mini|Blick vom Klausenberg (Bayreuther Haus) Richtung Nordost auf Mehlmeisel (2013) Mehlmeisel ist eine Gemeinde im Landkreis Bayreuth, Regierungsbezirk Oberfranken. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geografie Geografische Lage Die Streusiedlung Mehlmeisel liegt im Naturpark Fichtelgebirge am Oberlauf der Fichtelnaab in einem Talkessel südöstlich des Ochsenkopfs.
Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Fichtelberg (Gemarkungsteil 2), Mehlmeisel und Neugrün. Die Gemarkung Mehlmeisel hat eine Fläche von 11,773 km² und ist in 1472 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen sämtliche Gemeindeteile außer Neugrün.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete sind:
Geschichte Mittelalter Der Ort wurde 1283 als „welmvzels“ erstmals urkundlich erwähnt. Dem Ortsnamen liegt der slawische Personenname Vel’emyslъ mit angehängtem deutschen Genetiv-s zugrunde.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 146. In der am Sonntag Invocavit 1283 in Regensburg ausgestellten VerkaufsurkundeBayer. HStA München Abt. I, Kurbaiern Urkunde 13492 wird die Übertragung von Leuchtenbergischen Ländereien um Waldeck an Herzog Ludwig den Strengen dokumentiert:
Übersetzung: Der Wald des Welmysl, zu welchem sechs Villen gehören. Der slawische Lokator „Welmysl“ oder „Velemysl“ ist historisch ansonsten nicht fassbar. Im Salbuch Herzog Ludwigs um das Jahr 1285Bayer. HStA München, StaatsVerw. 1069, fol. 67–69 nimmt die Gegend der sechs Villen eine Sonderstellung ein, denn sie war frei von Abgaben und besaß alte Rechte, die wohl Jahrhunderte zurück reichten:
Übersetzung: Der Wald des Welmysl zur Hälfte, zu dem sechs Villen gehören und vielerlei Rechte, sowohl hinsichtlich Bienen als auch anderer Angelegenheiten.
Die alten Rechte verweisen vermutlich auf Bergbau, Wasser- und Waldnutzung. Auch alter Kirchenzehnt scheint wahrscheinlich, da eine Pfarrei „Welmawsels“ schon 1385 belegt werden kann.Bischöfl. ZA Regensburg. BDK, VR 1385, fol. 13'-14. Siehe auch Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 5, Seite 85ff, herausgegeben von der Pfarrei Mehlmeisel 2020 Honiggewinnung durch Bienenbeuten (Zeidlerei) bleibt über Jahrhunderte bedeutsam, wie eine Urkunde des Zeidlers Künzel Mülner aus dem Jahr 1435 belegt: Sein Vater, Ott Müller selig vom Melmewssels, habe die Zeidelweide auf dem Oberen Forst 80 Jahre innegehabt.Bayer. HStA München, Oberpfalz Urkunden 2033, geschrieben am Sonntag Reminiscere 1435
Während der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode verließen die dort siedelnden Familien die klimatisch ungünstige Lage des Fichtelgebirgsortes Mehlmeisel. Bereits 1311 war von „neun Öden“ die Rede,Bayer. HStA München, Landgrafschaft Leuchtenberg Urkunde 3, geschrieben an Sant Johans Tag als er enthaubt wart 1311: „… daz Dorf ze Welmuezels halbez und di newen Oede, die darzu gehorent“ 1422 wurden die Lokalitäten Oberlind, Rapotenreuth und Birk als Öden genannt,StA Amberg, Lehenbuch 164, Fasz. Nr. 164, geschrieben „uff Palm Abend anno 1422“, im weiteren Verlauf auch die „vier Öden“ Mehlmeisel, Niederlind, Grün und Mähring.StA Amberg, Amt Waldeck-Kemnath, Akt 60, Seite 67–68: „Die Vier Öden sind die Öde zu Nyderlindt, die Öde Gruen, die Öde zu Maring und die Öde zu Welmeußel“ (Waldeckisches Protokoll vom 20. Juni 1514) 1438 bezeichnete ein Regensburger Pfarr-Register den Ort „Welmausel“ als Wüstung, in dem noch ein Priester in der örtlichen Kirche wirkte, jedoch keine Abgaben entrichtete.Bayer. HStA München, Hochstift Regensburg, Kanzlei Nr. 49, fol 30'-31. Siehe auch Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 5, Seite 101ff, herausgegeben von der Pfarrei Mehlmeisel 2020
