mini|hochkant=1.75|Die luxemburgische Nationalmannschaft 2015 Fußball () ist die beliebteste Sportart in Luxemburg. Es besteht ein Ligasystem, an dessen Spitze die BGL Ligue steht. In ihr wird der luxemburgische Fußballmeister ermittelt. Zugleich gibt es nationale Pokalwettbewerbe wie die Coupe de Luxembourg. Im Jahr 2023 waren rund 40.000 Spielerinnen und Spieler in 112 Vereinen registriert.
Geschichte Anfänge des luxemburgischen Fußballs mini|hochkant=1.75|Die „Minettsgéigend“ im Süden Luxemburgs Die Geschichte des Fußballs in Luxemburg nahm ihren Anfang mit der Rückkehr des Englischlehrers Jean „John“ Roeder von einem Studienaufenthalt in England, der um das Jahr 1902 das Fußballspiel in der Escher Industrie- und Handelsschule einführte. Er begeisterte seine Schüler für den auf dem europäischen Kontinent noch jungen Fußballsport. Gegen heftigen Widerstand seitens der Lehrerschaft und der Kirche gründete er 1906 den ersten luxemburgischen Fußballverein, den Football and Lawn-Tennis-Club, kurz Fola, der auch heute noch besteht.
Der Fußball entwickelte sich in kürzester Zeit nach seiner Einführung in allen Bevölkerungsschichten zur populärsten Sportart des Großherzogtums. Er verlor früh seinen zunächst elitären Charakter und wurde Massensport. Besonders in den Arbeitervierteln der Bergbau- und Industrieregion im Süden des Landes bot er einen willkommenen Ausgleich zu der schweren körperlichen Arbeit. Die Arbeiterbewegung hatte dem Turnsport bereits Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Motto „Ein freier Geist in einem freien Körper“ neuen Auftrieb gegeben. Sozialisten und Gewerkschaftler versuchten, ihren Einflussbereich auf den Fußball auszuweiten. Doch auch das liberale Unternehmertum erkannte im Fußballsport die Möglichkeit, das Gemeinschaftsleben der Arbeiter auch außerhalb des Betriebes zu gestalten. Ingenieure und Beamte der Hüttenwerke übernahmen die Leitung der Fußballvereine im Süden. Die Hüttengesellschaften stellten den Vereinen gratis Grundstücke als Spielfeld zur Verfügung.(PDF) Noch heute sind die erfolgreichsten Vereine Luxemburgs fast ausschließlich im Süden des Landes angesiedelt. Mit dem CS Grevenmacher im Jahr 2003 gelang es erst einem Verein, der nicht im Minett oder der Landeshauptstadt Luxemburg beheimatet ist, die Meisterschaft zu gewinnen.
In der Spielzeit 1909/10 wurde erstmals eine luxemburgische Meisterschaft unter dem Namen Lëtzebuerger Championnat ausgetragen. 1913 fand aufgrund organisatorischer Probleme keine Meisterschaft statt. Trotz der Besatzung Luxemburgs durch deutsche Truppen während des Ersten Weltkrieges lief ein regelmäßiger Spielbetrieb; von 1914 bis 1932 unter dem Namen Éischt Divisioun und ab 1932 als Éirendivisioun (dt. Ehrendivision). 1922 wurde erstmals der Coupe de Luxembourg ausgetragen.
Deutsche Besatzungszeit (1940–1944) Luxemburg wurde am ersten Tag des Westfeldzuges 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Am 29. Juli 1940 wurde es zum CdZ-Gebiet Luxemburg erklärt. Damit einhergehend wurde die so genannte „Germanisierung“ Luxemburgs, d. h. die Tilgung alles Andersartigen bzw. „Nicht-Deutschen“ wie etwa Wörtern und Namen französischen Ursprungs betrieben. Dies hatte zahlreiche Umbenennungen und sogar Verbote luxemburgischer Fußballvereine zur Folge. Die luxemburgischen Vereine wurden vom Fachamt Fußball in die Gauliga Moselland Gruppe West und ihre nachgeordneten Spielklassen eingegliedert. mini|hochkant=1.75 Folgende Vereine nahmen am Spielbetrieb der Gauliga Moselland zwischen 1941 und 1944 teil: FV Stadt Düdelingen (Stade Dudelange) FK Niederkorn (FC Progrès Niederkorn) Moselland Luxemburg (Spora Luxemburg) SV Düdelingen (US Dudelange) SV Schwarz-Weiß Esch (Jeunesse Esch) Schwarz-Weiß Wasserbillig (Jeunesse Wasserbillig).
