Der Große Preis von Europa 1999 (offiziell Warsteiner Grand Prix of Europe) fand am 26. September auf dem Nürburgring in Nürburg statt und war das 14. Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1999.
Bericht Hintergrund Nach dem Großen Preis von Italien führten Mika Häkkinen und Eddie Irvine in der Fahrerwertung punktgleich mit zehn Punkten vor Heinz-Harald Frentzen. In der Konstrukteurswertung führte McLaren mit sechs Punkten vor Ferrari und mit 51 Punkten vor Jordan.
Nach dem Rennen in Italien legten McLaren, Williams, Jordan und Stewart Testtage in Magny-Cours ein, David Coulthard holte an allen drei Tagen die jeweilige Bestzeit. Ferrari testete in Mugello mit Irvine und Mika Salo sowie in Fiorano mit Luca Badoer. Benetton testete ihre Aerodynamik-Bauteile auf dem Cotswold Airport.
Salo ersetzte bei Ferrari ein sechstes und letztes Mal Michael Schumacher.
Mit Häkkinen und Jacques Villeneuve (jeweils einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Freitagstraining Häkkinen holte sich mit 1:20,758 Minuten die schnellste Zeit vor Salo, Olivier Panis, Irvine, Ralf Schumacher und Coulthard. Badoer konnte mit eineinhalb Sekunden Rückstand auf die Bestzeit die fünfzehntschnellste Runde mit einem Minardi belegen und ließ so unter anderem Alessandro Zanardi und Alexander Wurz hinter sich. Der langsamste Fahrer, Toranosuke Takagi, lag rund dreieinhalb Sekunden hinter der Bestzeit.
Samstagstraining Erneut holte sich Häkkinen mit 1:18,945 Minuten die schnellste Trainingszeit vor Schumacher, Irvine, Coulthard, Rubens Barrichello und Damon Hill. Salo, der zweite Ferrari-Fahrer, erreichte nur den 14. Platz. Der langsamste Fahrer, Pedro de la Rosa, lag rund dreieinhalb Sekunden hinter der Bestzeit.
Qualifying Stunden vor dem Qualifying gab es einen starken Regenfall. Die Pole-Position sicherte sich zum zweiten Mal in seiner Karriere Frentzen mit 1:19,910 Minuten, dahinter folgten Coulthard, Häkkinen, Schumacher, Panis und Giancarlo Fisichella. Die Ferrari-Piloten Irvine und Salo belegten nur die Plätze neun und zwölf. Der langsamste Fahrer, de la Rosa, lag rund vier Sekunden hinter der Bestzeit.
Warm-up Fisichella war mit 1:26,935 Minuten der schnellste Fahrer vor Coulthard, Frentzen, Schumacher, Panis und Häkkinen. Irvine und Salo belegten erneut die hinteren Plätze mit zehn und acht. Der langsamste Fahrer, Takagi, lag rund vier Sekunden hinter der Bestzeit.
Rennen Erster Start Vor dem Rennen gab es kleinere Regenfälle, doch vor dem Start trocknete die Strecke wieder komplett. Der erste Start wurde abgebrochen, nachdem Zanardi sich eine Startreihe zu weit hinten gestellt hatte und Marc Gené Probleme mit dem Wagen hatte. Mehrere Fahrer, unter anderem Frentzen und Häkkinen, rollten mit ihren Wagen an und liefen dabei Gefahr, die Kupplung für den zweiten Start zu sehr abzunutzen. Es wurde eine neue Einführungsrunde gefahren, wobei Gené vom Ende des Feldes starten musste und das Rennen um eine Runde gekürzt wurde.
Zweiter Start Das Führungstrio kam sehr gut weg; Häkkinen konnte Coulthard für Platz zwei überholen und Frentzen die Führung behaupten. Im hinteren Teil des Feldes konnte Hill nach der ersten Kurve wegen Elektronikproblemen nicht beschleunigen. Jean Alesi wich trotz Vollgas über das Gras aus, Wurz sah Hill zu spät, schwenkte im letzten Moment nach rechts und traf Pedro Diniz, der sich daraufhin überschlug. Der Überrollbügel des Saubers nahm einen Großteil der Aufprallenergie auf und brach schließlich ab. Diniz wurde mitsamt seinem Sitz aus dem Wagen geborgen und in ein Krankenhaus gebracht. Er überstand den Unfall glimpflich, mit Prellungen an Schulter und Knie.
