Die Kinder der Flucht ist ein dreiteiliges Dokudrama von Hans-Christoph Blumenberg aus dem Jahr 2006. Es beinhaltet die Abschnittstitel: Eine Liebe an der Oder mit Anna Brüggemann und Adrian Topol in den Hauptrollen, Wolfskinder mit Amber Bongard und Lukas Schust in den Hauptrollen und Breslau brennt! mit Jasmin Schwiers, Karoline Herfurth und Peter Kremer in den Hauptrollen.
Inhalt 1. Film: Eine Liebe an der Oder Kwidzyn (Marienwerder) Sommer 1995: Die Deutsche Elvira Profé wartet zusammen mit einer Freundin auf ihre einstige große Liebe, den Polen Fortek Mackiewicz, den sie jahrzehntelang infolge der Nachkriegswirren nicht gesehen hat. Die Geschichte des Paares beginnt fünfzig Jahre zuvor. Als die Rote Armee Ende Januar 1945 die Oder erreicht, kommt der Krieg auch in die kleine Stadt Bärwalde, wo die seinerzeit 20-jährige Elvira lebt. Ihr Vater leitet eine Fabrik, die Zollstöcke und andere Werkzeuge produziert. Als die Russen Elviras Vater liquidieren wollen, setzt sich einer der polnischen Zwangsarbeiter für ihn ein und berichtet, dass sie von Profé immer gut behandelt worden seien und Schutz bekommen hätten, viele Polen seien umgekommen, aber nicht in Bärwalde, Profé habe sie alle mehr als nur einmal gerettet. Der Kommandant der Russen sieht daraufhin davon ab, Profé hinzurichten. Da der Widerstand der deutschen Armee noch nicht gebrochen ist, setzt die Rote Armee sich in Bärwalde fest. An der Oder kommt es im Februar 1945 zu heftigen Gefechten. Die Hauptkampflinie verläuft nur wenige Kilometer von Bärwalde entfernt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen der Roten Armee auf die deutsche Zivilbevölkerung. Da viele sowjetische Soldaten durch den Angriffskrieg der Wehrmacht Angehörige verloren haben, suchen sie Vergeltung.
Am 9. Februar 1945 muss die deutsche Zivilbevölkerung Bärwalde verlassen. Da der Evakuierungsbefehl völlig überraschend kommt, bleiben nur wenige Stunden, um den Abmarsch in eine ungewisse Zukunft vorzubereiten. Auch die Familie Ritter macht sich auf den Weg gen Osten, ebenso wie die Wredes, wobei Herr Wrede immer noch nicht wahrhaben will, dass der Krieg verloren ist. Auch im Osten Polens leiden die Menschen unter der sowjetischen Okkupation. Bereits bei Kriegsbeginn hatte die Rote Armee große Teile Ostpolens besetzt – in den Augen Stalins eine legitime Kriegsbeute. Die sowjetischen Besatzer wollen auch Fortek Mackiewicz in den Militärdienst zwingen, der sich aber mehr als ein Jahr lang versteckt halten kann. Auch weitere junge Polen sind nicht bereit, sich an diesem Krieg zu beteiligen. Der Treck der Menschen aus Bärwalde, unter ihnen die Profés, Ritters und Wredes stößt im Oderbruch auf sowjetische Soldaten, die ihnen Halt gebieten. Man verpflichtet sie zur Zwangsarbeit für die Russen. Mutter Ritter, deren Sohn unterwegs schwer erkrankt ist, wagt sich ins sowjetische Waldlazarett, die damit verbundene Gefahr missachtend und bekommt eine Tablette für ihren Sohn, der wieder gesund wird. Elvira Profé wird getrennt von ihrer Familie in ein Arbeitslager in Sibirien verfrachtet. Unter erbärmlichen Lebensbedingungen wird sie dort zum Holzfällen eingesetzt. Am 1. Mai 1945 ist der Krieg vorbei, Hitler hat sich das Leben genommen.
Anfang Mai 1945 kommen die Bewohner von Bärwalde in ihre Stadt zurück. Mitte Juni müssen die Deutschen Bärwalde bereits wieder verlassen. Diesmal werden sie von den Polen hinausgeworfen, die kein Pardon kennen. Die Profés allerdings müssen aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus bleiben. In Bärwalde landen auch Fortek Mackiewicz und seine Mutter, die aus dem Osten geflüchtet sind. In der Potsdamer Konferenz wird die Oder-Neiße-Linie von den Siegermächten als neue deutsch-polnische Grenze festgelegt einhergehend mit der Zwangsaussiedlung aller Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten.
