Luise Deicher (* 6. April 1891 als Marie Luise in Waiblingen; † 22. November 1973 in Stuttgart) war eine deutsche Malerin.
Leben und Wirken Luise Deicher war die Tochter von August Deicher und Sofie Luise geb. Ulmer. Ihr Vater hatte in München Ingenieurwissenschaften studiert und war beteiligt am Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie in Amerika. Er hatte im Amerikanischen Bürgerkrieg mitgekämpft und war amerikanischer Staatsbürger. 1880 kehrte er als wohlhabender Mann nach Deutschland zurück und gründete mit der 36 Jahre jüngeren Sofie Luise eine Familie. Sie bekamen sechs Kinder. Ein Bruder von Luise ertrank, als Luise 12 Jahre alt war. Ein zweiter Bruder nahm sich drei Jahre später das Leben, weil er sich schuldig für den Tod des Bruders fühlte.
Bereits in der Schule deutete sich Luises zeichnerisches Talent an und ihr Zeichenlehrer empfahl den Eltern den Besuch an der Stuttgarter Königlichen Akademie der bildenden Künste. Ihr Vater war aufgeschlossen und erteilte die Erlaubnis zur künstlerischen Ausbildung. Luise Deicher begann 1908 ihr Kunststudium an der Stuttgarter Kunstakademie und erhielt nach dem Grundstudium Unterricht bei Gustav Igler. Von 1910 bis 1913 war sie in der Klasse von Adolf Hölzel, danach war sie bis 1917 Meisterschülerin von dessen Nachfolger Heinrich Altherr.
In Stuttgart richtete sie sich ein Atelier ein und unterrichtete dort auch. Ihre Arbeiten waren auf regionalen und überregionalen Werkschauen zu sehen und 1914 bekam sie die Silbermedaille der Akademie Stuttgart für hervorragende Leistungen. Sie fertigte Entwürfe für Glasbilder und Wandbilder an, malte Stillleben und Porträts. Sie bereiste Europa mit ihrem Freund Hermann Dreifus, der sich 1941 das Leben nahm, um seiner Deportation zu entgehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie mit ihrem Bruder Karl in das Großbottwartal und malte viele Porträts.
Von 1913 bis 1931 war Deicher Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein. Sie trat 1960 wieder in den Nachfolgeverein Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs ein und war dort bis 1968. Von 1917 bis 1973 war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler Württemberg, von 1915 bis 1927 im Frauenkunstverband, seit 1913 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart und im Künstlerbund Stuttgart. In der Zeit des Nationalsozialismus war sie obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste.
Luise Deicher wurde im Familiengrab in Waiblingen beigesetzt.
Werke (Auswahl) Mutter mit Kind (Öl, 1914) Stillleben mit Teekanne (Öl, 1914) Atelier-Interieur der Künstlerin (Öl, 1921) Akte (Kohle auf Papier, 1921) Kreuzwertheim (Öl, 1924) Blumenstillleben mit einer Obstschale (Öl, um 1927) Blumenstilleben (Öl, 1925–1930) Portrait of a Girl (1930) Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis (Öl) Porträt von Karl Deicher (Öl, 1965)
Ausstellungen (unvollständig) Gruppenausstellung 1924, 1926: Teilnahme an den Ausstellungen der Stuttgarter Sezession 1934: München, Neue Pinakothek („Süddeutsche Kunst in München“) Einzelausstellungen
1941: mit E. Waaser bei Hermann Metzger in Bad Cannstatt
1966: Geburtstagsretrospektive in Backnang 1971: Geburtstagsretrospektive in Waiblingen 2020: Virtuelle Ausstellung (Stadt Waiblingen)
Literatur
Luise Deicher. In: Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 359.
Anne Kathrin Herber: Frauen an deutschen Kunstakademien im 20. Jahrhundert. Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen ab 1919 unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Kunstakademien. Dissertation. 2009. Gabriele Katz: Stuttgarter Damenklasse: Künstlerinnen auf dem Weg in die Moderne. Braun, Karlsruhe 2013, ISBN 978-3-7650-8428-7.
Sigrid Gensichen: Maria Hiller-Foell und Luise Deicher. In: Carla Heussler / Christoph Wagner (Hrsg.): Stuttgarter Kunstgeschichten, von den schwäbischen Impressionisten bis zur Stuttgarter Avantgarde. Schnell & Steiner, Regensburg 2022 (Regensburger Studien zur Kunstgeschichte; 21), ISBN 978-3-7954-2888-4, S. 192–205. Carla Heussler: Luise Deicher (1891–1973). In: Michael C. Maurer, Isabell Schenk-Weininger (Hrsg.): Katalog der Ausstellungen in Schloss Achberg und der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen 2024/25. Ravensburg / Bietigheim-Bissingen 2024, ISBN 978-3-944685-20-5, S. 129–137, Biografie: S. 151f.
Weblinks Luise Deicher bei artnet Luise Deicher (1891–1973). Kunst und Leben In: Moritz – Das Stadtmagazin Annette Clauß: Frauenkunst aus Waiblingen – Viel zu schade nur für das Depot. In: Stuttgarter Zeitung, 22. März 2014 Deicher, Luise Landesbibliographie Baden-Württemberg
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Stuttgart) Kategorie:Verschollene Generation Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Frau