mini|Die Kirche in Markt Einersheim Die evangelisch-lutherische Kirche St. Matthäus ist das Gotteshaus im unterfränkischen Markt Einersheim. Sie ist Hauptkirche des evangelisch-lutherischen Dekanats Markt Einersheim und liegt am Marktplatz im Zentrum des Ortes. Umgeben ist die Matthäuskirche von einer Kirchenburg.
Geschichte Mittelalter (bis 1545) Die Matthäuskirche mit ihren Vorgängerbauten an gleicher Stelle ist eines der ältesten Gotteshäuser der Umgebung. Wahrscheinlich bestand bereits zur Zeit des Frankenapostels Kilian eine Holzkirche vor Ort, in der Taufen vorgenommen wurden. Bei der Ausstattung des neugegründeten Bistums Würzburg durch Bonifatius im Jahr 742 erschien in Markt Einersheim keine Kirche. Allerdings wurde die Andreaskirche in (Klein-)Dornheim genannt, die später Filiale von Einersheim wurde.Sommer, Hans: Markt Einersheim. S. 58.
Urkundlich erstmals erwähnt wurde die Markt Einersheimer Kirche im Jahr 1241, die Pfarrei erschien erneut im Jahr 1297. Wahrscheinlich waren inzwischen die Pfarreifunktionen der Urkirche von Kirchheim (heute eine Wüstung bei Markt Einersheim) auf Einersheim übergegangen. Die Pfarrei umfasste ein riesiges Gebiet mit den Orten Altmannshausen, Birklingen, Dornheim, Hellmitzheim, Mönchsondheim, Nenzenheim, Oberambach, Possenheim, Prühl, Stierhöfstetten, Wüstenfelden und anderen.Bomhard, August (u. a.): Allgemeine Beschreibung des gesamten Kirchenwesens. S. 13 (Karte).
Im Laufe der Jahrhunderte verlor die Pfarrei an Umfang, weil viele Filialen selbständig wurden. Hellmitzheim spaltete sich im 15. Jahrhundert ab, zur gleichen Zeit wurde auch Mönchsondheim Pfarrdorf. Im Jahr 1509 wurde Nenzenheim unabhängig. Oberambach kam zu Oberscheinfeld. In Stierhöfstetten wurde der Einersheimer Pfarrer weiterhin verpflichtet, einen Kaplan einzusetzen. Erst im 16. Jahrhundert wurde der Ort unabhängig.
Reformation (bis 1648) mini|Das Wappen der Schenken von Limpurg-Speckfeld in der Kassettendecke Ein Einschnitt in der Kirchengeschichte von Einersheim war die Reformation. Hauptinitiator war Schenk Carol von Limpurg-Speckfeld, der die Dorfherrschaft über Einersheim innehatte. Allerdings gehörte er nicht zu den ersten Reichsfürsten, die sich zur neuen Konfession bekannten. Erst 1545 duldete er indirekt deren Einführung durch die Einsetzung neuer Prediger in seinem Herrschaftsgebiet.
Zunächst gab es in Einersheim zwei Pfarrer: einen katholischen und einen lutherischen. Spätestens 1549 verzichtete Wipertus Schenk von Schenkenstein auf die Pfarrei und überließ dem evangelischen Peter Kaufmann das Feld. Das Würzburger Domkapitel setzte allerdings noch einige Jahre die Pfarrer von Einersheim ein und wählte katholische Priester aus. Die neue Konfession wurde in Einersheim also schleichend angenommen.Bomhard, August (u. a.): Allgemeine Beschreibung des gesamten Kirchenwesens. S. 89–91.
Offiziell angenommen wurde die Reformation erst im Jahr 1580, als Schenk Heinrich die Konkordienformel unterschrieb. Das Gotteshaus blieb noch einige Jahrzehnte in seiner alten Form bestehen, erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts passte man die Kirche den neuen liturgischen Notwendigkeiten an. Im Jahr 1626 riss man weite Teile des nördlichen Langhauses ab und erweiterte die Kirche, um mehr Platz für die Besucher zu erhalten. Die alte Messkirche wurde zur protestantischen Predigtkirche umgestaltet.
Kurze Zeit später, 1628, forcierten die im Dreißigjährigen Krieg siegreichen, katholischen Würzburger in Einersheim die Gegenreformation und beriefen von Iphofen aus einen Priester. Vier Jahre später, 1631, erreichten die lutherischen Schweden das Dorf und vertrieben wieder den katholischen Priester. Nach dem Ende des Krieges hatte sich Einersheim endgültig als evangelisch-lutherischer Ort etabliert.Sommer, Hans: Markt Einersheim. S. 58.