Elvira Profé im fernen Sibirien ahnt von all dem nichts. Sie liegt krank im Arbeitslager. Bald darauf jedoch ist sie Teil eines Transports in die Heimat, die sie jedoch nur erreichen kann, weil ein polnischer Fischer ihr hilft. Dass Vater und Mutter Profé noch in Bärwalde sind, erklärt Elviras Vater ihr damit, dass die Polen noch nicht auf den „Kapitalisten Profé“ verzichten könnten, da sie sonst kein Licht im Ort hätten. Allerdings könne man froh sein, wenn die Polen sie nicht verhungern ließen. Beim Milchholen lernt Elvira Fortek Mackiewicz kennen, zwischen beiden entsteht langsam eine Freundschaft, aus der Liebe wird. Fortek fragt Elvira sogar, ob sie ihn heiraten möchte. Als er jedoch um eine Heiratsgenehmigung nachsucht, wird ihm diese verwehrt mit dem Hinweis darauf, dass die Deutsche eine Klassenfeindin sei. Im Oktober 1947 verlassen die Profés zusammen mit den letzten Deutschen Bärwalde. Elvira und Fortek haben keine Zukunft. Fortek heiratet später, die Ehe endet mit der Ausreise seiner Frau in die USA, Elvira bleibt ledig. Die folgenden sechzehn Jahre nach dem Weggang seiner Frau bleibt auch Fortek allein.
Es kommt der Tag der Grenzöffnung. 1991 fährt Elvira erstmals wieder in ihre alte Heimat. Bis zum ersten Wiedersehen mit Fortek soll es noch einmal vier Jahre dauern. Als beide sich in die Arme fallen, scheinen fünfzig Jahre ausgelöscht. Kurz nach Elviras achtzigstem Geburtstag heiraten sie.
2. Film: Wolfskinder „In den ersten Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren tausende von deutschen Kindern zwischen Ostpreußen und Litauen unterwegs. Fast alle hatten ihre Eltern und ihr Zuhause verloren. Nur durch gefährliche Betteltouren in einem fremden Land konnten etliche überleben. Viele fanden den Tod. Später gab man ihnen den Namen Wolfskinder.“ Sommer 1948 Bahnhof Insterburg (Ostpreußen): Die Geschwister Waltraud und Ulrich Liedtke werden aufgegriffen und in der sowjetischen Kommandantur Insterburg befragt. Großteils haben sie keine Antworten auf die ihnen gestellten Fragen. Auf die Frage, wo ihre Mama sei, kommt die Antwort, sie sei tot, einfach verhungert und ihr Papa sei weg. Ja, Geschwister hätten sie noch Rudi, Siegi, Irmi, Hedi, die seien alle in Litauen. Und dann meint die kleine Waltraud plötzlich, sie gehörten zur Familie Max und Martha Liedtke.
Die Tragödie um die verlorenen Kinder beginnt mit der Schlacht um Ostpreußen im Herbst 1944. Überlegene sowjetische Truppen schließen Ende Januar 1945 die Festung Königsberg ein. Sie fällt am 9. April. Von 130.000 eingeschlossenen Menschen überleben ganze 25.000. Schon bei der Massenflucht über das Frische Haff sind mehr als 50.000 deutsche Zivilisten ums Leben gekommen. Bis 1945 lebten Waltraud und ihr Bruder in Wehlau (Ostpreußen) in einem wohlbehüteten Elternhaus. Die Mutter der Kinder war Hausfrau, der Vater besaß ein Sägewerk. Die Odyssee der Familie beginnt im eisigen Winter 1945. Millionen von Menschen fliehen vor der Roten Armee, darunter auch Familie Liedtke mit ihren sechs Kindern, unter denen sich ein zwei Monate alter Säugling befindet. Alsbald wird der Vater von der Familie getrennt und verschwindet spurlos. Das Baby stirbt schon nach wenigen Wochen. Für Martha Liedtke und ihre fünf überlebenden Kinder beginnt eine fast zwei Jahre währende Irrfahrt durch diverse Lager der sowjetischen Besetzungsmacht. Dank ihres eisernen Willens bringt die zarte Frau ihre Kinder durch und schafft sogar den Weg zurück nach Wehlau. Dort befindet sich die Familie im Januar 1947 in einem sowjetischen Internierungslager. Ihre offensichtlich kranke Mutter schärft den Kindern ein, dass sie niemals vergessen dürften, wer sie seien. Nach Ende des Krieges kommt es in Ostpreußen zu einer dramatischen Hungersnot unter der deutschen Bevölkerung. Zudem breiten sich Cholera und Typhus aus und zehntausende von Menschen verschwinden in den Gefängnissen der sowjetischen Besatzungsmacht, von denen auch etliche willkürlich erschossen werden. Massendeportationen sind an der Tagesordnung. Viele deutsche Frauen werden nach Sibirien verschleppt.
