Speichersdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Bayreuth (Regierungsbezirk Oberfranken).

Geografie Geografische Lage Speichersdorf liegt am Fuße des Fichtelgebirges an der Bundesstraße 22 zwischen den Städten Bayreuth (18 km) und Weiden in der Oberpfalz (40 km). Es ist umgeben vom Steinwald im Osten sowie vom Rauhen Kulm im Südosten.

Gemeindegliederung

Es gibt 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

mini|Ramlesreuth, Luftaufnahme (2016) Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Guttenthau, Haidenaab, Kirchenlaibach, Kodlitz, Nairitz, Plössen, Prebitz (nur Gemarkungsteil 1), Ramlesreuth, Roslas, Seybothenreuth (Gemarkungsteil 1), Seybothenreuther Forst (Gemarkungsteil 1), Speichersdorf, Windischenlaibach, Wirbenz und Zeulenreuth. Die Gemarkung Speichersdorf hat eine Fläche von 5,722 km². Sie ist in 1517 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3772,10 m² haben.

Nachbargemeinden Im Norden: Gemeinde Kirchenpingarten, Landkreis Bayreuth Im Osten: Gemeinde Immenreuth, Stadt Kemnath, beide Landkreis Tirschenreuth Im Süden: Stadt Neustadt am Kulm, Landkreis Neustadt an der Waldnaab; Gemeinde Prebitz, Landkreis Bayreuth Im Westen: Stadt Creußen, Gemeinde Seybothenreuth und Gemeinde Emtmannsberg, alle Landkreis Bayreuth

Geschichte mini|Schloss Guttenthau Ortsname Der Ort wurde erstmals am 15. Mai 1195 in einem Schutzbrief des Papstes Coelestin III. für das Kloster Weißenohe als „Spieresdorf“ genannt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist wohl .W. A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 211.

Ortsgeschichte Die Geschichte des Ortes war zunächst mit dem Hochstift Bamberg und später mit dem Grafengeschlecht von Leuchtenberg verbunden. Am 10. April 1281 verpfändete Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg die Burg Kulm an den Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern.Die Geschichte der Gemeinde Speichersdorf. Das Gemeindegebiet gehörte fast vollständig zum Oberamt Neustadt am Kulm des hohenzollerischen Markgraftums Brandenburg-Bayreuth, das 1792 von Preußen erworben wurde. Die Herren von Lindenfels waren als Hofmarksherren Inhaber der Niedergerichtsbarkeit. Von 1791/92 bis 1803 unterstand Speichersdorf dem preußischen Justiz- und Kammeramt Neustadt am Kulm. Am 30. Juni 1803 wurde der Ort an Pfalzbayern abgetreten.R. Winkler: Bayreuth, S. 415.

Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Speichersdorf gebildet. Zu diesem gehörten Kirchenlaibach und Zeulenreuth.H. Sturm: Kemnath, S. 321. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Speichersdorf ohne weitere Orte.H. Sturm: Kemnath, S. 343. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kemnath und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kemnath (1919 in Finanzamt Kemnath umbenannt). Ab 1862 gehörte Speichersdorf zum Bezirksamt Kemnath (1939 in Landkreis Kemnath umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kemnath (1879 in Amtsgericht Kemnath umgewandelt).

Der Aufschwung des Eisenbahnerdorfs Speichersdorf begann 1862 mit dem Bau des Bahnhofs Kirchenlaibach an der Bahnstrecke Weiden–Bayreuth der Bayerischen Ostbahn. Durch den Bau der Fichtelgebirgsbahn von Schnabelwaid nach OberkotzauRobert Zintl: Bayreuth und die Eisenbahn, S. 56. entstand 1878 ein Kreuzungsbahnhof zweier Hauptstrecken. Ein Jahrhundert lang war die Eisenbahn ein entscheidender Faktor im Leben der Gemeinde Speichersdorf. Durch die einschneidenden Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bahn hat der Bahnhof viel von seiner ehemaligen Bedeutung verloren.

1935–1937 wurde im Südosten ein Militärflugplatz erbaut, der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Ausbildungsflughafen war.

1946 wurde Zeulenreuth nach Speichersdorf eingemeindet. Die Gemeinde hatte nun eine Gebietsfläche von 6,596 km².

1949 errichtete die aus Eger stammende Firma Richter Messwerkzeuge ihren Firmensitz in Speichersdorf,Richter Messwerkzeuge - Unternehmensgeschichte. 1960 nahm ein Zweigwerk der Rosenthal GmbH (Porzellanhersteller) den Betrieb auf. Da der Inhaber Philip Rosenthal auch eine Flugverbindung wollte, wurde das Werk auf dem Gelände des alten Militärflughafens errichtet und dieser wieder zum Leben erweckt. 1990 wurde im alten Flugzeughangar das Zentrallager des Unternehmens eröffnet. Heute befindet sich dort unter anderem eine Flugschule.Chronik des Flugplatzes Rosenthal Airfield Plössen.

