Die Ferguson-BüchseHoward Ricketts: Feuerwaffen – Erlesene Liebhabereien. 1967, online. () aus dem Jahr 1776 war eines der ersten militärisch genutzten Hinterlader-Gewehre.Theodore Savas, J. David Dameron: New American Revolution Handbook: Facts and Artwork for Readers of All Ages, 1775–1783. Verlag Savas Beatie, 2010, ISBN 978-1-61121-062-0, S. 148 (online).David Westwood: Rifles: An Illustrated History of Their Impact. Verlag ABC-CLIO, 2005, ISBN 978-1-85109-401-1, S. 43 (online). Die nach ihrem Entwickler Patrick Ferguson benannte Büchse wurde in geringem Umfang im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf britischer Seite eingesetzt, konnte sich jedoch, nicht zuletzt wegen ihrer aufwändigen Herstellung, nicht durchsetzen.

Entwicklungsgeschichte Frühere Entwicklungen Das Prinzip der Ferguson-Büchse war nicht neu; Hinterladergewehre mit ähnlichen Verschlüssen gab es schon Jahrzehnte vorher. Erste Versuche mit Hinterladern lassen sich bis in das späte 15. Jahrhundert zurückverfolgen, welche jedoch aufgrund zahlreicher technischer Probleme noch keine weitere Verbreitung fanden. Aus der Zeit um 1500, die dem damals schon verbreiteten Prinzip der Kammergeschütze folgt. Experimente mit dieser Verschlussform gab es im 17. Jahrhundert unter anderem in Deutschland und Dänemark.Richard Holmes, Hew Strachan, Chris Bellamy, Hugh Bicheno (Hrsg.): The Oxford Companion to Military History, Verlag Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-866209-9, S. 148 (online). Die Pulverkammer war durch eine senkrecht zur Laufachse angebrachte Schraube zugänglich, je nach Konstruktion von oben oder unten. Die Kugel wurde mit einem Finger durch die Pulverkammer in den Lauf gesteckt; ein optionales Schusspflaster folgte danach. Die Pulverkammer wurde mit Schwarzpulver gefüllt. Schließlich wurde die Schraube wieder eingedreht. Auf 1650 bis 1665 datierte Waffen mit Radschloss sind wohl die ältesten dieser Bauart.John Walter: Snipers at War: An Equipment and Operations History, Verlag Greenhill Books, 2017, ISBN 978-1-78438-187-5, S. 15–17 (online).

1689 entwickelte der britische Büchsenmacher Wilmore ein Hinterladergewehr. Die Schraube zur Pulverkammer war am Abzugsbügel befestigt und konnte so herausgeschraubt werden. Die Schraube musste noch komplett entfernt werden; zum Laden musste das Gewehr gedreht werden, da das Laden durch das Schraubenloch erfolgte.Brian J. Heard: Handbook of Firearms and Ballistics: Examining and Interpreting Forensic Evidence, Ausgabe 2, Verlag John Wiley & Sons, 2011, ISBN 978-1-119-96477-3, S. 328 (online).W. Y. Carman: A History of Firearms: From Earliest Times to 1914, Verlag Routledge, 1955, ISBN 978-1-317-41116-1, S. 115–116 (online).

Der französische Hugenotte Isaac de la Chaumette verbesserte 1704 das System entscheidend. Da die Hugenotten in Frankreich verfolgt wurden, musste Chaumette nach England fliehen, wo er am 12. August 1721 das Patent mit der Nr. 434Bennet Woodcroft: Reference index of patents of invention, from 1617 to 1852, Patent office, 1855 S. 86 (online). erwirkte. Dabei ging die Verschlussschraube durchgehend von oben nach unten durch den Lauf. Die Verschlussschraube musste daher nur teilweise herausgedreht werden, sodass die Pulverkammer von oben zugänglich war. Gedreht wurde mit dem beweglichen Abzugsbügel als Hebel.Oyvind Flatnes: From Musket to Metallic Cartridge: A Practical History of Black Powder Firearms, Verlag Crowood, 2013, ISBN 978-1-84797-594-2, S. 322 (online). Manche Autoren halten es für möglich, dass Frankreich einige Dragonereinheiten und Matrosen 1723 mit dem Gewehr ausrüstete.Harold Leslie Peterson: The treasury of the gun, Verlag Golden Press, 1962, S. 164 (online). Für diese Behauptungen fehlen jedoch Belege.David Westwood: Rifles: An Illustrated History of Their Impact, Verlag ABC-CLIO, 2005, ISBN 978-1-85109-401-1, S. 62 (online).

