Colmberg (fränkisch: KolmbärchE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 62. Dort folgendermaßen transkribiert: „kolmbęrch“.) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach in Bayern und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Naturpark Frankenhöhe an der Oberen Altmühl. Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Marktbergel, Oberdachstetten, Lehrberg, Leutershausen, Geslau und Windelsbach.
Gemeindegliederung Es gibt zwölf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Burg Colmberg wurde letztmals für das Jahr 1925 in den Amtlichen Ortsverzeichnissen für Bayern als Gemeindeteil aufgeführt, der Fohlenhof für das Jahr 1885.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Auerbach, Binzwangen, Colmberg, Frommetsfelden (Gemarkungsteil 0), Oberfelden und Poppenbach. Die Gemarkung Colmberg hat eine Fläche von 11,531 km². Sie ist in 1382 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8343,61 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Häslabronn und Kurzendorf.
Geschichte mini|Ortsansicht mit Blick auf Burg und Kirche St. Ursula mini|Luftbild von Colmberg (2022)
Ortsname Der Ort wurde 1269 als „Cholbenberc“ erstmals urkundlich erwähnt. Wesentlich älter ist die gleichnamige Burg, deren Name sich von einem Flurnamen ableitet, der einen Berg bezeichnete, der am Fuße mit Rohrkolben bewachsen war.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 62 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 50.
Bis zur Gemeindegründung Um 770 wurde eine hölzerne Befestigung auf dem Kolbenberg angelegt. Die Befestigung wurde 939 mit dem Herzogtum Franken Reichslehen. Kaiser Otto III. schenkte 1000 den Wildbann um Colmberg dem Bistum Würzburg. 1128 wurde Colmberg Lehen der Grafen von Hohenlohe. Im Zeitraum von 1150 bis 1240 wurde unter den deutschen Kaisern und ihren Vögten die alte Befestigung zur Reichsburg Colmberg ausgebaut. Im Jahre 1254 riss Graf Friedrich von Truhendingen das Reichslehen Colmberg nach Aussterben der Staufenkaiser an sich. Die Grafen Friedrich VIII. und Konrad von Truhendingen verkauften Colmberg für 6200 Pfund Haller Pfennige an Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg. Um 1320 war Colmberg Sitz eines burggräflichen (später markgräflichen) Oberamtes mit Vogt und Kastner. 1361 wurde erstmals die Siedlung „Altenstatt“ bei Colmberg erwähnt. Die Pfarrkirche St. Ursula wurde 1375 erstmals erwähnt. Neben der Pfarrkirche gab es die Kapelle der Burg Colmberg, wie ein Taufstein des späten 13. Jahrhunderts ausweist; 1451 ließ Markgraf Albrecht Achilles die Burgkapelle im ersten Stock des Kemenatenbaues neu errichten und setzte einen Kaplan ein, dem zwei Drittel des Colmberger Zehents zustanden.Dehio, S. 265.Broser, S. 3.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 79.
Burggraf Friedrich VI. wohnte 1408 auf Burg Colmberg, um Geld zu sparen und wurde 1415 Markgraf von Brandenburg. Um 1500 wurde Colmberg Sitz einer markgräflichen Wildmeisterei. Der Ort fiel in dieser Zeit zweimal einer Brandstiftung zum Opfer: 1449 geschah dies durch die Rothenburger, 1525 durch den Bauernhaufen des „Roten Konrad“.
Durch die Einführung der Reformation im Fürstentum Ansbach im Jahr 1528 wurde auch Colmberg evangelisch.
Im 16-Punkte-Bericht des brandenburg-ansbachischen Oberamts Colmberg aus dem Jahr 1608 wurden für Colmberg 51 Mannschaften verzeichnet. 50 Anwesen hatten das Kastenamt Colmberg und 1 Anwesen das Rittergut Rammersdorf der Herren von Eyb als Grundherrn. Das Hochgericht übte das Vogtamt Colmberg aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 6/1, 4v. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 703.
Im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1631 brandschatzten kaiserlichen Truppen unter dem Feldherrn Tilly den Ort. Nach dem Krieg trugen rund 100 Zuwanderer aus Ober- und Niederösterreich zum erneuten Aufstieg des Ortes bei, nachdem sie ihre Heimat als Glaubensflüchtlinge hatten verlassen müssen.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen, S. 48.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Colmberg aus dem Jahr 1681 wurden für Colmberg 56 Mannschaften verzeichnet. 55 Anwesen unterstanden dem Kastenamt Colmberg und 1 Anwesen dem Eyb’schen Rittergut Wiedersbach. Außerdem gab es ein Pfarrhaus, ein Schulhaus und zwei Hirtenhäuser.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 6/2, 3. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 706.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Anwesen auf 70 an, wobei die neu entstandenen Anwesen alle colmbergisch waren. Dem Kastenamt Colmberg unmittelbar unterstellt waren 46 Söldengütlein, 1 Söldengut mit Badstube, 4 Söldengütlein mit Backrecht, 1 Söldengut mit Wirtschaft, 1 Mühle mit Söldengut, 3 Tafernwirtschaften, 1 Wirtshaus dem Kastenamt Colmberg, 1 Schmiede-Söldengütlein, 4 Leerhäuser. Daneben verwaltete dieses die Abgaben der Pfarrpfründe Colmberg (1 Köblergut, 1 Söldengütlein) und der Gemeinde Colmberg (4 Leerhäuser). 1 Söldengütlein unterstand nach wie vor dem Rittergut Wiedersbach. Neben diesen Anwesen gab es herrschaftliche (Schloss, Revierförsterhaus), kirchliche (Pfarrhaus, Pfarrkirche) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Brechhaus, Feuerlöschhaus, Schafscheuer).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 846f.
