Der Tierpark Hagenbeck (ehemals Hagenbecks Tierpark) ist ein Zoo in Hamburg. Der im Stadtteil Stellingen gelegene Tierpark ist ebenso wie das 2007 daneben eröffnete Tropen-Aquarium Hagenbeck in Familienbesitz. Er geht auf die im Jahr 1863 von Carl Hagenbeck sen. begründete Carl Hagenbeck’s Handels-Menagerie am Spielbudenplatz im Stadtteil St. Pauli zurück, die 1866 von Carl Hagenbeck jun. zum Neuen Pferdemarkt verlegt wurde. Am 7. Mai 1907 eröffnete Hagenbeck den weltweit ersten Tierpark ohne Gitter am jetzigen Standort außerhalb der Stadt.Carl Hagenbeck: Von Tieren und Menschen, Leipzig 1927 Der Tierpark gehört mittlerweile zum Hamburger Bezirk Eimsbüttel, wird im Volksmund zumeist nur als Hagenbeck bezeichnet und von Richard Germer mit Geh’n wir mal zu Hagenbeck besungen.
Park mini|links|Ehemaliger Haupteingang Die Parkanlage umfasst 19 Hektar und bietet ein Wegenetz von mehr als sechs Kilometern Länge. Neben vielen Freigehegen gibt es im Tierpark Hagenbeck viele Pflanzen aus aller Welt zu besichtigen.
Der ehemalige Haupteingang zum Tierpark nach einem Entwurf des Theaterarchitekten Moritz Lehmann wurde 1907 mit der Eröffnung des Parks eingeweiht. (Lehmann wirkte 1899 auch an der Gestaltung des Zoologischen Gartens Berlin mit.) Die Tierfiguren am Tor entstanden nach den Modellen des Düsseldorfer Bildhauers Josef Pallenberg (* 6. August 1882; † 26. Juni 1946), der auch die Vorlagen für die Saurier-Figuren im Tierpark erstellt hatte.Schautafel "Historischer Haupteingang" am Tor. Mit der Umgestaltung des Parks von 2003 verlor das Tor seine Funktion. Es wird als Baudenkmal in der Liste der Kulturdenkmäler in Hamburg-Stellingen (Objekt-ID 19877) geführt.
Zu erreichen ist der Tierpark Hagenbeck mit Bussen und der U-Bahn-Linie U2 – er liegt an der Haltestelle Hagenbecks Tierpark.
Status und Organisation Der Tierpark befindet sich im Privatbesitz zweier Linien der Familie Hagenbeck und ist der einzige Großzoo Deutschlands, der ohne regelmäßige staatliche Beihilfen auskommt. Im Tierpark sind 170 Mitarbeiter sowie zusätzliche Saisonarbeiter tätig. Die täglichen Betriebskosten betragen 41.000 €, darin enthalten sind Futterkosten von 2000 €.Der zerrissene Tierpark. Hamburger Abendblatt, Das Magazin zum Wochenende, 8./9. August 2020.
Da die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern der durchschnittlich 6.000 Besucher pro Tag lediglich die Kosten für den laufenden Betrieb decken, wurde 1998 zur weiteren Unterstützung Hagenbecks der Verein der Freunde des Tierparks Hagenbeck gegründet. Ebenfalls der Unterstützung verschrieben hat sich die Stiftung Tierpark Hagenbeck.
1997 wurde der gesamte Tierpark Hagenbeck in die Denkmalliste der Stadt Hamburg eingetragen.Historie – Zeitreise mit Hagenbeck, Tierpark Hagenbeck Gemeinnützige Gesellschaft mbH.Denkmalliste, Hamburg, Behörde für Kultur und Medien, 5. April 2013, Seite 1869.
Leitung Nach dem Tod von Tierpark-Gründer Carl Hagenbeck 1913 hatten seine Söhne Heinrich Hagenbeck (1875–1945) und Lorenz Hagenbeck (1882–1956) die Leitung inne, wobei Lorenz insbesondere den Circus Carl Hagenbeck aufbaute und führte.
1945 wurde Carl-Heinrich Hagenbeck (1911–1977), Sohn Heinrich Hagenbecks, Tierpark-Leiter. Ab 1956 führte er die Geschicke gemeinsam mit dem von Lorenz Hagenbeck abstammenden Dietrich Thomas Hagenbeck (1933–1982).
Bis zu seinem Tod im Jahr 1982 war Dietrich Thomas Hagenbeck Leiter des Tierparks, anschließend übernahmen dessen Tochter Caroline Hagenbeck (1959–2005) und deren Onkel 3. Grades Carl Claus Hagenbeck (* 1941) die Geschäftsführung. In einem Gesellschaftervertrag wurde festgelegt, dass die auf Heinrich und Lorenz Hagenbeck zurückgehenden Familienzweige jeweils eine Person in der Tierpark-Leitung stellen.