Das Safety-Car wurde durch den Unfall auf die Strecke geschickt. In Runde sechs wurde das Rennen wieder freigegeben. Auf den vorderen Plätzen gab es keine Verschiebungen und so führte Frentzen weiterhin vor Häkkinen, Coulthard, Schumacher, Fisichella, Panis und auf Platz sieben Irvine, welcher dann in der vorletzten Kurve an Panis für Platz sechs vorbeiging. In Runde elf drehten sich de la Rosa und Zanardi in der letzten Kurve gleichzeitig, allerdings konnte Zanardi den Motor nicht anbehalten und musste das Rennen aufgeben. Als die Führenden zur Kurve kamen, war der Wagen noch nicht komplett von der Strecke geschoben.
In Runde 17 setzte erstmals leichter Regen auf der Start-Ziel-Gerade ein, daraufhin entschieden sich unter anderem Häkkinen, Panis und Salo, Regenreifen aufzuziehen. Eine Runde darauf holte sich Irvine auch neue Reifen, doch das Boxenteam richtete anfänglich Regenreifen her, nur um diese dann erneut nicht zu verwenden und stattdessen Trockenreifen zu montieren. Der ganze misslungene Boxenstopp kostete Irvine rund eine halbe Minute. Häkkinens Wahl erwies sich als falsch, denn seine Rundenzeiten waren rund acht Sekunden langsamer als die der Fahrer mit Trockenreifen und Irvine konnte mit Leichtigkeit Häkkinen für den zwölften Platz überholen. In Runde 24, vier Runden mit Regenreifen, wechselten Häkkinen und Salo erneut auf Trockenreifen, in Runde 26 wurde Häkkinen schließlich von Frentzen überrundet. In Runde 31 kamen der Führende Frentzen und der Zweite Coulthard gleichzeitig an die Box, doch Frentzen blieb vor Coulthard, bis er zwei Kurven später ausrollte und Coulthard die Führung übernahm.
In Runde 34 setzte erneut Regen ein, nur diesmal wesentlich stärker, viele entschieden sich daraufhin für Regenreifen, doch der Führende Coulthard und der Zweite Schumacher blieben bei den Trockenreifen. In Runde 37 rutschte Coulthard allerdings von der Strecke und musste aufgeben, Schumacher übernahm nun die Führung. In Runde 40 kam die Sonne durch die Wolkendecke durch, doch die Strecke war weiterhin sehr nass und Irvine holte sich auf Platz sieben liegend Regenreifen in der Box ab. In Runde 45 flog Takagi von der Strecke ab und sein abgerissenes Rad rollte am Streckenrand entlang. Der Führende Fisichella, welcher Schumacher durch dessen Boxenstopp überholen konnte, flog in Runde 48 ab und konnte ebenfalls nicht mehr weiterfahren. Schumacher lag nun wieder auf Platz eins, bis ihn ein Reifenschaden in Runde 49 zurückwarf und Johnny Herbert nun in Führung lag. Währenddessen lag Badoer mit Minardi auf Platz vier, bis in Runde 54 das Getriebe kaputtging. Dies ermöglichte Gené den sechsten Platz und somit den ersten Punkt für Minardi seit dem Großen Preis von Australien 1995. Zwischenzeitlich lag Gené auf Platz fünf, da Villeneuve ausschied, doch in Runde 62 ging Häkkinen am Spanier vorbei. Genés Leistungen wurden von vielen als entscheidend für den Titelkampf angesehen, da Irvine auf Platz sieben hinter Gené keine Punkte mehr erreichte und am Ende der Saison Häkkinen um zwei Punkte Weltmeister wurde.
Herbert gewann das Rennen von Europa 1999 vor Jarno Trulli und Rubens Barrichello. Dies war der erste Sieg für Herbert seit dem Großen Preis von Italien 1995, sein letzter Formel-1-Sieg, der erste und gleichzeitig letzte Sieg für den Rennstall Stewart sowie die letzte Podiumsplatzierung für Prost. Die Siegertrophäe für Herbert wurde von Otto Schily, dem Innenminister Deutschlands, überreicht. Den Pokal für den siegreichen Konstrukteur Stewart nahm Teamgründer Jackie Stewart von Frank Spitzhüttl, dem Chief Executive Officer des Hauptsponsors Warsteiner, entgegen.
