mini|Staatswappen der Republik Portugal Die Außenpolitik Portugals umfasst die Außenpolitik der Republik Portugal. Zuständiges staatliches Organ ist das Außenministerium Portugals mit Sitz im Palácio das Necessidades, einer historischen Palastanlage in der Hauptstadt Lissabon.
Neben der offiziellen Außenpolitik und der Diplomatie Portugals beeinflussen naturgemäß auch andere staatliche und halbstaatliche Einrichtungen und private Institutionen die außenpolitischen Beziehungen Portugals.
Portugal gilt heute, trotz seines vergleichsweise geringen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gewichtes in der Welt, international als verlässlicher und vermittelnder Akteur. Diese vermittelnde Rolle Portugals spiegelt sich in der aktiven Präsenz des Landes in den verschiedensten multilateralen Kooperationsforen oder auch in der Wahl portugiesischer Politiker in internationale Gremien, etwa António Guterres Wahl zum neunten UN-Generalsekretär oder der zweimaligen Wahl José Manuel Barrosos zum EU-Kommissionspräsidenten.Überblick über die Außenpolitik Portugals, Generaldirektor Außenpolitik im Diplomatischen Institut, Außenministerium Portugals, abgerufen am 12. April 2019
Geopolitische Ausrichtung Globale Grundzüge mini|Staaten, in denen Portugal eine Botschaft unterhält (blau) mini|Staaten, die eine Botschaft in Portugal führen (blau) Die Portugiesische Republik verfolgt eine Außenpolitik, die der geografischen, historischen, kulturellen und weltpolitischen Situation Portugals folgt. Sie vermeidet dabei traditionell harte Konfrontationen. Selbst zu Zeiten der innenpolitisch repressiven Estado Novo-Diktatur (1932–1974) vermied das Land außenpolitisch meist direkte Konfrontationen oder gar Aggressionen.
Trotz der seither eingegangenen Bündnisse und Verpflichtungen kann daher die Außenpolitik des seit 1974 wieder demokratischen Portugals mit der inoffiziellen Maxime, „keine Feinde in der Welt“ zu haben, vereinfacht beschrieben werden. Dank der Geschichte Portugals sieht das Land sich zudem als historischer Mittler zwischen den Kulturen und als Vorläufer der Globalisierung, die Europas kulturelle, wirtschaftliche, wissenschaftliche und militärische Vormachtstellung in der Welt ab dem 15. Jahrhundert ermöglichte. So kündigte Portugal zuletzt für die Zeit seiner turnusmäßigen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2021 die Beziehungen zum Nachbarkontinent Afrika als Schwerpunktthema an, mit Bezug auf seine geografische Nähe und seiner vielfältigen und langen historischen Verbundenheit.África será prioridade da presidência portuguesa da União Europeia - „Afrika wird Schwerpunkt des EU-Vorsitzes Portugals sein“, Pressemitteilung des Außenministerium Portugals vom 8. April 2019, abgerufen am 14. April 2019
Neben dem Erbe seiner 500 Jahre langen Kolonialgeschichte wird die Außenpolitik Portugals heute vor allem durch die Mitgliedschaft in der EU, der NATO und der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder geprägt, weitere Schwerpunkte der portugiesischen Außenpolitik sind das Engagement im Iberoamerika-Gipfel und im Mittelmeer-Forum.
Bedeutende Bezugspunkte mini|Der Palácio das Necessidades, Sitz des portugiesischen Außenministeriums Die ältesten und engsten, aber auch konfliktreichsten Beziehungen hat Portugal naturgemäß zu seinem einzigen direkten Nachbarn, das an Fläche und Einwohnern um ein Vielfaches größere Spanien. Die meisten seiner historischen Konflikte hatte das Land daher auch schon vor der Gründung des unabhängigen Königreichs Portugal 1139 mit dem heutigen Spanien auszutragen, mit dem es gleichzeitig bis heute so viele gemeinsame Interessen teilt, wie mit keinem anderen europäischen Land.
