mini|Chittagong auf einem Gemälde von 1822

Die Geschichte Chittagongs, der zweitgrößten Stadt von Bangladesch, ist durch ihre Lage als Hafenstadt am Golf von Bengalen und im Grenzgebiet zwischen dem indischen Subkontinent und Südostasien geprägt. Als wichtiges Handelszentrum wechselte sie mehrmals ihren Besitzer, was sich in der Bevölkerung widerspiegelt. Der lokale Dialekt weist Lehnwörter aus dem Arabischen, Persischen, Englischen und Portugiesischen auf. Auch wenn der Islam, wie überall in Bangladesch, hier die am stärksten verbreitete Religion ist, ist der Anteil der religiösen Minderheiten der Hindus (13,76 %) und Theravada-Buddhisten (2,01 %) in Chittagong größer.Local Government Engineering Department: , abgerufen am 2. Mai 2019.

Von der Frühzeit bis zum Mittelalter mini|Die Moschee Kadam Mubarak stammt aus dem Mittelalter

Im etwa 35 Kilometer nördlich gelegenen Sitakunda wurden 1886 Werkzeuge aus der Zeit zwischen 5000 und 3000 v. Chr. gefunden, so dass man von einer Besiedlung der Region um Chittagong bereits in der Jungsteinzeit ausgeht. Faustkeile und Meißel deuten auf Beziehungen zu den Produktionsstätten in Westbengalen und Bihar hin.Tathya Mantraṇālaẏa. Bahiḥ Pracāra Anubibhāga: Bangladesh towards 21st century. External Publicity Wing, Ministry of Information, Govt. of the People's Republic of Bangladesh, 1994, . Eine Stadt mit Hafen lässt sich bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen. Malaiische Quellen berichten von der damaligen Reise des Seefahrers Buddha Gupta von Chittagong nach Malaya. Auch im Periplus Maris Erythraei aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und in Beschreibungen von Claudius Ptolemäus (2. Jahrhundert n. Chr.) erscheint bereits der Hafen von Chittagong. Antike griechisch-römische Quellen nennen die Stadt „Pentapolis“. Bei Arabern und Persern hieß sie vom 9. bis 14. Jahrhundert „Samandar“ und „Sudkawan“, „Shatijam“ oder „Che-ti-chiang“ vom 14. bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Andere alte Namen und Schreibweisen waren Chatigan, Chatigam und Chittigon.Michael W. Charney: , SOAS Bulletin of Burma Research, Vol. 3, No. 2, Autumn 2005, , abgerufen am 2. Mai 2019. Weitere Berichte gibt es von den Chinesen Xuanzang (7. Jahrhundert) und Ma Haen (1405) und Ibn Battūta (14. Jahrhundert). Für arabische Händler war Chittagong, neben Dbol (bei Karatschi) und Calicut der dritte Hafen des indischen Subkontinents, den sie bis in das 8. Jahrhundert als einzige besuchten. 1154 berichtet al-Idrisi von einer florienden Handelsroute zwischen Basra und Chittagong. 1405 ankerte der chinesische Admiral Zheng He mit seiner Flotte in Chittagong.Dineshchandra Sen: The Ballads of Bengal. , 1988, .

Bengalische und paschtunische Herrschaft Die Region gehörte zunächst zu den bengalischen Reichen von Samatata und Harikela; die Dynastien der Varman, Chandra und Deva herrschten über das Gebiet.

1340 eroberte Fakhruddin Mubarak Shah, Sultan des im heutigen Zentrum von Bangladesch liegenden Sonargaon Chittagong und machte die Stadt zum Seehandelszentrum seines bengalischen Reiches, indem er sie an die Straße nach Westbengalen und der großen Handelsstraße Nordindiens anschloss.Stefano Cariolato: The Treasures Ships. Ming China on the seas: history of the Fleet that could conquer the world and vanished into thin air. , 2017, . Shamsuddin Ilyas Shah, der erste unabhängige Sultan von Bengalen, tötete Ezhatiar Uddin Gazi Shah, den Sohn von Fakhruddin Mubarak Shah und unterwarf Sonargaon in den Jahren 1352/53. Chittagong wurde zum Haupthafen von Bengalen. Raja Ganesha und seine Nachkommen unterbrachen die Herrschaft der Dynastie Ilyas Shahi im Jahr 1414, bis sie 1435 mit Nasiruddin Mahmud Shah wieder die Macht in Bengalen übernahm. Von 1487 bis 1494 folgte die Dynastie Habshi und schließlich von 1494 bis 1538 die Dynastie Hussain Shahi.