Die lokale Heimatforschung spekulierte über einen Überfall von Hussiten oder Plünderungen durch Markgrafen, was sich jedoch bei näherer Betrachtung als reine Erfindung aus der Zeit des 19. Jahrhunderts erwies.Eine gründliche Recherche zu diesem Thema befindet sich in: Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 5, Seite 99ff, im Abschnitt Die Erfindung eines Hussitenüberfalls, verfasst von Josef Wiche 2020
Neuzeit Eine planmäßige Wiederbesiedlung des Raumes Mehlmeisel fand ab dem Jahr 1468 im Auftrag des Pfalzgrafen Philipp des Aufrichtigen statt. Hintergrund war die Belebung des pfälzischen Bergbaus an den Südausläufern des Fichtelgebirges. Treibende Kraft war dabei der Bergbauunternehmer und Amberger Hofkastner Jakob Parksteiner, der sich in Mehlmeisel mit seiner Familie in einem „Blochwerk“ niederließ und eine Laurentius-Kirche für sein Seelenheil erbaute. Um das Gotteshaus langfristig finanziell abzusichern, organisierte er zwei Ablassbriefe über die päpstliche Nuntiatur in Deutschland.Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 5, Seite 109ff Von 1478 bis 1539 gehörte der Raum Mehlmeisel als Lehen den markgräflichen Hirschbergern zu Weißenstadt.Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 5, Seite 134ff 1539 wurde das gesamte Gebiet in die Hofmark Ebnath einverleibt, unter Führung der Hirschberger zu Ebnath und Schwarzenreuth.Hirschberg Schriften 3, Dr. Bernd Thieser: "Die Hofmark Ebnath im 16. Jahrhundert", Seite 186, herausgegeben 2022 vom Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regionalgruppe Otnant
Nach dem Dreißigjährigen Krieg arbeiteten auf Mehmeisler Gebiet entlang der Fichtelnaab etliche Eisenhämmer, wie der Hammer Unterlind oder der Hammer Oberlind, die von kurbayerischen Beamten merkantilistisch geführt wurden, bis sich der Staat im Jahr 1865 aus der Führung zurückzog und mit einer Versteigerung den Weg zur Privatisierung in der Gründerzeit frei machte.Siehe Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel, Band 3, Seite 282, herausgegeben von der Gemeinde Mehlmeisel im Jahr 2007
Im Jahr 1808 erfolgte im Zuge der napoleonischen Reformen unter dem Minister Montgelas die Gründung des Steuerdistrikts Mehlmeisel.Für Details: StA Amberg, Häuser- und Rustikalkataster Kemnath Nr. 79 Zu diesem gehörten Erllohe, Fischlohe, Hüttstadl (Fichtelberg), Hüttstadl (Mehlmeisel), Mitterlind, Neugrün, Oberlind, St. Veit und Unterlind.Heribert Sturm: Kemnath, S. 319. Etwa zeitgleich entstand die Ruralgemeinde Mehlmeisel, die deckungsgleich war mit dem Steuerdistrikt mit Ausnahme von Hüttstadl-Fichtelberg und St. Veit. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Ebnath zugeordnet, das erst am 11. Mai 1831 zu einem Patrimonialgericht II. Klasse umgewandelt wurde, das auf die freiwillige Gerichtsbarkeit beschränkt war.Heribert Sturm: Kemnath, S. 87. Seitdem war in der Verwaltung und Gerichtsbarkeit das Landgericht Kemnath zuständig und in der Finanzverwaltung das Rentamt Kemnath (1919 in Finanzamt Kemnath umbenannt). Ab 1862 gehörte Mehlmeisel zum Bezirksamt Kemnath. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kemnath (1879 in Amtsgericht Kemnath umgewandelt).
Der Ortskern von Mehlmeisel, das heißt, die Gehöfte rund um die alte Dorfkirche (heutige Kriegergedächtniskapelle), wurde am 30. Juni 1849 von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht.StA Amberg, Bezirksamt Kemnath Akt 571
Die reichliche Wasserkraft der Fichtelgebirgsflüsse wie Fichtelnaab und Schnaitbach blieb bis weit in das 20. Jahrhundert prägend für die Ortsentwicklung durch Ansiedlung von Armaturschleiferei, Pfannenhämmern, Spiegelglasschleiferei, Holzwollfabrik, Glasperlfabrik, Ziegelhütte, Bierbrauerei. Es erfolgte ab 1890 der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der letzte Zug fuhr im Jahr 1984. Anschließend wurde die Eisenbahnstrecke zurückgebaut und die Trasse wird seither als Fahrradweg genutzt.