FV Stadt Düdelingen wurde 1942 Meister der Weststaffel und gewann durch zwei Siege im Finale gegen den Meister der Oststaffel Eintracht Bad Kreuznach die Meisterschaft der Gauliga Moselland 1941/42. Dadurch erreichte Düdelingen die Endrunde der deutschen Fußballmeisterschaft. Durch ein 0:2 gegen den damaligen Serienmeister FC Schalke 04 schied Düdelingen bereits in der Qualifikationsrunde aus.
Nicht nur die Vereine waren von Repressalien der Besatzungsmacht betroffen. So war der spätere Nationalspieler Nicolas Birtz von August 1942 bis zum 8. Mai 1945 im SS-Sonderlager Hinzert sowie im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof inhaftiert. Der frühere österreichische Nationalspieler Maximilian „Max“ Gold emigrierte 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich nach Luxemburg und trainierte ab September des Jahres Jeunesse Esch. Nachdem er im November 1941 eine Anordnung der Gestapo zur Zwangsarbeit in Cinqfontaines „zur Konzentrierung aller Juden“ erhalten hatte, gelang ihm und seiner Familie mit Hilfe des luxemburgischen Widerstands die Flucht.hagalil.com: „Vor 75 Jahren wurden jüdische Zwangsarbeiter aus Luxemburg deportiert“ vom 21. Juli 2016
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Nationalspieler David Turpel Nach der Befreiung Luxemburgs wurde bereits 1944/45 der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Die meisten Vereine nahmen ihren ursprünglichen Namen wieder an oder wurden neu gegründet. 1957 wurde die höchste Spielklasse in Nationaldivision umbenannt. Diese Bezeichnung führte sie bis 2006.
Die ersten Jahre der Nachkriegszeit bis Mitte der Fünfzigerjahre dominierten vor allem Stade Düdelingen und bis in die späten 1990er Jahre Jeunesse Esch die Nationaldivision. Vereinzelt gelang es anderen Vereinen, die Meisterschaft zu gewinnen. Im Jahre 2000 gewann der Fusionsverein F91 Düdelingen, in dem 1991 auch CS Le Stade aufging, den ersten von bisher 16 Meistertiteln. Seit 1995 ging der Titel mit Ausnahme des Jahres 2003 ausschließlich an Vereine aus Düdelingen und Esch.
1963 gelang der luxemburgischen Nationalmannschaft mit dem Erreichen des letzten Ausscheidungsrunde vor der Europameisterschaft 1964 der bis heute größte internationale Erfolg. Der vermeintlich chancenlose „Fußballzwerg“ hatte sein Heimrecht verkauft, um zumindest höhere Einnahmen erzielen zu können. Statt der nur 6.000 Zuschauer, die das eigene Stadion in Luxemburg fasste, verfolgten 36.523 das »Heimspiel« der Luxemburger im Olympiastadion von Amsterdam, wo der krasse Außenseiter der Elftal ein 1:1-Unentschieden abtrotzte.EM-Anekdoten: Unvergessene Momente, unvergessene Typen, FAZ-online vom 20. Juni 2012 Das Rückspiel vor 42.385 Zuschauern am 30. Oktober 1963 im Stadion De Kuip gewannen die Roten Löwen durch zwei Tore von Camille Dimmer mit 2:1 und zogen in die Runde der letzten acht Mannschaften ein., 11 Freunde vom 10. März 2011
Die folgenden Jahrzehnte waren von chronischer Erfolglosigkeit des Nationalteams gekennzeichnet. Zwischen 1973 und 1995 gelang der luxemburgischen Nationalmannschaft kein einziger Pflichtspielsieg. In den Jahren 1980 bis 1985 verlor die Auswahl des Landes 35 Spiele in Folge. Vereinzelt gelangen der Mannschaft in der EM-Qualifikation Achtungserfolge wie die knappe 2:3-Niederlage 1990 gegen den frisch gebackenen Weltmeister Deutschland oder ein 0:1 gegen die Niederlande 2007. Am 13. Oktober 2007 glückte der Mannschaft beim 1:0-Sieg in Belarus nach mehr als zwölf Jahren wieder ein Sieg in einem EM-Qualifikationsspiel. Blieb Luxemburg bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006 trotz fünf erzielter Tore noch punktlos, gelang der Mannschaft am 10. September 2008 ein sensationeller 2:1-Sieg im WM-Qualifikationsspiel in Zürich gegen die hochfavorisierten Schweizer.
