August Otto (* um 1855 in Villingen, Baden; † 24. Dezember 1884 in Muinin Sagara, Usagara, Ostafrika) war ein deutscher Kaufmann und Zeuge bei der Gründung Deutsch-Ostafrikas.Jonas Fossli Gjersø: Continuity of Moral Policy’ – A Reconsideration of British Motives for the Partition of East Africa in light of Anti-Slave Trade Policy and Imperial Agency, 1878–96. PhD thesis, The London School of Economics and Political Science (LSE), London 2015, S. 88 (online auf etheses.lse.ac.uk).

Leben August Otto wurde Mitte der 1850er Jahre als eines von fünf Kindern des Kaufmanns und Mitglieds der badischen Ständeversammlung Karl Otto geboren.Digitale Sammlung badischer Landtagsprotokolle bei der Badischen Landesbibliothek. Verzeichnis der Mitglieder beider Kammern (siehe Personensuche: Otto, Karl) Nach einer Kaufmannslehre unternahm er Reisen nach Australien, Nordamerika und Südafrika, wo er auf Farmen arbeitete. Kurz nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1884 kehrte er nach Deutschland zurück.Josef Honold: Ein Ost-Afrikaner aus dem Schwarzwald. Ein Erinnerungsblatt an August Otto – Gefolgsmann von Carl Peters. In: Der Führer, 15. Jahrgang / Folge 150, Ausgabe vom 1. Juni 1941, S. 7 (Digitalisat im Deutschen Zeitungsportal).

Noch im selben Jahr schloss sich Otto der über Triest reisenden Expedition von Carl Peters, Karl Jühlke und Joachim von Pfeil an.Perras 2004, S. 51 f.Laut Förster war Otto bereits ab Berlin Mitreisender. Siehe Brix Förster: Deutsch-Ostafrika – Geographie und Geschichte der Colonie. Brockhaus, Leipzig 1890 (online in der Digitalen Sammlung Deutscher Kolonialismus). Die drei letztgenannten Teilnehmer waren von der Gesellschaft für deutsche Kolonisation (GfdK) mit dem Landerwerb in Ostafrika beauftragt worden. Sie sollten die Basis für eine deutsche Kolonie legen. Otto begleitete die Expedition anfangs auf eigene Kosten, da er in der geplanten Kolonie eine Faktorei anlegen wollte.Bückendorf 1997, S. 202. Trotz mäßiger Englischkenntnisse Ottos gaben sich die Teilnehmer zur Tarnung zeitweise als Engländer aus.Perras 2004, S. 52.Von Pfeil 1907, S. 64.

In Sansibar erhielt die Expedition vom deutschen Konsul William O’Swald keine Unterstützung. Otto beschloss daher, einen lang gehegten Gedanken aufgreifend, nach Japan weiterzureisen.Bückendorf 1997, S. 203. In einer Besprechung der vier Teilnehmer befürwortete von Pfeil jedoch die Fortsetzung der Expedition. Dieser Haltung schloss sich Otto an, was laut von Pfeil den Bestand der Gruppe gewährleistete.Von Pfeil 1907, S. 69. Alle vier Europäer reisten zum Festland, wo im November und Dezember 1884 rund zehn Verträge mit Afrikanern geschlossen wurden. Obwohl – oder gerade weil – er kein Beauftragter der GfdK war, bezeugte Otto durch Unterschrift Teile der Dokumente, auf denen die spätere Gründung Deutsch-Ostafrikas beruhte.Auszüge mit Angabe der Vertragszeugen wurden von Carl Peters zum Beispiel in seinen Erinnerungen Die Gründung von Deutsch-Ostafrika (Berlin 1906, S. 80 f.) abgedruckt (online auf archive.org). Siehe auch Bruno Kurtze: Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft – Ein Beitrag zum Problem der Schutzbriefgesellschaften und zur Geschichte Deutsch-Ostafrikas. Verlag von Gustav Fischer, Jena 1913, S. 178 ff. (online auf archive.org).

Am 4. Dezember 1884 erreichte die Expedition am Dorf Muini Sagara den westlichsten Punkt ihrer Reise. Von Pfeil sollte zurückbleiben, um eine Station anzulegen. Zur Überraschung der Mitreisenden entschloss sich der gesundheitlich geschwächte Otto, Graf von Pfeil zu unterstützen.Bückendorf 1997, S. 202.Von Pfeil 1907, S. 81. Otto sollte beim Bau der Station helfen und dafür auf Kosten der GfdK verpflegt werden. Hintergrund war aber auch ein Konflikt zwischen Peters und Jühlke auf der einen sowie von Pfeil und Otto auf der anderen Seite.Perras 2004, S. 61 f. Etwa drei Wochen nach Trennung der Teilnehmer, am Morgen des 24. Dezember 1884, starb Otto an einer Tropenkrankheit. Die Beisetzung erfolgte auf Veranlassung des Grafen von Pfeil beim Dorf Muini Sagara am Nachmittag desselben Tages.Von Pfeil 1907, S. 92. Von Pfeil ordnete den geringen Nachlass, den Otto auf der Reise bei sich getragen hatte. Seine persönlichen Papiere sandte er nach Sansibar an Konsul O’Swald zur Weiterleitung an die Angehörigen.Von Pfeil 1907, S. 93.

Rezeption Im Unterschied zur gesellschaftlichen Wahrnehmung seiner Mitreisenden wurde Otto kaum öffentlich bekannt. Im NS-Propagandafilm Carl Peters werden neben Peters zum Beispiel Jühlke und von Pfeil dargestellt, während Otto gar nicht vorkommt. Da er weder einen adeligen oder akademischen Titel trug noch militärischen Rang hatte und als Kaufmann mehr wirtschaftliche als nationale Motive hegte, wurde er offenbar als nicht erinnerungswürdig erachtet. Bückendorf zählt jedoch alle vier Personen zu den „Kolonialpionieren“ Deutsch-Ostafrikas.Bückendorf 1997, S. 202, 204. Auch der Historiker Michael Pesek nennt gleich zu Beginn seines Beitrages über Peters’ Usagara-Expedition alle vier Teilnehmer:

August Otto wird als Kaufmann Otto in den Akten des Auswärtigen Amtes genannt, die im Bundesarchiv erhalten sind.Das Bundesarchiv (Hrsg.): Erwerb von Usagara, Band 1, Aktenzeichen KA I Gr. 11 Gesellschaften, Archivsignatur R 1001/382, (online als Digitalisat).

Ottos Tod wurde von Kerstin Decker in dem Tatsachenroman Meine Farm in Afrika beschrieben.Kerstin Decker: Meine Farm in Afrika – Das Leben der Frieda von Bülow. Berlin Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8270-7786-8.

Literatur Jutta Bückendorf: Schwarz-weiss-rot über Ostafrika! – Deutsche Kolonialpläne und afrikanische Realität. LIT-Verlag, Münster 1997, ISBN 3-8258-2755-0. Arne Perras: Carl Peters and German Imperialism 1856–1918 – A Political Biography. Clarendon Press, Oxford 2004, ISBN 978-0-1915-1472-2. Joachim von Pfeil: Zur Erwerbung von Deutsch-Ostafrika – Ein Beitrag zu seiner Geschichte. Verlag von Karl Curtius, Berlin 1907, (online unter archive.org)

Fußnoten

Kategorie:Kaufmann Kategorie:Person (deutsche Kolonialgeschichte) Kategorie:Person (Baden) Kategorie:Geboren im 19. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1884 Kategorie:Mann