1954 begann der Bau der Volksschule, die ab 1956 als Gemeinschaftsschule geführt wurde. Nach mehreren Erweiterungen ist sie heute eine Grund- und Hauptschule.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde der Landkreis Kemnath am 1. Juli 1972 aufgelöst; in den Jahren 1972 bis 1978 schlossen sich diese ehemals selbstständigen Gemeinden zur heutigen Großgemeinde Speichersdorf zusammen und wechselten dabei zum Teil den Landkreis (von Kemnath nach Bayreuth) und den Regierungsbezirk (von der Oberpfalz nach Oberfranken).Als aus Oberpfälzern Franken wurden In: Nordbayerischer Kurier vom 27. Dezember 2021, S. 15.

Seitdem, jedoch insbesondere seit Beginn des Baubooms in den 1990er Jahren, wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde Speichersdorf stetig an und sie ist mittlerweile die drittgrößte Kommune im Landkreis Bayreuth.

Eingemeindungen Im Jahr 1946 wurde die Gemeinde Zeulenreuth eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Guttenthau, Haidenaab (mit der 1946 eingegliederten Gemeinde Göppmannsbühl am Berg), Plössen, Ramlesreuth und Wirbenz hinzu. Am 1. Juli 1972 folgten Kirchenlaibach und Windischenlaibach (mit der am 1. April 1971 eingegliederten Gemeinde Nairitz) und Roslas von der aufgelösten Gemeinde Mockersdorf. Am 1. Mai 1978 kamen Brüderes, Buschmühle und Weißenreuth von der Nachbargemeinde Seybothenreuth und Frankenberg aus der Gemeinde Prebitz hinzu.

Demographie Einwohnerentwicklung Gemeinde Speichersdorf Jahr 1824 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2015 2022Einwohner 243 269 270 262 270 259 302 402 416 414 382 498 445 539 559 563 585 593 1390 1427 1391 2649 4831 6151 5809 5886HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1824 und von 1871 bis 2022 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 37 41 54 50 38 66 120 182 1089 1534 1608Quelle

Ort Speichersdorf Jahr 1819 1824 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 140 243 262 250 249 238 222 1153 446 1667 1879Häuser 37 40 35 35 82 61 360Quelle Dort als Speikersdorf aufgelistet.

Konfessionen 2014 lebten 2634 Protestanten und 2512 Katholiken. Durch die Umkehr des Verhältnisses der Konfessionen seit der vorherigen Volkszählung entfällt in der Gemeinde seit diesem Jahr der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt.Anna Fischhaber: „Das ist nicht in Ordnung“. Süddeutsche Zeitung, 14. August 2013, abgerufen am 20. November 2017.

Politik Bürgermeister 1969–1978 Werner Porsch (FDP, † 2004) 1978–1995 Franz Scherm (CSU, † 1995) 1996–2020 Manfred Porsch (UBV) seit 2020: Christian Porsch (UBV)

Gemeinderat Die Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

2002 2008 2014 2020 2026 CSU 7 7 7 6 6 SPD 4 3 4 4 4 Unabhängige Bürgervertretung 6 7 5 6 6 Freie Wählergemeinschaft 3 3 4 4 4 Gesamt 20 20 20 20 20

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-weiß gestreift mit aufgelegtem Wappen.

Partnergemeinden Seit dem 1. August 1997 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Kreuttal in Niederösterreich. Ihr war eine langjährige Freundschaft zwischen den Reservistenkameradschaften aus Unterolberndorf, Gemeinde Kreuttal, und Speichersdorf vorausgegangen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler Schloss Göppmannsbühl Tauritzmühle (um 1900 erbaute Mühle, 1970 fast vollständig abgebrannt; sie wurde 1982–1984 als Wanderschutzhütte des Fichtelgebirgsvereins Ortsgruppe Speichersdorf wieder aufgebaut und ist seit 2004 verpachtet) Steinkreuz in der Plössener Heide nördlich von Kirchenlaibach und Zeulenreuth, am höchsten Punkt der Plössener Heide (Blöße Heide), an der ehemaligen Pfälzer Handelsstraße. Die Abbildung des Schwertes mit dem Griff nach unten zeigt die Hochgerichtsbarkeit an; dort stießen die alten Grenzen des bayerischen Nordgaus und des fränkischen Radenzgaues zusammen. Wegen der Grenzstreitigkeiten im Mittelalter wurden die Grenzen durch derartige Steinkreuze kenntlich gemacht.

