mini|Brief mit Trauerrand an Hugo von Hofmannsthal, 5. Juli 1893 mini|Personen, die sowohl im Tagebuch von Schnitzler wie in der Briefedition Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren vorkommen mini|Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 14. März 1896 mini|Brief an Fritz Freund Der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler (1862–1931) war ein aktiver Briefschreiber, von dem viele Korrespondenzen erhalten sind. Christoph Jürgensen meinte:

Schnitzlers Briefe wurden schon zu Lebzeiten von Autografenjägern gesammelt und sind neben dem Tagebuch, das zwischen 1981 und 2000 ediert wurde, wichtige Quellendokumente über sein Leben und sein Werk. Sie sind zudem relevant im Bezug auf Selbststilisierung und Überlegungen zur „Selbsthistorizität“. Damit gemeint ist das Verständnis eines Autors, als ein bedeutender Schriftsteller in die Literaturgeschichte einzugehen. (Als Kehrseite führte das dazu, dass seine Briefe ebenso wie die seiner Zeit, verglichen mit bekannteren früherer Epochen, gelegentlich uninspiriert und formell wirken können.)Vgl. Jörg Schuster: „Kunstleben“. Zur Kulturpoetik des Briefs um 1900 – Korrespondenzen Hugo von Hofmannsthals und Rainer Maria Rilkes. Paderborn: Wilhelm Fink 2014, S. 21 and S. 387.

Umfang Eine Schätzung ergab, dass etwa 10.000 Briefe an ihn in seinem Nachlass liegen.Jutta Müller, Gerhard Neumann: Der Nachlass Arthur Schnitzlers. Verzeichnis des im Schnitzler-Archiv der Universität Freiburg i. Br. befindlichen Materials. Mit einem Vorwort von Gerhart Baumann und einem Anhang von Heinrich Schnitzler: Verzeichnis des in Wien vorhandenen Nachlassmaterials. Fink, München 1969, S. 149. (Einleitende Bemerkungen zur „Gestalt und Geschichte des Nachlasses“; (Digitalisat)) Dabei handelt es sich um eine konservative Schätzung, es könnte sich auch um die doppelte Menge handeln. Nimmt man an, dass es für jeden Brief einen Antwortbrief gegeben hat, gibt das auch die Anzahl der Briefe wieder, die Schnitzler geschrieben hat. Die Zahl der Korrespondenzpartner übersteigt 2.000. Jene von bekannten Zeitgenossen, von deren historischer Bedeutung Schnitzler überzeugt war, ließ er selbst abschreiben.

Einteilung Schnitzlers Korrespondenz lässt sich folgendermaßen einteilenChristoph Jürgensen: Briefe. In: Schnitzler-Handbuch: Leben, Werk, Wirkung, herausgegeben von Christoph Jürgensen, Wolfgang Lukas und Michael Scheffel, Stuttgart: Verlag J.B. Metzler, 2014, S. 285–290, hier S. 286.: Berufliche Korrespondenz Mit Akteuren des kulturellen Felds (Autoren, Künstler, Theaterdirektoren…) Geschäftliche Korrespondenz (mit Verlegern, Herausgebern …) Private Korrespondenzen (vorwiegend mit Lebensgefährtinnen und Familienmitgliedern)

Als Faustregel kann dabei das Schreibmedium herangezogen werden: Während die privaten Schreiben zumeist mit Tinte und gelegentlich mit Bleistift abgefasst sind, sind die geschäftlichen seit der Zeit nach 1900 vorwiegend von der jeweiligen Sekretärin nach Diktat mit Schreibmaschine getippt.Genauere Einordnungen der jeweiligen Schreibmaschinen und Schreibkräfte gelingt mit: Kristina Fink: Warum und wie Typoskripte analysieren?: Überlegungen zu einer Systematik der Rekonstruktion von Textgenese bei Typoskripten mit ausgewählten Beispielen aus der Nachlass-Edition Arthur Schnitzlers. In: editio, Bd. 36, H. 1, 2022, S. 33–69, https://doi.org/10.1515/editio-2022-0002 Für diese sind in seinem Nachlass Durchschläge erhalten, so dass auch viele Briefe nachweisbar sind, die nicht über den Empfänger oder die Empfängerin überliefert wurden. Den Durchschlägen fehlen neben der handschriftlichen Unterschrift auch handschriftliche Korrekturen und Ergänzungen. Außerdem ist nicht mit Sicherheit festzustellen, ob das Korrespondenzstück tatsächlich abgeschickt und empfangen wurde.

