Die Geschichte der Stadt Neustadt an der Aisch behandelt die Entwicklung der im 8. Jahrhundert entstandenen mittelfränkischen Stadt Neustadt a. d. Aisch seit ihrer Frühzeit. mini|Neustadt an der Aisch, Postkarte um 1920
Frühgeschichte und Mittelalter Königshof Riedfeld Im Gebiet des heutigen Neustadt wurden ab etwa 6000 v. Chr. (im „Fränkischen Mesolithikum“) erstmals nachweisbar Menschen für längere Zeit ansässig.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950.
Fränkische Siedler, die im Zuge der Besiedelung Ostfrankens um 625 aus dem Rheingau bzw. Wormsgau in den Aischgrund gekommen waren,Gernot Schmidt: Die evangelische Stadtkirche St.Johannes der Täufer. Neustadt an der Aisch, S. 85 (Die Geschichte der Stadtkirche) – Online-Version. errichteten im selben Jahrhundert unter dem Merowinger Dagobert II. eine Ansiedlung, die später (vorbereitet durch die Politik von Karl dem Hammer und Pippin dem Kurzen) zum Königshof Riedfeld (heute ein Ortsteil von Neustadt) wurde. Bis 741 zählte das Gebiet um Riedfeld zum Bistum Worms.
Der Hausmeier Karlmann schenkte um 742 den Königszehnt (Zehnt des Königshofs) Riedfeld an das 741 oder Anfang 742Bistum Würzburg: Website: Geschichte. In: bistum-wuerzburg.de, abgerufen am 28. Januar 2018. von dem Missionsbischof Winfried (Bonifatius) im Auftrag der Hausmeier Pippin und Karlmann gegründete Bistum Würzburg, dem der Rangau und damit (das unter Königsrecht stehende und von einem Unterfunktionär des Rangaugrafen geleitete) Riedfeld als „Erstausstattung“ zugeteilt war. Damit gehörte das Aischtal, wo sich Bonifatius vor 740 einmal und wahrscheinlich auch öfter aufgehalten hatte, und somit Riedfeld nicht mehr dem fernen Worms, sondern (bis zur Reformation 1528) dem neuen Bistum Würzburg an. Riedfeld gilt (wie etwa auch Bergel, Windsheim und Ipsheim) als eine der „Ur-Mutterkirchen“ im Rangau.
In einem Schreiben von König Arnulf wurde diese Karolingische SchenkungKlaus Weyer: Karolingische Schenkungen an das Bistum Würzburg bei www.weyer-neustadt.de. im Jahr 889 bestätigt und damit der Königshof Riedfeld erstmals namentlich (als Reotfeld) erwähnt.Reinhard Seyboth: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Band 15.I, S. 416–419 ().
Weitere Schenkungen (20, von Unfreien bewirtschaftete Huben) des Königshofs Riedfeld erfolgten um 780 an das im Wormsgau gelegene, 764 gegründete Kloster St. Peter bzw. St. Nazarius in Lorsch an der Bergstraße. Bereits zuvor (um 775) hatte eine Schwester Eberhild (Ebirhilt, Eberhilt) an das 744 im Auftrag von Bonifatius gegründete Kloster Fulda ihre Riedfelder Güter und 30 Leibeigene Diener (mancipii) als Schenkung übergeben. Das Kloster in Fulda erhielt auch 805 den von ihrem Vater geerbten Riedfelder Besitz der Gräfin Reginswind.
Der Ortsname Riedfeld (mittelhochdeutsch Rietvelt) für den ehemaligen Ministerialensitz leitet sich von einem Flurnamen ab. Das Grundwort ist ahd. feld (= Ebene, Flachland, Feld), das altfränkische Bestimmungswort riot (= Ried) in Bezug auf das im ehemaligen Sumpfgebiet von den ersten Bewohnern des Geländekessels angetroffene Ried (= Schilf). Während der Zeit der Stammesherzogtümer der Merowinger lag der Ort im Herzogtum Franken. Um 740 erhielt er eine Straßenanbindung an den Königshof von Schwabach.
Durch Karl den Großen wurde 796 ein Teil der von ihm besiegten Sachsen an der mittleren Aisch angesiedelt. So entstanden in der Umgebung des Königshofes Riedfeld die Ortschaften WaldsachsenStaatsarchiv Bamberg: Das Rittergut Waldsachsen, auch Sachsen genannt, bei Neustadt an der Aisch. (ehemaliger, noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts kartografisch erfasster, südöstlich von Neustadt gelegener Ort), Obersachsen und Untersachsen. Karl der Große befahl den Sachsen und den angesiedelten slavischen Knechten Kirchen zu erbauen. Der Würzburger Bischof Wolfgar teilte Karls Sohn Ludwig 826 dann mit, dass der Befehl ausgeführt sei. Die mit dem Königshof in Riedfeld entstandene Kirche St. MartinGernot Schmidt: Neustadt, S. 97. war dem Heiligen Martin von Tours und später auch Kilian und Bonifatius geweiht. Als Riedfelder Königshuben erweiterten sich die Ortschaften Erlbach und Emskirchen. Das 1007 gegründete Bistum Bamberg erhielt laut Georg Ludwig Lehnes im Jahr 1150 von einer adligen Matrone namens Frenkin den besten Hof ihres kleinen Gutes in Riedfeld geschenkt, wodurch der dem Regensburger Bischof (Landesherr von 1036 bis offiziell 1274) gehörige Besitz des ehemaligen Königshofes vom praedium (Hof) zum praediolum (Höflein) wurde.