Caroline Hagenbeck schied 1989 aus der Geschäftsführung aus, ihre Nachfolge trat ihr Ehemann Joachim Weinlig-Hagenbeck (* 1956) an. 2004 übergab Carl Claus Hagenbeck an seinen Schwiegersohn Stephan Hering-Hagenbeck (* 1967). Hering-Hagenbeck war vorrangig für die Zoologie, Weinlig-Hagenbeck für das Kaufmännische zuständig. Im Sommer 2012 kehrte Carl Claus Hagenbeck in die Tierpark-Leitung zurück, Hering-Hagenbeck rückte auf den Posten des zoologischen Direktors und blieb dies bis 2018. Schon vor Carl Claus Hagenbecks Rückkehr 2012 waren zwischen ihm und Weinlig-Hagenbeck öffentlich Meinungsverschiedenheiten ausgetragen worden. Im April 2015 schieden beide aus der Geschäftsführung aus, die zunächst von Hering-Hagenbeck und Weinlig-Hagenbecks Tochter Friederike Hagenbeck übernommen wurde. Ab Juni 2015 führten dann Friederike Hagenbeck und Bettina Hagenbeck (Tochter von Carl Claus Hagenbeck) die Geschicke. Laut Hamburger Morgenpost lagen beide „im Clinch“, 2020 gaben sie die Geschäftsführung ab.
Am 1. April 2020 übernahmen Dirk Albrecht und Ludgar Patt die Leitung des Tierparks. Patt schied im Juni 2020 wieder aus, Albrecht, ein Vertrauter von Carl Claus Hagenbeck, blieb im Amt. In der Folge kam es zu Zerwürfnissen zwischen Albrecht und Teilen der Belegschaft. Mehrere Tierpfleger kündigten. Zum Jahresende 2024 geht Albrecht in Rente.
Seit Januar 2025 wird der Tierpark von einer Doppelspitze geleitet. Beide Geschäftsführer waren zuvor bereits bei Hagenbeck tätig: Guido Westhoff war Zoologischer Direktor, Walter Wolters Leiter des Wildgeheges Klövensteen.
Geschichte Der Fischhändler Gottfried Hagenbeck (1810–1887) kaufte 1848 einigen Finkenwerder Fischern Seehunde ab und präsentierte sie in Hamburg-St. Pauli der Öffentlichkeit. Die Hamburger kamen zahlreich, um die Tiere zu sehen. 1866 übernahm sein ältester Sohn Carl Hagenbeck (1844–1913) mit 21 Jahren das Geschäft und baute es aus. Er eröffnete 1874 ein größeres Geschäft am Neuen Pferdemarkt 13 und nannte dieses „Hagenbeck’s Thierpark“.
Völkerschauen mini|Adolph Friedländer: Plakat für eine Lappen-Völkerschau bei Carl Hagenbeck 1893/94 Um 1900 wurden Afrikaner und Indianer in Völkerschauen in Hagenbecks Tierpark gezeigt, wozu es in einem Teil des Parks eigene Kulissen gab. Kommerziell waren diese Völkerschauen überaus erfolgreich. Auf der anderen Seite standen die geringen Entlohnungen der Dargestellten, die teilweise unter falschen Versprechungen angeworben wurden. Angeblich sollen Menschen sogar gegen ihren Willen entführt worden sein. Auch die medizinische Betreuung war mangelhaft: Eine vierköpfige Eskimo-Familie starb an Pocken, da sie nicht rechtzeitig geimpft wurde.Regina Kusch: Der König der Tiere: 100. Todestag des Zoodirektors Carl Hagenbeck. In: Deutschlandradio Kultur. 14. April 2013 Carl Hagenbeck war der in finanzieller Hinsicht erfolgreichste Veranstalter der Völkerschauen. 1906 hatte Carl Hagenbeck genug Geld mit den Völkerschauen verdient, um seine Pläne eines neuen Tierparks umsetzen zu können.mini|links|Kaiser Wilhelm II. begegnet einer Gruppe Äthiopier bei einer Völkerschau im Tierpark Hagenbeck (1909) Von den Feuerländern überlebten nur wenige, die wieder die Heimreise antreten konnten. Diese brachten die Tuberkulose mit, aufgrund der bis etwa 1970 zahlreiche Personen des Volkes starben.
Zirkus und Standortausbau 1887 eröffnete Carl Hagenbeck seinen ersten Zirkus, in dem später auch dressierte Löwen gezeigt wurden. 1896 erfand er eine Zooanlage ohne Gitter. Diese Erfindung wurde zum Patent angemeldet. Zum ersten Mal konnten die Tiere in einer annähernd artgerechten Umgebung gezeigt werden. 1897 kaufte Carl Hagenbeck Grund im damals preußischen Stellingen (ab 1937/38 zu Hamburg). Sein Plan wurde nach jahrelanger Bauzeit 1907 mit der Eröffnung des Tierparks Hagenbeck umgesetzt. Der Bau einer artgerechten Umgebung für die Tiere im Zoo wurde von vielen anderen Zoos übernommen. Die Söhne Carl Hagenbecks, Lorenz und Heinrich Hagenbeck, führten das Werk ihres Vaters fort. Von 1909 bis 1913 beförderte die Rundbahn im Hagenbeckschen Tierpark mit der Borsig-Dampflok Drache pro Jahr jeweils etwa 100.000 Fahrgäste. 1909 eröffnete Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg die Straußenfarm. mini|Rundbahn mit 600 mm Spurweite im Hagenbeckschen Tierpark 1916 gründete Lorenz Hagenbeck den „Circus Carl Hagenbeck“, der weite Teile der Welt bereiste. 1928 erschien der Dokumentarfilm Bei Carl Hagenbeck in Stellingen der Vera-Filmwerke. 1937 wurde der Tierpark unter der Leitung Heinrich Hagenbecks wesentlich erweitert und neu gestaltet. Im selben Jahr entstand eines der bis heute modernsten Elefanten-Freigehege der Welt.