Erneuerungen (bis heute) Neue Umbauten am Gebäude wurden im Jahr 1700 vorgenommen. Der Turm wurde erhöht und das Glockengeschoss in Fachwerkbauweise durch einen gemauerten Abschluss ersetzt. Zugleich erhielt der Turm die noch vorhandene barocke Haube. Im Jahr 1868 wurde die Kirche durch Erweiterung der Westwand vergrößert, um die Zugänge zu den Emporen im Inneren zu schaffen.
Das äußere Erscheinungsbild der Kirche wurde später nicht mehr verändert. Im Jahr 1945 rückten die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gegen das Dorf vor und begannen die Kirche mit Panzern zu beschießen. Das Gebäude erlitt nur kleinere Schäden. Im Jahr 1976 erfolgte eine umfassende Erneuerung der Kirche und der Kirchenburg.Hans Sommer: Markt Einersheim. S. 59. 2001 renovierte die Gemeinde den Innenraum. Das Gotteshaus in Einersheim ist als Baudenkmal eingeordnet.
Architektur Die Matthäuskirche wurde als mittelalterliche Chorturmkirche im 13. und 14. Jahrhundert errichtet. Ältester Bauteil ist der Turm, der im Kern noch der Romanik zuzuordnen ist. Er ist viergeschossig und schließt mit einer welschen Haube mit Laterne und einem Wappen der Schenken von Limpurg-Speckfeld ab. Der Turm hat gotische, zweibahnige Fenster mit einfachem Maßwerk. Lediglich in der Glockenstube des 18. Jahrhunderts sind einbahnige Fenster eingebaut. Innen ist der Chorraum von Kreuzrippen überwölbt. Die Konsolsteine sind zum Teil figürlich gestaltet und zeigen einen Mädchenkopf und Blattknospen. Die Sakristeitür im Chor ist profiliert mit Überresten einer farbigen Fassung.Breuer, Tilmann: Franken: die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. S. 607.
Das Langhaus der Matthäuskirche zeugt von den Umbauten der verschiedenen Jahrhunderte. Die Sakristei an der Nordseite neben dem Turm kann durch ein spitzbogiges Portal betreten werden. Das Langhaus ist fünfachsig und wird von langgezogenen, schlichten Spitz- und Rundbogenfenstern durchlichtet. Das Nordportal hat Formen des Barock, ein Gesims leitet zum langgestreckten Oberlicht über. Innen trägt das Langhaus eine Kassettendecke.
Ausstattung Epitaphe mini|hochkant|Das Epitaph für Schenk Carolus von Limpurg-Speckfeld Im Kircheninneren verweisen mehrere Gedenksteine an die verstorbenen Mitglieder der Familie der Schenken von Limpurg-Speckfeld, die jahrhundertelang die Herrschaft über den Ort innehatten. Die steinernen Epitaphe hängen links und rechts des Chorbogens. Die Grabplatten, die sich jahrhundertelang in der Gruft unterhalb des Langhauses befunden hatten, wurden im 20. Jahrhundert im Innenhof der Kirchenburg aufgestellt, die Gruft wurde verschlossen.
Ganz links ist das Epitaph für Carolus Schenk von Limpurg-Speckfeld angebracht. Aus einer Inschrift unten geht hervor, dass er 1558 verstarb. Den Mittelpunkt des Grabdenkmals bilden die großen Sandsteinreliefs des Verstorbenen und seiner zwei Ehefrauen und der viel kleiner dargestellten 14 Kinder. Alle sind kniend und betend zu Füßen eines Kruzifixes gruppiert. Links und rechts schließen zwei Rechtecksäulen mit Wappen und einer Ahnenprobe das Epitaph ab. Die drei Wappen von Carolus und seinen Ehefrauen bilden eine Art Auszug.
Auf der linken Seite des Chorbogens befindet sich ein weiteres Epitaph für Schenk Gottfried zu Limpurg mit einem ähnlichen Aufbau. Die predella-artige Inschrift unten halten zwei Engelsfiguren hoch. Zentral sind wiederum die Figuren der auf Schemeln betenden Ehepartner, Gottfried und seine Frau Agnes von Wied. Ein ausladendes Gesims leitet zum Auszug über mit einer Inschrift, die von den Wappen der beiden Ehepartner eingerahmt wird.
Das älteste und bedeutendste Epitaph auf der rechten Seite des Chorbogens wurde für Philipp von Limpurg geschaffen, der 1519 starb. Künstler war der Eichstätter Loy Hering. Auf dem Epitaph sind Schenk Philipp, sein zwei Jahre vorher verstorbener Vater Friedrich und Philipps Ehefrau zu sehen. Statt eines Kruzifixes beten die drei im Profil Dargestellten zur Muttergottes im Himmel. Das Epitaph schließt mit einer halbrunden Wappenkartusche ab.Vgl.: Ost, Martin: Kirchenführer.