Riedfeld unter den Burggrafen mini|Wappen der Hohenzollern
Ab etwa 1192 (nach dem Erlöschen der Raabser) gelangte Riedfeld mitsamt den regierenden, bis dahin vom österreichischen Geschlecht von Raab gestellten Burggrafen von Nürnberg an das schwäbische Geschlecht der Hohenzollern. Um 1273 erreichten die Hohenzollern, inzwischen ihren abenbergischen Besitz von Abenberg, Cadolzburg und vor allem Roßtal aus expandiert habend, den Höhepunkt ihrer Herrschaft im Aischgrund. In einem Urkundenfragment des letzten Viertels des 13. Jahrhunderts findet sich erstmals der heutige Ortsname, der denselben Ort bzw. den südlichen Ortsteil Riedfelds bezeichnen soll („Rietvelt, nunc Nuwenstatt dictum“: ‚Riedfeld, jetzt Neustadt genannt‘).W.-A. Reitzenstein, S. 160 f.
Nachdem im Oktober 1200 der durchreisende Erzbischof und Kardinalprimas Konrad von Mainz bei Riedfeld (damals ein als oppidum befestigter Ort) plötzlich zu Tode gekommen war, erhält er in der ehemals wohl in der Nähe des Saalhofes gelegenen Kirche des Orts die kirchliche Begräbnisfeier.
Als Vogt von Riedfeld war ein gewisser Konrad (Cuonrad von Riedfeld) tätig, der für den weit entfernten Bischof von Regensburg, welcher seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, etwa 1040, das Besitzrecht an Riedfeld von Heinrich II. erhalten hatte, als Vogt (Vertreter des Landesherrn, hier des Bischofs von Regensburg, sein Verwandter Gebhard IV. von Gosham) die Verwaltung des Ortes innehatte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er in den Jahren 1130 und 1147. Ein weiterer Konrad von Riedfeld, der Klostervogt und „Vogt von Neustadt, Ritter“ (Conradus, dictus praepositus de nova civitate, miles), wurde 1294 und 1300 in Urkunden genannt.
Die 1274 durch den Papst Gregor X. mit einem, durch den Nürnberger Burggrafen und Landesherrn erbetene Ablässe für viele Tage ausgestattete und zu dieser Zeit aus Trümmern wiederaufgebaute Martinskirche, wohin an den Ablasstagen dann auch Wallfahrten zogen (und mit den Pilgerzügen entstand ein Handelsverkehr, der grundlegend für die späteren Jahrmärkte von Riedfeld-Neustadt wurde), fiel um 1430 (möglicherweise 1426 oder 1432) den von räuberischen Adeligen verursachten Flammen zum Opfer.
Im Jahr 1275 wurde das auf einem 1245 durch Andreas von Hohenlohe verschenkten Grundstück erbaute Kloster Birkenfeld als Stiftung gegründet, welches nicht dem Würzburger Bischof, sondern als Vogtei von 1265 bis 1291 dem gute Beziehungen zum Papst habenden Burggraf Friedrich III. von Nürnberg und bis 1294 Hartung von Riedfeld unterstand. Im Februar 1272 wurde Friedrichs Tochter Elisabeth nach Genehmigung durch den Landesherrn (der Bischof von Regensburg Leo (von Tundorf), der Nachfolger von Albert I. von Pietengau und Albertus Magnus) mit dem bereits 1278 das Recht auf vier Märkte pro Jahr habenden Markt Riedfeld belehnt.
Ab 1272, als der Regensburger Bischof den Nürnberger Burggrafen das Lehen auch zur Vererbung in weiblicher Linie zusicherten, wirkten die Burggrafen (die das Herrschaftsgebiet Riedfeld wohl schon um 1200 als königliches Lehen von Regensburg erhalten hatten) als unabhängige Landesherren der Region und nach 1274 tritt der Regensburger Bischof auch nicht mehr in landesherrlicher Funktion in Erscheinung. Riedfeld wurde nun Dorf mit Marktrecht (villa foralis) bzw. Markt (forum).
