Weihenzell (fränkisch Waia-zellE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 195. Dort folgendermaßen transkribiert: „waiətsél“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt sieben Kilometer nordöstlich von Ansbach im Naturpark Frankenhöhe. In der Ortsmitte vereinigen sich der Zellbach und der Wernsbach und bilden die Rippach, die in Richtung Ostsüdost zum Haselbach fließt.

Gemeindegliederung Es gibt 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Auf dem Gemeindegebiet befand sich der Aimershof, der wahrscheinlich schon während des Dreißigjährigen Krieges zur Wüstung geworden ist.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Forst, Gebersdorf, Haasgang (Gemarkungsteil 1), Vestenberg (Gemarkungsteil 1), Weihenzell und Wernsbach. Die Gemarkung Weihenzell hat eine Fläche von 11,489 km². Sie ist in 2025 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5673,74 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Beutellohe, Neumühle, Papiermühle, Steinmühle, Thierbach und Zellrüglingen.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Rügland, Dietenhofen, Bruckberg, Petersaurach, Ansbach und Lehrberg.

Klima

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr beträgt 687 mm.

Geschichte mini|Weihenzell im Jahr 1680 mini|Weihenzell bei der Uraufnahme (Erstvermessung), ca. 1824 Der Ort wurde als „Celle“ in einer Lehensurkunde des Bischofs Manegold zu Würzburg vom 29. März 1299 erstmals schriftlich erwähnt. Eine Celle ist ein Wirtschaftshof eines Klosters.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, S. 236. Es gibt auch einen Beleg für das Jahr 1208, der allerdings nicht sicher dem Ort zugeordnet werden kann. Im Falle von Weihenzell war es das St. Gumbertuskloster, das den Ort gegründet hat. Aufgrund der Entfernung zum Kloster wird das nicht in der Frühzeit (8./9. Jh.) geschehen sein, jedoch muss sie vor 1012 erfolgt sein, da in diesem Jahr das Kloster in ein Chorherrenstift umgewandelt wurde. Erst 1307/08 erfolgte die Nennung mit Zusatz Wigencelle. Der Ortsname enthält wahrscheinlich den Personennamen Wigo. Nach E. Fechter ist auch eine Ableitung von mhd. wîh (=„heilig“) möglich.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 195.

Laut dem 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Ansbach von 1684 bildete Weihenzell mit Zellrüglingen und Knoblauchsmühle eine Realgemeinde. In Weihenzell wurden 21 Mannschaften verzeichnet (4 Höfe, 12 Güter, 3 Gütlein, 2 Häuser). Grundherr war das Hofkastenamt Ansbach, wobei sieben Güter Gülten ins Stiftsamt Ansbach abgeben mussten. Der Gemeinde gehörten ein Schulhaus, ein Hirtenhaus, ein Schäferhaus, ein Fischwasser und 254 Morgen Holz. Außerdem gab es noch eine Pfarrkirche und ein Pfarrhaus. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 129, 3775. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 694.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Weihenzell 26 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin das Hofkastenamt Ansbach aus. Alle Anwesen hatten das Fürstentum Ansbach als Grundherrn (Hofkastenamt Ansbach: 25, Stiftsamt Ansbach: 1). Neben den Anwesen gab es folgende kirchliche bzw. kommunale Gebäude: Kirche, Pfarrhaus, Schulhaus, Hirtenhaus, Schafhaus und Brechhaus. Das Revierförsterhaus war ein herrschaftliches Gebäude.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 901. Es gab zu dieser Zeit 24 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 124: „evangelisch-lutherisches Pfarrdorf 2 Stunden von Ansbach mit 24 dahin gehörigen Unterthanen. Hier ist eine beträchtliche Papiermühle. Der Kappelberg, der auf dieser Markung liegt, enthält viel Gyps.“

Im Jahre 1792 wurde von Preußen das Fürstentum Ansbach erworben, womit auch Weihenzell unter preußischer Verwaltung stand. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.

Als Teil des Fürstentums fiel Weihenzell im Vertrag von Paris (Februar 1806) durch Tausch an Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Weihenzell gebildet, zu dem Adelmannsdorf, Beutellohe, Höfen, Neumühle, Papiermühle, Steinmühle, Thierbach und Zellrüglingen gehörten. Die Ruralgemeinde Weihenzell wurde im Jahr 1811 gegründetStaatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–1817. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt). Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Gebersdorf von Katterbach und Grüb und Wippendorf von Hennenbach nach Weihenzell umgemeindet. In der Folgezeit kam es zur Aufspaltung der Ruralgemeinde Weihenzell: 8. April 1830: Bildung der Ruralgemeinde Grüb mit Gebersdorf und Wippendorf;M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 947 f.K. Rosenhauer: Der Landkreis Ansbach, S. 11. 27. Juli 1830: Umgemeindung von Adelmannsdorf und Höfen in die neu gebildete Gemeinde Haasgang.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 948.K. Rosenhauer: Der Landkreis Ansbach, S. 11. Seither gehörten zur Ruralgemeinde Weihenzell nur noch Beutellohe, Neumühle, Papiermühle, Steinmühle, Thierbach und Zellrüglingen. Ab 1862 gehörte Weihenzell zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1014. 1888 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 11,413 km².