Seit Ende der 2000er Jahre ist sowohl auf Nationalmannschafts- als auch auf Vereinsebene ein Aufwärtstrend erkennbar. So sorgten Luxemburger Vereine in den europäischen Wettbewerben vereinzelt für Furore, und auch die Roten Löwen erwiesen sich in den Qualifikationsspielen zu Welt- und Europameisterschaften zunehmend konkurrenzfähig. In den Spielen zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien erzielten die Luxemburger durch einen Sieg und drei Unentschieden mit 6 Punkten das bis dato beste Ergebnis in einer WM-Qualifikation seit Einführung der Drei-Punkte-Regel. Dieser Erfolg wurde im Rahmen der Qualifikation für die WM 2022 mit drei Siegen und 9 Punkten übertroffen. Auch in den Qualifikationsspielen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland sorgte Luxemburg mit spektakulären Ergebnissen für Aufsehen. So erreichte die Mannschaft mit einem stark ersatzgeschwächten Kader drei Tage nach dem 1:0-Sieg im Heimspiel gegen die Auswahl von Belarus am 31. August 2017 gegen den haushohen Favoriten Frankreich in Toulouse ein 0:0. Nicht zuletzt aufgrund dieser Resultate verbesserte sich Luxemburg von Rang 136 bis auf Platz 83 der FIFA-Weltrangliste., Stand: 9. April 2019 In der Saison 2018/19 qualifizierte sich mit dem Einzug von F91 Düdelingen in die Gruppenphase der UEFA Europa League der erste luxemburgische Klub für die Gruppenspiele eines europäischen Wettbewerbs. Dieser Erfolg wurde in der folgenden Saison wiederholt.
Der Luxemburgische Fußballverband mini|hochkant|Logo der FLF
mini|links|Gebäude des Centre de Formation National in Monnerich Die Fédération Luxembourgeoise de Football (FLF) (luxemburgisch: Fédératioun vun Lëtzebuerger Foussball; deutsch: Bund des luxemburgischen Fußballs) ist der nationale Fußballverband von Luxemburg. Er wurde im November 1908 von den Vertretern von 13 bereits bestehenden Clubs gegründet. Am 13. März 1910 wurde der Verband in die FIFA aufgenommen. 1941 wurde der Luxemburger Verband zwangsaufgelöst und die Mitgliedsvereine dem Fachamt Fußball angegliedert. Schon Anfang 1945 wurde der Verband wiederhergestellt und trug noch im Jahr des Endes des Weltkrieges die erste Meisterschaft aus. Die FLF gehörte 1954 zu den 29 Gründungsmitgliedern der UEFA.
Der Verband organisiert im Wesentlichen die luxemburgische Fußballmeisterschaft, den nationalen Pokalwettbewerb sowie die luxemburgische Fußballnationalmannschaft, alle Jugendnationalmannschaften und die Nationalmannschaft der Frauen.
Ligasystem Das luxemburgische Ligasystem besteht aus fünf Spielklassen, wobei die untersten drei Ligen in zwei Gruppen ausgetragen werden. Ebene Liga 1 BGL Ligue 16 MannschaftenPlatz 1: Luxemburgischer Meister + UEFA-Champions-League-QualifikationPlatz 2–3: UEFA-Europa-Conference-League-QualifikationPlatz 14: ↓BarragePlatz 15-16: Absteiger 2 Ehrenpromotion16 MannschaftenPlatz 1–2: AufsteigerPlatz 3: ↑BarragePlatz 13–14: ↓BarragePlatz 15–16: Absteiger 3 1. Division, 1. Bezirk 14 MannschaftenPlatz 1: AufsteigerPlatz 2: ↑BarragePlatz 12: ↓BarragePlatz 13–14: Absteiger 1. Division, 2. Bezirk 14 MannschaftenPlatz 1: AufsteigerPlatz 2: ↑BarragePlatz 12: ↓BarragePlatz 13–14: Absteiger 4 2. Division, 1. Bezirk 14 MannschaftenPlatz 1–2: AufsteigerPlatz 3: ↑BarragePlatz 12: ↓BarragePlatz 13–14: Absteiger 2. Division, 2. Bezirk 14 MannschaftenPlatz 1–2: AufsteigerPlatz 3: ↑BarragePlatz 12: ↓BarragePlatz 13–14: Absteiger 5 3. Division 1. Bezirk 10 MannschaftenPlatz 1–2: AufsteigerPlatz 3: ↑Barrage 3. Division 2. Bezirk 10 MannschaftenPlatz 1–2: AufsteigerPlatz 3: ↑Barrage
BGL Ligue
mini|hochkant|links|Logo der BGL Ligue mini|Szene aus dem Spiel CS Grevenmacher gegen FC Differdingen 03 am 17. August 2014 Die BGL Ligue ist die höchste Spielklasse im luxemburgischen Fußball. Sie besteht aus derzeit vierzehn Mannschaften. Bis 2006 trug die erste Liga den Namen Nationaldivision. Sie wird gegenwärtig von der BGL BNP Paribas gesponsert, weshalb sie den Namen „BGL Ligue“ trägt.
Sie wurde im Laufe ihrer Geschichte unter den folgenden Bezeichnungen durchgeführt:
1909–1912: Klasse A 1913–1932: 1. Division 1932–1957: Ehrendivision 1957–2007: Nationaldivision seit 2007: BGL Ligue