Das System von Chaumette galt zu dieser Zeit als eines der besten für Hinterlader. Eine gewisse Anzahl von Gewehren nach diesem System wurde von Samuel Bidet, ebenfalls einem geflohenen Hugenotten, in London um 1730 gefertigt.Early firearms of Great Britain and Ireland from the collection of Clay P. Bedford, Metropolitan Museum of Art, 1971, S. 121 (online). Parallel dazu gab es Systeme, bei denen die Schraube mit einem besonderen Schraubenschlüssel gedreht werden musste. In den Jahren 1740 bis 1770 stellten verschiedene englische Büchsenmacher Gewehre nach dem System von Chaumette her. Ein großes Problem der Verschlüsse dieses Systems waren die Schmauchrückstände, die dazu führen konnten, dass das Gewinde bereits nach wenigen Schüssen klemmte. Manche dieser Gewehre hatten leicht konische Verschlussschrauben.W. Keith Neal: , American Society of Arms Collectors, Bulletin #24 (Herbst 1971). Sie sollten einerseits das Problem mit den Schmauchrückständen mindern, zum anderen einen möglichst gasdichten Verschluss herbeiführen.The Ferguson Rifle. In: The Armourer’s Bench, 15. Oktober 2018. Die Waffen mit diesem Prinzip waren vorwiegend nicht für den militärischen Einsatz geeignete Einzelstücke als Sport- bzw. Jagdwaffen.

Entwicklung durch Ferguson mini|Patent von 1776 mini|Verschluss mit drehbarem Abzugsbügel

Patrick Ferguson kam als junger Offizier im Siebenjähriger Krieg mit deutschen Jägertruppen, die mit schwerfälligen Gewehren mit gezogenen Läufen bewaffnet waren, in Kontakt.Lance Klein: In: Muzzle Blasts Online, Februar/März 2000, Volume 5, Number 1. Bei diesen Pflasterbüchsen wurde die Kugel, in ein Pflaster eingewickelt, durch den engen gezogenen Lauf getrieben. Dadurch war der Ladevorgang mühsam und dauerte mehr als doppelt so lange wie bei einem glatten Vorderlader, bei dem die Kugel lediglich in den Lauf gerollt wurde. Dafür waren durch die Drallstabilisierung die Schussweite und Präzision deutlich verbessert. Sowohl glatte als auch gezogene Vorderlader mussten stehend geladen werden.Kevin Dockery: Stalkers and Shooters: A History of Snipers, Penguin Verlag, 2007, ISBN 978-1-4406-2890-0, S. 60–61 (online). Die gewöhnlichen Soldaten waren zu dieser Zeit als Linieninfanterie hingegen mit glatten Musketen ausgerüstet und kämpften mit schnell aufeinander folgenden geballten Salven bei geringen Kampfentfernungen, wobei es nicht auf den genau gezielten Schuss ankam.Roger Pauly: Firearms: The Life Story of a Technology, Verlag Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-32796-4, S. 65 (online).

In seiner späteren Laufbahn diente Ferguson in Westindien, wo er den Wert der leichten Infanterie sowie die Vorteile von zielgenauen Waffen zur Aufstandsbekämpfung erkannte. Sehr wahrscheinlich besaß Ferguson ein Gewehr des Büchsenmachers Warsop, das ebenfalls auf der Konstruktion von Chaumette basierte. Da Ferguson selbst ein sehr guter Schütze war und sich für Feuerwaffen interessierte, kam er auf die Idee, diese Waffe für den Einsatz beim Militär anzupassen.Louis William Steinwedel: The gun collector’s fact book, Verlag Arco Pub. Co., 1975, ISBN 978-0-668-03782-2, S. 62–63 (online).

Etwa ab 1774 arbeitete Ferguson konkret an der Verwirklichung seiner Ideen und beauftragte den Büchsenmacher Durs Egg ein entsprechendes Gewehr zu fertigen. Ferguson würdigte Chaumette als den Erfinder des Systems; die Verbesserungen gegenüber dem Entwurf von Chaumette lagen nicht im Prinzip, sondern in Details.David Westwood: Rifles: An Illustrated History of Their Impact, Verlag ABC-CLIO, 2005, ISBN 978-1-85109-401-1, S. 43 (online). Die Verschlussschraube wurde so konstruiert, dass sie lediglich eine Dreiviertelumdrehung brauchte, um den Verschluss zu öffnen bzw. zu schließen. Tiefe Einschnitte, welche die Schraubenrillen kreuzten, sammelten Schmauchrückstände beim Ein- und Ausdrehen. Das half, das Gewinde gängig zu halten. Außerdem war das Gewehr mit einer Bajonetthalterung und einstellbarer Visierung ausgerüstet. Diese Verbesserungen bündelte Ferguson in dem Patent Nummer 1139, das ihm am 2. Dezember 1776 zugesprochen wurde.

