mini|EOS 650
Bei der 1987 vorgestellten Spiegelreflexkamera Canon EOS 650 handelte es sich um die erste Kamera für das EF-Bajonett. Der 650 folgten kurz darauf die EOS 620 sowie später die Modelle EOS 600 und EOS RT im gleichen Gehäuse. Die EOS 750 und EOS 850 boten nur vollautomatischen Betrieb. Sie besaßen zwar ein anderes Gehäuse, aber die gleiche Technik wie die 650. Die Baureihe löste nach und nach die Canon-T-Serie ab.
Gemeinsame Merkmale Gehäuse Alle Modelle besaßen einen fest eingebauten motorischen Filmtransport mit automatischer Rückspulung am Filmende bzw. nach 36 Aufnahmen.
Sucher Standard bei allen Modellen war eine Vollmattscheibe mit einer Klammer in der Bildmitte, welche das Autofokus-Messfeld markierte. Unter dem Bild befanden sich die Anzeigen zur Belichtung und Fokussierung.
Verschluss Wie bei der T-Serie besaßen alle Modelle einen vertikal ablaufenden Metall-Schlitzverschluss. Standard war aber inzwischen s als kürzeste Belichtungszeit und s als Blitzsynchronzeit.
Belichtungssteuerung Alle Modelle der Serie arbeiteten mit Mehrfeld-Belichtungsmessung. Dazu war die Bildfläche in sechs Bereiche aufgeteilt, nämlich in einen Kreis in der Mitte, einen Kreisring drumherum und die übrige Fläche in vier Ecken.
Blitzanschluss Es gab an allen Modellen einen Blitzschuh mit vier zusätzlichen Kontakten für die neuen Systemblitzgeräte der EZ-Baureihe. Die Systemblitze arbeitete mit TTL-Messung und besaßen eine Leuchtdiode, die das Motiv bei Dunkelheit mit einem roten Muster beleuchtete, so dass die Kamera fokussieren konnte. Ein unterhalb des Reflektors eingebauter Infrarotblitz ermöglichte überdies den A-TTL-Betrieb. Er blitzte nach Antippen des Auslösers, daraufhin wurde ein geeigneter Blendenwert gewählt sowie eine Verschlusszeit zwischen s und s bzw. s im Falle der EOS 620. Das Spot-Messsystem der T 90 gab es bei EOS-Kameras nicht mehr, weil der Autofokus-Senser bereits den dafür benötigten Platz im Spiegelkasten belegte.
Das Blitzsystem der Geräte für die A- und T-Serie mit seinen zwei zusätzlichen Kontakten funktionierte an den EOS-Kameras nicht mehr.
300 EZ Das Blitzgerät 300 EZ erschien zusammen mit der EOS 650, wobei sich die Bezeichnung von der Leitzahl 30 bei ISO 100/21° ableitete, was allerdings nur für die Telestellung des Zoom-Reflektors galt. Dabei gab es folgende Positionen: Brennweite Leitzahl(ISO 100/21°)28 mm2235 mm2550 mm2870 mm30
Die Verstellung funktionierte automatisch nach Ansetzen eines Objektivs bzw. Verstellen der Brennweite beim Zoom-Objektiv. Der Reflektor konnte nicht geschwenkt werden. Das 300 EZ konnte mit einem Schiebeschalter auf den zweiten Verschlussvorhang synchronisiert werden. Für das Autofokus-Einstelllicht gab Canon 6 m Reichweite an, die bei völliger Dunkelheit aber erheblich größer ausfiel.
420 EZ mini|EOS 620 mit EZ 420 Das 420 EZ kam im Juni 1987 hinzu, es besaß einen dreh- und schwenkbaren Reflektor mit einem größeren Verstellbereich als beim 300 EZ:
Brennweite Leitzahl(ISO 100/21°)24 mm2528 mm2735 mm3050 mm3570 mm4080 mm42
Bei geschwenkten Reflektor stellte er sich auf 50 mm und blitzte bei Antippen des Auslösers kurz, da sich der Infrarotblitz nicht mitbewegte. Auch die Reichweite des Autofokus-Einstelllichts fiel mit 8 m angegebener Reichweite größer aus. Zudem gab es ein LC-Display, an dem man mit den darunter liegenden Tasten Einstellungen vornehmen konnte. Es ließen sich die Reflektorposition manuell wählen, die Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang legen und ein Stroboskop-Effekt mit einer Frequenz von 1 Hz bis 5 Hz wählen. Im TTL-Betrieb zeigte das Display auch den Blitzbereich an, beispielsweise 0,7 – 6,20 m.