Martha Liedtke ist inzwischen so krank und geschwächt, dass sie stirbt. Zuvor beschwört sie ihre älteren Kinder noch, die beiden Kleinen Waltraud und Ulli nicht verhungern zu lassen. Fassungslos bleiben die Kinder zurück. Unter den Wolfskindern, die nach Kriegsende durch Litauen irren, ist auch der zwölfjährige Heinrich Kenzler. Jahre später verknüpft sich sein Schicksal eng mit dem der Liedtke-Kinder. Im Sommer 1947 halten sich die Liedtke-Kinder in Litauen auf. Die Kleinen quengeln, weil sie Hunger haben. Rudi, der älteste, hofft bei einem Bauern Arbeit zu finden. Als die Kinder weiterziehen, bleibt Rudi auf dem Bauernhof zurück. Die Verantwortung für ihre Geschwister liegt nun bei der 12-jährigen Sieglinde. Die Kinder machen unterwegs bittere Erfahrungen. Ein Bauer befiehlt der zweitältesten Schwester Irmi auf seinen Wagen zu steigen. Es soll ein Abschied für viele Jahre werden. Waltraud wird von einem freundlichen Bauern-Ehepaar aufgenommen, sodass Sieglinde nun nur noch für Ulli, den jüngsten, sorgen muss. Während sie Essen organisiert, verschwindet der kleine Ulli. Er findet zurück zum Hof, auf dem seine Schwester Waltraud eine Bleibe gefunden hat. Es dauert jedoch nicht lange, da müssen die Kinder weiterziehen, da die Bauersleute ihren Hof verlassen müssen und sie nicht länger bei sich behalten können. Auf ihrer Tour ins Ungewisse werden die Kinder von einem Fremden angesprochen, der meint, sie sollten sich zum gegenseitigen Nutzen zusammentun, da man auf den Höfen mit Erwachsenen kein Mitleid habe und ihnen nichts gebe. Da der Fremde der kleinen Waltraud nicht geheuer ist, nutzt sie die erstbeste Gelegenheit und läuft mit ihrem Bruder davon. Nachdem die Kinder auf einen Güterzug aufspringen konnten, wird Ulli während der Fahrt von einem Russen vom Trittbrett gestoßen, woraufhin Waltraud auch abspringt, um ihrem verletzten Bruder zu helfen.
Bruchstückhaft haben die Kinder das, was sie erlebt haben, den beiden Frauen in der sowjetischen Kommandantur geschildert. Die Geschwister bekommen Kekse und werden, nachdem sie einen Tag in einem russischen Kinderheim verbracht haben, in ein Heim verschoben, in dem nur deutsche Kinder untergebracht sind, die man irgendwo aufgesammelt hat. Die Odyssee der beiden endet 1948 in einem Kinderheim im brandenburgischen Kyritz. Auch ihr Bruder Rudi kehrt nach Deutschland zurück, Sieglinde hingegen bleibt in Litauen. Nachdem sie ihren Bruder Ulli verloren hatte, war sie von einer einheimischen Familie aufgenommen worden und hatte Arbeit in einer Fabrik im litauischen Kaunas gefunden. Im Sommer 1955 macht Sieglinde sich auf, um nach ihrer seit neun Jahren verschollenen Schwester Irmgard zu suchen. Als Sieglinde Irmgard auf einem Bauernhof findet, erkennt diese sie nicht. Nur langsam und mit Hilfe von mitgebrachten Fotos löst sich die Erstarrung von Irmgard, die auf dem Bauernhof gnadenlos ausgenutzt worden ist und von früh bis spät für ihre kärgliche Bleibe und ein wenig Essen arbeiten musste. Neun Jahre nach dem Tod ihrer Mutter finden die fünf Liedke-Kinder wieder zusammen. Ostern 1956 lernt Sieglinde in Kyritz Heinrich Kenzler kennen, zwei Jahre später heiraten sei und bekommen vier Kinder und später acht Enkelkinder.
3. Film: Breslau brennt!