1517 erreichten die Portugiesen erstmals Chittagong, das sie Porto Grande de Bengala () nannten. Chittagong taucht auch im portugiesischen Nationalepos, den Lusiaden auf.Nitish Sengupta: Land of Two Rivers: A History of Bengal from the Mahabharata to Mujib. Penguin UK, 2011, . Der erste Kontakt dort zwischen Portugiesen und Bengalen verlief bereits nicht sehr freundlich. Portugals Gesandter João da Silveira war vom bengalischen Wesir ziemlich unhöflich behandelt worden, was ihm in Erinnerung blieb, als er weiter nach Mrauk U reiste, der Hauptstadt Arakans. Der Empfang des bis dato noch Bengalen tributpflichtigen Königs Min Yaza war deutlich interessierter. Die Arakanesen erkannten die Portugiesen als Möglichkeit, zu alter Stärke zurückzukehren. Trotz Geschenke misstraute Silveira nach den schlechten Erfahrungen in Chittagong den Arakanesen, weswegen Portugal Arakan gegenüber zunächst feindlich gegenüber stand. In den folgenden Jahren gab es immer wieder portugiesische Angriffe auf Arakan als Vergeltung für Beutezüge arakanesischer Piraten. Allerdings saßen die Portugiesen einer Fehlinformation auf, handelte es sich bei den Piraten doch meist um Paschtunen. Außerdem überfielen portugiesische Freibeuter ohne offiziellen Auftrag immer wieder die arakanesische Küste.

mini|Arakans König Min Bin als Gottheit dargestellt im Shite-Thaung-Tempel in Myanmar

Arakans König König Min Bin (1531–1554) gelang es, sein Reich wieder zu stärken. Er nutzte die inneren Kämpfe im bengalischen Reich, um 1531 Chittagong und Ramu einzunehmen. Dann marschierten die Arakanesen auf Dhaka zu und erzwangen Verhandlungen. Min Bin zog in der bengalischen Hauptstadt Gaur als erfolgreicher Eroberer ein. Er machte eine bengalische Prinzessin zu seiner Königin, wofür er auf Chittagong zugunsten der Bengalen verzichtete. Trotz Silveiras erfolgloser Verhandlungen war die Hafenstadt von großer Bedeutung. Seit 1517 schickten die Portugiesen jährlich Handelsschiffe nach Chittagong.

1533 entsandte der portugiesische Gouverneur in Goa Nuno da Cunha 200 Mann und fünf Schiffe unter dem Kommando von Martin Afonso de Mello Jusarte nach Chittagong, um die Erlaubnis für den Bau einer Faktorei zu bitten. Eine Delegation machte dem Sultan von Bengalen in Gaur ihre Aufwartung und brachte kostbare Geschenke. Doch Sultan Ghiyasuddin Mahmud Shah ließ die Emmissäre und in Chittagong auch Jusarte mit 30 Mann in Haft nehmen. Die Portugiesen unterstützten nun den Sultan in seinem Kampf gegen die Paschtunen. Die brachte ihnen die Freiheit zurück und die Erlaubnis, eine Festung zu errichten. Kurz darauf führten Missverständnisse zur erneuten Arrestierung der Portugiesen. Der Gouverneur von Goa entsandte daraufhin 1534 António de Silva Meneses mit neun Schiffen und 350 Mann, um in Chittagong die Situation zu klären. Da sein Bote Jorge Alcocorado länger brauchte, als erwartet, brannte Meneses zwischenzeitlich Chittagong und andere bengalische Küstenorte nieder. Auch Arakan attackierte er, obwohl das Reich nichts mit der Gefangennahme von Jusarte zu tun hatte. Die Portugiesen waren noch immer im Glauben, Arakan sei ein schwacher Kleinstaat, dem man nicht trauen könne. Die Portugiesen schickten eine Flotte den Fluss rauf nach Mrauk U, um sie zu erobern, wurden aber durch eine trickreiche Verteidigungsstrategie von den Arakanesen geschlagen. Nachts hatten sie eine Flotte aus Bambusflössen mit Soldatenpuppen und Sprengkörpern auf die portugiesischen Schiffe zutreiben lassen. Als diese auf die vermeintlichen Angreifer das Feuer eröffneten, entzündeten sich Tausende Feuerwerke, so dass mehrere portugiesische Schiffe Feuer fingen. Die Portugiesen zogen sich zurück.