Merkmale

Handschrift Schnitzlers Handschrift galt bereits bei seinen Freunden als schwer entzifferbar. Dabei bemühte er sich, leserlicher zu schreiben, als er das etwa in seinen Werkmanuskripten tat.Vgl. dazu etwa die Einleitungen der von Konstanze Fliedl herausgegebenen historisch-kritischen Ausgaben im de Gruyter-Verlag und: Konstanze Fliedl: Arthur Schnitzler. Schrift und Schreiben. In: Die Werkstatt des Dichters. Imaginationsräume literarischer Produktion. Hrsg. von Klaus Kastberger und Stefan Maurer mit Georg Hofer und Bernhard Judex, Berlin, Boston: de Gruyter 2017, S. 139–162, So liest Beer-Hofmann einmal „Gigarl“ (Geck) anstelle von „Gigant“, einen weiteren Brief hat er „mehr errathen als gelesen“. An anderer Stelle fordert er Schnitzler auf, „deutlicher schreiben!“ Otto Brahm kritisiert in einem Brief vom 17. September 1905: „Was Sie mir über Reinhardt freundlichst anvertrauen, wird umso mehr ‚unter uns‘ bleiben, als ich es nur zum Teil entziffern konnte“. Und Thomas Mann gelingt es nicht, Schnitzler an die Urlaubsadresse zu schreiben: „Ich schreibe Ihnen nochmals unter Ihrer Wiener Adresse, weil es mir vollkommen unmöglich ist, die ländliche zu entziffern, – woran wohl noch mehr als Ihre Handschrift meine mangelhaften geographischen Kenntnisse schuld sind.“

Schnitzler verwendete hauptsächlich die deutsche Kurrentschrift, wovon er Eigennamen und Ortsnamen durch lateinische Kurrentschrift absetzte. Im Juli 1906, nach einem kritischen Brief von Georg Brandes, begann er zunehmend, alle Briefe zur Gänze in Lateinschrift abzufassen, ohne dass der Wechsel völlig konsequent gewesen wäre. In seiner Schulzeit in Österreich-Ungarn lernte er eine von der in Deutschland gebrauchten abweichende Orthografie. Die behielt er zeitlebens bei. Am einfachsten lässt sich das an der Verwendung des „ss“/„ß“ demonstrieren, das er nach den Regeln der Heyseschen s-Schreibung setzt, die durch die II. Orthographische Konferenz 1901 auch in Österreich abgeschafft wurde (seit 1996 ist sie heutzutage wieder die gültige).

Drucksorten und sonstige Merkmale mini|Mit der Schreibmaschine verfasster Brief mit Briefkopf aus dem Jahr 1930 Schnitzler verwendete ab 1905 für gewöhnlich Briefpapier, Postkarten und Umschläge, die seine Adresse vorgedruckt hatten. Da dafür teilweise auch Postkarten mit vorgedruckten Briefmarken Verwendung fanden, liegt die Vermutung nahe, dass er den Druck selbst – beispielsweise mit einer Tiegeldruckpresse – bewerkstelligte. Auch findet sich die Adresse teilweise um 45° verdreht in der linken oberen Ecke einer Karte, was ebenfalls für eine Gerätschaft spricht, mit der exakt gedruckt werden konnte. Das gilt für die beiden Wohnadressen, die er von da an noch bewohnte, die Spöttelgasse 7 (heute: Edmund-Weiß-Gasse) und, ab Oktober 1910, die Sternwartestraße 71.

Im Jahr nach dem Tod seines Vaters Johann Schnitzler am 2. Mai 1893 und nach dem Tod seiner Mutter am 9. September 1911 nutzte er Briefpapier mit Trauerrand. Auch für einen kurzen Zeitraum nach dem Tod seiner Tochter Lili 1929 verwendete er ein solches Papier.

Telegramme verfasste er wenige und nach seinem 50. Geburtstag 1912 so gut wie keine mehr. Die Ursache dürfte in der zunehmenden Verbreitung des Telefons liegen. Das Verhältnis von Briefen zu Postkarten beträgt in etwa 50:50, wobei später im Leben die kürzeren Formen an Dominanz zunehmen.

