Reußenköge (dänisch: Reussenkog) ist eine Gemeinde bei Bredstedt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Reußenköge befindet sich mitten in der nordfriesischen Marsch auf der gleichen geographischen Breite wie die östlich gelegene Nachbargemeinde, die Stadt Bredstedt, in der Region Mittleres Nordfriesland.
Ausdehnung des Gemeindegebietes Die Gemeinde umfasst ein Gebiet, das aus sieben eingedeichten Kögen besteht. Der Gemeinde zugehörig ist auch die ihr vorgelagerte Hamburger Hallig. Die Gesamtfläche beträgt knapp 4600 ha, die sich auf etwa zwölf Kilometer entlang der Nordseeküste erstrecken.
Geologie Die Entstehung des Gemeindegebietes ist holozänen Ursprungs. Das älteste Gebiet bildet die Hamburger Hallig, die bereits im ersten Teil des 17. Jahrhunderts als Teil des Amsinckkooges auf Alt-Nordstrand existierte und als eines der wenigen Stücke dieses Landstriches die Burchardiflut im Jahr 1634 überstand.
Durch mehrere Eindeichungen ab dem Jahr 1741 entstanden fruchtbare Marschgebiete. Die so bis zum Jahr 1926 gewonnenen sechs bewohnten Köge haben hochwertige Böden, die bis heute die Basis für eine ertragreiche Landwirtschaft bilden.
Der jüngste Gemeindeteil ist der nördliche Abschnitt des Beltringharder Kooges. Dieser weist – auch wegen seiner Eigenschaft als Naturschutzgebiet – nur wenige Landflächen auf. Sie sind ausschließlich für die extensive Beweidung zugelassen. Daneben befinden sich zwei große Wasserflächen in diesem Teil des Kooges. Hierbei handelt es sich um ein Süßwasserbiotop sowie um ein Speicherbecken. Letzteres dient der Entwässerung des Hinterlandes durch die vorgelagerte Sönke-Nissen-Koog-Schleuse.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus sechs bewohnten Kögen, die den statistisch ausgewiesenen Wohnplätzen entsprechen.
Hinzu kommen der nördliche Teil des im Jahr 1987 fertiggestellten Beltringharder Kooges und die Hamburger Hallig.
Übersicht der Gemeindeteile Wohn-platz-Nr. Koog Ein-deichung Flächekm² Bevölkerung1987Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein: Wohnplatzverzeichnis Schleswig-Holstein 1987. Amtliches Verzeichnis der Ämter, Gemeinden und Wohnplätze. Gebiets- und Bevölkerungsstand: 25. Mai 1987 (Volkszählung), S. 54 Haushalte1987Koordinaten 1 Cecilienkoog 1905 4,48 61 18 2 Desmerciereskoog 1767 3,60 49 14 3 Louisen-Reußen-Koog 1799 4,09 13 5 4 Reußenkoog 1789 5,11 15 6 5 Sönke-Nissen-Koog 1926 11,40 165 55 6 Sophien-Magdalenen-Koog 1741 6,19 77 25 - Beltringharder Koog 1987 9,32 - - - Hamburger Hallig 1628 1,73 - - Gemeinde Reußenköge 45,91 360 122´mini|hochkant=1.1|zentriert|Reußenköge: Gliederung in Köge
Geschichte mini|Der Kartenausschnitt von 1858 zeigt die vier im 18. Jahrhundert eingedeichten Köge sowie die Hamborgerhallig. Das Gebiet der später eingedeichten Cecilienkoog und Sönke-Nissen-Koog ist als nicht eingedeichtes Küstenvorland mit den Namen Jacobshallig und Medhallig bezeichnet.
Die großen Sturmfluten 1362 und 1634 veränderten die nordfriesische Festlandküste derart, dass von den ehemals riesigen fruchtbaren Flächen nur noch kleine Inseln und Halligen übrigblieben und die Küste sich fast bis an den Geestrand verlagerte. Es war hier ein Einschnitt in der Größe der heutigen Gemeinde Reußenköge entstanden, die Bredstedter Bucht.
König Christian IV. von Dänemark fasste den Plan, das Gebiet zwischen dem Hattstedter Koog und Ockholm auf einen Streich einzudeichen. Von ihm stammt auch der Name „Bredstedter Werk“. Nach mehrmaligen Versuchen wurde dies Vorhaben durch die Eisflut vom 10. Januar 1625 endgültig zerstört. Auch das Herstellen von Schenkeldeichen um 1716/17 führte nicht zu dem erhofften Erfolg. Die Besitzer des Oktroys (verliehenes Privileg) boten jetzt ihren Besitz zum Verkauf an, um das Land zu retten. So kam es, dass der Geheimrat Jean Henri Huguetan Graf von Gyldensteen und sein Sohn, der Conferenzrat Jean Henri Desmercières, 1728 alle Rechte der früheren Besitzer und zusätzlich im Jahr 1733 den Oktroy von Christian VI. erwerben konnten. Schrittweise begann man, nicht das ganze Gebiet, sondern abschnittsweise nur das wirklich hoch genug aufgeschlickte Vorland einzudeichen. Als erster entstand der Sophien-Magdalenen-Koog. Graf Desmercières nahm das südlich angrenzende Wattland – den späteren Desmerciereskoog – nicht gleich mit dazu, weil es zur damaligen Zeit noch nicht reif für eine Eindeichung war.