Im Zweiten Weltkrieg waren 60 Tote als Folge des Krieges zu beklagen, nach 1945 fanden vor allem Vertriebene aus dem Sudetengau Aufnahme. Die Bevölkerungszahl stieg und es wurden mehr Menschen katholischen Glaubens registriert.

Eingemeindungen Gemeinde Einwohner (1970) Eingemeindung Bemerkungen Forst 246 1. Juli 1971 Grüb 161 1. Januar 1974 Haasgang 345 1. Juli 1972 Eingliederung von 212 der 345 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Dietenhofen Vestenberg 547 1. Mai 1978 Eingliederung von 69 der 547 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Petersaurach Wernsbach bei Ansbach 315 1. Januar 1974

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2135 auf 2948 Einwohner bzw. um 38,1 %.

Gemeinde Weihenzell Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2010 2017Einwohner 668 462 454 465 441 488 490 502 491 477 488 496 501 487 484 502 485 445 564 619 605 650 2095 2560 2847 2932HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 120 80 87 93 96 98 98 89 114 552 841 Quelle Für die Gemeinde Weihenzell zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Adelmannsdorf (S. 3), Beutellohe (S. 9), Gebersdorf (S. 29), Grüb (S. 33), Höfen (S. 41), Neumühle (S. 63), Papiermühle (S. 71), Steinmühle (S. 89), Thierbach (S. 91), Wippendorf (S. 104) und Zellrüglingen (S. 106)

Ort Weihenzell Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 1999 2017 2025Einwohner 237 240 278 254 266 260 253 310 326 335 814 1257 1341 1328Häuser 31 42 47 50 50 46 62 223 Quelle Günther Roesner: Weihenzell, S. 152.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat Weihenzell hat 15 Mitglieder einschließlich des Ersten Bürgermeisters:

Wahltag CSU FW Weihenzell FWG Umland Gesamt15. März 2020 5 5 4 1416. März 2014 4 7 3 14 2. März 2008 – 9 5 14 3. März 2002 7 4 3 14

Bürgermeister Gerhard Kraft wurde am 15. März 2020 mit 93,4 % der Stimmen zum Bürgermeister von Weihenzell gewählt.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist blau-weiß-grün.

Gemeindepartnerschaften Gemeinde Saint-Laurent-sur-Gorre in der Region Nouvelle-Aquitaine, seit 1986

Raumordnung Die Gemeinde Oberdachstetten ist Mitglied der 2004 gegründeten Kommunalen Allianz NorA. Die Allianz hat ein gemeinsames Integriertes ländliches Entwicklungskonzept. NorA bildet mit den benachbarten Allianzen Aurach-Zenn und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau. Diese wird durch das LEADER-Programm 2023–2027 gefördert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Eiche von Petersdorf

Baudenkmäler

St. Jakob (Weihenzell) St. Martin (Moratneustetten) St. Stephanus (Forst)

Bodendenkmäler

Naturdenkmäler Eiche bei Petersdorf mit einem Brusthöhenumfang von 8,30 m (2015).

Regelmäßige Veranstaltungen Kirchweih wird jedes Jahr am Jakobisonntag (4. Sonntag im Juli bzw. Sonntag nach dem 25. Juli, dem Gedenktag des Apostels Jakobus des Älteren) gefeiert.

Verkehr Die Kreisstraße AN 10 führt nach Wernsbach (2,5 km westlich) bzw. über die Stein- und Feßmühle nach Frankendorf (2,9 km südöstlich). Die Kreisstraße AN 9/Kreisstraße ANs 2 führt an Grüb vorbei nach Ansbach zur Bundesstraße 13 (6,5 km südwestlich) bzw. nach Zellrüglingen (0,8 km nördlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Wippendorf (2,2 km südlich) und nach Petersdorf (1,8 km östlich). Durch Weihenzell verläuft der Fränkische Marienweg.

Telefonvorwahlen Die hauptsächlich genutzte Vorwahl ist die 09802. Die 0981 gilt in Schönbronn und Wernsbach bei Ansbach, die 09824 in Beutellohe, Petersdorf und Thierbach sowie die 09828 in Haasgang, Moratneustetten und Neubronn.

Persönlichkeiten Johann Konrad Vogel (* 1796 in Weihenzell; † 1883 in Linz), österreichischer Zuckerbäcker und Linzer Armenvater Marco Meier (* 1993), Politiker, in Weihenzell aufgewachsen und Mitglied des dortigen Gemeinderats

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1299 Kategorie:Gemeindegründung 1811 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach