Die Einkommensverteilung in Kroatien betrachtet die Verteilung der Einkommen in Kroatien sowie deren Entwicklung. Die personelle Einkommensverteilung stellt dar, wie sich das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Bevölkerungsschichten (z. B. Frauen, Männer) verteilt. Sie wird von Eurostat auf Basis von verfügbaren Äquivalenzeinkommen gemessen.
Von 2010 bis 2017 war die Einkommensungleichheit in Kroatien rückgängig. Der Gini-Index Kroatiens sank von 31,6 auf 29,9 Punkte. Im EU-Vergleich liegt Kroatien damit auf Platz 14 (leicht unter dem EU Durchschnitt). Das Verhältnis der Einkommen der einkommensreichsten 20 Prozent zu den Einkommen der einkommensärmsten 20 Prozent beträgt 5. Demnach verdienen Kroaten im höchsten Einkommensquintil 5-mal so viel wie Kroaten im niedrigsten Einkommensquintil. Die Armutsquote in Kroatien hat sich seit 2011 kontinuierlich von 32,6 % im Jahr 2011 auf 26,4 % im Jahr 2017 verringert.
Überblick Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über Verteilungsindikatoren auf Basis der verfügbaren Äquivalenzeinkommen in Kroatien zwischen 2010 und 2017. Indikator20102011201220132014201520162017Gini-Koeffizient0,3160,3120,3900,3900,3020,3040,2980,299S80/S20 Einkommensverhältnis5,55,65,45,35,15,25,05,0von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Personen (in %)31,132,632,629,929,329,127,926,4Armutsgefährdungsquote (in %)19,621,123,321,821,120,920,421,4 Blickt man auf die Entwicklung der Armutsindikatoren, so ist eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. Der Anteil von sozialer Ausgrenzung oder Armut bedrohten Personen sanken von 31,1 % der Bevölkerung im Jahr 2010 auf 26,4 % im Jahr 2017. Die Armutsgefährdungsquote stieg jedoch im selben Zeitraum von 19,6 % auf 21,4 % an. Das Einkommen war 2015 wie folgt auf die Bevölkerung verteilt: Indikator (2015)%Einkommensanteil des ersten Quintils7,3 %Einkommensanteil des zweiten Quintils13,1 %Einkommensanteil des dritten Quintils17,9 %Einkommensanteil des vierten Quintils23,5 %Einkommensanteil des fünften Quintils38,1 %Armutsanteil ($5,5/Tag Level in PPP)5,8 %Armutsanteil ($2/Tag Level in PPP)2,24 %Relative Armutslücke ($2/Tag Level in PPP)0,86 %Relative Armutslücke ($1,25/Tag Level in PPP)0,40 % Das einkommenschwächste Quintil verdiente 2015 7,3 % des verfügbaren Einkommens Kroatiens, während das oberste Quintil 38,1 % des Einkommens erhielt. Der Armutsanteil, gemessen als Personen mit einem niedrigeren Einkommen als umgerechnet 2 US-Dollar pro Tag, betrug im selben Jahr 2,24 % und 5,80 % bei 5,5 US-Dollar pro Tag (gemessen in Kaufkraftparität (PPP)).
Definitionen von Einkommen Die Art und Aggregation des Einkommens nimmt eine entscheidende Rolle für die Interpretation und die Vergleichbarkeit der Indikatoren ein. Grundsätzlich werden zwei Einkommensarten unterschieden. Das Primäreinkommen (oder Markteinkommen) bezeichnet das Einkommen, das am Markt verdient wird (z. B. durch unselbständige- und selbstständige Arbeit). Zieht man von diesem Einkommen die zu bezahlenden Steuern ab und fügt man erhaltene Staatstransfers hinzu erhält man das Sekundäreinkommen.
Das Primäreinkommen (oder Markteinkommen) umfasst Einkommen aus selbstständiger und unselbständiger Erwerbstätigkeit und Geschäftstätigkeit sowie Erträge aus Vermietung und Kapital vor Abzug von Steuern und Abgaben. Demnach bezieht sich die primäre Einkommensverteilung auf die Verteilung dieser Markteinkommen. Die sekundäre Einkommensverteilung bezieht sich auf das Sekundäreinkommen. Das ist jenes verfügbare Einkommen, das eine Person besitzt, nachdem der Staat Einkommen umverteilt hat. Diese Umverteilung beinhaltet den Abzug von Steuern sowie den Zuschuss von Transferleistungen wie Pensionen, Kranken- oder Arbeitslosengeld.
In der Regel wird das Sekundäreinkommen zwischen Staaten verglichen. Der Vergleich zwischen den Markteinkommen und den verfügbaren Einkommen gibt Aufschluss über den Umfang der verteilungspolitischen Maßnahmen im Land. Weiters wird für internationale Vergleiche das Äquivalenzeinkommen verwendet. Dafür werden alle Einkommensquellen nach Berücksichtigung von Steuern und Abgaben eines Haushalts addiert und durch die (erwachsenen) Mitglieder des Haushalts dividiert.