Bis zur Gemeindegebietsreform 1972 gehörte Mehlmeisel zum aufgelösten Landkreis Kemnath und damit zur Oberpfalz. 1971 hatten sich die Einwohner mehrheitlich für den Verbleib im Regierungsbezirk Oberpfalz ausgesprochen, was jedoch nicht berücksichtigt wurde.Als aus Oberpfälzern Franken wurden In: Nordbayerischer Kurier vom 27. Dezember 2021, S. 15. Von 1978 bis 1993 bestand zwischen den Gemeinden Fichtelberg und Mehlmeisel eine Verwaltungsgemeinschaft (VG). Diese wurde nach langjährigen Verhandlungen im Oktober 1993 durch einen Landtagsbeschluss beendet. Seit dem 1. Januar 1994 ist Mehlmeisel wieder eine eigenständig verwaltete Gemeinde.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1435 auf 1312 um 123 bzw. um 8,6 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1997 mit 1476 Einwohnern erreicht.
Gemeinde Mehlmeisel Jahr 1824 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2000 2010 2015 2021Einwohner 758 907 976 1000 1105 1081 1137 1132 1141 1154 1110 1147 1211 1262 1258 1158 1349 1360 1653 1641 1618 1615 1461 1447 1353 1321 1318HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2021 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 91 128 130 134 143 178 223 274 415 476 484Quelle Heribert Sturm: Kemnath, S. 335.
Ort Mehlmeisel Jahr 1819 1824 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 229 365 486 540 614 587 595 645 594 620 570Häuser 38 67 76 93 92 107 165Quelle
Politik Bürgermeister Zum Ersten Bürgermeister wurde Franz Tauber (Freie Wählergemeinschaft Mehlmeisel) erstmals 2014 mit 64,6 % der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war Günter Pöllmann (CSU).
Gemeinderat Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: Parteien und Wählergruppen 2008 2014 2020 2026 CSU6665 Freie Wählergemeinschaft Mehlmeisel6667 Summe12121212
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist grün-gold-grün.
Religion Mehlmeisel ist eine überwiegend katholisch geprägte Gemeinde und gehört zum Dekanat Tirschenreuth-Wunsiedel des Bistums Regensburg und.
Organisationen Bergwacht Mehlmeisel Katholischer Burschenverein Unterlind
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
mini|Barocke Wallfahrtskapelle Maria LoretoNeoromanische katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Mehlmeisel, erbaut 1906/07, erweitert 1951/52 Barocke Wallfahrtskapelle Maria Loreto (Hammerkirchl) im Gemeindeteil Unterlind, erbaut 1686 Kriegergedächtniskapelle mit Granit-Kirchturm (Standort der alten Dorfkirche)
Bodendenkmäler
Freizeit mini|Klausenturm (2011) Geführte Wanderungen Mountainbiking Naherholungszentrum Bayreuther Haus mit Klausenturm, Waldinformationszentrum im Waldhaus Mehlmeisel und Trimm-Dich-Pfad Nordic Walking Wildpark Waldhaus Mehlmeisel mit Wildgehegen für Reh-, Rot- und Schwarzwild, Fuchs, Dachs etc.; seit April 2014 Freigehege für Luchse; Streichelzoo. Dieser war Außenstelle der Landesgartenschau Bayreuth 2016.
Sport Klausenlift (Alpine FIS-Skianlage) Langlaufloipen des Nordic Parc Fichtelgebirge TSV Mehlmeisel (Fußball) SG 1904 Mehlmeisel (Sportschießen)
Verkehr Die Staatsstraße 2181 führt nach Fichtelberg (2,8 km nördlich) bzw. nach Brand (3,5 km südöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt über Erllohe nach Neugrün (2,1 km nordwestlich).
Literatur
Richard Schreiber, Bernhard Prechtl, Josef Wiche: Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Mehlmeisel. 5 Bände herausgegeben von der Gemeinde Mehlmeisel und der Pfarrei Mehlmeisel, 1997 bis 2020.
Weblinks
Gemeinde Mehlmeisel
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth Kategorie:Ersterwähnung 1283
Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bayreuth