Häkkinen sicherte sich mit 1:21,282 Minuten die schnellste Runde.
Sowohl in der Fahrer- als auch in der Konstrukteurswertung blieben die ersten drei Positionen unverändert.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren MP4/14 Mercedes-Benz 3.0 V10 2 3 Ferrari F399 Ferrari 3.0 V10 4 5 Williams FW21 Supertec 3.0 V10 6 7 Jordan 199 Mugen-Honda 3.0 V10 8 9 Benetton B199 Playlife 3.0 V10 10 11 Sauber C18 Petronas 3.0 V10 12 14 Arrows A20 Arrows 3.0 V10 15 16 Stewart SF3 Ford Cosworth 3.0 V10 17 18 Prost AP02 Peugeot 3.0 V10 19 20 Minardi M01 Ford 3.0 V10 21 22 BAR 01 Supertec 3.0 V10 23
Klassifikation Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Start 1 1:19,910 1 2 1:20,176 2 3 1:20,376 3 4 1:20,444 4 5 1:20,638 5 6 1:20,781 6 7 1:20,818 7 8 1:20,825 8 9 1:20,842 9 10 1:20,965 10 11 1:21,144 11 12 1:21,314 12 13 1:21,345 13 14 1:21,379 14 15 1:21,490 15 16 1:21,634 16 17 1:22,267 17 18 1:22,284 18 19 1:22,631 19 20 1:22,760 20 21 1:23,401 21 22 1:23,698 22 107-Prozent-Zeit: 1:25,504 min (bezogen auf die Bestzeit von 1:19,910 min)
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 66 2 1:41:54,314 14 1:23,010 (32.) 2 66 3 + 22,619 10 1:23,742 (30.) 3 66 1 + 22,866 15 1:22,960 (32.) 4 66 3 + 39,508 4 1:22,237 (64.) 5 66 2 + 1:02,950 3 1:21,282 (64.) 6 66 1 + 1:05,154 20 1:23,657 (30.) 7 66 3 + 1:06,683 9 1:22,332 (65.) 8 65 3 + 1 Runde 17 1:23,067 (64.) 9 65 2 + 1 Runde 5 1:23,905 (16.) 10 61 1 DNF 8 1:22,564 (32.) – 53 1 DNF 19 1:23,745 (33.) – 52 2 DNF 22 1:24,857 (8.) – 48 1 DNF 6 1:22,244 (31.) – 44 2 DNF 12 1:23,404 (31.) – 42 2 DNF 21 1:24,848 (30.) – 37 1 DNF 2 1:21,835 (29.) – 35 2 DNF 16 1:23,097 (15.) – 32 1 DNF 1 1:22,082 (29.) – 10 0 DNF 18 1:24,300 (9.) – 0 0 DNF 7 – – 0 0 DNF 11 – – 0 0 DNF 13 –
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 McLaren-Mercedes 62 2 Ferrari 60 3 Jordan-Mugen-Honda 50 4 McLaren-Mercedes 48 5 Williams-Supertec 33 6 Ferrari 32 7 Stewart-Ford 19 8 Benetton-Playlife 13 9 Stewart-Ford 12 10 Ferrari/BAR-Supertec 10 11 Prost-Peugeot 7 12 Jordan-Mugen-Honda 7 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 13 Benetton-Playlife 3 14 Sauber-Petronas 3 15 Prost-Peugeot 2 16 Minardi-Ford 1 17 Sauber-Petronas 1 18 Arrows 1 19 Williams-Supertec 0 20 Arrows 0 21 BAR-Supertec 0 22 Minardi-Ford 0 23 BAR-Supertec 0 – Minardi-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 110 2 102 3 57 4 33 5 31 6 16 Pos. Konstrukteur Punkte 7 9 8 4 9 1 10 1 11 0
Einzelnachweise
#1999 Europa Kategorie:Motorsportwettbewerb in Deutschland Kategorie:Sportveranstaltung in Rheinland-Pfalz Kategorie:Nürburgring