Der älteste Verbündete Portugals ist das Vereinigte Königreich. Der Windsor-Vertrag wurde 1386 geschlossen und ist bis heute gültig, womit er das älteste bestehende Bündnis mindestens in Europa, vermutlich auch weltweit darstellt. Der Windsor-Vertrag geht zudem auf ein erstes englisch-portugiesisches Bündnis aus dem Jahr 1275 zurück. Neben Großbritannien kann bis heute auch Frankreich als bedeutendster Partner in der EU gelten, zu dem traditionell vor allem kulturell, aber auch ökonomisch und politisch enge Beziehungen bestehen. Deutschland gehört dagegen vor allem wirtschaftlich zu den wichtigsten Partnern Portugals, während die USA heute zu seinen wichtigsten politischen Verbündeten gehört.
Ein wesentlicher Faktor für die außenpolitischen Beziehungen Portugals ist das Erbe des Portugiesischen Kolonialreichs als erstem tatsächlich erdumspannendem Weltreich der Geschichte, welches vom 15. bis ins 20. Jahrhundert bestand. Die Salazar-Diktatur in Portugal, die insgesamt von 1928 bis 1974 wirkte und strikt am Kolonialreich festhielt, sorgte für zeitweise stark belastete, bis heute aber auch besonders enge Verbindungen. Seit der Nelkenrevolution 1974, die 1975 das weitgehende Ende des portugiesischen Weltreichs bewirkte, und der folgenden kooperativen und freundschaftlichen Außenpolitik Portugals entwickelten sich die Beziehungen zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika und Asien beständig und gelten heute meist als gut bis ausgezeichnet. Diese Kolonialgeschichte, insbesondere vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, ist zudem ein bis heute wirkendes Verbindungsglied zwischen Portugal und Ländern wie China, Indien, Japan oder dem Iran. Das engste Verhältnis besteht dabei zu Brasilien: begründet in der langen gemeinsamen Geschichte und der traditionellen, inzwischen auch gegenseitigen Migration verfügen die beiden portugiesischsprachigen Länder über tiefgehende wirtschaftliche, kulturelle und politische Verbindungen auf allen Ebenen.
Ein weiterer Faktor der internationalen Beziehungen Portugals ist seine Diaspora, die Auslandsportugiesen. Das Land hat eine lange Auswanderungsgeschichte, so dass heute die Zahl der Auslandsportugiesen sehr viel größer ist als seine Einwohnerzahl von etwa 10 Mio. Das portugiesische Außenministerium ging Ende 2017 von etwa 15 Millionen portugiesischstämmigen Menschen im Ausland aus,Informação tratada é importante para conhecer a realidade dos 15 milhões de portugueses e lusodescendentes - „Aufbereitete Information ist wichtig, um die Wirklichkeit der 15 Millionen Portugiesen und Portugiesischstämmigen zu kennen“, Artikel vom 29. Dezember 2017 der Zeitung Diário de Notícias da Madeira, abgerufen am 3. Januar 2018 andere Quellen gehen unter Einbezug der Enkelgeneration von weit über 30 Millionen aus.Há 31,2 milhões de portugueses no mundo - „Es gibt 31,2 Millionen Portugiesen in der Welt“, Artikel im Nachrichtenportal des portugiesischen Fernsehsenders TVI, abgerufen am 3. Januar 2018 In verschiedenen Ländern wie Brasilien, Luxemburg, Südafrika, Venezuela, den USA oder der Schweiz stellen Portugiesen teils bedeutende Minderheiten, die damit auch die Handelsbeziehungen und die Außenpolitik Portugals beeinflussen.
Außenpolitische Institutionen Diplomatie und Außenpolitik mini|Portugals Botschaft in der spanischen Hauptstadt Madrid Das Außenministerium Portugals ist das staatliche Organ für die portugiesische Außenpolitik und u. a. für die Diplomatie Portugals zuständig.
Das Land unterhält weltweit rund 70 ständige Botschaften und eine Vielzahl Konsulate und Generalkonsulate. Dazu kommen noch Vertretungen bei internationalen Organisationen.
Ebenfalls von Bedeutung in der portugiesischen Außenpolitik ist die Mitgliedschaft in einer Reihe multilateraler Foren, darunter in der Mittelmeerregion das Mittelmeer-Forum, der 5+5-Dialog und die Union für den Mittelmeerraum, innerhalb der EU die Arraiolos-Gruppe, die Douzelage und die European Charter, oder auch global die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder und ihre verschiedenen Unterorganisationen. Zudem ist Portugal NATO-Gründungsmitglied und wirkt aktiv in den verschiedenen NATO-Initiativen und Einsätzen mit. In den UNO-Unterorganisationen entwickelt Portugal ebenfalls besondere Aktivität, insbesondere in der UNESCO, aber auch in zahlreichen anderen UN-Gremien. So war António Guterres von 1995 bis 2002 Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, bevor er 2017 zum UN-Generalsekretär gewählt wurde. Ebenfalls zu nennen ist die Wahl António Vitorinos zum Generalsekretär der UN-Migrationsorganisation im Jahr 2018.
Neben der Außenpolitik der Portugiesischen Regierung verfolgt das Portugiesische Parlament eine eigene, unabhängige Außenpolitik, die sich vor allem in den portugiesischen Parlamentariergruppen, in gegenseitigen Staatsbesuchen der Parlamentspräsidenten und Abgeordneten, und anderen, nicht-exekutiven Initiativen des Informationsaustausches und der Beziehungspflege zeigt.
Städte- und Gemeindepartnerschaften Neben der Diplomatie auf staatlicher Ebene sind auch die internationalen Kontakte auf kommunaler Ebene von Bedeutung. Wichtigstes Ausdrucksmittel sind hier die Städte- und Gemeindefreundschaften, die portugiesische Kreise (Municípios) und Gemeinden (Freguesias) mit Kommunen in anderen Ländern unterhalten. Diese Partnerschaften und Kooperationsabkommen dienen verschiedenen Zielen, darunter Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer, Kulturaustausch, Wirtschaftsförderung und regionale Integration, logistische, technologische oder materielle Hilfe, gemeinsame Projekte, Jugendaustausch, Europäische Integration oder die Erhaltung und Aufarbeitung gemeinsamer Geschichte, u. a.
Kultur Öffentliche Institutionen mini|hochkant|Das Maskottchen der Expo 98 in Portugal: die vielbeachtete Weltausstellung in Lissabon 1998 gilt international als ein wirtschaftlich und baulich erfolgreiches Beispiel der Stadtentwicklung durch Großveranstaltungen Das 1992 gegründete, staatliche Kulturinstitut Instituto Camões ist der kulturelle Botschafter Portugals in der Welt. Es ist der Vereinigung der europäischen Kulturinstitute angeschlossen und hat seinen Sitz an der Avenida da Liberdade in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Das Instituto Camões unterhält Förderprogramme, Kooperationen, Lektorate und Sprach- und Kulturzentren in über 60 Ländern auf allen fünf Kontinenten.
Damit ist das Instituto Camões ein wichtiger Entwicklungsmotor der Portugiesischsprachigen Welt. Daneben spielen auch eine Vielzahl anderer Initiativen eine Rolle bei der Annäherung der portugiesischsprachigen Welt, etwa die internationalen Kanäle des öffentlich-rechtlichen portugiesischen Fernsehens RTP, namentlich RTP África für die afrikanischen Länder portugiesischer Sprache und RTP Mundo, dessen Programm sich insbesondere an portugiesischstämmige und Portugalinteressierte Menschen in aller Welt richtet. Auch offizielle Unterstützungsprogramme und Kooperationen wie die der Biblioteca Nacional de Portugal mit den Nationalbibliotheken der portugiesischsprachigen Staaten in Afrika reiht sich in diese internationale Kulturpolitik Portugals ein.
Die vielbeachtete Weltausstellung 1998 in Lissabon brachte dem Land eine international besonders wirkungsvolle Darstellungsmöglichkeit, ebenso die portugiesischen Kulturhauptstädte Europas Lissabon (1994), Porto (2001) und Guimarães (2012), 2027 wird eine weitere, noch nicht bekanntgegebene Stadt in Portugal Kulturhauptstadt Europas.
Die Tourismusbehörde Turismo de Portugal (Visit Portugal) untersteht dem Wirtschaftsministerium Portugals und betreibt das Marketing für den portugiesischen Fremdenverkehr, der wirtschaftlich von weiterhin steigender Bedeutung für das Land ist. Dieses internationale Marketing und die Präsenz von Visit Portugal mit Büros in 21 Ländern und auf internationalen Tourismusmessen (wie der ITB in Berlin) ist dabei auch ein Faktor der Außenwirkung des Landes.Eigen-Informationen von Visit Portugal auf der Website von Turismo de Portugal (deutsch), abgerufen am 3. Mai 2019
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