160 E Gemeinsam mit der EOS 750 erschien mit dem 160 E ein kleines Blitzgerät, das wie die Kamera eine 2 CR 5 versorgte. Da diese Lithiumbatterie recht teuer war, wandte sich der Apparat an Gelegenheitsfotografen. Er verzichtete auf einen Infrarot-Blitz und arbeite infolgedessen nur im TTL-, nicht im A-TTL-Betrieb. Das E 160 konnte auch an den anderen EOS-Kameras betrieben werden und die EOS 750 auch mit den anderen EOS-Blitzgeräten. Die Leitzahl betrug 16 bei ISO 100/21° und der Ausleuchtwinkel reichte für 35 mm Brennweite.
Blitzgeräte von Fremdherstellern Für SCA erschien noch 1987 der Adapter SCA 312, der ebenfalls ein Einstelllicht erzeugte und dafür vier AAA-Zellen benötigte.
Stromversorgung Mit der EOS 650 sorgte erstmals bei Canon eine Lithiumbatterie für die Stromversorgung. Es handelte sich bei allen Modellen der Baureihe um den Typ 2 CR 5.
EOS 650 mini|EOS 650 mini|EOS 650 zerlegt mini|Bajonett der EOS 650 Zeitraum und Einordnung Canon stellte die EOS 650 auf der PMA im Februar 1987 vor. Die Markteinführung folgte anlässlich des 50-jährigen Unternehmens-Jubiläum am 2. März gemeinsam mit den Objektiven: EF 50 mm f/1.8 EF 35-70 mm f/3.5-4.5 EF 35-105 mm f/3.5-4.5 Mit dem Normalobjektiv lag der Listenpreis bei 998 DM. Die EOS 650 wurde von Februar 1987 bis Februar 1989 produziert.
Gehäuse Das vielbeachtete Design der EOS 650 folgte jenem der T 90, war aber etwas kantiger gestaltet. Dabei gab es ebenfalls ein großes LC-Display im Gehäusedeckel. Das Bedienkonzept lief nahezu vollkommen mit dem Drehrad oberhalb des Handgriffs nach Drücken von Funktionstasten ab. Ein derart extreme Auslegung verfolgte Canon mit den nachfolgenden Spiegelreflexkameras nicht mehr, sie sollten ein Drehrad für die Betriebsarten bekommen. An der 650 gab es aber nur einen einzigen Schalter, nämlich den Hauptschalter mit den Positionen: Ausgeschaltet Eingeschaltet mit Pieptönen Eingeschaltet ohne Pieptöne Vollautomatik ohne jegliche manuelle Einstellmöglichkeit Vollautomatik bedeutete Programmautomatik in Kombination mit der Autofokus-Einstellung One Shot und Einzelbildschaltung. Diese Einstellung war von Nutzen, wenn man die Kamera in die Hände von unkundigen Lauen gab oder etwas schnell fotografiert wollte, die Kamera aber dafür gerade nicht eingestellt war.
Im Gehäusedeckel der 650 gab es zwei Tasten, für die Betriebsart und die Belichtungskorrektur. Unter einer Klappe hinten an der Kamera gab es eine gelbe Taste für die Autofokus-Funktion, eine blaue Taste für Serienbildfunktion, eine schwarze Taste für die Batterieprüfung und etwas versenkt angeordnet eine weitere Taste für den vorzeitigen Filmrücktransport. Seitlich am Bajonett lagen die Taste für die Blendeneinstellung im manuellen Modus und die Abblendtaste, welche das Objektiv solange abblendete, wie man sie gedrückt hielt.
Den Handgriff konnte man nach Lösen einer Schraube abnehmen, um an die Batterie zu kommen. Außerdem konnte man ihn austauschen, wobei Canon drei verschiedene Modelle im Programm hielt. GR 30: Der Standardgriff, mit dem die EOS 650 ausgeliefert wurde GR 20: Ein Griff in der Größe des GR 30, aber mit Anschluss für den Fernauslöser 60 T 3 – er drückte federnde Kontakte auf vergoldete Kontaktfedern an dem Kameragehäuse, um die elektrische Verbindung mit seiner Buchse herzustellen GR 10: Ein besonders voluminöser Griff für große Hände
Sucher Unter dem Bild zeigte ein Display mit grünen Zeichen die Belichtungszeit und den Blendenwert an. Im Schärfentiefe-Programm wurde die erste Entfernungseinstellung mit der Anzeige dep 1 und die zweite mit dep 2 bestätigt. Im manuellen Modus erschien nach Drücken der Blendeneinstelltaste ein Hinweis auf die korrekte Belichtung anstatt der Verschlusszeit, beispielsweise: OP 16 für Unterbelichtung oo 5,6 für korrekte Belichtung CL 1,8 für Überbelichtung Dabei standen OP und CL für die Anweisungen Open (Öffnen) und Close (Schließen). Diese Informationen erschienen auch auf dem LC-Display im Gehäusedeckel.
