mini|Topografische Karte von Guelb er Richat und Ouadane mini|Guelb er Richat aus dem All (Falschfarbendarstellung) mini|Sechsfach überhöhtes 3D-Modell nach einem Satellitenbild mini|Innerer Ringhügel
Guelb er Richat (), deutsch auch Richat-Struktur, umschrieben mit Auge Afrikas, Bull’s Eye oder Auge der Sahara, ist ein ringförmiges, kraterähnliches geomorphologisches Gebilde in der Region Adrar im nördlichen Zentrum Mauretaniens. Nach ausführlichen geologischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich um einen alkalinen Ringkomplex handelt, also magmatischen Ursprungs ist.
Begriff und Bedeutung Das Wort Guelb () bedeutet im Hocharabischen „Herz“, in geologischen und geographischen Quellen wird das Wort jedoch mit der Bedeutung „Inselberg“ interpretiert. Da die Struktur aus dem Weltall besonders auffällig zu sehen ist, wurde sie bei Shuttle-Missionen von Astronauten als Landmarke zur Orientierung benutzt.Richat-Struktur auf www.mineralienatlas.de, abgerufen am 17. Dezember 2025
Geographische Lage Das Zentrum der Ringstruktur von Guelb er Richat liegt auf Meereshöhe im Nordwesten des Départements Ouadane (Region Adrar) und ist eingebettet in eine längliche und steinige vegetationsarme Teilfläche des Adrar-Plateaus, die zwischen der bis zu hohen steilen Abbruchkante des Plateaus im Nordwesten und Norden und dem Sandmeer des Erg Ouarane im Südosten und Süden liegt. Über dem Adrar-Steilabbruch nordwestlich der Ringstruktur erreicht das Plateau über Meereshöhe.
Die Ringstruktur hat einen Durchmesser von 45 Kilometern. Sie ist in das umgebende Plateau eingetieft; dessen Höhe nimmt von Norden nach Süden ab, von etwa auf Meereshöhe. Die konzentrischen Ringwälle sind in nur wenige Meter hoch und bestehen aus Sedimentgestein unterschiedlicher Schichtungen. Das Zentrum der Ringe hat etwa sieben Kilometer Durchmesser und liegt durchweg auf über Meereshöhe. Im Zentrum verstreut liegen einzelne Gipfel, deren Höhe mehrmals mit und in einem Fall mit angegeben ist. Die eingetiefte Außenzone der Ringe liegt auf etwa Meereshöhe und weist Fließspuren von Wadis auf, die in der Regenzeit die Starkregenfälle von der umgebenden Hochfläche im Norden ableiten und die Ringzone nach Südwesten in Richtung der etwa 31 Kilometer vom Zentrum der Ringe entfernten Oasenstadt Ouadane verlassen.
Interpretationen zur Entstehung Ursprünglich wurde die Struktur als Meteoritenkrater interpretiert, was aber wegen fehlender Impaktgesteine nicht allgemein unterstützt wird. Der Sahara-Forscher Théodore MonodThéodore Monod, Souvenirs sahariens d'un vieux géologue amateur, COFRHIGEO 1986, Webseite der Annales des Mines veröffentlichte 1954 eine Schrift, in der er fünf derartige Krater in Mauretanien beschrieb und bei vieren einschließlich des Richat die gängige Auffassung unterstützte, es könne sich um eine vulkanische Explosion auf der Erde handeln, nur beim fünften wollte er die Einwirkung eines Meteoriten nicht ausschließen.U.B. Marvin: Théodore André Monod and the lost 'Fer de Dieu' meteorite of Chinguetti, Mauritania. In: Patrick N. Wyse Jackson (Hrsg.): Four Centuries of Geological Travel: The Search for Knowledge on Foot, Bicycle, Sledge and Camel. (Geological Society Special Publication) Geological Society, 2007, S. 201 (bei Google Books) Der Geophysiker Robert S. Dietz schloss 1969 einen Meteoriteneinschlag aus.
Die Entstehung dieser kreisförmigen Struktur war lange unklar und wurde seit den 1950ern geologisch untersucht.Richat Structure, a Cretaceous Alkaline Complex auf iugs.geoheritage.org, abgerufen am 12. März 2026 Neuere Studien gehen davon aus, dass die Struktur durch die Erosion einer Domstruktur entstand. Diese wiederum sei durch magmatische Intrusionen aufgewölbt worden, durch die dabei entstandenen Schwächezonen seien hydrothermale Fluide eingedrungen, die eine Verkarstung und Silifizierung des Materials verursacht hätten.Guillaume Matton, Michel Jébrak, James K.W. Lee: Resolving the Richat enigma: Doming and hydrothermal karstification above an alkaline complex. In: Geology, August 2005 (Geological Society of America), Vol. 33, Nr. 8, S. 665–668. Aeromagnetische und gravimetrische Vermessungen der Struktur unter der Oberfläche unterstützen diese Hypothese. Aufgrund von ringförmigen Verwerfungen seien gabbroische Ring-Dykes über einem großen intrusiven Magmakörper entstanden, bei der Erosion des Doms seien abwechselnd harte und weiche Gesteinsschichten erodiert worden.
Weblinks
Artikel in Der Spiegel NASA Earth Observatory: NASA Earth Observatory page (englisch)
Annual Meteoritical Society Meeting (2001) (PDF, englisch; 83 kB) ens.ch Foto vom Zentrum. März 2009
Einzelnachweise
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