Im Jahr 1775 begann Ferguson bei einflussreichen Offizieren, einschließlich George Townshend, 1. Marquess Townshend als oberstem Zeugmeister, für sein Gewehr zu werben. Im April 1776 wurde er vom Board of Ordnance, der Behörde für Waffen und Ausrüstung der britischen Streitkräfte, zu ersten Schießversuchen eingeladen. Danach wurde Durs Egg angewiesen, zwei weitere Exemplare mit kleineren Verbesserungen herzustellen. Am 1. Juli fand eine weitere Vorführung vor George Townshend und anderen hohen Militärs statt.

Nach dem erfolgreichen Test schloss das Board of Ordnance Verträge mit den Büchsenmachern Barker & Whately, Galtons & Sons, William Grice sowie Benjamin Willets.Bill Ahearn, Robert Nittolo: British Military Long Arms in Colonial America, Verlag Dorrance Publishing, 2018, ISBN 978-1-4809-5099-3, S. 415–417 (online). Diese vier Büchsenmacher aus Birmingham bekamen die Aufträge für je 25 Gewehre.Marianne McLeod Gilchrist: Patrick Ferguson: a Man of Some Genius, National Museums of Scotland, 2003, ISBN 978-1-901663-74-7, S. 28 (online). Es waren dieselben Büchsenmacher, die zuvor für die Pflasterbüchse Pattern 1776 Infantry Rifle beauftragt worden waren. Daher wurden beim Ferguson-Gewehr die gleichen Läufe wie beim 1776-Gewehr, Kaliber .65 (16,51 mm) mit acht Zügen, verbaut und nicht mit vier Zügen, wie im Patent von Ferguson beschrieben.

Die Herstellung der 100 Gewehre war bis Oktober 1776 abgeschlossen. Manche Quellen schließen aus indirekten Belegen, dass möglicherweise gar 200 Gewehre für das britische Militär gefertigt wurden. Auf jeden Fall kam eine unbekannte kleine Anzahl von Gewehren, die von Offizieren privat beschafft wurden, hinzu.

Nach Fergusons Tod produzierten verschiedene Büchsenmacher aus London und Birmingham, vor allem Egg, Henry Nock und Joseph Hunt, Gewehre nach dem Muster, die letzten um das Jahr 1800.

Technik mini|Ladeverfahren

Von den Ferguson-Büchsen gibt es kein einheitliches Muster. Selbst die hundert Militärgewehre des Board of Ordnance unterscheiden sich etwas, die später gefertigten Sport- und Jagdgewehre noch mehr. Zum einen sind es ästhetische Unterschiede, aber auch technische wie Material der Ladestöcke, Art des Visiers, Material des Verschlusses, Anzahl der Gewindewindungen sowie Art der Maßnahmen gegen den Schmauch. Die Gründe für diese Vielfalt sind die handwerkliche Fertigung durch verschiedene Büchsenmacher, aber auch Verbesserungen, die während der Fertigung entstanden.

Das Gewehr hat generell das Aussehen und grundlegende Eigenschaften einer zeitgenössischen Muskete mit Steinschloss. Hauptmerkmale sind die Verschlussschraube mit mehrgängigem Gewinde und der bewegliche Abzugsbügel, der als Antrieb der Verschlussschraube dient. Die Verschlussschraube besteht je nach Exemplar aus Bronze oder Messing. Das Gewehr hat ein verstellbares Visier und unterhalb des Laufs eine Bajonett-Aufpflanzvorrichtung für ein Tüllenbajonett.Henry Lumpkin: From Savannah to Yorktown: The American Revolution in the South, Verlag iUniverse, 2000, ISBN 978-0-595-00097-5, S. 141 (online). Die Militärgewehre des Board of Ordnance haben einen Lauf im Kaliber .65 mit acht Zügen. Bei den Sport- und Jagdgewehren gibt es Variationen sowohl im Kaliber als auch bei der Lauflänge.

Die Militärgewehre hatten Ladestöcke aus Holz, bei anderen Exemplaren sind diese aus Stahl. Es gibt Variationen bei den Röhrchen, welche den Ladestock im Gewehr gehalten haben. Sollte der Verschluss klemmen, konnte das Gewehr mit dem Ladestock konventionell über die Mündung geladen werden.

Bei den Militärgewehren gab es eine U-Kimme für 200 Yards (183 m), dahinter ein Klappvisier mit einer Lochkimme für 300 Yards (274 m) und darüber eine weitere U-Kimme für 350 Yards (320 m). Andere Exemplare haben stattdessen ein Schiebevisier.