Regelmäßige Veranstaltungen Speichersdorfer Kirwa der Kirwaburschen und Madla Speichersdorf e. V. jeweils am zweiten Wochenende im Oktober Maibaumaufstellen und Maifest der Kirwaburschen und Madla Speichersdorf e. V. und der Feuerwehr Speichersdorf, jeweils am 30. April und 1. Mai Jährlich im Sommer findet in Speichersdorf das Kindheitstraum-Festival statt; im Juni 2022 kamen 4500 überwiegend junge Besucher zu der zweitägigen Veranstaltung auf dem Gelände des FlugplatzesSchattenplätze waren schnell belegt in: Nordbayerischer Kurier vom 27. Juni 2022, S. 15.

Freizeit Elf Bolzplätze (drei in Speichersdorf, acht weitere in den Ortsteilen) 16 Kinderspielplätze (fünf in Speichersdorf, elf weitere in den Ortsteilen) Naturlehrpfad (etwa einen Kilometer nördlich von Speichersdorf, Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Tressauer Straße) Im Winter: gespurte Langlauf-Loipen mit dem Ausgangspunkt Parkplatz an der Tressauer Straße

Wirtschaft In Speichersdorf befindet sich der Sitz der Raiffeisenbank am Kulm.

Infrastruktur Feuerwehren In der Gemeinde bestehen elf Freiwillige Feuerwehren (FF), und zwar in Speichersdorf (Stützpunktfeuerwehr), Kirchenlaibach, Wirbenz, Frankenberg, Guttenthau/Roslas, Haidenaab/Göppmannsbühl, Nairitz/Kodlitz, Plössen, Ramlesreuth, Windischenlaibach und Zeulenreuth. Sie sorgen für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Die FF Speichersdorf verfügt als Stützpunktfeuerwehr über Ausrüstungen für Technische Hilfeleistung, Atemschutz, Chemikalien- und Strahlenschutz sowie über mehrere wasserführende Löschfahrzeuge.

Die FF Kirchenlaibach unterstützt mit ihrer Ausrüstung in Technischer Hilfeleistung und Atemschutz die FF Speichersdorf bei größeren Einsätzen. Die restlichen Feuerwehren der Gemeinde verfügen über jeweils einen Tragkraftspritzenanhänger (Ausnahme FF Wirbenz und FF Windischenlaibach: je ein Tragkraftspritzenfahrzeug) und sind nicht in der Lage, Einsätze selbstständig durchzuführen. Daher wird bei jedem Einsatz in der Gemeinde in der Regel die FF Speichersdorf oder die FF Kirchenlaibach durch die Integrierte Leitstelle Bayreuth über Digitalfunk mitalarmiert.

Polizei Die Gemeinde gehört zum Einsatzbereich der Polizeiinspektion (PI) Bayreuth-Land. Aufgrund der relativ großen Entfernung von dieser Dienststelle (etwa 20 km) kommt im Bereich der polizeilichen Gefahrenabwehr, insbesondere bei zeitkritischen Einsätzen, der PI Kemnath, Kreis Tirschenreuth, ebenfalls Bedeutung zu.

Rettungsdienst Das Gebiet der Gemeinde gehört zum Leitstellenbereich der Integrierten Leitstelle Bayreuth, die für die Entgegennahme von Notrufen und die Alarmierung der Rettungsmittel zuständig ist. Aufgrund der größeren Entfernung nach Bayreuth kommen im Regelfall der Notarzt und der Rettungswagen aus dem etwa acht Kilometer entfernten Kemnath in Speichersdorf zum Einsatz. Bei Nichtverfügbarkeit des Kemnather Notarztes werden häufig die Rettungshubschrauber Christoph 20 aus Bayreuth oder Christoph 80 aus Weiden i.d.OPf. nach Speichersdorf beordert.

Öffentliche Einrichtungen Offener Jugendtreff Haus der Vereine (im Alten Rathaus) Seniorenwohn- und Pflegeheim Luise-Elsäßer-Haus der Diakonie Weiden/Opf. Gemeindebücherei im Neuen Rathaus Eisenbahnmuseum La Statione

Bildung Werner-Porsch-Volks- und Mittelschule (Grund- und Mittelschule) SVE Speichersdorf Volkshochschule Speichersdorf Katholischer Kindergarten Santa Maria Katholischer Kindergarten St. Franziskus Evangelischer Kindergarten Krabbelkiste Evangelischer Kindergarten am Birkenweg Staatlich anerkannte Musikschule des Fichtelgebirgsvereins

Verkehr