mini|St. Antonius in Kochchikade, Colombo; hier fand der erste Anschlag statt mini|Foyer des Cinnamon Grand (2011)

Bei einer Serie von Bombenanschlägen in Sri Lanka am Ostersonntag 2019 (21. April 2019) kamen mindestens 253 Menschen ums Leben und 485 weitere Personen wurden verletzt. Zeitnah wurden drei Kirchen und drei Hotels durch Selbstmordattentäter angegriffen. Nachmittags detonierte ein Sprengsatz in einem in der Nähe des Zoo Colombo gelegen kleinen Hotel. Zu einer weiteren Explosion kam es in einem Privathaus im Zusammenhang mit einem Zugriff der Sicherheitskräfte. Die meisten Anschlagsorte befanden sich in oder nahe der de facto-Hauptstadt Colombo. Die Behörden machen eine örtliche, radikal islamistische Gruppierung und heimische Dschihadisten, die Kontakte und Verbindungen zum internationalen Terrorismus hätten, für den Terroranschlag verantwortlich. Der islamische Staat reklamierte den Anschlag für sich.

Verlauf Selbstmordanschläge Die Anschlagsserie war offenbar so geplant, dass möglichst hohe Opferzahlen entstehen sollten. So wurden die Kirchen während der Ostergottesdienste angegriffen, die Hotelrestaurants während des Frühstücks. Die ersten sechs Explosionen wurden durch Selbstmordattentäter ausgeführt. Sie ereigneten sich im Zeitraum zwischen 08:30 Uhr und 9 Uhr Ortszeit (5 Uhr und 05:30 Uhr MESZ) in drei Kirchen:

In der historischen römisch-katholischen Kirche St. Anthony’s Shrine im Stadtteil Kochchikade in Colombo waren eintausend Gläubige zur Ostermesse versammelt, als sich die Detonation ereignete. Von den drei zelebrierenden Priestern wurden zwei schwer verletzt. Es gab viele Todesopfer, darunter mindestens neun Ausländer. Die römisch-katholische St. Sebastian’s Church in Negombo wurde schwer beschädigt. Das Dach der Kirche wurde durch die Druckwelle größtenteils abgerissen. Mindestens 67 Menschen sollen hier getötet worden sein. Viele Familien waren zum Gottesdienst in die Kirche gekommen, da eine Kindermesse stattfinden sollte. In der Zion Church, einer evangelikalen Freikirche in Batticaloa an der Ostküste der Insel, wurden mindestens 27 Gläubige getötet. Eine viel größere Opferzahl wurde durch den Sri-Lanker Ramesh Raju verhindert. Dieser hielt den Attentäter auf und wies ihn darauf hin, dass er vor dem Betreten der Kirche zuerst seinen großen Rucksack abzulegen hätte. Wenig später detonierte die darin verstaute Bombe, wobei auch Raju getötet wurde.

Bomben detonierten auch in Luxushotels in Colombo. Zwei Selbstmordattentäter verübten einen Anschlag auf das Shangri-La, im Cinnamon Grand und im Kingsbury war es je ein Attentäter.

Shangri-La: Das Hotel wurde von zwei Selbstmordattentätern angegriffen, die ihre Bomben im Abstand von zehn Sekunden zur Detonation brachten.abc.net.au Die Explosionen erschütterten das Table One Cafe. Unter den Opfern waren fünf Funktionäre der indischen Partei Janata Dal Secular. Hier starb auch die prominente sri-lankische TV-Köchin Shantha Mayadunne zusammen mit ihrer Tochter. Die drei dänischen Opfer kamen hier um. Das Hotel gab bekannt, dass unter den Toten drei Mitarbeiter des Shangri-La seien. Cinnamon Grand: Hier wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter ausgeübt, der sich in eine Warteschlange am Frühstücksbuffet eingereiht hatte. Vier Kellner, die das Buffet vorbereiteten, starben im hoteleigenen Taprobane Restaurant. The Kingsbury

Weitere Detonationen In einem Hotel in Dehiwala-Mount Lavinia wurden mindestens zwei Menschen getötet. Wie später veröffentlichte Überwachungsvideos zeigen, war das ursprüngliche Anschlagziel das Hotel Taj Samudra, dort versuchte der Attentäter morgens im Frühstücksraum eine Sprengung herbeizuführen. Dies misslang. Der Attentäter checkte darauf in einem einfachen Hotel, dem Tropical Inn ein und dort kam es später zu einer Explosion, bei der auch der Attentäter starb.