Einkommensverteilung allgemein Median- und durchschnittliches Einkommen alt=Dieser Graph zeigt die zeitliche Entwicklung des Mittelwerts und Medians der nominellen und realen Einkommen in Kroatien von 2010 bis 2017. Ein klarer u-förmiger Verlauf ist erkennbar, bis 2013 fällt das Einkommen, danach steigt es wieder. Vor 2013 liegt das reale Einkommen über dem nominellen, danach fallen sie zusammen. Das durchschnittliche Einkommen liegt über dem Medianeinkommen.|mini|310x310px|Verlauf des Mittelwerts und Medians der realen und nominellen Einkommen in Kroatien von 2010 bis 2017. Kaufkraftbereinigt mittels HVPI (2015=100). Das durchschnittliche Einkommen ist das Einkommen, das jeder Einwohner eines Landes bekommen würde, wenn das Gesamteinkommen in gleichen Teilen aufgeteilt werden würde. Das Medianeinkommen ist das Einkommen jenes Individuums, das sich genau in der Mitte der Einkommensverteilung befindet. Das bedeutet, dass jeweils die ärmere Hälfte eines Landes weniger als das Medianeinkommen besitzt, die reichere Hälfte verfügt mehr. Grundsätzlich ist das durchschnittliche Einkommen immer höher als das Medianeinkommen, da Spitzen-Einkommen das Durchschnittseinkommen erhöhen, das Medianeinkommen jedoch nicht.
2017 betrug das durchschnittliche nominelle Äquivalenzeinkommen in Kroatien 6.851 €. Der Schnitt der Europäischen Union lag bei mehr als dem Dreifachen (19.387 €). Das Medianeinkommen betrug 2017 in Kroatien 6.210 €, in der Europäischen Union durchschnittlich 16.909 €. In den letzten Jahren verzeichneten beide Größen einen U-förmigen Verlauf. In den Jahren nach der Finanzkrise sank das durchschnittliche Einkommen sowie das Medianeinkommen sowohl nominell als auch real. Erst 2013 stiegen sie wieder an und 2017 konnte das Niveau von 2010 übertroffen werden. Ein Grund dafür sind die Nachwirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise. Kroatien konnte sich von der globalen Wirtschaftskrise längere Zeit nicht erholen, die Wirtschaft erlebte einen sechs Jahre andauernden wirtschaftliche Abschwung, von 2009 und 2014 fiel das BIP um fast 13 %. Die Anpassung des Real- und Nominaleinkommens in der Grafik ist auffällig: Zum einen entsteht, diese durch die Konstruktion der Inflationsbereinigung, bei der das nominale und reale Einkommen im Jahr 2015 gleich gesetzt werden. Dennoch ist der ähnliche Verlauf bei der Steigerung der Einkommen bemerkenswert. alt=Der Liniengraph zeigt den Verlauf des Einkommensanteils der Top 10 % in Kroatien und der EU in der Zeitspanne von 2010 bis 2017. Kroatien liegt klar unter dem EU Durchschnitt, der relative Einkommensanteil der reichsten 10 Prozent sank um mehr als einem Prozentpunkt.|mini|310x310px|Einkommensanteil der Top 10 % in Kroatien und der EU, 2010–2017 alternativtext=|mini|310x310px|Einkommensanteil der Top 10 % in Kroatien und benachbarter Staaten, 2010–2017 Anteil der Top 10 % am Gesamteinkommen Eine andere Perspektive auf Einkommensverteilung bieten die relativen Anteile von Einkommensgruppen am Gesamteinkommen. Das Einkommen einer Einkommensgruppe (z. B. der reichsten zehn Prozent) wird summiert und in Verhältnis mit dem Gesamteinkommen gesetzt. Wäre das Einkommen einer Gesellschaft völlig gleich verteilt, würden die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung auch zehn Prozent des Einkommens erzielen. In der EU erhielten die einkommensstärksten zehn Prozent im Jahr 2017 durchschnittlich 23,9 % des Gesamteinkommens. In Kroatien lag dieser Wert mit 22,2 % mehr als eineinhalb Prozentpunkte darunter. Mit Ausnahme von 2015 sank der Einkommensanteil der reichsten zehn Prozent in Kroatien in den letzten acht Jahren um mehr als einen Prozentpunkt.
Im nebenstehenden Graph ist der Verlauf des Einkommensanteils in Kroatien und den Nachbarländern (Ungarn, Serbien und Slowenien) abzulesen. Vergleicht man den Verlauf des Einkommensanteils der Top 10 Prozent in Kroatien mit den Nachbarländern und dem EU-Durchschnitt zeigt sich, dass Kroatien hier sehr nahe am EU-Schnitt liegt. Die höchste Ungleichheit tritt in Serbien auf, die niedrigste in Slowenien. Ungarn erlebte in den letzten Jahren einen Anstieg der Ungleichheit. alt=Der Graph zeigt den Verlauf des Gini-Index in Kroatien von 2010 bis 2017. Der Gini-Index der Markteinkommen vor Sozialtransfers verläuft konstant knapp unter 50. Der Gini-Index nach Sozialtransfers verläuft parallel 20 Punkte darunter.|mini|310x310px|Gini-Index des Einkommens vor und nach Sozialtransfers in Kroatien (2010–2017)
Gini-Index
Der Gini-Index (oder Gini-Koeffizient) ist der gängigste Indikator für Ungleichheit. Auf einer Skala von 0 bis 100 (oder 0 bis 1 beim Gini-Koeffizienten) beschreibt er den Ausmaß der Ungleichheit einer Bevölkerung. Ein Gini-Index von 0 bedeutet Einkommensgleichheit – alle Einwohnerinnen und Einwohner beziehen Einkommen in gleicher Höhe. Ein Gini-Index von 100 zeigt totale Einkommensungleichheit an, eine Person besitzt das gesamte Einkommen eines Landes. Grundsätzlich werden Länder, deren Gini-Index zwischen 50 und 70 liegt, als relativ einkommensungleich bezeichnet. Liegt der Index zwischen 20 und 35 gelten sie als relativ einkommensgleich. alt=Liniengraph des Gini-Index vor Sozialtransfers in Kroatien, Ungarn, Slowenien, Serbien und der EU von 2010 bis 2017. Der höchste Gini-Index ist in Serbien bei rund 60. Ungarns Gini-Index liegt knapp über dem EU Durchschnitt, Kroatien liegt klar darunter. Die geringste Einkommensungleichheit ist in Slowenien.|mini|310x310px|Verlauf des Gini-Index der Markteinkommen vor Sozialtransfers in Kroatien und benachbarten Ländern, 2010–2017 alt=Der Liniengraph zeigt den Verlauf des Gini-Index der Einkommen nach der Umverteilung des Staates von 2010 bis 2017 der Länder Kroatien, Ungarn, Serbien, Slowenien und der EU. Die höchste Ungleichheit weist auch hier Serbien auf mit einem Index von knapp unter 40. Kroatiens Gini-Index ist ähnlich dem des EU Durchschnitts von knapp über 30. Hungarn liegt hier klar unter dem EU Durchschnitt und die geringste Einkommensungleichheit ist in Slowenien mit einem Gini-Index von 23.7.|mini|310x310px|Gini-Index der Sekundäreinkommen nach Sozialtransfers in Kroatien und benachbarten Ländern, 2010–2017 Betrachtet man die Markteinkommen, das Einkommen, bevor der Staat mittels Steuern und Sozialtransfers umverteilt, hatte Kroatien 2017 einen Gini-Index von 47,8. Im EU-Schnitt war die Ungleichheit etwas höher, der Gini-Index lag bei 51 Punkten. Die Ungleichheit des verfügbaren Einkommens nach Sozialtransfers und Steuern ist bedeutend niedriger, der Gini-Index betrug in Kroatien 29,9 und in der EU 30,7. Seit 2010 blieb der Gini-Index in Kroatien relativ konstant.
Die nebenstehenden Graphen vergleichen den Gini-Index Kroatiens mit den Indizes benachbarter Staaten (Ungarn, Serbien und Slowenien) sowie dem EU-Durchschnitt. Der obere Graph zeigt den Verlauf der Gini-Indizes der Markteinkommen. Die höchste Einkommensungleichheit liegt in Serbien vor. Ungarn passte sich in den letzten Jahren dem EU-Durchschnitt an, Kroatien liegt klar darunter. Slowenien ist von diesen Staaten das Land mit der geringsten Ungleichheit bei den Markteinkommen. In den letzten beiden Jahren sank der Gini-Index in allen Ländern außer Serbien, das einen rapiden Anstieg des Index erlebte. Vergleicht man den oberen mit dem unteren Graphen wird klar, dass auch nach der Einkommensumverteilung durch den Staat Serbien die höchste und Slowenien die niedrigste Ungleichheit mit ähnlichem zeitlichen Verlauf aufweisen. Erstaunlich ist, dass die Umverteilung in Ungarn relativ stark ist, bei den Sekundäreinkommen liegt der Gini-Index klar unter dem EU-Durchschnitt – auch wenn er in den vergangenen Jahren stark anstieg. Kroatien liegt seit 2014 unter dem EU-Durchschnitt, davor lag es knapp darüber.