Elfriede Luisa Karolina Rotermund (* 2. März 1884 in Schlangen am Teutoburger Wald; † 3. Januar 1966 in Flensburg; geboren als Elfriede Schönhagen) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben Elfriede Rotermund arbeitete als Lehrerin und machte sich zunächst durch volkskundliche und musikwissenschaftliche Studien und Veröffentlichungen einen Namen. Mit Eduard Kück brachte sie 1911 – noch unter ihrem Mädchennamen Schönhagen – die Sammlung Heidjers Tanzmusik. 28 Bauerntänze aus der Lüneburger Heide heraus. 1912 übersiedelte auf die Hallig Oland, wo ihr Mann Robert Friedrich Karl Rotermund (1881–1945) als Pastor wirkte. Während der sechzehn Jahre, die sie dort verbrachte, entstanden zahlreiche Novellen, in denen sie laut Ausführungen von Ulrich Schulte-Wülwer das „mutige und entsagungsvolle Leben der Halligbewohner, ihre zähe Heimatliebe, ihre tiefe Frömmigkeit, aber auch ihre Eigenbrötelei“ beschrieb. Im Jahr 1928 zogen die Eheleute mit ihren beiden Kindern Maria und Hans-Harting nach Bad Segeberg. 1933 wurde Propst Rotermund auf Veranlassung der Nationalsozialisten seines Amtes in Segeberg enthoben und nach Flensburg versetzt. 1938 wurde seine Frau Elfriede aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen mit der Begründung, sie sei nicht Schriftstellerin im Hauptberuf. Dies hatte für Elfriede Rotermund zwar kein Schreibverbot zur Folge, jedoch die Verpflichtung, für jede Veröffentlichung einen Befreiungsschein zu beantragen.Arno Bammé: Die Akte "Rotermund". Klagenfurt, 2001, S. 2. Sie gehörte wie ihr Mann der Bekennenden Kirche an und engagierte sich in der Evangelischen Frauenhilfe. Aktiven Widerstand konnte man ihr nicht nachweisen, sie wurde als politisch indifferent eingestuft, stand jedoch unter Beobachtung aufgrund ihres dem Regime wenig genehmen Ehemannes.Arno Bammé: Die Akte "Rotermund". Klagenfurt, 2001, S. 13.

Elfriede Rotermund war unkonventionell und ohne Vorurteile. Verwandt mit Beate Uhse, deren zweiter Ehemann Ernst-Walter Rotermund ihr Neffe war, ermöglichte sie es nach dem Krieg, dass die damals mittellose spätere Erotik-Unternehmerin bei ihr unterkam und vom Flensburger Pfarramt der Rotermunds aus ihre berühmte Schrift X, eine Broschüre für Empfängnisverhütung, vertreiben konnte.Arno Bammé: Vergesst die Frauen nicht!. Wachholtz, Neumünster, 2007, S. 168f.

Eine enge Freundschaft verband das Ehepaar Rotermund mit dem 1914 gestorbenen Hermann Löns und seiner zweiten Frau Lisa sowie mit dem Maler Ingwer Paulsen, der mehrere Werke Rotermunds illustrierte.

Begraben liegt Elfriede Rotermund in Flensburg.

Zitat

Aus dem Erlebnisbericht einer ihrer Schülerinnen auf Oland:

Werke (Auswahl) mit Eduard Kück: Heidjers Tanzmusik. 28 Bauerntänze aus der Lüneburger Heide (für Klavier). Deutsche Landbuchhandlung, Berlin 1911. Einsame Ufer. Hallignovellen (mit Illustrationen von Ingwer Paulsen), Ernte Verlag, Hamburg 1925, neu aufgelegt, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2002, ISBN 978-3-89876-014-0. Die große Stille. Halligskizzen, Ernte Verlag, Hamburg 1926. Godber Godbersen. Ein Halligroman (mit Illustrationen von Ingwer Paulsen), Ernte Verlag, Hamburg 1928, neu aufgelegt, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2008, ISBN 978-3-89876-382-0. Wunder der Weihnacht. Weihnachtserzählungen (1928), neu herausgegeben von Arno Bammé, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2009, ISBN 978-3-89876-458-2. Wenn die Stürme schweigen. Inselnovellen (Textillustrationen von Ingwer Paulsen, Einbandzeichnung von Willy Planck), Ernte Verlag, Potsdam 1929; neu aufgelegt, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2004, ISBN 978-3-89876-140-6.

Literatur (Auswahl) Lisa H. Löns, Arno Bammé, Karl-Heinz Beckmann, Elfriede Rotermund, Hans-Karl Schönhagen: Briefwechsel Lisa Löns und Elfriede Rotermund aus den Jahren 1922 bis 1955. Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt „Literatur und Soziologie“, Heft 27, Klagenfurt 2008. Ulrich Schulte-Wülwer: Föhr, Amrum und die Halligen in der Kunst. Boyens, Heide 2003, ISBN 3-8042-1118-6, S. 190, 231. Arno Bammé: Die Akte „Rotermund“. Ein Dossier. Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt „Literatur und Soziologie“, Heft 23, Klagenfurt 2001. Arno Bammé: Elfriede Rotermund. Die Halligdichterin, Verlag Profil, 1995, ISBN 978-3-89019-370-0. Thomas Steensen: Nordfriesland. Menschen von A-Z, S. 402, Herausgeber: Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum, Verlag: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft Husum 2020, ISBN 978-3-96717-027-6.

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