt. Dieses Spital wurde möglicherweise nach Urkundenlage in den Jahren 1268 bis 1272 zusammen mit dem Patronat über die Pfarrei Dresden vom Markgrafen Heinrich des Erlauchten an das Klarissenkloster Seußlitz übertragen. Einige Historiker halten diese Übertragung durch Heinrich für eine Urkundenfälschung, andere erachten eine Übertragung kurz vor dem Tod des Markgrafen im Jahre 1288 als noch möglich. Vorausgegangen war ein Versuch der Markgräfin Elisabeth von Maltitz, das Hospital unmittelbar vor der damaligen Residenz Dresden in ein weiteres Klarissenkloster umzuwandeln.Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Meissner Kreis, Seusslitz, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, S. 53–54: Die Gründung des Klosters geschah im Jahre 1268 und nach zehn Jahren war der Bau vollendet, wozu die Bürgerschaft zu Dresden zwölf Mark Silbers beitragen musste, für welche Unterstützung der Markgraf der Stadt den Marktzoll erließ. Sobald die Nonnen von dem neuen Kloster Besitz genommen erwarben sie von dessen Stifter das Patronatsrecht über die hiesige Kirche, das Heinrich zwar dem Kloster Altzelle überlassen hatte, diesem aber zu Gunsten des Clarenklosters wieder abtauschte. Auch das Patronatsrecht über die Frauenkirche wurde diesem 1289 abgetreten und gleich darauf empfingen die frommen Schwestern das Maternihospital zu Dresden zurück, welches sie kürzlich der Markgräfin Helene überlassen hatten, als diese ein Clarenkloster in Dresden zu gründen beschloss. Die baulichen Voraussetzungen dafür waren gegeben, bestand doch die Akademie Nisan aus einer klosterähnlichen Gemeinschaft männlicher Lehrer und Schüler. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an dem energischen Widerstand der Dresdner Bürger, welche seit spätestens 1272 (nach anderer Meinung bereits vor 1265) mit dem Franziskanerkloster bereits einen Bettelorden zu verkraften hatten. So riss die Dresdner Bürgerschaft kurz nach 1308 auch das Haus eines Klarissenkonvents in der großen Brüdergasse gewaltsam wieder ab. Nach dem Scheitern ihres Planes schenkte die Markgräfin Elisabeth von Maltitz am 12. Juni 1288 dem Zisterzienser-Kloster Altzella ihr Leibgedinge Lubanycz und Goppil als Seelgerät. Eine weitere Ordensniederlassung gelang erst wieder dem Augustinerorden mit dem Augustinerkloster auf der anderen Elbseite in Altendresden, welches 1404 vom Markgrafen Wilhelm des Einäugigen gestiftet und reich ausgestattet wurde. Vom Maternihospital zeugt heute nur noch die Deckplatte über dem ehemaligen Maternibrunnen unweit der Frauenkirche.
mini|Dresden zur Zeit der ersten Erwähnung 1206 (nach Bruno Krause, 1893)