mini|hochkant|Leopold von Gilsa, als Nordstaaten-Offizier Leopold Bogeslav Carl Hans von Gilsa (* 15. August 1824 in Erfurt; † 1. März 1870 in New York City) war ein deutsch-amerikanischer Offizier.

Leben Leopold von Gilsa entstammte dem althessischen Adelsgeschlecht von Gilsa zu Siebertshausen. Er war Sohn des preußischen Majors Karl Anton von Gilsa (1785–1833) und dessen Ehefrau Agnes, geborene Madelung (1800–1891). Nach dem frühen Tod des Vaters heiratete dessen Witwe am 4. Juli 1835 in Gotha den späteren preußischen Generalmajor Karl Schenck zu Schweinsberg (1796–1869). Julius Friedrich von Gilsa war sein jüngerer Bruder.

Der Familientradition entsprechend trat er früh ins preußische Heer ein. 1841 trat er, aus dem Kadettenkorps kommend, als Sekondeleutnant in das Regiment seines Vaters ein, das 1. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 31 in Erfurt. Am 3. Dezember 1848 erfolgte seine Versetzung in das 4. Infanterieregiment. Sein Verhalten war offenbar dem eines Offiziers unangemessen, so dass ihm nahegelegt wurde, seinen Abschied zu beantragen.Gerhard von Gilsa: Familienhistorie derer von Gilsa zu Ropperhausen, Siebertshausen und Lenderscheid, S. 8 Am 12. Februar 1850 wurde ihm der Abschied bewilligt.Daten nach Hans von Ahlefeld, Max Gottschalck: Geschichte des 1. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 31. nebst einem Verzeichnis saemmtlicher Offiziere, Aerzte und Zahlmeister, welche in demselben gedient haben. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1894, S. 539 Am 12. Februar 1850 wurde ihm der Abschied bewilligt.Daten nach Hans von Ahlefeld, Max Gottschalck: Geschichte des 1. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 31. nebst einem Verzeichnis saemmtlicher Offiziere, Aerzte und Zahlmeister, welche in demselben gedient haben. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1894, S. 539 Gilsa trat im Juli 1850 in die Schleswig-Holsteinische Armee ein, um aktiv in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung zu kämpfen. Am 28. Juli 1850 wurde er unter (vorläufiger) Beförderung zum Hauptmann als Volontair-Offizier und Kompaniechef dem 5. Jägerkorps zugeordnet; am 10. Januar 1851 erhielt er die definitive Anstellung mit Dienstalter vom 10. Juli 1850.Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armee und Marine. Nebst den Anciennetäts-Listen der Generale, Stabs- und Subaltern-Offiziere. Herausgegeben von einem Schleswig-holsteinischen Offizier a.D. Lübeck: von Rohden 1865, S. 142, 192 Nach dem vergeblichen Kampf um Rendsburg wurde die Schleswig-Holsteinische Armee von Ende Januar bis zum 29. März 1851 aufgelöst; Gilsa schied am 28. März 1851 aus.Jan Schlürmann: Das schleswig-holsteinische Offizierskorps 1848–1851 (Auszug aus Die Schleswig-Holsteinische Armee, Tönning 2004, Anhang). Sein höchster regulärer Rang in Deutschland war demnach „Königlich Preußischer Sekonde-Leutnant a.D.“; dazu war er Hauptmann in der Schleswig-Holsteinischen Armee; den deutschen Quellen zufolge war er nie Major, wie in amerikanischen Darstellungen zu lesen.

Anschließend wanderte er in die Vereinigten Staaten aus. Dort ernährte er sich in New York längere Zeit durch Gesangsvorträge und Klavierspielen in Polkakneipen der New Yorker Bowery.

Nach dem Ausbruch des Sezessionskriegs 1861 gelang es ihm in kurzer Zeit, ein Regiment von deutschstämmigen Freiwilligen zusammenzustellen, die alle zuvor in Deutschland gedient hatten. Er wurde zum Oberst und Kommandeur dieses Regiments ernannt, dem „41. New York-Infanterie-Regiment de Kalb“. Nach der Aufstellung am 6. Juni 1861 zog das Regiment in einer Stärke von 1046 Offizieren und Soldaten am 8. Juli 1861 in den KriegDeparture of the de Kalb Regiment, New York Times vom 9. Juli 1861; es wurde zunächst zur Verteidigung von Washington, D.C. eingesetzt und in der Folge der Army of the Potomac zugeordnet.