Portugal kontrollierte inzwischen den gesamten Seehandel zwischen Orissa und Chittagong. Man hatte praktisch alle bengalischen Händler verdrängt, indem man jedes Handelsschiff zwang, einen Passierschein zu erwerben, wenn es nicht auf See versenkt werden sollte. Da die Bengalen ihre Häfen als einzige Bezugsquellen für ihre Handelswaren aufrechterhalten wollten und die bisherige bengalische Kontrolle des Seehandels in der Region arakanische Exporte benachteiligte. Portugal wollte den Wettbewerb der Warenanbieter, um die Preise zu senken, und mehr Absatzmärkte für die eigenen Waren. Das kam Arakan entgegen, weswegen Min Bin ein freundschaftliches Verhältnis zu den Portugiesen suchte. Mit portugiesischer Hilfe wurde Mrauk U zuram besten befestigten Stadt am Golf von Bengalen ausgebaut. 1536/37 durften die Portugiesen das Zollhaus in Chittagong übernehmen und eine Faktorei zu errichten. Die Jesuiten bauten in Chittagong zwei Kirchen und eine Mission.

Dem paschtunischen Herrscher Sher Shah Suri (Sher Khan) war es 1538 gelungen, Gaur zu erobern, sich dort zum Sultan zu krönen und somit die Dynastie der Suriden zu begründen, die ihr Machtzentrum in Delhi hatte. Sein Gouverneur in Bengalen Khidr Khan musste Sher Shah Suri 1541 mit einem zweiten Feldzug gegen Gaur wieder absetzen, nachdem dieser versucht hatte, sich unabhängig zu machen. Neuer Gouverneur wurde Qazi Fazilat (1541–1545).

Zugehörigkeit zu Arakan Ab 1544 griff der birmanische König Tabinshwehti Arakan an. Der Angriff konnte zwar abgewehrt werden, doch für einen Gegenschlag fehlten die Soldaten. Zur selben Zeit hatten Stämme aus Tippera begonnen, Chittagong und Ramu zu überfallen. Die Suriden waren durch die inneren Schwierigkeiten nicht zur Abwehr nicht fähig. Arakan gelang es stattdessen den Raja von Tippera aus Ramu zu vertreiben und Chittagong erneut zu erobern. 1545 folgte der zweite birmanische Angriff auf Arakan, der diesmal mit einer Gegeninvasion beantwortet wurde. Beim letzten birmanischen Invasionsversuch 1546 halfen portugiesische Söldner bei der Abwehr. Chittagong erlebte in den 1550er-Jahren wahrscheinlich noch mehrere Eroberungen, blieb aber letztendlich unter der Herrschaft von Arakan.

Der paschtunische Gouverneur in Gaur Muhammad Khan Sur (1545–1555) nutzte 1554 die Schwäche der Suriden und erklärte Bengalen erneut für unabhängig. Seine Dynastie sollte noch drei Herrscher hervorbringen: Khizr Khan Suri (1555–1561), Ghiyasuddin Jalal Shah (1561–1563) und Ghiyasuddin Shah III. (1563–1564). 1564 übernahm die Karrani-Dynastie die Macht. Die paschtunische Herrschaft in Bengalen endete mit dem Tod des letzten Herrschers Daud Khan Karrani (1572–1576) und der Eroberung durch das Mogulreich, das nun zum neuen Nachbarn Chittagongs wurde. Eine Bedrohung für die ostbengalischen Gebiete Arakans, denn Großmogul Akbar sah ganz Bengalen als seine Provinz.

mini|König Min Razagyi von Arakan

Arakans König Min Sekkya (Min Setya, 1564–1572) nutzte unabhängige portugiesische Händler, um seine Grenze zu schützen. Die von Min Sekya gegründete erste portugiesische Siedlung war Dianga (heute Bunder oder Feringhi Bunder), am Südufer des Flusses Karnaphuli, gegenüber von Chittagong. Ein Risiko, denn die Portugiesen in Chittagong und der vorgelagerten Insel Sandwip (Sundiva) waren nach der arakanesischen Einnahme der Stadt teils feindlich gegenüber Arakan eingestellt. 1569 entsandte Min Sekya einen Unterhändler, um die Freundschaft mit den Portugiesen zu festigen. Die Situation für den arakanesischen König verbesserte sich, nachdem sein Gouverneur Nusrat Khan, der Min Sekkya immer wieder Schwierigkeiten bereitet hatte, von den Portugiesen im Kampf getötet wurde. Min Sekkya vereinbare mit den Portugiesen im Gegenzug zum Schutz der Grenze zum Mogulreich Handelskonzessionen. Die Portugiesen in Dianga verdienten sich aber auch mit Sklaven, die sie bei Überfällen auf die bengalische Küste einfingen und an den König von Arakan verkauften. Doch war Min Sekkya bewusst, dass den Portugiesen nicht voll zu trauen war, weswegen er als neuen Gouverneur von Chittagong einen loyalen Verwandten einsetzte, mit dem besonderen Auftrag, die Portugiesen im Auge zu behalten. Zur Sicherheit war immer ein Kontingent arakanesischer Soldaten in Chittagong stationiert, das jährlich ausgetauscht wurde.