Weiter Anzeigen waren links neben der Belichtungszeit: im manuellen Modus ein M bei Spotmessung ein Stern Und rechts neben dem Blendenwert: Bei eingeschalteter Belichtungskorrektor das Symbol Bei Verwendung eines Systemblitzgeräts ein Blitzsymbol Bei erfolgreicher Fokussierung ein Punkt
Die Einstellscheibe der EOS 650 ließ sich wechseln, wobei der Typ C zum Serienumfang gehörte: Mattscheiben Bezeichnung ArtA MikroprismenringB SchnittbildindikatorC Vollmattscheibe mit AF-MessfeldD GittermattscheibeF Mikroprismenraster für lichtstarke ObjektiveG Mikroprismenraster für lichtschwache ObjektiveH MessskalenkreuzI DoppelfadenkreuzL Kreuzschnittbild-Indikator
Der Wechsel konnte vom Fotografen selbst vorgenommen werden, indem er das der Scheibe beiliegende Werkzeug in den Spiegelkasten einführte. Austauschbaren Sucherscheiben hatten aber an einer Autofokuskamera naturgemäß keine nennenswerte Bedeutung und sind infolgedessen so gut wie gar nicht gekauft worden.
Belichtungssteuerung Auf dem Display konnten nacheinander folgende Betriebsarten gewählt werden: M – manuelle Einstellung von Blende und Zeit P – Programmautomatik TV – Blendenautomatik AV – Zeitautomatik DEPTH – Schärfentiefeautomatik
Da die Kamera die Brennweite des Objektivs abfragen konnte, musste der Fotograf nicht mehr wie bei der T 90 aus mehreren Weitwinkel- und Teleprogrammen auswählen, vielmehr konnte nur eine Programmautomatik gewählt werden, deren Kennlinie von der aktuellen Brennweite abhing.
Im Modus DEPTH musste der Fotograf durch Antippen des Auslösers nacheinander auf zwei Entfernungen fokussieren, dann ermittelte die Kamera den kleinsten Blendenwert, bei dem beide Entfernungen im Schärfebereich liegen und stellt die Fokussierung passend dazu ein.
Die Belichtungskorrektur konnte im Bereich von ±5 LW eingestellt werden, die Belichtungszeit von 30 s bis s in ½-LW-Stufen. In der Einstellung blub blieb der Verschluss bis zum Loslassen des Auslösers gedrückt, maximal aber 120 s, wobei das LC-Display die belichtete Zeit anzeigte.
Mit der Taste für Spot-Messung konnte die korrekte Belichtung für den im Sucher markierten Kreis in der Bildmitte allein ermittelt werden, welcher 6,5 % der gesamten Bildfläche ausmachte. Hielt man die Taste bis zum Auslösen gedrückt, dann speicherte die Kamera das Messergebnis.
Die Kamera tastete den DX-Code der Filmpatrone im Bereich von ISO 25/15° bis ISO 5000/38° ab. Die manuelle Einstellung der Filmempfindlichkeit reichte von ISO 6/9° bis ISO 6400/39°.
Autofocus Für den Autofocus konnten nach drücken der blauen Taste zwei Modi gewählt werden, die das Display anzeigte: One Shot Servo Bei One Shot fokussierte das Objektiv nach Antippen des Auslösers einmal und behielt die Stellung bis zum Durchdrücken oder Loslassen bei. Bei Servo versuchte das Objektiv bei angetippten Auslöser permanent zu fokussieren. Dieser Modus war zum Verfolgen von bewegten Motiven gedacht und funktionierte mit den Ultraschall-Objektiven besonders gut, während die Ringmotoren der Teleobjektive oft zu langsam fokussierten, um damit akzeptabel arbeiten zu können.
Filmtransport Nach Drücken der gelben Taste konnte im Sucher ausgewählt werden aus: S – Single Frame Einzelbild C – Continius Serienbild Uhrensymbol Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
Die Bildfrequenz des Filmtransports betrug 3/s und für den Rücktransport eines Films für 24 Aufnahmen gab Canon 10 s Laufzeit an.
Quarz-Daten-Rückteil E Die Rückwand der 650 ließ sich abnehmen und durch ein Data Back ersetzen. An der Kamera gab es neben dem Scharnier acht vergoldete Kontaktflächen, von denen das Rückteil E vier nutzte. An seinem LC-Display konnte man folgende Einblendungen einstellen: Einblendungen Modus AnmerkungenJahr – Monat – TagJapanisches FormatMonat – Tag – JahrAmerikanisches FormatTag – Monat – JahrEuropäisches FormatSechsstellige Zahlbeliebig wählbarVierstellige Bildnummerfortlaufend Dabei konnte die Jahreszahl konnte bis 2029 eingestellt werden. Das Daten-Rückteil benötige eine Knopfzelle vom Typ CR 2025.
Als EOS 650 QD konnte die Kamera bereits mit dem montierten Daten-Rückteil gekauft werden.
Technical Back E