Ab 1923 bis zu seinem Tod 1931 hatte er ovale Aufkleber in Verwendung, die er vor allem an Stelle einer handschriftlichen Absenderangabe auf den Umschlag eines Briefes oder auf eine Postkarte klebte. Zusätzlich verfügte er für kurze Zeiträume um Vordrucke mit seinen Initialen „A S“. Der jeweilige Übergang zwischen den Drucksorten ist ungenau, weil beispielsweise das Briefpapier aufgebraucht war, die Briefkarten noch nicht. +Verzeichnis der verwendeten VordruckeTextBeginnEndeAnmerkungAbbildung„AS“18911892Siegelmini|Wachssiegel mit den Buchstaben „AS“„A.S.“Jänner 1895Mai 1895Korrespondenz mit Theodor Herzl, Edition in Vorbereitung. Vgl. Prägedruck (ohne Tinte) auf Briefpapiermini|Prägedruck des Monogramms, 1895„Dr. Arthur Schnitzler / Wien, XVIII. Spoettelgasse 7.“September 1905Januar 1907Auf Briefpapier, Briefkarte, Briefkuvert gedrucktmini|Adressvordruck, 1905–1907„Dr. Arthur Schnitzler / Wien XVIII. Spoettelgasse 7.“April 190727. September 1910Auf Briefpapier, Briefkarte, Briefkuvert gedrucktmini|Adressvordruck, 1907–1910„Dr. Arthur Schnitzler / Wien XVIII. Sternwartestrasse 71“10. September 1910August 1918Auf Briefpapier, Briefkarte gedrucktmini|Adressvordruck, 1910–1918„A. S.“16. Oktober 191113. Juni 1912Auf Briefpapier, Briefkarte gedrucktmini|Gedrucktes Monogramm, 1911–1912„A. S.“15. Juni 19184. November 1918Karte mit blauem Schnörkelmini|Gedrucktes Monogramm, 1918„DR ARTHUR SCHNITZLER / WIEN, XVIII. STERNWARTESTRASSE 71.“Juli 19181931Auf Briefpapier, Briefkarte, Briefkuvert gedrucktmini|Briefkopf, 1918–1931 mini|Briefumschlag„A. S. / Wien, XVIII / STERNWARTESTR. 71“Mai 1923zumindest Februar 1931Ovaler Adresskleber, weiß auf braunem Hintergrundmini|Adresskleber, 1923–1931 mini|Postkarte mit Adresskleber

Hausansichten der Sternwartestraße 71 Am 17. Juni 1912 ließ sich Schnitzler mit seiner Familie von Franz Ankner auf der Rückseite des Hauses fotografieren. Er selbst stand mit der Tochter auf der eben gebauten Terrasse, seine Frau und sein Sohn links im Garten. Die Fotografie wurde, als Postkarte gedruckt, von ihm bis 1918 für Mitteilungen verwendet. 1913 verwendete er kurzzeitig eine andere Ansicht seines Hauses als Karte. Um 1926–1927 gab es eine weitere solche Postkarte, diesmal ohne die Bewohner.

Visitenkarten Zumindest bis 1916 lässt sich bei Schnitzler der Gebrauch von Visitenkarten nachweisen. Die verwendete Typografie blieb sich dabei über die Jahre treu, sie war durchwegs in an die Schreibschrift angelehnten Lettern gesetzt. Anhand der Schriftgröße und der doppelten Unterstreichung des hochgestellten „r“ ließen sich unterschiedliche Herstellungszeiträume ermitteln, das wurde aber bislang noch nicht systematisch gemacht. Auch die Verwendung von Karten mit oder ohne der Ortsangabe „Wien“ in der rechten unteren Ecke dürfte keiner Regelmäßigkeit folgen. Im Dezember 1911 gibt es eine gedruckte Karte, die möglicherweise seine Frau Olga anstelle einer mit nur ihrem eigenen Namen verwendet hat.

Geschichte der Editionen Bereits zu Lebzeiten wurden einzelne Briefe Schnitzlers gedruckt. Zumeist lag das nicht an seiner Berühmtheit, sondern an der seiner Korrespondenzpartner. Dazu gehören Briefe von Adolf von SonnenthalSonnenthal, Hermine von (Hrsg.): Adolf von Sonnenthals Briefwechsel. Mit zwei Bildnissen in Gravüre, 24 Einschaltbildern und einem Brieffaksimile. Zweiter Band, Stuttgart, Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt 1912., Theodor Herzl„Brief Schnitzlers an Theodor Herzl vom 5. August 1892“, Jüdischer Almanach, 1900, S. 102–103.h. m.: „Briefwechsel zwischen Theodor Herzl und Artur Schnitzler. Lehrjahre des berühmten Zionistenführers“, in: Neues Wiener Journal, 29. Mai 1920, (online). m.: „Theodor Herzls Abkehr vom Theater. Interessante Briefe an Artur Schnitzler“, in: Neues Wiener Journal, 1. Juni 1920, S. 4 (online). und Peter Altenberg„Letzte Briefe von Peter Altenberg“, in: Neues Wiener Journal, 21. November 1920, S. 8 (online).. Schnitzler selbst legte Wert darauf, dass die Briefe ausschließlich ungekürzt erschienen:

Eine umfassendere Editionstätigkeit setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. In Folge wurden viele Prominentenbriefwechsel veröffentlicht. Zugleich wurden auch erstmals private Briefwechsel wie jener mit seiner (platonischen) Freundin Olga Waissnix und seiner Partnerin Adele Sandrock publiziert. Bis zur Veröffentlichung des Tagebuchs (1981–2000) waren die Korrespondenzen neben der Autobiografie Jugend in Wien zentrale Quelle für biografische Information zu Schnitzler.

Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren (2018–)