mini|Arnold Ernst Fanck mit Filmregisseur und Produzent Fritz Aly am Berninapass, um 1958 Arnold Ernst Fanck (* 10. Oktober 1919 in Berlin; † 24. März 1994 in Lauf an der Pegnitz),Fanck, Arnold Ernst. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deArnold Ernst Fanck, auf: filmportal.deSchriftliche Auskunft aus dem Privatarchiv von Arnold Ernst Fancks Sohn Matthias Fanck, E-Mail vom 25. April 2019. auch Arnold Fanck junior, war ein deutscher Filmdarsteller (Kinderdarsteller), Kameramann und Fotograf.

Familie mini|Arnold junior am Welte-Mignon-Flügel sitzend, beobachtet von seinem berühmten Vater Arnold Fanck, Villa Am Sandwerder 39, Berlin-Nikolassee, 1934 Arnold Ernst Fanck war der älteste Sohn des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilm-Pioniers Arnold Fanck. Er wurde in der vorehelichen Beziehung seines Vaters mit der Hausangestellten seiner Mutter Karolina Ida Fanck, Sophie Meder (später verheiratet mit Giuseppe Marinucci), geboren.Arnold Ernst Fancks leibliche Mutter Sophie Meder, verh. Marinucci, wurde im Meldekarten-Eintrag für Arnold Ernst Fanck beim Einwohnermeldeamt Freiburg im Breisgau vom 24. April 1954 vermerkt. Zitiert nach: Stadtarchiv Freiburg im Breisgau, Anita Hafner, 13. Juli 2020Renate Liessem-Breinlinger: Arnold Fanck. In: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 2. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 978-3-17-014117-9, S. 121–123. Sein Vater heiratete am 20. Mai 1920 erstmals (in Zürich). Dessen erste Ehefrau, die Chemikerin Natalia „Natuschka“ Anna (* 9. Juli 1887 in Nałęczów bei Lublin, Polen, † 1. Juli 1928), geborene Zaremba,Faksimile des Eheregistereintrags der Eheschließung Fanck-Zaremba vom 20. Mai 1920 in Zürich, Signatur: VIII.B.a.1.:2.168. Eheregister A, Band II, Nr. 954, Zürich 1920, S. 491, übermittelt durch das Stadtarchiv Zürich, Herrn Dr. Nicola Behrens, 10. Juli 2020 eine frühere Kommilitonin, war daher nicht die Mutter von Arnold junior. Sein leiblicher Vater soll ihn aus diesem Grund adoptiert haben. Aus der zweiten, 1934 geschlossenen Ehe seines Vaters mit Elisabeth „Lisa“ (* 1908), geborene Kind, hatte Arnold jun. einen deutlich jüngeren Halbbruder, Hans-Joachim (1935–2015).

Arnold Ernst Fanck heiratete am 15. August 1951 in Berlin-Wedding Gerda Martha Horvath (* 16. Mai 1923 in Berlin; † 5. Oktober 2014 in Lauf an der Pegnitz, Mittelfranken), geborene Bastian. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Matthias (* 1951) und Katharina (* 1954). Sein Sohn, ein Grafik-Designer, ist ebenfalls als Fotograf und Filmschaffender sowie als Autor tätig.Matthias Fanck, auf: imdb.comMatthias Fanck: Arnold Fanck. Weiße Hölle – Weißer Rausch. Bergfilme und Bergbilder 1909–1939, AS-Verlag und Buchkonzept AG, Zürich 2009, ISBN 978-3-909111-66-4; Buchbesprechung. In: CineGraph Babelsberg, Berlin-Brandenburgisches Centrum für Filmforschung e. V., auf: filmblatt.de

Schule mini|Die drei eng befreundeten Schüler Arnold Fanck junior, Werner Mehr und Max Kahn (3., 4. und 6. von links) in grauen Knickerbockers auf dem verschneiten Areal der Schulgemeinde in Wickersdorf bei Saalfeld im Thüringer Wald, um Ostern 1934 Nach dem Besuch einer Berliner Volksschule besuchte Arnold junior von 1930 bis 1938 die Freie Schulgemeinde in Wickersdorf bei Saalfeld,Schülerverzeichnis der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. In: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein bei Witzenhausen in Hessen. ein musisch orientiertes reformpädagogisches Landerziehungsheim im Thüringer Wald. Dort befreundete er sich in der Folge sehr eng mit dem gleichaltrigen, in Magdeburg geborenen Arztsohn Max Kahn (1919–1982),Max Joseph Julius Kahn (* 21. Juli 1919 in Magdeburg; † 2. November 1982 in Berlin) war der Sohn des in Magdeburgs Eichendorffstraße 10 ansässigen (jüdischen) Arztes Dr. med. Julius Kahn (* 1. Dezember 1885 in Altenbamberg, Rheinland-Pfalz; † 1. April 1939 in Magdeburg) und dessen Ehefrau Helene Marie Luise (* 19. März 1895 in Schönebeck, Sachsen-Anhalt; † 3. März 1948 in Magdeburg), geborene Gans. Zitat nach: Deutsche Minderheiten-Volkszählung, 17. Mai 1939. Diese Volkszählung erfasste auf einer in verschlossenem Umschlag abzugebenden „Ergänzungskarte“ personenbezogene Daten zur „blutmäßigen Abstammung“ und somit auch Personen, die der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz folgend als „jüdisch“ (konträr zu „deutschblütig“) klassifiziert wurden, als „Geltungsjude“. – Nach dem Besuch der Volksschule und ab Ostern 1929 der Sexta des Realgymnasiums in Magdeburg wechselte Max 1930 zur Freien Schulgemeinde nach Wickersdorf. Er wollte die Reifeprüfung ablegen und wie sein Vater Mediziner werden. Der während der NS-Zeit als so genannter „Mischling 1. Grades“ („Halbjude“) klassifizierte blonde und blauäugige Max Kahn erlitt am 17. Februar 1934 in Wickersdorf durch seinen Mitschüler Walter Helmuth Külz (* 15. Juli 1918 in München; † 1986 in San Francisco) einen Steckschuss in den Hals, ein Querschläger, der vom Kugelfang einer Zielscheibe abprallte. Zitiert nach: Chronik der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, Eintrag vom 17. Februar 1934 (gem. Prof. Dr. Peter Dudek, 10. April 2020). – Walter Külz entschied sich Arzt zu werden und emigrierte 1953 in die Vereinigten Staaten. Zitiert nach: Journal of the American Medical Association (JAMA), Vol. 259, No. 22, Obituary Listing, 10. Juni 1988, S. 3341–3346; Zitiert nach: Petition for Naturalization No. 144928, District Court of the United States of San Francisco, California; Ankunft am 29. Juni 1953 per S.S. Maasdam (Holland-Amerika Lijn) in New York City, Alien Registration No. A8 505 589. – Max Kahn erhielt nach seinem Ende September 1934 erfolgten Abgang von der Schulgemeinde Wickersdorf eine Ausbildung als Autoschlosser bei der Magdeburger Firma Carl Camin in der Landwehrstraße 6. Diese brach er ab, weil er aufgrund des Bekanntheitsgrades seines Vaters als örtlich praktizierender jüdischer Arzt antisemitischer Diskriminierung seitens Arbeitskollegen ausgesetzt war. Er zog deshalb nach Berlin, wo ihn niemand kannte, und beendete dort seine Ausbildung bei der Firma E. Schuster in Berlin SW 29 (Kreuzberg) in der Blücherstraße 29. Im Kontext der „Reichskristallnacht“ wurde sein Vater am 10. November 1938 festgenommen. Zitiert nach: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Rep. C 29 Anhang III, Nr. 9. – Wenige Monate später verstarb er im Alter von nur 53 Jahren; als Ursache sind brutale Verhörmethoden (Gewehrkolben; innere Blutungen) familiär überliefert, die jedoch in der amtlich dokumentierten Todesursache nicht erwähnt wurden. Zitiert nach: Sterbebuch des Standesamts Magdeburg, Nr. 748/1939, 3. April 1939. – In den Jahren 1940/41 diente Max als Kraftfahrer der Gebirgsjäger in der Wehrmacht und war im Kontext des Unternehmens Weserübung für den Nachschub der Truppe auf der Route zwischen Oslo und Kirkenes eingesetzt. 1941 wurde er aufgrund seiner Klassifizierung als „Mischling 1. Grades“ bzw. „Halbjude“ aus der Wehrmacht entlassen. In Magdeburg lernte er eine jüdische Frau kennen, mit der er einen Sohn bekam. Durch die Geburt des Kindes wurde die Beziehung amtlich bekannt. Am 23. Februar 1944 wurde er deshalb 24-jährig wegen „Verk[ehr]. m[it]. Jüdin“ („Rassenschande“) festgenommen und durch die Staatspolizeileitstelle (StaPo LSt) in Magdeburg zunächst in das Gestapo-Auffanglager Magdeburg-Rothensee und am 27. Mai 1944 als politischer Gefangener (Häftlingsnummer 9754) in das „Schutzhaftlager“ des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar deportiert. Zitiert gem. „Häftlings-Personal-Karte“ des KL Buchenwald vom 27. Mai 1944. – Von dort aus wurde er aufgrund seiner Berufsausbildung in der Schlosserei der Deutschen Ausrüstungswerke (DAW), eines Rüstungsunternehmens der SS, beschäftigt. Frau und Kind sollen in einem Vernichtungslager ermordet worden sein. Nach rund einem Jahr wurde Max durch die anrückende US-Armee aus Buchenwald befreit und am 7. Mai 1945 formell aus der Lagerhaft entlassen. Zitiert gem. Verfügungsbefehl für einen Gefangenen (Order for disposal of inmates) des Military Government of Germany vom 7. Mai 1945. – Als Bürgen gab er zu diesem Anlass neben seiner Mutter den in Magdeburg niedergelassenen Arzt und früheren SPD-Stadtrat Dr. med. Ernst Thesing und den Chirurgen Dr. med. Georg Friedrich Hestermann (* 22. Juni 1892 in Wilhelmshaven) an. Zitiert gem. Fragebogen für Insassen der Konzentrationslager (Concentration Camp Inmates Questionnaire) des Military Government of Germany vom 28. April 1945. – Max heiratete am 9. Juli 1945 die Kinderpflegerin Ruth Weineck (1927–2009). Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor, zwei Töchter (* 1947; * 1953) und ein Sohn (* 1952). Max Kahn war in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre in seiner Geburtsstadt als Polizeiwachtmeister tätig. Im Jahr 1948 starb seine Mutter im Alter von 52 Jahren. Zitiert nach: Sterbebuch des Standesamts Magdeburg, Nr. 400/1948, 6. März 1948. – Kurz vor der Staatsgründung der DDR flüchtete das Paar mit seiner kleinen Tochter am 16. Juli 1949 nach West-Berlin. Zitiert nach: Personalausweis des Max Kahn, ausgestellt am 10. November 1953 in West-Berlin. – Dort konnte Max Kahn an seinen erlernten Beruf anknüpfen; später war er bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) beschäftigt. Um 1951 plante die kleine Familie eine Emigration als Flüchtlinge nach Kanada, die jedoch nicht realisiert wurde. Zitiert nach: Ausweis für den unter das Mandat der Internationalen Flüchtlings-Organisation gestellten Max Kahn – D.R.A. (Discretionary Resettlement Assistance), vom 12. September 1951. – Er verstarb im Alter von 63 Jahren nach langer Krankheit. Zitiert nach: Standesamt Charlottenburg von Berlin, Sterberegister 1982, P Rep. 559 Nr. 839, 2971, Bl. 82. von Arnold junior „Maxe“ genannt, der dieses Internat von 1930 bis 1934 besuchte. Später schloss Arnold junior auch mit dem ein Jahr jüngeren Berliner Direktorensohn Werner Mehr (* 1920), der in Wickersdorf von 1934 bis 1938 zur Schule ging, eine enge Freundschaft. Werner Mehr und Arnold junior legten in der Schulgemeinde im selben Jahr ihre Reifeprüfung ab. Arnold junior traf mit seinen beiden Freunden (mindestens/spätestens) in den 1970er Jahren in Wickersdorf wieder zusammen.