mini|Reste der „Alten Veste“
Um 1287 befahl der Landesherr Friedrich, in dem nun Neustadt („Nuwenstat“) genannten südlich der Aisch gelegenen Teil des Marktes RiedfeldGernot Schmidt: Die evangelische Stadtkirche St.Johannes der Täufer. Neustadt an der Aisch, S. 85 (Online-Version). eine (bis auf eine am Haus von Wilhelm Edelmann 1946 durch den Reißzeugfabrikanten Kraft freigelegte Mauer nicht mehr erhaltene) Burg am Südostende Riedfelds auf der Anhöhe der späteren „Kellerei“Zur Lage etwas südlich des Diespecker Tors siehe Max Döllner (1950), Faltblatt zwischen S. II und III („Die Fürstliche Kellereÿ“) sowie S. 33 f. zu errichten, welche als Festung, Verwaltungssitz (Vicedominat) und immer wieder auch als Fürstenwohnung des Burggrafen und später des Markgrafen diente. Dieses 1493 von Appel von Seckendorff als Steinbau neuerrichtete „veste Haus“, wovon sich noch Reste in der heutigen Hinteren Kellereigasse 15Gernot Schmidt: Eine Exkursion in das Keller- und Gängelabyrinth von Neustadt. Neustadt an der Aisch (Online-Version).Gernot Schmidt: Neustadt, S. 115 f. befinden, wurde von Friedrichs Stellvertreter (Vicedom im 1287 eingerichteten Vicedominat) Gutend von Seckendorff (später, beginnend 1523 mit Veit von Lentersheim, vom Adelsgeschlecht Lentersheim) befehligt. Damit erhielt die „Neue Stadt“ der Nürnberger BurggrafenLaut Döllner „Wohnsitz einer Herren-, Offiziers- und Beamtenschicht“. Siehe Max Döllner (1950), S. 99 und 425. 1287 eine aus Mauern mit Türmen und gemauerten Toren bestehende Befestigung. Für die Mehrzahl der Orte in der Umgebung war Neustadt in den 1280er Jahren Vicedomssitz. Um 1291 ist, unter dem Vicedominat (Landeshauptmannschaft) des Gutend von Seckendorff, als (Advocatus-)Vogt bzw. Klostervogt Hartung von Riedfeld belegt.
Neustadt unter den Burggrafen Neustadt war nun Rechtsnachfolgerin des alten Ortes Riedfeld geworden. Nach dem Tod Friedrichs III., von Max Döllner „Vater von Neustadt“ genannt, erhielt seine andere Tochter, die mit Heinrich II. zu Castell verheiratete Adelheid, mit ihren Kindern durch Bischof Leo das Erbrecht des Riedfelder Lehens. Bischof Heinrich II. von Rotteneck übertrug ab Dezember 1278 weitere Erbrechte auf die männlichen und weiblichen Nachkommen des Burggrafen Friedrich, so dass Regensburg keinen bedeutenden Einfluss mehr auf Riedfeld hatte und der Nürnberger Burggraf nicht mehr Lehensträger und Vertreter, sondern selbst Landesherr in Riedfeld und im mittleren Aischtal wurde, der sich auch einer Unterstellung des Klosters Birkenfeld unter den Bischof von Würzburg verweigerte.
mini|Johann II. von Nürnberg
Durch Burggraf Friedrich IV. (Nürnberg) und seine Ehefrau Margarethe wurde der seit 1285/87 typisch mittelalterlichen Stadt (mit entsprechenden Rechten, welche eine Fürstenstadt des Mittelalters auszeichnen) „Newstatt“ ein 1332 durch den Burggrafen Johann II. bestätigtes Privileg über Freizügigkeit ihrer Bewohner und eine Limitierung der Steuern erteilt. Bestätigt wurde das Privileg „der Neuenstatt“ nochmals 1345 durch Friedrichs Sohn, den Burggrafen Albrecht der Schöne. Ebenfalls 1332 ist der erste belegbare Bürgermeister Neustadts urkundlich erwähnt. Am 14. April 1348 setzte Albrecht der Schöne die „Newenstat an der Eysch“ zum Pfand für ein Leibgedinge an seine Braut Sophie von Henneberg.
Das Recht, in einem Gemeindebräuhaus Bier zu brauen und (wie auch Wein) auszuschenken, hatten die Neustädter erstmals belegt 1332 bewilligt bekommen. In den Jahren 1434 (von Friedrich I.) und 1577 (von Georg Friedrich) wurde dieses Recht bzw. Stadtprivileg markgräflich bestätigt, beschränkte sich jedoch im 18. Jahrhundert nur noch auf das Brauen des eigenen Haustrunkes.
1361 hatte Neustadt (mit Langenzenn) das durch Kaiser Karl IV. genehmigte Münzrecht erhalten und wurde Sitz einer Münzstätte („N“)., an der seit 1372 auch Goldgulden geprägt wurden Die ältesten burggräflich nürnbergischen Münzen oder vierzig bisher meist unbekannte burggräflich nurnbergische Pfennige aus der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. erklärt vont Dr. Franz Streber. S. 134.