Die Alte Schlossmühle (auch: „Schlossmühle“) in Nieder-Modau im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg liegt in unmittelbarer Nähe der Neuen Schlossmühle aufwärts der Modau. Die Mühlen lagen vor der Eingemeindung von Modau am 1. Januar 1977 zu Ober-Ramstadt in zwei unabhängigen Gemeinden und sind auch heute noch voneinander unabhängig (bis auf den Bachlauf der Modau). Das Mühlenanwesen ist seit 1986 ein hessisches Kulturdenkmal.

Geschichte 1486 wurden erstmals zwei Mühlen genannt: „[…] zwo Mhulen zu Nidder-Modaw, welche uff unser Eyenthumb erbaut sind […].“ Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, E 10 Nr. 525. Hans Thielmann und Hans Sehberg waren die Pächter. 1549 wurden im Lagerbuch des Hans Eberhardt von Wallbrunn dessen Besitzungen benannt, u. a.: „vier Schilling vom Gertigen, neben der Muhl über die Bach gelegen, bei der alten Burg.“ 1617 ist Kaspar Hoffmann Bäcker und Müller auf der Mühle.Datensammlung Heinz Reitz. 1629 heißt es in einer Beschreibung des Amtes Lichtenberg: „Zu Niedermodau eine Mahlmühle mit zwei Gängen, gehört dem Bereiter Matthes Lang zu Darmstadt, zinst an Hessen.“ Rudolf Kunz. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 12. Jhrg. Heft 3, 1965. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wird die Schlossmühle zerstört.

1684 wird dann Heinrich Bernhard genannt, der sie offenbar als Mahl- und Schneidemühle wiederaufgebaut hat.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, E 10 Nr. 2531. Die zweite Mühle war zu dieser Zeit bereits untergegangen. Ab 1787 wird die Schlossmühle „Bernhards Mühle“ genannt. 1788 Johann Georg Frankenberger, 1790 Nikolaus Frankenberger. 1809 wird die Mühle durch Konsistorialrat Krämer aus Reinheim versteigert.

1825 ist Wilhelm Klinger (* 1759, † 1827) der Besitzer der Mühle. Dadurch resultiert die Namensänderung in „Klingersche Mühle“. 1828 brannte die Mühle ab und war im darauffolgenden Jahr wieder aufgebaut. mini|links|Lidardaten zur Burg Nieder-Modau; die Mühle wurde wohl zur Versorgung der BurgDie alte Schloßmühle auf muehlenweg-ober-ramstadt.de; abgerufen am 1. Oktober 2024 westlich davon in einem Bogen der Modau am Hang des Schlossberges errichtet. 1835 beschreibt Georg Wilhelm Justin Wagner in seiner Veröffentlichung Der Schloßberg bei Niedermodau auch die Sage vom Eingang eines unterirdischen Ganges von der Burg Nieder-Modau in Richtung der Alten Schlossmühle. Daher wird auch das Alter der Entstehung der Mühle ähnlich das der Burg ins 12. Jahrhundert gelegt.Georg Wilhelm Justin Wagner: Der Schloßberg bei Niedermodau. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Abschnitt XXIII, Band 1, Verlag Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1835, S. 402.

1841 kam es zum gerichtlichen Streit zwischen Johannes Klinger (Alte Schloßmühle) und Heinrich Matthes (Neue Schloßmühle), letzterer beantragte die Einrichtung eines Mühlenwehrs. Verhandelt wurde die Auseinandersetzung vor dem Appellationsgericht in Darmstadt. Bedingt durch diese Streitigkeit wurde 1870 ein Eichpfahl zwischen der Alten und der Neuen Schlossmühle angebracht. Der Prozess zog sich allerdings noch bis ins Jahr 1875.

Im Jahre 1850 wird in der Alten Schlossmühle eine Dampfmaschine für den Antrieb der Mühle genutzt. Johannes Klinger brachte über dem Bogen des Tores sein Familienwappen an. 1869 werden im Hessischen Wohnplatzverzeichnis 15 Bewohner in der Mühle gezählt.1872 Versteigerung der Mobilien. In: Dieburger Kreisblatt, Nr. 39/1872.

1872 ändert sich der Name der Alten Schlossmühle durch die Eheschließung der Christiane Klinger (* 1854, † 1901) mit dem Mühlenbesitzer Friedrich Wilhelm Bauer (* 1845, † 1916), von der Schmalmühle in Fränkisch-Crumbach, in „Bauersmühle“. In der Nacht vom 23./24. Januar 1880 brach ein Feuer aus, das große Teile der Mehlvorräte vernichtete.Brand in der Schloss Mühle. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt), 28. Januar 1880. In der Nacht zum 4. August 1881 zerstörte ein Brand einen großen Teil der Mühle.Mühlenbrand. In: Odenwälder Bote vom 6. August 1881. Ein weiterer Brand geschah am 3. September 1907.Mühlenbrand. In: Odenwälder Neuste Nachrichten, 5. Sept. 1907. 1986 wurde die Mühle von der Familie Bauer stillgelegt und 1993 verkauft.

1997 wechselte die Alte Schlossmühle erneut an den Besitzer eines Parkettverlegebetriebes. Das Mühlenanwesen steht heute unter Denkmalschutz.

Literatur In der Reihenfolge des Erscheinens: Wilhelm Müller (Bearb.): Hessisches Ortsnamenbuch. Teil 1 – Starkenburg. Herausgegeben von der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen, Darmstadt 1937, (), S. 508. Siegfried RCT Enders: Landkreis Darmstadt-Dieburg. In: Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen, Braunschweig/Wiesbaden 1988, (), S. 387. Werner Hahn: Ober-Ramstadt – Eine Chronik zur Geschichte der Stadt. Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Ober-Ramstadt, Ober-Ramstadt 2010, ISBN 978-3-9813356-0-6, S. 133–136, 140.

Weblinks Die Alte Schloßmühle auf muehlenweg-ober-ramstadt.de

Einzelnachweise

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