In der Schlacht bei Cross Keys am 8. Juni 1862 wurde Gilsa schwer verwundet. Während seines Genesungsurlaubs kämpfte das Regiment in der Brigade von Julius Stahel unter General Franz Sigel in der Zweiten Schlacht am Bull Run; Gilsa diente dabei zeitweise in General Sigels Stab. Mit der Aufstellung des XI. Korps der Army of the Potomac unter Oliver Otis Howard im September 1862 wurde das Regiment der 1. Brigade der 1. Division unter dem Kommando von Charles Devens unterstellt, und Gilsa wurde zum Kommandeur der Brigade ernannt. Das gesamte Korps war zum Schutz der Stadt Washington eingesetzt und war daher weder an der Schlacht am Antietam (17. September 1862), noch an der Schlacht von Fredericksburg (11.–15. Dezember 1862) beteiligt. mini|Situation am Beginn der Schlacht bei Chancellorsville am 1. Mai In der Schlacht bei Chancellorsville (1.–4. Mai 1863) sicherte die Brigade die rechte Flanke. Gilsas Warnungen vor einem massierten Aufmarsch der Konföderierten auf seiner Flanke wurden nicht ernst genommen, und die Brigade hatte den ersten Ansturm des Korps von General ”Stonewall” Jackson aufzufangen. Der vielfachen Übermacht konnten Gilsas Truppen eine Zeit lang widerstehen; allerdings wurde die Brigade nahezu aufgerieben. Die vom Nativismus beeinflusste öffentliche Meinung wollte den deutschstämmigen Einheiten die Schuld für die schweren Verluste geben.Christian B. Keller: Chancellorsville and the Germans: Nativism, Ethnicity, and Civil War Memory. New York: Fordham University Press 2007, ISBN 978-0-8232-2650-4 Als der fromme General Howard kurz darauf den Deutschen mehr Gottvertrauen wünschte, verlor Gilsa die Beherrschung; er soll seinen Chef auf Deutsch „mit einer Auswahl von Kasernenhofblüten angebrüllt haben, so dass Howard glaubte, Gilsa sei verrückt geworden.“Kaufmann (Lit.)

In der Schlacht von Gettysburg (1.–3. Juli 1863) gehörte Gilsas Brigade zur Division Francis Channing Barlows. General Barlow hatte Gilsa auf dem Anmarsch nach Gettysburg vorübergehend seines Kommandos enthoben und festnehmen lassen, weil Gilsa seinen Männern erlaubt hatte, die Marschkolonne zu verlassen, um Wasser zu holen, was Barlow für einen Mangel an Disziplin und Durchsetzungsvermögen ansah. Erst am Nachmittag des 1. Juli, dem ersten Tag der Schlacht, erhielt Gilsa sein Kommando zurück. Eine Fehlentscheidung Barlows führte zu einer abermaligen Niederlage des XI. Korps. Um sich in den Besitz eines kleinen Hügels zu setzen, der später unter dem Namen Barlow's Knoll bekannt wurde, ließ er seine Truppen gefährlich weit nach Norden vorstoßen und öffnete so seine rechte Flanke für den Angriff einer gegnerischen Division unter Generalmajor Jubal Early. Beim Sturm der Konföderierten auf den Cemetery Hill am Abend des 2. Juli hatte Gilsas Brigade, wie schon bei Chancellorsville, den ersten Anprall aufzufangen. Sie wurde von General John B. Gordons Brigade zurückgeworfen und wich auf die zurückliegenden Stellungen des Korps aus. Gilsas Pferd wurde dabei unter ihm erschossen. In Gettysburg erinnern Denkmäler am Fuß des Cemetery Hill an den Einsatz der Brigade und ihrer Regimenter (41. New Yorker, 54. New Yorker, 68. New Yorker und 153. Pennsylvanisches Regiment). Die Verluste der Brigade waren hoch. Mit 54 Gefallenen, 311 Verletzten und 163 Gefangenen oder Vermissten wurde sie auf nahezu auf die Hälfte reduziert, von 1136 auf 608 Mann.

Im Herbst 1863 wurde Gilsa mit seiner Brigade nach South Carolina geschickt und bei der Belagerung von Charleston eingesetzt, gemeinsam mit der Brigade Alexander Schimmelfennigs.

Das 41. New York-Infanterie-Regiment wurde 1864 ausgemustert. Gilsa ging mit den Resten seines alten Regiments nach New York zurück, wurde dort gebührend gefeiert und stellte im Winter 1864 bis 1865 ein neues Regiment auf, das jedoch nicht mehr zum Einsatz kam.

Es ist verwunderlich, dass er nie zum General befördert wurde, obwohl er lange das Kommando über eine Brigade führte. Agnes zu Salm-Salm behauptete in ihren Memoiren, sie habe durch ihre Beziehungen zu ihrem Cousin Abraham Lincoln Gilsas Beförderung verhindert, da ihr Mann Felix zu Salm-Salm unter Gilsa gedient hatte und mit Gilsa verfeindet gewesen sei.Kaufmann (Lit.)

Im Dezember 1865 wurde er ausgemustert und er übernahm er „die Stellung eines Correspondenten und Buchhalters in einem industriellen Etablissement“ in New York.F. Möller: Biographische Notizen über die Offiziere, Militair-Aerzte und Beamten der ehemaligen schleswig-holsteinischen Armee und Marine. Kiel 1885., S. 55 Leopold von Gilsa starb im Alter von 45 Jahren an den Folgen seiner Verwundung und seines langen Kriegseinsatzes. Seine Trauerfeier und Beisetzung fand am 3. März 1870 mit militärischen Ehren statt. Truppenteile des US-Heeres und der New York Army National Guard unter General John E. Bendix, die Generäle Franz Sigel und Max Weber sowie sechs Oberste stellten das Ehrengeleit. Der Trauerzug bewegte sich von seinem Haus 226 East 21st Street in Manhattan bis zum Green-Wood Cemetery in Brooklyn, wo Sigel die Trauerrede am Grab hielt.Funeral of Colonel von Gilsa, New York Times (Digitalisat)

Literatur Wilhelm Kaufmann: Die Deutschen im amerikanischen Bürgerkriege. München und Berlin: Oldenbourg 1911, S. 503 f.

Weblinks

Gerhard von Gilsa: Familienhistorie derer von Gilsa zu Ropperhausen, Siebertshausen und Lenderscheid, S. 8–9

Einzelnachweise

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