Im Jahre 1943 wurde während der Operation Gomorrha der Park durch Fliegerbomben zu etwa 70 % zerstört. Neun Mitarbeiter und zahlreiche Tiere starben. Nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden auch indische Elefanten von Hagenbeck zur Trümmerbeseitigung und zum Wiederaufbau im Zoo und auch in der Innenstadt eingesetzt. Nur mit großen finanziellen Investitionen der Familie Hagenbeck konnte der Zoo wieder erbaut werden. Er wurde größer und mit mehr Platz für die Tiere neu gestaltet. 1947 ließ die britische Besatzungsmacht zahlreiche Tiere als Zwangsleihgabe für den Londoner Zoo verschiffen.
Nachkriegszeit Ab 1953 produzierte der norddeutsche Fernsehsender NWDR mit Peter Kuhlemann als zoologischem Moderator im Tierpark – noch vor der TV-Reihe Ein Platz für wilde Tiere mit Bernhard Grzimek – 31 Folgen der Fernseh-Zooreihe Was weiß man schon von Tieren – Geh’n wir mal zu Hagenbeck.Vgl. englischsprachige IMDb, Hans Thiel – Im Fernseh-Zoo „Was weiß man schon von Tieren“, https://www.imdb.com/title/tt6615490/ ; abgerufen am 11. Dezember 2019.
Besondere Aktionen seit den 1950er Jahren waren Konzerte, die von Emil Köhrmann ins Leben gerufenen Kinderfeste sowie Indische Elefantenfeste. Letztere werden seit 1984 als Dschungelnächte vermarktet. Der Zoo hat bis in die Nacht hinein geöffnet, Aktionen waren u. a. Feuerschlucker, Elefantenreiten, Musik und Tanz aus verschiedenen Kulturen, bis dann der Abend durch das Bengalische Feuerwerk abgeschlossen wird.Gretzschel, Matthias, Pelc, Ortwin: Hagenbeck Tiere, Menschen, Illusionen, Axel Springer Verlag, 1998, S. 129. Auch wurden einige Sonderausstellungen gezeigt, wie im Winter 1992/93 Dinomation – Die Dinosaurier sind zurück, im Winter 1993 Die Wale und im Sommer 1995 Elefant und Mensch.Gretzschel, Matthias, Pelc, Ortwin: Hagenbeck Tiere, Menschen, Illusionen, Axel Springer Verlag, 1998, S. 130. Es folgten dann die Romantischen Nächte im Tierpark.
mini|Delfinvorführung Mitte der 1980er Jahre: Großer Tümmler 1971 wurde ein Delphinarium eröffnet, in dem Delfine (Großer Tümmler), Seelöwen und Ende der 1970er auch ein Schwertwal gezeigt wurden. Im Juni 1993 kam es zu Protesten vor dem Haupttor gegen die Tierhaltung in Zoos.Gretzschel, Matthias, Pelc, Ortwin: Hagenbeck Tiere, Menschen, Illusionen, Axel Springer Verlag, 1998, S. 128 Proteste von Tierschützern, Unrentabilität und der Tod des jungen Tümmlers „Sindbad“ während einer Vorführung im Jahr 1992 führten dazu, dass das Delphinarium 1995 geschlossen wurde. Ein Jahr später wurde es abgerissen.
Der Sala am Birma-Teich ist ein Geschenk des thailändischen Honorargeneralkonsuls in Hamburg Wolfgang Krohn und wurde 2002 von Maha Chakri Sirindhorn eingeweiht. 2003 wurde der Haupteingang an die Koppelstraße in unmittelbarer Nähe zum U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark der U-Bahn-Linie U2 verlegt, an deren Zugang ein nepalesischer Pagoden-Tempel steht. Das historische Jugendstil-Tor bleibt neben dem Bärengehege als historisches Ensemble erhalten. Im November 2006 eröffnete der Tierpark eine neue Elefanten-Freilaufhalle. 2007, zum 100-jährigen Jubiläum des Tierparks Hagenbeck, wurde das auf über 8.000 Quadratmeter große Tropen-Aquarium eingeweiht. Beide Gebäude befinden sich in unmittelbarer Nähe zum neuen Haupteingang.
Zwischen 2007 und 2018 war der Tierpark Gastgeber und Handlungsort der NDR-Fernsehserie Leopard, Seebär & Co.