Taufsteine Der im Jahr 1627 gefertigte Taufstein befindet sich heute vor dem Chor im Zentrum der Kirche. Er wurde im Jahr 1728 entfernt, die Taufen wurden fortan in einem hölzernen Taufbecken im Stil des Barock mit Engelsköpfen und Laubwerk, das am Altar angebracht war und sich heute unterhalb der Empore befindet, vorgenommen. Erst 1953 stellte man den alten Taufstein wieder auf.
Der Taufstein ist kelchförmig gestaltet und sehr massiv gearbeitet. Er trägt gelb gefasste, laubwerkartige Verzierungen, die insbesondere den Fuß des Steines beherrschen. Kurz unterhalb des Beckenrandes stellt eine deutsch-lateinische Inschrift ein Chronostichon auf die Zahl 1627 dar. Sie lautet: „MIT NICHTEN ACHT DIE TAUFE KLEIN/ DENN SIE MACHET VON SÜNDEN REIN. – SORDIBVS INSIGNI PVRGAMVR SANGVINE CHRISTI“.
Orgel Die Kirche erhielt die erste Orgel 1675 aus der Kapelle der Burg Speckfeld. Nach einer Reparatur verkaufte die Gemeinde sie 1692 wieder. Mit dem Erlös wurde ein neues Instrument angeschafft. Dieses musste 60 Jahre später wieder ersetzt werden. Der dreitürmige, barocke Orgelprospekt des Würzburger Hoforgelmeisters Johann Philipp Seuffert aus dem Jahre 1752 blieb beim Einbau einer neuen Schleifladenorgel 1983 erhalten.Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. S. 115.
Die neue Orgel schuf die Firma Hey aus Urspringen in der Rhön, wobei auch das alte Gehäuse erweitert werden musste. Im Jahr 2001 reinigte man im Zuge der großen Innenrenovierung das Instrument und ließ es neu intonieren. Es umfasst drei Manuale und 24 Register mit insgesamt 1516 Pfeifen. Die Disposition lautet wie folgt:
mini|Die Orgel auf der Empore I Koppelmanual C–g3
II Hauptwerk C–g3 Prinzipal 8′ Metallgedackt 8′ Koppelflöte 4′ Waldflöte 2′ Mixtur IV–V ′ Trompete 8′ III Hinterwerk(schwellbar) C–g3 Holzgedackt 8′ Weidenpfeife 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Nasat ′ Octav 2′ Terz ′ Quintlein ′ Scharff III 1′ Rohrschalmey 8′ Tremulant Pedalwerk C–f1 Subbaß 16′ Octavbaß 8′ Gedacktbaß 8′ Choralbaß 4′ Rauschpfeife III 2′ Fagott 16′ Koppeln: II/P, III/P Spielhilfen: mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, SetzeranlageMartin Ost: Kirchenführer St. Matthäus.
Glocken Das Geläut der Matthäuskirche wird von drei Glocken gebildet. Die älteste und größte stammt aus dem Jahr 1811 und wurde von Adam Klaus in Markt Nordheim unter Einschmelzung der Vorgängerglocke geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle drei Kirchen abgegeben und sollten eingeschmolzen werden. Die große Glocke konnte nach dem Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof identifiziert und zurückgeholt werden. 1954 ergänzte man das Geläut wieder:
Name Grundton Gießer Gussjahr Gewicht Inschrift, Reliefs Große Glocke f Adam Klaus, Markt Nordheim 1811 800 kg „Gegossen im Jahre 1811 zum Gebrauch in der Kirche in Markt Einersheim, verfertigt von Adam Klaus.“, Ornamentkränze Mittlere Glocke as Gebrüder Rincker, Sinn 1954 430 kg „1954 Ehre sei Gott in der Höhe“, Weltkugel und Kreuz Kleine Glocke b Gebrüder Rincker, Sinn 1954 310 kg „1954 †: HERR erbarme dich“Martin Ost: Kirchenführer.
Weitere Ausstattung Die Matthäuskirche trägt eine reich verzierte Kassettendecke, die 1626 im Zuge der Kirchenerneuerung angebracht wurde. Sie besteht aus Rechtecken und Rauten in Form der Leistenkassettierung.Bedal, Konrad: Dorfkirchen in Franken. S. 196. Im Mittelpunkt sind die Wappen der damals fünf regierenden Schenken von Limpurg-Speckfeld angebracht. Neben den fünf Streitkolben ist auch der fränkische Rechen zu sehen, weil Schenk Gottfried auch Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken war.
mini|Chorbogen und Chor der Kirche