Der Markt Colmberg als Teil des Fürstentums Ansbach stand ab 1791 unter preußischer Verwaltung und war von 1797 bis 1808 Sitz eines Kammeramtes des Ansbacher Kreises.
19. und 20. Jahrhundert mini|Postkarte von Colmberg (ca. 1914) mini|Ortsansicht von Colmberg (2019)
Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Colmberg gebildet, zu dem Häslabronn, Kurzendorf, Oberfelden und Unterfelden gehörten. Die Ruralgemeinde Colmberg entstand 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden zwei Ruralgemeinden gebildet: Ruralgemeinde Colmberg mit Häslabronn und Kurzendorf und Ruralgemeinde Oberfelden mit Unterfelden. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand ein Anwesen in Colmberg von 1820 bis 1842 dem Patrimonialgericht Wiedersbach-Rammersdorf.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 972 f. und 984. Ab 1862 gehörte Colmberg zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Finanzverwaltung ging 1880 an das Rentamt Ansbach über (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 984.
Die Burg wurde 1880 nach der Auflösung des Rentamtes Privatbesitz.
Dem Colmberger Gemeindeteil Häslabronn wurde 1992 die Europa-Nostra-Medaille verliehen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern schlossen sich 1972 die Gemeinden Auerbach (teilweise) und Bieg (teilweise) und die Gemeinde Oberfelden dem Markt Colmberg an. Die Gemeinden Binzwangen und Poppenbach folgten am 1. Mai 1978.
Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Bemerkungen Auerbach 328 1. Januar 1972 Eingliederung von 164 der 328 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Leutershausen Bieg 161 1. Juli 1972 Eingliederung von 51 der 161 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Leutershausen Binzwangen 290 1. Mai 1978 Oberfelden 118 1. Juli 1972 Poppenbach 71 1. Mai 1978
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1667 auf 2036 um 369 Einwohner bzw. um 22,1 %.
Gemeinde Colmberg Jahr 1818 1840 1852 1861 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1979 1987 1995 2005 2015Einwohner 563 660 699 760 737 705 760 736 701 684 586 588 600 615 587 576 575 835 835 706 732 1413 1683 2048 2172 1977HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 133 113 134 130 125 128 139 135 145 442 593Quelle Für die Gemeinde Colmberg zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Häslabronn (S. 40) und Kurzendorf (S. 51). Im Historischen Gemeindeverzeichnis hat die Gemeinde 655 Einwohner.
Ort Colmberg Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2007 2021Einwohner 480 557 661 639 644 506 505 753 649 674 882 1347 1472Häuser 116 94 115 111 124 123 133 255 Quelle (Abgerufen am 24. September 2011). Die Einwohnerzahlen berufen sich im Abgleich mit der amtlichen Statistik vermutlich auf einen Einwohnerstand zwischen 2007 und 2008.
Religion mini|Colmberger Synagoge, Ansicht von Südosten (1929)
Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die jüdischen Untertansfamilien hatten seit 1734 eine Synagoge. Im 19. Jahrhundert waren 87 % lutherisch, 2 % katholisch und 10 % jüdisch. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge abgerissen.Körner, S. 100.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 107. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Katholiken durch den Zuzug von Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland 23 % der Bevölkerung aus.
Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 15 Mitglieder einschließlich des hauptamtlichen Ersten Bürgermeisters: CSU / Freie Wählerschaft SPD / Unabhängige Bürger Bunte Liste Gesamt 2002 13 2 - 15 Sitze 2008 12 3 - 15 Sitze 2014 11 4 - 15 Sitze 2020 10 3 2 15 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020PDF. Website des Marktes Colmberg. Abgerufen am 29. März 2020.)
Bürgermeister Gerhard Wachmeier wurde auf Wahlvorschlag der CSU/Freien Wählergemeinschaft Colmberg und Umgebung hin am 2. Februar 2025 mit 96,3 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister der Marktgemeinde Colmberg gewählt.Bekanntmachung des abschließenden Ergebnisses der Wahl des ersten Bürgermeisters am 2. Februar 2025 Website des Marktes Colmberg. Abgerufen am 15. Februar 2025. Vorgänger war Wilhelm Kieslinger (CSU/FWC).
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-gelb-grün.
Gemeindepartnerschaften Seit 1992 existiert eine Gemeindepartnerschaft mit der Gemeinde Wartenburg in Sachsen-Anhalt. . Website des Marktes Colmberg. Abgerufen am 2. Februar 2017. Seit 2013 besteht zudem eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Aubazine in der Region Nouvelle-Aquitaine. . Website des Marktes Colmberg. Abgerufen am 25. Oktober 2015.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Dokumentationszentrum, Ansbacher Str. 6