Sicherheitskräfte riegelten drei Stunden nach den Anschlägen ein Haus in Mahawila Gardens, Dematagoda, ab und nahmen dort sieben Personen fest, von denen drei medizinisch versorgt werden mussten. Bei diesem Zugriff ereignete sich auch die Detonation. Drei Polizeibeamte wurden von einer einstürzenden Wand erschlagen. Auch ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter starb bei dieser achten Explosion.

Sri-lankische Spezialeinheiten (SRF) stürmten ein Haus in Orugodawatta, Colombo. Am späten Sonntagabend gab die Luftwaffe bekannt, dass eine Rohrbombe am Bandaranaike International Airport entdeckt und entschärft worden sei.

Am Montag stellte die Polizei 87 Zünder für Bomben an der Bastian Mawatha Private Bus Station in Pettah sicher. Dabei handelt es sich um ein privates Busterminal des zentralen Busbahnhofs von Colombo.

Am Montag gab es eine weitere Explosion auf einer Straße nahe der St.-Antonius-Kirche, die bei der Anschlagsserie zerstört worden war: Nachdem ein Sprengsatz in einem geparkten Lieferwagen entdeckt worden war, sprengten Bombenentschärfer das Fahrzeug. Unter Passanten brach Panik aus. Eine Person wurde festgenommen und musste dabei vor der aufgebrachten Menge geschützt werden.

Opfer

Nach ersten Einschätzungen kamen mindestens 310 Menschen ums Leben, die Zahl der Verletzten wurde mit etwa 500 angegeben. Später wurden diese Zahlen nach unten korrigiert. Allerdings gab es noch Jahre später Kontroversen um die ganz exakte Zahl der Opfer.

Die meisten Opfer waren Bürger Sri Lankas. Unter den Toten sind auch acht Briten, zwei davon mit zusätzlicher US-Staatsangehörigkeit. Weitere Opfer stammten aus Dänemark, den Niederlanden, Schweiz, China, Portugal und der Türkei, wie die jeweiligen Außenministerien bestätigten. Bei den dänischen Opfern handelte es sich um drei Kinder des Unternehmers und Multimilliardärs Anders Holch Povlsen. Ein Todesopfer hatte neben der US-amerikanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Über 400 Verletzte wurden am 24. April noch in Krankenhäusern behandelt, manche davon befanden sich in kritischem Zustand.359 Tote Sri-Lanka-Anschläge: Zahl der Opfer steigt weiter an berliner-kurier.de, 24. April 2019, abgerufen am 24. April 2019.

Anschlagsorte

Es gibt keine ganz sicheren Angaben über die Zahl der Toten und Verletzten an den verschiedenen Anschlagsorten. Im Gerichtsverfahren gegen die Drahtzieher des Anschlags wurden die Zahlen von 279 Getöteten und 574 Verwundeten genannt. +Zeitlicher Ablauf der Anschläge mit Zahl der Opfer Zeitpunkt(UTC+5:30) Ort des Anschlags Todesopfer Verletzte 8:25 Kirche St. Sebastian, Katuwapitiya (nahe Negombo) (röm.-kath.) 114 bis 124 8:45 Kirche St. Anthony’s Shrine, Kochchikade, Colombo (röm.-kath.) 54 bis 69 mindestens 160 9:05 Zion Evangelical Church, Batticaloa (ev.-freikirchlich) 31 bis 38 mindestens 300 9.15 bis 9.20 Shangri-La Hotel, Colombo / St. Antoniu 33 bis 57 9.15 bis 9.20 Grand Cinnamon Grand Hotel, Colombo 14 bis 22 9.15 bis 9.20 The Kingsbury Hotel, Colombo 9 bis 13 14:00 Hotel New Tropical Inn, Dehiwala-Mount Lavinia 2 bis 3 14:15 Mahawila Gardens, Dematagoda 7 Gesamt268 bis 315

Nationalitäten Da die genaue Zahl der Getöteten je nach Quelle variiert, variieren auch die Angaben zur Staatsangehörigkeit der Getöteten. + Todesopfer nach Nationalität Nationalität Todesopfer ? 8 8 3 2 2 2 ? 1 1 1 ? ? 2 Unbekannt 18+ Insgesamt 253

Ermittlungen Reaktionen der Behörden

Mit sofortiger Wirkung traten Notstandsbestimmungen in Kraft, die den Sicherheitsbehörden mehr Befugnisse einräumten. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre (zunächst von 18 Uhr bis 6 Uhr Ortszeit, 14:30 Uhr bis 02:30 Uhr MESZ). Der Dienstag nach den Anschlägen wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Außerdem wurden soziale Medien, darunter Facebook und Instagram blockiert, um die Ausbreitung von Falschinformationen zu verhindern. Der zunächst auf zwei Monate befristete Ausnahmezustand wurde am 21. Juni 2019 überraschend und entgegen ersten Ankündigungen um einen Monat verlängert. Präsident Sirisena begründete dies mit dem weiterhin herrschenden „öffentlichen Notstand“.Ausnahmezustand in Sri Lanka verlängert, Zeit Online, 22. Juni 2019.

