Die Kirche St. Anna in Mołtajny () ist ein Bauwerk aus dem zu Ende gehenden 14. Jahrhundert. Bis 1945 war sie zentrales Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Molthainen (Molteinen) in Ostpreußen und ist heute römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Mołtajny liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren unweit der Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad (Königsberger Gebiet). Das Dorf ist von Aptynty () an der Woiwodschaftsstraße 591 (ehemalige deutsche Reichsstraße 141) aus zu erreichen.

Die Kirche steht im Südwesten des Ortes unweit des Jezioro Arklickie (Arklitter Sees). mini|Der Staffelgiebel an der Ostseite sowie an den Vorbauten mini|Gebälk im Dachstuhl der Kirche mini|Die Obuch-Orgel auf der Westempore, davor Kronleuchter aus dem 17. Jahrhundert

Kirchengebäude Bei der Kirche in Mołtajny handelt es sich um ein Gotteshaus aus der Zeit um 1384.Mołtajni – Molthainen/Molteinen bei ostpreussen.net Der rechteckige verputzte Bau wurde aus Feldsteinen und Ziegeln im Stil der Backsteingotik errichtet, mit einem Staffelgiebel im Osten und vorgelegtem Westturm.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 40, Abb. 71 Letzterer ist mit Blenden und Fialen reich verziert, um 16. Jahrhundert wurde er noch erhöht. Die Sakristei von etwa 1500 hat innen Sterngewölbe und ist vergleichsweise groß. Die Vorhalle stammt wohl aus der Zeit vor 1400 und wird innen von einer Holztonnendecke überwölbt.

Der Kircheninnenraum mit Emporen wird von einer Holzecke überwölbt. Zur Ausstattung gehört die Kanzel aus dem Jahre 1782, die über dem gleichzeitig entstandenen – ebenfalls in einfachen Formen ausgeführten – Altar angebracht ist. Es soll sich hier um eine Stiftung des Gutsbesitzers und Pastrons Albrecht von und zum Egloffstein und seiner Familie aus Arklitten (). Das Gestühl entstammt dem 16. Jahrhundert und wurde 1750 neu bemalt. Vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt der große Messingkronleuchter.

Im Jahre 1782 fertigte Orgelbaumeister Christoph Heinrich Obuch in Mohrungen (polnisch Morąg) die Orgel der Kirche an, die auf der Westempore steht. Das Werk ist einmanualig mit Pedal und hat 14 Register.

Das Geläut bestand ursprünglich aus drei Glocken, von denen eine die Aufschrift „im Jahre 1500 gegossen“ trug.

Nach 1945 ging die Kirche in den Besitz der Römisch-katholischen Kirche über. Sie ist wieder eine Pfarrkirche, jetzt der Hl. Anna gewidmet.Pfarrei Mołtajny im Erzbistum Ermland Bis 1730 soll ein Gemälde von ihr im Kirchturm aufbewahrt worden sein. Die innere Gestaltung der Kirche wurde dem neuen liturgischen Gebrauch entsprechend geändert.

Kirchengemeinde mini|Postament (ohne Beschriftung) der Grabstelle derer von und zum Egloffstein auf dem Kirchhof Mołtajny Eine Kirche wurde in Molthainen im Jahre 1384 erstmals erwähnt. Ihre Gründung ist also vorreformatorisch.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 458 Im Jahre 1486 amtierte hier ein Pfarrer Balthasar Lößenstein. Molthainen gehörte bis zur Reformation zum Aufsichtsbezirk des Erzpriesters von Schippenbeil ().

Evangelisch Kirchengeschichte Mit Einzug der Reformation in Ostpreußen wurde die Molthainer Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Es gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Gerdauen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Die Gemeinde war eine Patronatsgemeinde. Kirchenpatron war der Gutsbesitzer von Arklitten (polnisch Arklity), in den 1920er Jahren der Graf von und zum Egloffstein, der in Kromlau bei Weißwasser/Oberlausitz residierte. Im Jahre 1925 zählte das Molthainer Kirchspiel insgesamt 1.950 Gemeindeglieder, die in nahezu 20 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen wohnten.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten der Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde Molthainen ein Ende. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde in Barciany (Barten), einer Filialgemeinde der Pfarrei Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Molthainen (Molteinen) gehörten bis 1945 als Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Kirchspiel Molthainen Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name * Aftinten Aptynty Fritzendorf Frączkowo Althagel Gradowo Koskeim Koskajmy * Arklitten Arklity Krausen Kotki Berg Górki Markhausen Markuzy Berthawerth Mintwiese Mintowo * Bieberstein Bobrowo Rauttershof Ruta Blandau Błędowo Schätzels Czaczek * Doyen1938–1945 Dugen Duje Schätzelshöfchen Cacki Egloffstein Główczyno Willkamm Wielewo Der * kennzeichnet einen Schulort.

Pfarrer Von der Reformation bis 1945 amtierten an der Kirche Molthainen als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 97 N. Krüger, 1560 Balthasar Eyben, ab 1587 Michael Wegner, 1601 Severin Ursinus, 1630 Peter Marquard, 1644–1679 Christian Gottlieb Marquard, 1680–1711 Christoph Theodor Marquard, 1711–1728 Johann Friedrich Kahnert, 1728–1742 Daniel Christoph Kalau, 1743–1776 Georg Karl Schleswig, 1776–1810 Johann Gotthard Graap, 1811–1833 Julius Christlieb Heinersdorff, 1833–1875 Bernhard Julius Hoppe, 1875–1884 Eduard Rudolf Wilh. Rousselle, 1884–1898 Hermann Friedrich Wilhelm Boye, 1898–1901 Hermann „Erich“ Kramm, 1901–1920 Kurt Steinwender, 1910–1915 Adalbert Schwede, 1915–1918 Horst Schirmacher, 1919–1921 Friedrich Schauer, 1920–1929 Bernhard Kreutzberger, 1930–1931 Gottmar Helmut Kuessner, 1931–1935 Friedrich Naujoks, 1936–1937 Günther Hartwig, bis 1939

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Molthainen (Molteinen) sind erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1660–1723, 1764–1874 Trauungen: 1645–1729, 1734–1767, 1800–1874 Begräbnisse: 1645–1821, 1828–1874

Katholisch Vor 1945 lebten relativ wenig Katholiken in der Region um Molthainen. Sie waren in die Kirche St. Bruno in Insterburg (heute ) im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt.

Aufgrund der Neuansiedlung zahlreicher polnischer Bürger in dem dann „Mołtajny“ genannten Dorf stieg die Zahl der katholischen Einwohner. Sie übernahmen das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche. Mołtajny wurde Pfarrort, dem später noch die Filialkirche in Aptynty () beigegeben wurde. Die Pfarrei gehört zum Dekanat Kętrzyn II (Rastenburg Nordost) im jetzigen Erzbistum Ermland.

Weblinks

Historische Fotos von Kirche und Dorf Molthainen/Molteinen

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Barciany Kategorie:Annakirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Saalkirche in Polen Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Backsteingotik in Polen Kategorie:Erbaut in den 1380er Jahren