Der Deichschluss des Sophien-Magdalenen-Kooges wurde 1741 vollzogen. 1742 wurde das Land bereits zum Verkauf gestellt. Nachdem Graf Gyldensteen und Graf Desmercières gemeinsam den Oktroy erhalten und die Eindeichung finanziert hatten, überließ Graf Gyldensteen den neuen Koog seinem Sohn, der als Verwaltungsfachmann alles geplant und geleitet hatte, als Alleinbesitz. Der Koog wurde in sieben Hofstellen aufgeteilt und von dem Landmesser Heinrich Hemsen aus Niebüll vermessen. 1754 wurde eine Karte gezeichnet, die heute noch erhalten ist. So wurde also der Sophien-Magdalenen-Koog zur Keimzelle der späteren Gemeinde Reußenköge.
Heute wird des Urvaters Graf Desmercières vor Ort an der Koogshalle im Sophien-Magdalenen-Koog durch eine Gedenktafel gedacht. mini|links|Gedenktafel zu Ehren Graf Desmercières Im Jahr 1767 erfolgte die Eindeichung des nach seinem Erbauer benannten Desmerciereskooges. Im weiteren Verlauf kamen die beiden Reußischen Köge (1789 der Reußenkoog und 1799 der Louisen-Reußen-Koog) hinzu. Der Übergang des Deichbaurechts auf Graf Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz, den Sohn von Desmercières’ Nichte, erfolgte nach dem Tode des Grafen Desmercières per Fideikommiss.
Die (Haupt-)Partizipanten der oktroyierten Köge genossen einige Sonderprivilegien. Die Finanzgeber ließen sich ihre Investition mit diversen Freiheiten vom dänischen Königshaus belohnen. So ließ sich Desmercières in dem relevanten Oktroy die verwaltungsmäßige Freiheit (einschließlich der ersten Gerichtsinstanz) zusichern,Nicolai Möllgaard, Boy Chr. Sibbers: Sophie – Magdalenen – Koog 1741–2002: Desmerciereskoog 1767–2002: Koogsbook. Selbstverlag, 2002, . ebenso wie die Nutzungsmöglichkeiten der Vorländereien. Aus diesem Grund war der Oktroy auch nach dem Übergang auf Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz für die beiden folgenden Köge gültig. Die Vertretung in den ersten Jahren geschah, wie aus der Chronik des Sophien-Magdalenen-Koogs und des Desmercièreskoogs hervorgeht, durch den im Koog ansässigen sogenannten Koogsinspektor.
In den übrigen Gebieten war die unterste verwaltungsmäßige Gebietseinteilung die der Harden. Nachdem die Gebietseinteilung der Harden im Jahr 1850 verändert worden war, erfolgte durch Verordnung vom 8. Juni 1853 die Hinzulegung u. a. der oktroyierten Köge zu den Harden.Vgl. Harde#Neuzeit (erster Absatz) Die Reußenköge kamen zur sogenannten Landschaft Bredstedt, die Teil des Amts Bredstedt war.
Nach dem verlorenen Deutsch-Dänischen Krieg wurden die Reußenköge zusammen mit dem Herzogtum Schleswig dem Königreich Preußen einverleibt. Durch die Neugliederung im Rahmen der Verordnung vom 22. Juni 1867 kam es zu einer verwaltungsmäßigen Neugliederung.Vgl. Harde#Neuzeit (zweiter Absatz) Dies bedeutete erstmals die Trennung von öffentlicher Verwaltung und Gerichtswesen. Die Verwaltung wurde von den sogenannten Hardesvogteien durchgeführt, die gebietsmäßig den ehemaligen Harden entsprachen.
Im Jahre 1871 wurden die vier oktroyierten Reußischen Köge in den Stand einer eigenständigen Landgemeinde mit dem Namen Reußenköge gehoben. 1889 wurde schließlich der Amtsbezirk Bordelum gebildet, dem neben Reußenköge auch die Kirchspielslandgemeinde Bordelum und die Gutsbezirke Hamburger Hallig und Vorufer zugeordnet wurden. Allerdings setzten sich die Gemeindevertreter in den folgenden Jahren immer wieder gegen diese von der Obrigkeit vollzogene „Zusammenlegung“ zur Wehr.
Im Jahr 1903 erfolgte schließlich der Beginn der nächsten Eindeichungsreihe. Mit dem Cecilienkoog entstanden eingedeichte Ländereien, die zuvor Teil der Pieckhallig, Meedhallig (Medhallig) und Jacobshallig waren. Die Namensgebung erfolgte nach einem traditionellen Muster. Namensgeberin war Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, die zu der Zeit gerade in den Hochzeitsvorbereitungen mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst von Preußen, dem Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., stand. Gleichzeitig war sie die Urenkelin eines Mitglieds des Hauses Reuß, das mit der Eindeichung der beiden reußischen Köge in Verbindung stand.
Im Jahre 1925 begann die Eindeichung des Sönke-Nissen-Koogs. Dieser wurde 1927 in die Gemeinde eingegliedert. Er bildete die bis heute letzte im Gemeindegebiet erfolgte Eindeichung zum Zwecke der Landgewinnung. 1928 wurde der Gutsbezirk Hamburger Hallig aufgelöst und ebenfalls nach Reußenköge eingemeindet. Im Dezember 1929 wurde Reußenköge dann amtsfreie Gemeinde.In den Koogsprotokollen wird im Jahr der neue Amtsbezirk Reußenköge erwähnt
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem starken Flüchtlingszuzug. Nach der Eindeichung des Beltringharder Kooges im Jahr 1987 erfolgte die Übertragung des nördlichen, vor dem Cecilien- und Sönke-Nissen-Koog liegenden Teilgebietes im Jahr 1996.
mini|Das Verwaltungsgebäude des Amtes Mittleres Nordfriesland Mit Bildung des Kreises Nordfriesland wurde das Amt 1970 aufgelöst, und die Reußenköge sollten zusammen mit der Gemeinde Bordelum und den Gemeinden des Amtes Langenhorn das Amt Stollberg bilden. Dagegen klagten sowohl die Gemeinden des Amtes Langenhorn wie auch die Gemeinde Reußenköge. Das Amt Stollberg wurde schließlich zum 1. Januar 1972 ohne Reußenköge, das amtsfrei blieb, gebildet. Die Gemeinde bildete danach eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Bredstedt, die die Verwaltungsgeschäfte für Reußenköge mit durchgeführt hat. Diese Verwaltungsgemeinschaft wurde im Zuge der Ämterstrukturreform des Jahres 2008 aufgelöst. Seit diesem Moment besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem neu gegründeten Amt Mittleres Nordfriesland.
mini|links|Zeltstadt des NF-Cup-Camps im Sophien-Magdalenen-Koog Über viele Jahre hinweg fanden alljährlich sportbegeisterte Handballer den Weg in die Gemeinde. An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Mitte August wurde das sogenannte NF-Cup-Camp in Form einer Zeltstadt im Sophien-Magdalenen-Koog als Übernachtungsquartier für die teilnehmenden Sportler errichtet. An den beiden Sonnabenden fand in der benachbarten Koogshalle die dazugehörige NF-Cup-Fete statt.
Ab dem Jahr 2008 startete auf Initiative der Gemeinde ein Projekt zum Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Ziel war die Versorgung aller Haushalte der Gemeinde mit einem Breitbandnetzanschluss. Nach schwierigem Anfang wurde dieses Projekt im Jahr 2012 abgeschlossen. Die Gemeinde fungiert zuletzt neben der Gemeinde Bohmstedt als Pilotgemeinden im Gebiet der AktivRegion Nordfriesland Nord für die neu gegründete Breibandnetzgesellschaft.Breitband für Alle: Eine Vision wird langsam Realität. auf: shz.de 30. September 2011.
Im Jahre 2011 erhielt Bürgermeister Johannes Volquardsen die Freiherr-vom Stein Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung.Wohl der Region liegt ihm am Herzen. In: Husumer Nachrichten. 25. November 2011.
Politik Verwaltung Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Reußenköge eine amtsfreie Gemeinde. Mit einer Unterbrechung in den 1970er Jahren ist sie bis heute amtsfrei geblieben. Bis 1970 hatte die Gemeinde eine eigene Verwaltung. Nach Ende der kurzen Zugehörigkeit zum Amt Stollberg erledigte die Stadt Bredstedt die Verwaltungsgeschäfte. Seit 2008 besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Mittleres Nordfriesland. Das Verwaltungsgebäude des Amtes in Bredstedt gehört der Gemeinde Reußenköge und ist an das Amt vermietet.
Gemeindevertretung Bei der im Rahmen der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein 2023 durchgeführten Gemeindewahl am 14. Mai 2023 kandidierten ausschließlich Kandidaten der WGR. Die Wahlbeteiligung betrug diesmal 69,4 Prozent.
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