Nach Polizeiangaben wurden 24 Personen festgenommen. Alle seien Bürger Sri Lankas. Man habe einen Lieferwagen sichergestellt und den Fahrer verhaftet. Mit diesem Fahrzeug, so wird angenommen, waren die Verdächtigen nach Colombo transportiert worden. Die Verhafteten seien religiöse Extremisten; weitere Einzelheiten wurden vorerst nicht genannt. Zu der Anschlagsserie bekannte sich zunächst niemand.

Informationsstand der Behörden

Am Tag nach dem Anschlag wurde bestätigt, dass den Behörden zwar bereits am 9. April eine Terrorwarnung vorlag, die Regierung Sri Lankas aber nicht informiert worden sei. Ein Geheimdienstdossier, das vor einem bevorstehenden Anschlag warnte, zirkulierte zehn Tage vor dem Anschlag. Polizeichef Jayasundara warnte darin vor Plänen der kaum bekannten radikalislamischen Gruppe National Thowheeth Jama’ath, Selbstmordanschläge auf Kirchen und auf das Indische Hochkommissariat in Colombo zu verüben. Er berief sich dabei auf ausländische (wohl indische oder US-amerikanische) Geheimdienstinformationen. Das Dokument mit dem Titel Information of an alleged plan attack war datiert auf den 11. April 2019 und unterzeichnet vom stellvertretenden Generalinspekteur der Polizei, Priyalal Dissanayake. Es enthielt die Namen zahlreicher Verdächtiger. Diese hätten nach dem Terroranschlag auf Moscheen in Christchurch (März 2019) gegen andere Religionen gehetzt. Jedoch wird bezweifelt, dass NTJ die Fähigkeit zu einer koordinierten Anschlagsserie hatte. Unter den Staaten Südostasiens sind für Pakistan, Malaysia und den Philippinen transnational aktive Dschihadisten bekannt. Außerdem ist unklar, ob die in der Warnung mitgeteilten Details zum Ablauf der Anschlagsserie vom Ostersonntag passen. Präsident Sirisena war nach eigenen Angaben nicht über die Warnungen vor geplanten Anschlägen informiert worden. In den Medien wurde darüber spekuliert, dass die Pannen teilweise auf die angespannte Lage innerhalb der Regierung Sri Lankas zurückzuführen sei. Premierminister Ranil Wickremesinghe war 2018 zwischenzeitlich von Sirisena entlassen worden, hielt sich aber im Amt.Bernd Musch-Borowska: Hätten die Anschläge verhindert werden können?, Deutschlandfunk, 23. April 2019.

Geheimdienst Im Februar 2026 wurde der ehemalige Geheimdienstchef Suresh Sallay festgenommen. Er soll den Anschlag im Auftrag des damaligen Verteidigungsministers und späterer Präsident Gotabaya Rajapaksa organisiert haben. Im Juni 2026 trat er aus Protest gegen seine Inhaftierung in einen Hungerstreik. Im Juni 2026 ordnete ein Gericht an, dass Rajapaksa bis zum Abschluss der Ermittlungen nicht das Land verlassen dürfe. Die Vorwürfe lauten, dass die beiden mit den Anschlägen eine Krise provozieren wollten (Strategie der Spannung) um sich im Anschluss als Garanten von Sicherheit und Ordnung zu präsentieren.NZZ: Sri Lanka verurteilt die Hintermänner der Osteranschläge zu langen Haftstrafen, doch zentrale Fragen bleiben offen

Täter

Laut Angaben der Regierung gehörten die Selbstmordattentäter der gehobenen Mittelschicht an. Sie waren Teil der lokalen radikalislamischen Organisation National Thowheeth Jama’ath, welche enge Kontakte zum Islamischen Staat halten soll.

National Thowheeth Jama’ath

Nach Informationen der New York Times konzentrierten sich die Ermittlungen auf die wenig bekannte islamistische Gruppe National Thowheeth Jama’ath. Anne Speckhard, die eine Professur für Psychiatrie an der Georgetown University hat und das International Center for the Study of Violent Extremism leitet, erklärte, es sei das Ziel von National Thowheeth Jama’ath, den weltweiten Dschihadismus nach Sri Lanka zu tragen.

Es gibt in Sri Lanka zwei islamistische Gruppen mit identem Namenskern, der übersetzt werden kann als „Bewegung für die Einheit Gottes“, eine im islamistischen Milieu beliebte Selbstbezeichnung: