mini|hochkant|Jessie Chrystal Macmillan Chrystal Macmillan, auch Jessie Chrystal Macmillan, MA BSc (geboren am 13. Juni 1872 in Edinburgh; gestorben am 21. September 1937 ebenda) war eine liberale Politikerin, Rechtsanwältin, Feministin, Suffragistin und Pazifistin. Und sie war die erste weibliche Graduierte der Naturwissenschaften an der University of Edinburgh und gleichzeitig auch die erste mit „Honours“ Graduierte in Mathematik an dieser Institution. Sie war eine Aktivistin für das Frauenwahlrecht und für andere Belange der Frauen. Sie war die erste Frau, die in einem Rechtsfall vor dem House of Lords persönlich plädierte und sie war eine der Begründerinnen der Women’s International League for Peace and Freedom (deutsch: Der Internationalen Liga der Frauen für Frieden und Freiheit).

Im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs sprach Macmillan für die nach Frieden strebenden Frauen des Vereinigten Königreichs auf dem International Congress of Women, einem Friedenskongress in Den Haag. Danach traf sie sich mit politischen Weltführern wie dem Präsidenten Woodrow Wilson, deren Länder noch neutral waren, um ihnen die in Den Haag formulierten Vorschläge zu präsentieren. Wilson nutzte in der Folge einige dieser Vorschläge für seine Vierzehn Punkte, seine Rechtfertigung, einen Krieg zu beginnen, um einen dauerhaften Frieden einzuläuten. Am Ende des Kriegs nahm Macmillan als Delegierte an der Pariser Friedenskonferenz 1919 teil und half mit, den Völkerbund zu gründen. Macmillan machte einen vergeblichen Versuch, den Völkerbund zur Festlegung eines Problems in ihrem Sinne zu bringen, nämlich dass eine Frau, die eine andere Nationalität als der Ehemann hat, diese in der Ehe behalten darf.

Frühe Karriere Macmillan wurde als Jessie Chrystal Macmillan am 13. Juni 1872 dem John Macmillan, einem Teehändler, der für Melrose & Co in Leith arbeitete, und seiner Frau Jessie Chrystal Finlayson geboren. Die Familie lebte in der Duke Street 8, Edinburgh.Edinburgh and Leith Post Office Directory 1872-73 Die Duke Street wurde ab 1922 Dublin Street genannt und liegt in der Neustadt. Chrystal war neben den acht Söhnen die einzige Tochter des Paares. Nach einer frühen Erziehung in Edinburgh besuchte sie die St Leonards School and St Katharines School for Girls in St Andrews an Schottlands Ostküste. Sie kam zurück und schrieb sich im Oktober 1892 in die University of Edinburgh ein. Sie gehörte zu den ersten weiblichen Studierenden, darunter war auch Lilias Maitland, war aber nicht die erste, die einen Abschluss machte, da andere schon als fortgeschrittene Studentinnen eingetreten waren und früher ihren Master machen konnten. Macmillan studierte die "naturwissenschaftliche" Mathematik bei George Chrystal, Astronomie bei Ralph Copeland und Naturphilosophie bei Peter Guthrie Tait und Cargill Gilston Knott. Sie machte ihren „Bachelor of Science“ im April 1896, als erste Frau in Edinburgh.MacTutor History of Mathematics, Jessie Chrystal MacMillan, von J. J. O'Connor und E. F. Robertson, University of St Andrews Scotland, School of Mathematics and Statistics, Januar 2008 Abgerufen am 16. April 2019. mini|College of Art, Haupteingang Im Sommer 1896 ging sie zur Fortsetzung des Studiums nach Berlin, kam dann zurück nach Edinburgh und absolvierte eine Prüfung in Griechisch, um im Oktober 1896 in die "Fakultät der Sieben freien Künste" eintreten zu können. Sie studierte eine Anzahl von gesellschaftlichen Fächern einschließlich Politik und machte den Abschluss im April 1900. Macmillan war die erste Frau, die einen „First-class honours“-Abschluss in Edinburgh in Mathematik und Naturphilosophie machte, hinzu kam ein „Second-class honours“-Abschluss in Moralphilosophie und Logik. Während dieser Zeit war sie ein Mitglied der „Edinburgh Ladies' Debating Society“, einem Forum, das ihr half, das Selbstvertrauen zu gewinnen, um im Angesicht von Opposition argumentieren zu können. Sie schloss sich im Mai 1897 auch der „Edinburgh Mathematical Society“ an, als zweites weibliches Mitglied nach Flora Philip im Jahr 1896.

Frauenrechte Macmillan war in der „Edinburgh National Society for Women's Suffrage“ (ENSWS) aktiv. 1897 vereinigten sich in Großbritannien zwei Frauenverbände zur National Union of Women's Suffrage Societies (NUWSS), für die Macmillan zusammen mit Louisa Stevenson als Mitglieder im „Executive Committee“ (Vorstand) für Edinburgh amtierten. Sie nannte sich immer Chrystal Macmillan, sie benutzte den Vornamen Jessie nicht.

Wahl eines Unterhausmitglieds für die Universität Als Graduierte waren Macmillan und vier andere Frauen in der Universität Edinburgh vollwertige Mitglieder des „General Council“, aber es wurde ihnen verwehrt, im Februar 1906 das Unterhausmitglied mitzuwählen, das den Parlamentssitz einnehmen sollte, der der Universität zustand. Macmillan argumentierte, dass die Formulierungen der Wahlstatuten des General Councils durchwegs den Ausdruck 'Person' verwendeten und dass sie und die vier anderen Graduierten in der Tat Personen seien.Crawford, 2001, S. 363–365. Im März schrieb Macmillan an Elizabeth Clarke Wolstenholme Elmy, um diese um Hilfe zu bitten. Diese war nämlich die Verfasserin der Kampfschrift The Enfranchisement of Women. Macmillan teilte Elmy mit: "I formed my beliefs on your pamphlet."Crawford, 2001, S. 363–365. (deutsch: Ich bildete meine Vorstellungen aufgrund Deines Pamphlets.) Elmy empfahl, dass sie Charlotte Carmichael Stopes für zusätzliche nützliche Argumente kontaktieren solle. Macmillan ging mit diesem Fall 1907 vor das Gericht der Universität, verlor aber den Prozess und auch eine darauf folgende Appellation. Schottische Frauenwahlrechtsaktivistinnen schlossen sich zusammen, um die 1000 Pfund zusammenzubringen, damit dieser Fall vor das House of Lords gebracht werden konnte. Sie hofften, dass in Großbritannien das Bewusstsein über die Absurdität und die Ungerechtigkeit, dass das Wahlrecht gebildeten Frauen wie ihnen verweigert werde, sich vergrößern würde.Crawford, 2001, S. 363–365.

Prozess vor dem House of Lords mini|Sitzungssaal der Peers, House of Lords, Westminster, (um 1880) Im November 1908 erschien Macmillan in London, um als Graduierte einer Universität Argumente für ihr Recht vorzubringen, einen Sitz für die schottische Universität durch Wahl mitbestimmen zu dürfen.Siân Reynolds: Paris-Edinburgh: cultural connections in the Belle Epoque. Ashgate Publishing 2007, ISBN 978-0-7546-3464-5, S. 188. Macmillan war die erste Frau, die einen Fall vor das Gericht des House of Lords bringen konnte.Rappaport, 2001, S. 413–414. Sie wurde von ihrer Zeitgenossin Frances Simson unterstützt, die eine der ersten acht weiblichen Graduierten Edinburghs war. Als ihr spät am Tag Gehör geschenkt wurde, sprach sie eine Dreiviertelstunde lang. Presseberichte über ihren Auftritt beschrieben sie als eine "moderne Portia". In Schottland berichtete die Glasgower Zeitung The Herald, dass sie nervös begonnen habe, sich dann aber für ihren Gegenstand erwärmt und in einem bewundernswerten Vortrag ihr Plädoyer gehalten habe. Zwei Tage später fuhr sie fort, in ihrem Fall vorzutragen, dieses Mal vollständig konzentriert und in ein rotes Kleid mit einem pelzbesetzten Hut gekleidet. Wie andere Aktivistinnen des Frauenwahlrechts in Großbritannien und den Vereinigten Staaten gründete sie ihre Klage auf die Ausdrücke Person und Personen in den Wahlbestimmungen, indem sie argumentierte, dass solche unbestimmten Worte keine Grundlage für den Ausschluss des ganzen weiblichen Geschlechts von der Wahl seien.Rappaport, S. 413. Das Gericht bestätigte die Entscheidungen der beiden unteren Gerichte, dass das Wort Person die Frauen nicht einschloss, wenn es um die vom Staat gewährten Vorrechte ging. Sie verlor den Prozess, aber The New York Times berichtete, dass sie auf diese gegen sie gerichtete Entscheidung mit dem Ausspruch reagiert habe: "We'll live to fight another day." In Wellington, Neuseeland, schrieb die Zeitung Evening Post einen weniger scharfen Bericht, indem sie festhielt, dass Macmillan in der Niederlage guten Mutes gewesen sei. Nach dem Prozess habe sie zu einem Reporter von der Londoner Zeitung Daily Chronicle gesagt: "I don't suppose that there is anything more to be done just now, but we shall live to fight another day." (deutsch: Ich glaube nicht, dass im Augenblick mehr erreicht werden kann, aber wir werden zu unseren Lebzeiten noch weitere Kämpfe ausfechten.) Ganz egal wie ihre genauen Wort lauteten, ihr Auftritt im Oberhaus zog weltweite Aufmerksamkeit auf sich, die sehr wertvoll für die Sache der Frauen war.Rappaport, S. 413.

Frauenrechte auf internationaler Ebene 1911 nahm Macmillan am sechsten Kongress der International Woman Suffrage Alliance (IWSA) in Stockholm teil. Dort begann sie, in Zusammenarbeit mit Marie Stritt, der Präsidentin des Deutschen Verbands für Frauenstimmrecht, und mit Maria Vérone, der Präsidentin der „Französischen Liga für Frauenrechte“, mit einem Langzeitprojekt der Dokumentation der Wahlrechtsverhältnisse für Frauen auf der ganzen Welt. Nach zwei Jahren an Korrespondenz mit den weltweit verstreuten Frauenrechtsaktivistinnen zur Sammlung von globalen Informationen stellten die Frauen im Mai 1913 das Buch Woman Suffrage in Practice, 1913 fertig, zu dem Carrie Chapman Catt ein Vorwort schrieb. Veröffentlicht in Verbindung mit der National American Woman Suffrage Association beschrieb das Buch die zu dieser Zeit herrschenden Wahlverhältnisse in 35 Ländern und Kaiserreichen. Die Autorinnen hatten sich die Arbeit nach Ländern aufgeteilt; Macmillan war verantwortlich für die Darstellung des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten, Neuseelands, Australiens, Indiens, Chinas, Südafrikas und von fünf kleineren Ländern. Macmillan hielt fest, dass in wenigen Ländern und Kaiserreichen die Frauen speziell durch Gesetze von der Wahl ausgeschlossen wurden, sie wurden allein durch das Gewohnheitsrecht an der Wahl gehindert. Sie schrieb sowohl aus persönlicher Erfahrung wie auch aus der Beobachtung durch Aktivistinnen heraus: „As soon as they become alive to this fact, they have tested the legality of their exclusion in the law courts.“Chrystal Macmillan, Marie Stritt, Maria Verone, Carrie Chapman Catt: Woman Suffrage in Practice, 1913. 2. Auflage. International Woman Suffrage Alliance 1913, London / New York. Introduction (deutsch: Sobald sie sich dieser Tatsache bewusst geworden sind, haben sie die Gesetzmäßigkeit ihres Ausschlusses vor den Gerichten getestet.)

1913 besuchte Macmillan den siebenten IWSA-Kongress in Budapest und wurde dort die Vizepräsidentin der IWSA, eine Stellung, die sie zehn Jahre lang innehaben sollte.Rappaport, S. 413. 1914 war sie die Autorin eines 30 Seiten starken Büchleins, das den Titel Facts versus fancies on woman suffrage (deutsch: Fakten im Kontrast zu Frauenwahlrechtsträumen) trug und von der NUWSS herausgegeben wurde.

Friedensaktivismus Pazifismus gegen Patriotismus mini|hochkant|Der offene Weihnachtsbrief (Open Christmas Letter) von 1914 Als der Erste Weltkrieg begann, hielt Macmillan Ausschau nach Friedensaktivismus vonseiten der NUWSS. Stattdessen gab es eine Mehrheit bei den britischen Frauen, die den Männern beim Gewinnen des Krieges helfen wollten.Jill Liddington: The road to Greenham Common: feminism and anti-militarism in Britain since 1820. Syracuse University Press, 1991, ISBN 0-8156-2539-1, S. 96. Ihr eigener Pazifismus war überhaupt nicht passiv – bald nach Beginn der Feindseligkeiten reiste sie auf einer Barmherzigkeitstour nach Flushing in den Niederlanden. Ende Oktober 1914 brachte sie den Flüchtlingen nach dem Fall von Antwerpen Nahrungsmittel. Macmillan unterschrieb Ende 1914 den „Open Christmas Letter“, ein Zeichen der Kommunikation zwischen Frauen der kriegsbeteiligten Nationen, die nach Frieden suchten.Oldfield, 2003, S. 18.